Verschnaufpause!

Es ist vollbracht – Klausuren geschafft!

Letztendlich war es doch relativ einfach, auch wenn ich vor der ersten Klausur mehrere Heulattacken durchstehen musste und schließlich nach vier erquickenden Stunden Schlaf im Prüfungsraum saß. Dementsprechend fit fühlte ich mich. Ich rannte sicher achtmal aufs Klo, um mir kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen, erfuhr aber leider erst in der zweiten Klausur, dass jeder Klogang genauestens protokolliert wird. Da ich jedoch noch nicht wegen eines Betrugsversuchs angeschrieben worden bin, gehe ich davon aus, dass die Prüfer mich einfach nur für die Frau mit der kleinsten Blase der Welt hielten und damit komme ich klar!

Die zweite und dritte Prüfung konnte ich schließlich antreten, ohne mehrmals in den Nächten davor voller Panik hochzuschrecken und letztendlich um fünf Uhr früh hellwach zu sein (die Prüfungen waren um 9). Der Freund hat mich nämlich jedes Mal zuverlässig zu wecken versucht, was den kleinen Komplex beruhigte, den mir meine Mutter eingeredet hat. Ich sag nur „VERSCHLAF BLOSS NICHT OH MEIN GOTT WENN DU VERSCHLÄFST WERDEN WIR ALLE STERBEN DU WIRST SICHER VERSCHLAFEN AAAHHH!“ Das hat seit meiner Kindheit dazu geführt, dass ich tatsächlich kaum verschlief – weil ich nämlich gar nicht mehr schlafen konnte.
Aber, oh Wunder: Sobald ich wusste, dass man mich wecken würde, war das Problem erledigt.

Ich hoffte also, dass die zweite Prüfung nicht so stressig sein würde. Sie war es aber doch. Und diese Erkenntnis lief in drei Phasen ab:

1. Kurz vor Erhalt der Prüfung: Nervosität angesichts der unvorhergesehenen Prüfünungsfragen.
2. Lesen der Prüfungsfragen. Der Gedanke: „Joah, das kriege ich hin“. Kurzzeitige Erleichterung.
3. Der Gedanke, für die Beantwortung fünf – F-Ü-N-F – Stunden aufbringen zu müssen. Anschließender innerer Kollaps!

Im ernst, Leute: Die schöne Gewissheit, die Prüfungsfragen beantworten zu können, war überhaupt nichts mehr wert, wenn mir klar wurde, wie UNFASSBAR MÜHSAM es sein würde, so lange Zeit am Stück daran arbeiten zu müssen! Das ist doch unmenschlich! Und wofür?! Für 5% von der Endnote!!!

So lange habe ich seit dem Abi nicht mehr schreiben müssen und ich hoffe inständig, dass es nun das allerletzte Mal war für immer!

Die nächsten Prüfungen sind dann mündlich, aber das beste ist, dass sie erst im Dezember sind! Also kann ich mich jetzt erstmal entspannen. Es ist ekelhaft, aber ich FREUE mich richtig darauf, im Oktober richtig viel arbeiten zu gehen! Besoffene Gäste, besoffener Chef, besoffenes Ich – alles besser als diese Tortur.

Aber weil leider nicht nur die Klausuren geschafft sind, sondern auch ich, steht jetzt erstmal Urlaub an. 5 Tage Spanien mit dem Freund bei hoffentlich immer noch sonnigen Wetter, denn es geht an den Strand und ich habe absolut kein schlechtes Gewissen dabei, dort nichts, aber auch gar nichts zu tun! Und dann geht es endlich auch hier weiter.

Ich habe dutzende Beiträge auf Halde, die darauf warten, geschrieben oder fertiggestellt zu werden, zuviele, um mich entscheiden zu können, was als erstes raus soll. Weil ich leider zu blöd bin, eine Umfrage einzubinden, muss ich es deshalb so fragen:
Was würdet ihr gerne als nächstes von mir lesen? Hier ein paar größere Themengebiete:

1. WG-Zeig (neue Nachbarn, alte Mitbewohner)
2. Urlaubsscheiß (USA, Trampen)
3. Comiczeug
4. Was ganz anderes, und zwar…

Kommentiert wild, auch wenn ich das erst am Freitag lesen werde, denn dieses Mal bleibt der Laptop zuhause!

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Mathe

Ich betrachte etwas entsetzt die Uhrzeit, die als Zeitpunkt der Abgabe an die Tafel im Prüfungsraum geschrieben worden ist.

Ich: „Äh – die Prüfung dauert SECHS STUNDEN?!“

Sekretärin: „Nein, fünf.“

Ich: „Oh, ups, stimmt. Naja… ich schreibe ja nicht in Mathe, haha.“

Sekretärin: „Nein, die schreiben ja noch kürzer.“

 

Jap. Genau das wollte ich damit sagen -.-

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PS: Prüfung lief gut!!! Nächste Woche wird härter…

 

 

ICH REGE MICH JA GAR NICHT AUF!!!

Der Freund und ich kucken „Malcolm Mittendrin“. Lois keift mal wieder rum.

 

Ich: „Gott, diese Frau ist so ein *hier sehr stark dialektales Wort einfügen*.“

Freund: „Was ist denn ein *dialektales Wort*?“

Ich: „Puh… schwer zu übersetzen. Jemand, der immer so laut ist, sich zu viel aufregt, ein Trampeltier.“

Freund: „…“

Ich: „Was grinst du mich denn jetzt so doof an?“

This argument is valid III

Die Mitbewohner spielen Computer und sind süß besoffen.

Mitbewohner David: „Robiiin, was machst du noch?“

Ich: „Ich wollte grad Zigaretten holen gehen.“

Mitbewohner David: „Gehst du uns ein Sixpack Bier kaufen?“

Ich: „Nee, ich wollt nur um die Ecke zur Kneipe.“

Mitbewohner David: „Aber… die Tankstelle ist doch genauso weit.“

Ich: „Das stimmt nicht, die ist viel weiter.“

Mitbewohner David: „Aber… Bier und… vielleicht Eis?“

Ich: „Boah, Leute…!“

Mitbewohner David: „Wenn… wenn du bis zur Tankstelle gehst, dann kriegste auch deine Schritte für heute voll.“
(Anmerkung: Ich zähle meine Schritte nicht.)

Ich: „Tze, nee, dafür reicht’s lange nicht!“

Mitbewohner David: „Aber, wenn das ja nicht so weit ist, dann… dann kannst du ja auch einfach hingehen und Bier kaufen.“

Ich: „…“

Mitbewohner David: „…“

Ich: „Boah, das war astrein argumentiert, du Arschloch!“

Mitbewohner David: „Hihihi.“

Ich: „Das war jetzt aber ungeplant, oder?“

Mitbewohner David: „…ja.“

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This argument is valid
This argument is valid II

Innenwirkung – Außenwirkung

Ich: „In letzter Zeit fällt mir irgendwie bei jedem Blick in den Spiegel auf, was ich da eigentlich für einen riesigen Zinken habe.“

Mitbewohner David: „Hm.“

Ich: „Gefällt mir wirklich gar nicht. Das verunsichert mich total.“

Mitbewohner David: „Hm.“

Ich: „Aber dann denk ich mir: Du bist in deinem Leben schon so oft beleidigt worden, aber noch nie hat jemand was wegen deiner Nase gesagt. Also kann’s ja nicht so schlimm sein.

Mitbewohner David (plötzlich munter): „Wow, das ist ein richtig gutes Kriterium! Das macht richtig Sinn, wenn man sich das so überlegt!“

Ich: „Finde ich auch!“

Fazit: Ich mache mir keine Gedanken mehr über meine Nase – jedenfalls, bis ich mir eine OP leisten kann.

Goooooo to the USAAA! – Part 2: Capitalism, bitch.

Wir haben also einen Hin- und Rückflug in die USA für 280 Euro bekommen. Als hinterfragend-kritischer Mensch fragt man sich da natürlich kritisch, wie das überhaupt geht.

Noch bevor wir endgültig buchten, habe ich dahingehend recherchiert. Dadurch fand ich ziemlich als erstes heraus, dass die Urlaubspiraten taffe Leute sind, die sich auf Angebotsfehler der Airlines stürzen wie die Geier. Sprich: Hat irgendein armer Mensch, der dafür vermutlich im Nachhinein den Arsch grandios aufgerissen bekommt, beim Eintippen der neusten Flugangebote irgendwo eine Null vergessen oder gar gleich ganz, einen Preis anzugeben, dann finden die Urlaubspiraten das und hauen es sofort in den Äther raus. Hat man dann Glück und sieht diesen Hinweis, bevor die Airlines es tun, kann es passieren, dass man für völlig umsonst fliegt.

Bei uns war es aber kein Fehler, sondern schlicht ein sogenannter Gabelflug. Das bedeutet, dass wir nicht vom selben Flughafen zurück fliegen, an dem wir angekommen sind. In unserem Fall kommen wir in New York an (okay, eigentlich ist es New Jersey – aber psst), unser Rückflug geht aber ab Washington D.C..
Was uns jetzt wirklich nicht groß stört. Wir wollen nach ein paar Tagen in New York eh nen Roadtrip machen. Und selbst wenn das nicht so wäre: Von NY nach Washington fahren unfassbar günstige Busse.

Trotzdem ist das ja schon irgendwie komisch, nech? Aber es geht noch geiler. Als ich unsere Tickets anhimmelte, fiel mir unvorstellbarerweise auf, dass unser Rückflug doch tatsächlich in New York zwischenlandet. Man ziehe sich das bitte mal rein: Der Flug von Amerika nach Deutschland ist gerade deshalb so günstig, weil wir nicht von New York aus fliegen, aber letztendlich sind wir zwischenzeitlich doch in New York.
Unglaublich, dachte ich, und probierte aus, wie viel es wohl gekostet hätte, wenn wir den selben Flug nehmen, aber erst in New York zusteigen würden.

Ergebnis: Der Flug wäre 200 Euro t-e-u-r-e-r.

Da kann man sich doch nur an den Kopf fassen. Jeder normale Mensch würde vermuten, dass ein kürzerer Flug billiger sein müsste. Immerhin könnte die Airline dann die Plätze von Washington nach New York an andere Menschen verkaufen und mehr Geld machen. Aber nee. DAS ist Kapitalismus, Leute. Kapiert keine Sau.

Und offensichtlich ist das irgendwie normal, wie ich dann herausfinden sollte, als ich einer Freundin davon erzählte. Die reagierte darauf völlig stoisch, denn sie wusste folgende unbegreifliche Begebenheit zu erzählen:

Sie war in Frankreich in Urlaub und suchte nach Flügen zurück nach Deutschland. Sie fand einen Flug in eine Großstadt nahe der Heimat, allerdings war der sehr teuer. Sie suchte also weiter und fand einen Flug, der in eine Großstadt ging gut eine Stunde Fahrzeit entfernt von der nahen Großstadt, aber 100 Euro billiger war. Nach kurzem Ringen siegte der schmale Geldbeutel und sie buchte Flug 2.
Als sie sich nun einen Tag vor dem Flug ihr Ticket ansah, bemerkte sie, dass sie mitnichten einen Flug bis in Großstadt 2 gebucht hatte. Nein, der Flug endete in Großstadt 1 und der Rest der Strecke wurde per ICE zurück gelegt. Sie saß in EXAKT dem selben Flugzeug, das sie auch bei Flug 1 bestiegen hätte, nur dass der Flug MIT einer einstündigen Fahrt in einem Hochgeschwindigkeitszug 100 Euro BILLIGER WAR ALS OHNE.

Logischerweise ist sie dann nicht in diesen blöden Zug Richtung weiter entfernte Großstadt gestiegen, sondern ist directamente vom Flughafen nach Hause gefahren. Und den ganzen Flug über musste sie sich schwer zusammen reißen, nicht jeden Fluggast zu fragen, ob er die teurere Variante gebucht hatte oder die billigere.

Da fällt man doch wirklich vom Glauben ab!

Darüber kann man sich nun entweder tierisch aufregen oder es schweigend genießen (oder, naja… einen Blogbeitrag drüber schreiben). Allerdings gibt es offensichtlich kein Angebot, das gut genug wäre, um nicht doch noch drüber zu meckern. So war vor ein paar Tagen für wenige Stunden ein Hin- und Rückflug in die USA über die Urlaubspiraten verfügbar, der sogar noch weniger als 200 Euro kostete.
Und da gibt es dann Kommentatoren, denen nichts besseres einfällt, als sich darunter darüber auszulassen, dass die Reisedauer bei solchen Flügen etwas höher ist. „Dann lieber einen Direktflug zum regulären Preis“ – holy shit. Wie viel ist der reguläre Preis, ca. 600 Euro mehr? Und das nur, um drei, vier Stündchen zu sparen? Wenn man so pingelig ist, warum treibt man sich überhaupt auf solchen Seiten rum?

Aber zurück zu normalen Leuten – also mir. Jedenfalls freute ich mich trotz allem über das Schnäppchen, bis Mitbewohner Dave die Bühne betrat. Der wäre im Leben nicht mitgeflogen, also haben wir ihn auch nicht gefragt. Das schien ihn jedoch zu nerven. Beleidigt wies er uns darauf hin, dass so ein billiger Flug ja eine mehr als beschissene Ökobilanz hätte. Etwas, an das ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht so wirklich gedacht hatte. Und außerdem sei es ja irgendwie nicht in Ordnung, von Fehlern der Airlines zu profitieren und überhaupt.

Nun, ich sehe das nicht so. In unserem Fall ist es ja kein Fehler, sondern saudummer Kapitalismus. Was natürlich im übertragenen Sinne schon ein Fehler ist. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man ein fehlerhaftes System nur dadurch zum Einsturz bringen kann, wenn man denen, die es gemacht haben, immer wieder seine Fehlerhaftigkeit in die Fresse haut. Wenn das System einen fickt, muss man zurück ficken.

Ist ja auch nicht so, als würde irgendein Managertyp, der achtzigmal im Jahr in die USA und zurück jettet, sich um seine Ökobilanz scheren.

Eine beschissene Weihnachtsgeschichte

Wenn man feststellt, dass die größte Tradition, derer man im eigenen Blog frönt, ein jährlicher angepisster Beitrag zu und über Weihnachten ist. Enjoy!

Weihnachten bei Familie Urban
2013. Auch im Hause Urban gibt es Traditionen. Nach einem einmaligen, unglaublich grauenhaften Ausflug in Würstchen-mit-Kartoffelsalat-Gefilde gibt es dieses Jahr wieder das volle Festtagsprogramm: Reh, Klöße, Rotkohl. Das Reh bekommt mein Onkel von einem befreundeten Jäger und legt es schon Tage vorher ein. Es ist so zart, wie das Fleisch von langsam ausgebluteten Engeln sein muss.

Ich hasse den Ausdruck „gefräßiges Schweigen“, aber der passt auf meine Familie sowieso nicht. Irgendjemand hat immer gerade lange genug gekaut, um nach der Soße zu brüllen, mehr Wein zu fordern oder meiner Oma zu sagen, dass sie sich endlich hinsetzen soll, weil die keine fünf Minuten aushält, ohne etwas zu putzen. Und nachdem die Frauen den Tisch abgeräumt haben (-.-), hat auch der letzte den Mund endlich frei.

Leider.

Denn als wir da gerade so sitzen, alle vollgefressen wie die Schweine im Glanze des künstlichen Weihnachtsbaumes, den meine Oma sich vor Jahren gegen den Protest der gesamten Familie zugelegt hat, fängt mein Onkel aus heiterem Himmel an, über Asylanten zu reden.

Ich seufze innerlich. Damals war grade Lampedusa. 10 Wochen nach dem Unglück war der Unfall immer noch in allen Medien.

Onkel: „Ja, ne, is klar, hier her kommen und dann Sozialhilfe kriegen.“
Anderer Onkel: „Genau.“
Onkel: „Unsereins reißt sich den Arsch auf.“

Missbilligendes Schnalzen meiner Oma wegen „Arsch“. Ich starre in mein Weinglas. Halt einfach die Fresse, Robin, denke ich.

Onkel: „Was die alles kriegen! Zum Beispiel *random Geschichte die wahr sein könnte oder aber auch nicht über einen Immigrant, der angeblich ungerechtfertigterweise zu viel Hartz IV oder sonstwas bekommen hat*“

Fresse, Robin, denke ich.

Onkel: „Sollen die doch daheim bleiben, diese Molukken, diese…“
Tante: „Ach, Frank…“
Onkel: „Molukken, immer nur die Hand aufhalten…“

Ach, scheiß drauf, denke ich resigniert.

„Weißte, die kommen nicht hier her, weil sie Sozialhilfe wollen, sondern weil sie Angst um ihr Leben haben,“ sage ich. Ungläubiges Gelächter von den billigen Rängen. „Oh klar, klar!“ zischt es zynisch.

„Ja, voll klar. Meinst du, die gehen gerne von zuhause weg?“
„Ja sicher, nix leisten und…“
„Hallooo, das sind FLÜCHTLINGE!“
„Dann sollen se halt woanders hin! Immer müssen wir alles bezahlen! Sollen se halt kucken, wo se bleiben!“
„Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Wir haben mehr als genug Geld, um ein paar Asylanten aufzunehmen!“

An dieser Stelle läuft mein anderer Onkel knallrot an. „Ja – das ist aber Geld, das von UNS Arbeitern kommt und nicht von SCHMAROTZERN!!“

Man sieht regelrecht den Geifer spritzen. Und dabei fällt sein hasserfüllter Blick auf MICH.

Ich hebe die Augenbrauen. Dieser Seitenhieb ist ja fast schon zu billig, dabei auch ohne Substanz. Zugegeben, ich bin Langzeitstudentin – aber ich habe noch nie in meinem Leben Befög bezogen, Wohngeld bekommen oder sonst in irgendeiner Weise staatliche Unterstützung. Nein, ich habe einen Kredit, den ich irgendwann ganz alleine zurück zahlen darf und gehe arbeiten. Ich Schmarotzer, ich. Während dieser empörte Arbeiterstolz meinem Onkel, der sich alle drei Jahre einen neuen BMW kauft, nicht so wirklich gut zu Gesicht steht. Aber wer möchte da schon den ersten Stein werfen…

Jedenfalls beschließe ich, auf diese gezielte Provokation nicht einzugehen, denn mein Onkel pöbelt schon wieder. Er muss so viel schuften, die tun gar nichts, Sozialschmarotzer, Assis, Kanaken, Molukken, bla-bla-BLA.

Und an der Stelle gesellt sich dann heiliger Zorn zu meinem ohnehin nicht sonderlich friedvollen Gemüt. Waren es doch immerhin genau DIESE Menschen, die mich unbedingt katholisch erziehen mussten.

„Leute, geht’s noch?! Es geht hier um Menschen, die aus dem Krieg flüchten und die man STERBEN LÄSST, statt ihnen zu helfen! Und ihr hetzt auch noch über die! Ihr solltet euch was schämen! Mein Gott, ey, und das an Weihnachten!!“

Ja, Weihnachten, dieses Fest, an dem alle in der Messe ganz arg nasse Augen kriegen, wenn es darum geht, dass unser Erlöser doch tatsächlich in einem elendigen Stall zur Welt kommen musste (tatsächlich war’s eine Höhle) und das auch noch im Winter (eigentlich war’s Sommer), dieses arme Bübele!

Drei ganze Sekunden lang herrscht absolute, verblüffte Stille. Wenn auch meine gesamte Familie keinen sachlichen Argumenten zugänglich ist – von der einzigen Nicht-Christin am Tisch so zurecht gewiesen zu werden, macht alle sprachlos. Dann schnaubt mein Onkel sarkastisch, verzichtet jedoch auf weitere Diskussionen. Das Gespräch wendet sich anderen Themen zu.

Aber, wisst ihr… das Essen war gut…

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Jedenfalls: Dies ist neben der Versicherung meiner Oma bei unserer letzten Begegnung, ich sei für alle eine einzige Enttäuschung, mit ein Grund, weshalb ich mich dieses Jahr entschlossen habe, nicht heim zu fahren, sondern allein in meiner WG zu bleiben und mich vollzufressen. Ich werde mich also demnächst in die Küche begeben und kochen. Es gibt:

– Champignoncremesuppe
– Rouladen, Klöße und Rotkraut
– Häagen-Daz-Eis, Geschmacksrichtung Karamell-Brownie

Und für später dann noch Backcamembert und Datteln in Speckmantel – nur um sicher zu gehen, dass ich nicht vom Fleisch falle. (Das Ganze garniert mit einer Feiertagsportion schlechten Gewissens, weil ich wenigstens den Anstand habe, mich in Angesicht eines voll gedeckten Tisches beim Gedanken an all den Hunger in der Welt ein bisschen zu schämen statt über die zu hetzen, die sowieso nichts haben. Essen tu ich’s aber natürlich trotzdem :/ )

Dazu allerlei festtagstauglicher Medienkonsum, auf den ich mich noch einigen muss. Ich liebäugle ein bisschen mit einem „Herr der Ringe“-Marathon, aber irgendwie hätte ich auch mal wieder Bock auf „Matrix“.
Oder lieber doch weihnachtlich mit „Stirb langsam“ oder „Gremlins“? Hach, diese Entscheidungen!

Jedenfalls steht auch ne Flasche Jack Daniel’s im Kühlschrank. Ihr wisst schon – aus Gründen.

All meinen Lesern frohe Weihnachten und was geiles zu essen, behaltet eure geistige Gesundheit und lasst euch beschenken! ICH jedenfalls hab ja schon eine Batman-Tasse bekommen! Tja – da kuckt ihr!!

Zum Schluss ein bisschen Besinnlichkeit:

Darüber habe ich ohne Scheiß wirklich tagelang gelacht.

Das Elend der vergangenen Weihnacht:
Weihnachten ist scheiße
„Trotzdem frohe Weihnachten…“
Alle Jahre wieder: Fröhliche Scheiß-Weihnacht!