Bitte jetzt alle kopflos im Kreis rennen

Die AfD ist in den Bundestag eingezogen. Überrascht hat das nur diejenigen, die die letzten Wochen ganz fest die Augen zugemacht oder bis gestern geglaubt haben, die hundertste Wahlaufforderung in der streng begrenzten Filterbubble könnte genug Nichtwähler mobilisieren, um sie doch noch unter 5 Prozent zu drücken.

Das ist nicht passiert – und die einzig akzeptierte Reaktion darauf scheint kopflose Panik zu sein.

Können wir damit bitte aufhören?

Twitter ist ja nun mit seiner Begrenzung auf 140 Zeichen ein inhärent polemisches Medium, aber das ist keine Entschuldigung für die Reaktionen, die seit gestern überall aufploppen – zumal ich sicher bin, dass die meisten diese überspitzten Ansichten auch genau so ins echte Leben tragen.

Reflexartig werden die Schuldigen identifiziert und gnadenlos gehetzt, seien es nun Ostdeutsche, Männer, ostdeutsche Männer, Leute, die Witze über Frauen machen, die Piraten mit ihren 0,4 Prozent etc.pp. Gleichzeitig werden positiv gemeinte Durchhalteparolen im Stil von „87 Prozent haben nicht AfD gewählt“ brutal nieder gebrüllt – das sei ja typisch deutsch, sich jetzt zu den „Guten“ zu zählen, während Nazis im Parlament sitzen, obwohl es doch eigentlich eher diese aktuelle Weltuntergangsstimmung ist, die mir sehr deutsch daher kommt.

Konkrete Lösungsvorschläge (abseits von netten Ideen wie der Adoption eines Stolpersteins) sucht man vergeblich. Die sind auch gar nicht möglich, wenn jeder Versuch, die AfD-Wähler zurück zu gewinnen, als Anbändeln mit Rassisten verstanden wird. „Jetzt sollen wir plötzlich deren Nöte ernst nehmen? Nö.“ Sind ja auch alles Nazis und Nazis sind unbelehrbar. Warum es dann trotzdem traditioneller Teil antifaschistischer Arbeit ist, Aussteigerprogramme zu ermöglichen, erschließt sich mir nicht, genauso wenig wie die Frage, warum bei 13 Prozent Vollblut-Nazis in Deutschland die NPD nicht schon seit Jahrzehnten im Bundestag sitzt.

Ich finde es scheiße, dass die AfD so stark ist. Aber linke Massenhysterie kann ja wohl kaum die Lösung sein. Fakt ist: Sie wird in Zukunft viel zu viel von unseren Steuergeldern bekommen, um ihre Abgeordneten auszustatten, was zum Kotzen ist. Fakt ist aber auch: Mit 13 Prozent ist sie nur eine Oppositionspartei und kann alleine überhaupt nichts entscheiden. Vermutlich wird sie ihre Stimmen hauptsächlich darauf verwenden, um bei allen sinnvollen Abstimmungen dazwischen zu grätschen.

Einige scheinen wirklich zu glauben, dass es höchstens noch eine Woche dauert, bis die ersten KZs eröffnet werden – dabei ist das Schlimmste, was passieren kann, vier Jahre Stillstand im Parlament. Ob es aber überhaupt so weit kommt ist nicht gesagt, denn nur einen Tag nach der Wahl beginnt die AfD bereits, sich selbst zu zerlegen. Auch das war abzusehen.

Es bleiben ihre Wähler. Wer die nun komplett abschreibt, hat resigniert und nimmt ein ähnliches Ergebnis für die nächste Wahl schon jetzt billigend in Kauf. Das, sowie Beißreflexe gegen alle, die nach politischen Lösungen suchen, kann ja wohl kaum die Antwort sein.

„Ihre Sorgen ernst nehmen“ – mit nichts haben die Kanzlerin oder Sahra Wagenknecht gestern zu verstehen gegeben, dass sie nun Politik gegen Flüchtlinge machen wollen. Trotzdem wurden ihre Aussagen genau so interpretiert und ordnungsgemäß verteufelt. Dabei kann das lediglich heißen (und ich bin sicher, dass es so gemeint war), dass man sich darum kümmern muss, irrationale Ängste aus den Weg zu räumen, egal wie dumm sie scheinen mögen.

Ängste übrigens, die in einem politischen Klima allgemeiner Gefühligkeit gewachsen sind. Wer beispielsweise ständig behauptet, dass sich Frauen aus Furcht vor sexuellen Übergriffen kaum noch auf die Straße trauen, obwohl alle Kriminalstatistiken aussagen, dass unser Leben noch nie so sicher war wie jetzt, der muss sich nicht wundern, wenn Leute eine schreckliche Gefahr durch Flüchtlinge herbei phantasieren, die es so nicht gibt.

Es heißt auch, allen Menschen eine Lebensgrundlage zu schaffen, auf der Neid (vor allem nicht gegen solche, die noch weniger haben) nicht gedeihen kann. Wer finanziell abgesichert ist und nicht ständiger Existenzangst ausgesetzt, dem fällt es leichter, großzügig und hilfsbereit zu sein. Es wäre schön, wenn das kein Kriterium für ein bisschen simple Empathie wäre, aber man muss nun mal mit dem arbeiten, was man hat.

Vor allem aber bedeutet das Ergebnis für alle Parteien auch, nicht einfach weiter zu machen wie bisher. Die meisten AfD-Wähler haben sie aus Protest gewählt. Das ist zwar unfassbar idiotisch (als gäbe es keine nazifreien Alternativen zu den etablierten Parteien), dient aber jetzt trotzdem hoffentlich als Wecksignal. Die Parteien müssen personelle Konsequenzen ziehen (Schulz, der gestern quengelndes Kleinkind spielte und keinen einzigen konkreten Verbesserungsvorschlag präsentieren konnte, darf zum Beispiel gerne weg) und sich auf ihre Kernkompetenzen besinnen.

Katja Kipping beispielsweise hat das in der Berliner Runde gestern versucht, indem sie das Thema „soziale Gerechtigkeit“ ausführen wollte, wurde dann aber von der Moderation grob mit den Worten „zurück zur AfD“ abgebügelt. Die selbe Moderation wehrte sich nur Minuten später vehement gegen den Vorwurf, über jedes Stöckchen der AfD zu springen und das Flüchtlingsthema unverhältnismäßig aufzublasen. Leider stimmt es aber nun mal doch und die Medien tragen daher eine Mitschuld, woraus sie hoffentlich auch Konsequenzen ziehen werden.

Man muss außerdem sehen, was im Osten schief läuft, statt eine neue Mauer um Sachsen zu fordern. Als Witz taugt das halbwegs, aber nicht, wenn man daraus keine Lehren zieht. Ich bin absolut keine Expertin für Ostdeutschland, aber selbst ich weiß, dass sich die Heilsversprechen nach der Wiedervereinigung für viele Ossis ins Gegenteil verkehrt haben. Das ist umso mehr schade, wenn man bedenkt, dass der Mauerfall immer noch eines der großartigsten Ereignisse in der Geschichte der Menschheit darstellt.

Die nächsten Jahre werden nicht leicht – aber es ist nicht so hoffnungslos, wie viele es (gerne?) darstellen. Es gibt Lösungswege – man muss sie nur gehen, statt dagegen zu polemisieren, weil einem das schon wieder nicht radikal hysterisch genug ist. Welche Lösung diese Leute zu präsentieren hätten, die jetzt jeden attackieren, der nicht kopflos im Kreis rennt, nur um am Ende wieder dort anzukommen wo er war, möchte ich mir auch gar nicht vorstellen.

Mir ist klar, dass jeder einzelne Satz dieses Artikels aus dem Kontext gerissen, verhöhnt und als neue Rechtfertigung für Nazis verstanden werden kann – allein schon deshalb, weil er nicht betroffen genug ist. Daran krankt letztendlich die linke Bewegung und wird so zum Teil des Problems.

Da sind mir Lösungen lieber. Packen wir es an.

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Zur Wahl von Donald Trump – eine Analyse

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Inspiriert hiervon. Danke, Warren Ellis.

Meta-Nazi

Langsam könnte man echt neidisch werden! Die Relevanz der guten Erzählmirnix ist inzwischen unbestreitbar, denn wieder hat sie es geschafft, ins Zentrum der Twitter-Aufmerksamkeit zu rücken.

Dieses Mal fanden wohl einige Feministinnen ihr Comic zu einen angedachten Schutzgesetz für Prostituierte ganz toll, während andere das zwar AUCH toll fanden, aber halt nicht, wenn es von dieser untollen Person kommt. Ergo: Egal wie toll man etwas findet, von generell untollen Personen teilt man keine Comics.

Soweit, so alltäglich. Leider. Nun scheinen dieses Mal aber einige nicht eingesehen zu haben, warum Erzählmirnix untoll sein soll, weshalb einige von denen, die das schon immer gewusst haben wollen, sich hinsetzten und eine Liste all ihrer Schrecklichkeiten auf Pastebin (was auch immer das ist) zusammentrugen. Diese wurde dann willfährig auf Twitter verbreitet, um Erzählmirnix‘ Followern und allen, die es wagen, ihre Comics zu teilen, zu zeigen, wie gar furchtbar sie doch ist (leider (chrchr) mit dem gegenteiligen Effekt, der ja auch üüüüberhaupt nicht voraus zu ahnen war). Sie selbst hat diese Liste mit dem wohlklingenden Namen „Diskriminierende Scheisze bei Erzählmirnix“, die manch Nichteingeweihter unbedarft für ein Best-of halten könnte, auch natürlich fix verbloggt und kommentiert.

Man muss diese Leistung, die hinter dieser Liste steckt, fast bewundern, denn Erzählmirnix kategorisiert ihre Comics selbst leider überhaupt nicht. Man stelle sich also eine oder mehrere Personen vor, die in geduldigster Kleinarbeit ihren gesamten Blog runterscrollen und hunderte ihrer Comics nach „diskriminierender Scheisze“ durchforsten.
Dass dabei doch nur so wenig gefunden wurde, spricht dabei jetzt nicht wirklich für die Ausgangsthese. Und betrachtet man die beanstandeten Werke, kommen erst Recht Zweifel am gesamten Projekt. So wird es wohl beispielsweise vermutlich auf ewig das Geheimnis der Erstellerinnen dieser Liste bleiben, was am antirassistischen Comic „Weil dieser Satz immer scheiße endet“ so besonders rassistisch sein soll.

Während also Twitter tobte, fiel mir eine Person in meiner Timeline auf, die zunächst einen unangebrachten Vergleich zwischen Erzählmirnix und Fefe in Zweifel zog, dann aber bei Ansicht der Liste sofort seine Konsequenzen zog: „Erzählmirnix entfolgt und geblockt“.
Es entspann sich eine kurze Diskussion mit einem anderen User, während dieser dann die erste Person als Erklärung einen Comic postete, der in der Liste unter „Rassismus und Bagatellisierung rechter Ideologie“ zu finden war.

Dies möchte ich nun zum Anlass nehmen, um ein wenig Interpretation zu betreiben, des Deutschlehrers täglich Brot. Der ein oder andere mag jetzt genervt aufstöhnen, aber wenn ihr bis zum Ende durchhaltet, werdet ihr mir vielleicht zustimmen, dass dies einer der wenigen Fälle sein dürfte, in denen ein Witz tatsächlich witziger wird, wenn man ihn erklärt!

Also sehen wir uns das beanstandete Werk doch mal an (mit freundlicher Genehmigung von Erzählmirnix):

erzählmirnix

Die Person hatte seine Interpretation schnell gefunden:

Tja… „oder so“, ne.

Es mag wenig überraschen, dass ich dieser Deutung in keinster Weise folge, weil sie unstimmig und unsinnig ist.

Wieso? Dazu sollte man sich die Frage stellen: Wie interpretiert man richtig?

Betrachtet den Comic. Schüler würde man jetzt langwierig beschreiben lassen, WAS hier zu sehen ist, aber da das nicht sonderlich schwer ist, verzichte ich darauf jetzt mal. Von dieser reinen Ist-Beschreibung, die noch keinerlei Deutung enthalten sollte, springen wir also direkt weiter zur eigentlichen Interpretation.

Bei einer solchen – und es ist egal, ob es sich dabei um einen Prosatext, ein Gedicht oder wie in diesem Fall ein Comic handelt – ist es unerlässlich, sich den Sender, in diesem Fall die Autorin, anzusehen. Dazu ist der Kontext wichtig. Das trifft auf die Bewertung jedes möglichen heiklen Sachverhalts zu (und das Thema Nationalsozialismus ist IMMER heikel). So macht es selbstverständlich einen Unterschied, ob ich als Historikerin das N-Wort in einer Zitation in einem geschichtswissenschaftlichen Text verwende oder ob es unreflektiert in einem Kinderbuch auftaucht. Auch ist es was anderes, ob ein CDU-Politiker es während eines peinlichen Interviews von sich gibt oder ein schwarzer Rapper in einem Song über Rassismus.

Der Kontext ist hier schwierig, weil keiner mitgeliefert wird und der Comic dreieinhalb Jahre alt ist (das muss man sich mal reinziehen!!). Man muss sich also am Sender abarbeiten, denn natürlich würde es eine Rolle spielen, ob sowas von einem NPD-Vorsitzenden gezeichnet wird oder halt von einer Erzählmirnix.
Was wissen wir über sie? Oft kontrovers, vertritt sie doch beim Thema Nationalsozialismus und Rassismus eine ganz klare Linie, wovon nicht zuletzt das Comic zeugt, dass sie als Startcomic zu ihrem Blog gewählt hat. Da ich sie als Bloggerin seit Jahren verfolge, komme ich zu einer komplett anderen Deutung, die nicht mit ihrer Intention übereinstimmen MUSS, die aber WESENTLICH sinniger ist.

Ach, machen wir’s doch kleinschrittig: Was sehen wir hier?
Panel 1: Person A mag eine Blume.
Panel 2: Person B teilt ihr mit, diese sei von einem Nazi gepflanzt.
Panel 3: Person B wird verbal aggressiv, Person A kann nur stammeln.
Panel 4: Beide verschwinden, die Blume wurde offensichtlich zertrampelt.

Ließe man den Sender außer acht, würde ich @Walsonde für seine Interpretation tatsächlich noch eine 3 geben („oder so“). Aber auch ohne Sender macht er hier einen eklatanten Fehler: Er hält die Aussage von Person B für wahr. Zusammen mit der dargestellten Aggression und den harten Vorwürfen gegenüber Person A, für die „Diese Blume ist eine Naziblume“ offensichtlich eine neue Information ist, darf dieser Wahrheitsgehalt jedoch durchaus angezweifelt werden. Und nimmt man nun DOCH den Sender hinzu und bedenkt Erzählmirnix‘ Einstellung zu Nationalismus und allgemein, drängt sich mir folgende Interpretation auf:

Hier wird einerseits die Aggressivität kritisiert, mit der Menschen begegnet wird, denen wichtige Informationen fehlen und die daher diese Aggressivität bzw. den unterstellten Verwurf der „Mittäterschaft“ nicht verdient haben. Und andererseits – der für mich wesentlich wichtigere Punkt – die Haltung, das Label „Nazi“ nicht in Zweifel zu ziehen, obwohl es dafür keinerlei Beweise gibt.

Dieses Comic karikiert demnach die in einigen linken Kreisen kursierende reflexhafte Abwehrhaltung gegenüber dem Nationalsozialismus, die dahingehend übertrieben ist, dass selbst der pure Vorwurf des Nationalsozialismus so große Panik verursacht, dass es schon als Affront und irgendwie rechts gilt, Beweise für diesen Vorwurf zu verlangen.

Dieser Comic nun wird als Beleg für Erzählmirnix‘ Schlechtigkeit herangezogen, denn die betreffende Person liest darin eine Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen, denn „es war ja nicht alles schlecht bei Nazis“ („oder so“). Eine unstimmige und unsinnige Interpretation, die er nur tätigt, weil er den Sender außer Acht lässt und der linken Panik erliegt, alles, was VIELLEICHT „Nazi“ sein könnte, von dem man sich nicht sofort und aufs Heftigste distanziert, könne irgendwie auf magische Weise abfärben.

Ein Comic, das er so negativ und falsch las, weil es in einer Liste auftauchte, die es unreflektiert als „Nazi“ labelte.

Ein Comic, das genau diese Labelung und die hysterischen Reaktionen darauf zum Thema hat.

Moment.

Ähm…

Jaaaa…

Kapiert?

Das ist so meta – und UNFASSBAR WITZIG.

Und als finale Pointe:

erzählmirnix2

Tja..!

Schulsport – ein Hurra auf ein unbeliebtes Fach

Guten Morgen, Robin! Da hab ich doch glatt eine Diskussion auf Twitter verpasst, welche die Gemüter hochkochen lässt, denn zu etwas, was jeder schon mal erlebt hat (bzw. erleben musste), hat natürlich auch jeder eine Meinung. Das Thema sind die Bundesjugendspiele! Ausgelöst wurde das durch folgenden Tweet:

Inzwischen ist die betreffende Petition tatsächlich ins Leben gerufen worden, aber das hat der Diskussion natürlich keinen Abbruch getan. Mittlerweile scheint sich das Thema teils auf Sport in der Schule allgemein ausgeweitet zu haben.

Ich finde es hochinteressant, in welch schöner Regelmäßigkeit dieses Thema hochkocht. Die perfekte Gelegenheit, endlich auch meine Meinung dazu in die Welt zu posaunen!

Ich werde mich hierbei aber hauptsächlich auf den Schulsport an sich konzentrieren, weil ich darüber schon seit längerer Zeit intensiv nachgedacht habe. Meine Meinung zu der Petition kommt am Schluss!

Warum überhaupt Schulsport?

Bei diesem Thema taucht über kurz oder lang immer die Frage auf, was Sport in der Schule überhaupt zu suchen hat, denn immerhin ist das nichts, was einem in irgendeiner Form im späteren Berufsleben nützlich ist.

Abgesehen davon, dass dieses Argument auf so ziemlich alle Fächer zutreffen kann, je nach dem, welchen Berufsweg man einschlägt, sehe ich den Sinn der Schule nicht in einer rein utilitaristischen Ausrichtung, nur dazu da, die Schüler als Humankapital für den Arbeitsmarkt vorzubereiten. In meinen Augen sollte die Schule breitgefächertes Wissen vermitteln, mit dem man im Alltag bestehen kann (mit der Option, manche Teilgebiete vertieft zu behandeln) und den Schülern gleichzeitig die Möglichkeit geben, ihre individuellen Talente zu erkennen.

Darüber hinaus muss das Schulfach Sport gerade in den letzten Jahren immer mehr Auswüchse eindämmen, die in unserer bewegungsarmen Gesellschaft leider auf dem Vormarsch sind. Die Kleinkinder von heute schneiden im Bereich Koordinationsvermögen deutlich schlechter ab als die Eltern- und Großelterngeneration im selben Alter. Gründe hierfür sind beispielsweise die fortschreitende Technisierung (die schon für die Kleinsten viele Alternativen zum „Draußen spielen“ bietet), der Leistungsdruck (der von den Eltern auf ihre Kinder projiziert wird – wenn der Wonneproppen später auf dem harten Arbeitsmarkt bestehen will, muss er schon frühstmöglich mit allen denkbaren Kursen gefördert werden, was dann leider zu Lasten der freien Spielzeit geht) und eine überbehütete Erziehung (durch genau die Eltern, die in ihrer eigenen Kindheit noch ganz andere Erfahrungen machen durften).

Das führt dann leider dazu, dass Kinder heute nicht mehr auf Baumstämmen balancieren können, keinen Purzelbaum mehr hinkriegen und es nicht schaffen, ein paar Meter Rückwärts zu laufen.
Naja… gibt schlimmeres, ne? Dafür haben sie immerhin auch weniger blaue Flecken oder gar Knochenbrüche, die man sich zwangsläufig zuziehen kann, wenn man draußen rumrennt, statt daheim in alle Ruhe PC zu zocken oder Geige zu üben.
Leider hat diese Art der Überprotektion eine ganze Reihe massiv negativer Nachteile, die den meisten Eltern überhaupt nicht bewusst sind. Dazu habe ich vor einiger Zeit einen wirklich ausgezeichneten SPON-Artikel gelesen. Auszug:

Statt nach der Schule dann ein, zwei Stunden im Freien zu toben, wie es Kinder und Jugendliche bräuchten, ziehen sie sich lieber zurück, vor Fernseher, Computer, Spielkonsole. Der daraus resultierende Bewegungsmangel ist Risikofaktor für praktisch alles: Soziale Interaktion mit anderen Kindern und Lernvermögen leiden. Zu wenig Bewegung lässt das Selbstvertrauen sinken, psychische Probleme nehmen zu. „Unsportliche Jugendliche erkranken fünfmal öfter anDepressionen als sportlich aktive“, berichtet der Grazer Kinder- und Jugendmediziner Peter Schober, „und ihr Suchtrisiko ist höher.“ Sogar ein Zusammenhang mit ADHS ist wahrscheinlich. So verbesserte sich der Zustand von aufmerksamkeitsgestörten Kindern, die der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther mit viel Bewegung und Herausforderung therapiert hatte, auch ohne Tabletten dramatisch – zwei Monate mit viel Arbeit auf einer Almhütte und käsen lernen hatten gereicht.

Unter dem Natur- und Bewegungsdefizit leidet die Gesundheit unserer Jugend. Kopf- und Rückenschmerzen, Haltungsschäden, Übergewicht und Essstörungen sind auf dem Vormarsch. Und Bewegungsmangel schafft Bewegungsprobleme: „Bei drei von vier verunfallten Kindern spielen motorische Defizite eine Rolle“, fasst Schober die Studienlage zusammen. Die Angst vor Beulen und die ständige Sorge um das Kindeswohl erschaffen letztlich also erst, was sie verhindern wollten: mehr Verletzungen, mehr seelisches Leid, mehr körperliche Probleme.

Link zum Artikel (Das Zitat befindet sich auf Seite 3, der Artikel ist aber in Gänze lesenswert!)

Schulsport ist für viele Kinder, kleine wie große, heutzutage oft die einzige Bewegung, die abgesehen von kleineren Fußstrecken oder (natürlich elterlich überwachten) Besuchen auf dem Spielplatz von ihnen gefordert wird. Wie so oft muss hier die Schule also einspringen, um Möglichkeiten zu bieten und Fertigkeiten zu vermitteln, welche die Kinder eigentlich ganz nebenbei im normalen Alltag lernen sollten.

Darum ist das Fach Sport nicht nur nicht unwichtig, sondern im Gegenteil sogar dringend nötig. Was uns dann aber zur nächsten Frage führt.

Warum kein Schulsport ohne Benotung?

Sehr viele sind der Ansicht, dass Sport durchaus weiterhin Schulfach bleiben sollte, aber die Benotung komplett abgeschafft gehört. Immerhin haben nicht alle Schüler das gleiche Talent für Sport. Schwache Schüler sollten also vor der negativen Erfahrung bewahrt werden, eine schlechte Note zu kassieren, selbst wenn sie sich sehr anstrengen! Wenn also eine Bewertung, dann höchstens die Mühe betreffend, die Schüler sich geben, unabhängig vom Endergebnis. Aber am besten doch gar keine Noten!

Soll das so sein? Dazu muss ich ein bisschen ausholen:

Ich studiere ja auf Lehramt, was bedeutet, dass ich neben meinen beiden Hauptfächern noch als drittes Fach Erziehungswissenschaften belegen musste, das ich bereits abgeschlossen habe. Überraschenderweise habe ich mich nicht nicht durch meine Seminare geschlafen, ohne das ein oder andere zu lernen.

Einer der wenigen Inhalte, die ich nicht für komplett nutzlos für die Lehrerausbildung erachte, war die sogenannte „Theorie der multiplen Intelligenzen“, die von dem Erziehungswissenschaftler und Psychologen Howard Gardner formuliert worden ist. Er geht davon aus, dass jeder Mensch nicht eine, sondern neun Intelligenzen in verschieden großer Ausprägung besitzt. Diese sind:

– Sprachlich-linguistische Intelligenz
– Logisch-mathematische Intelligenz
– Musikalisch-rhythmische Intelligenz
– Bildlich-räumliche Intelligenz
– Körperlich-kinästhetische Intelligenz
– Naturalistische Intelligenz
– Interpersonale Intelligenz
– Intrapersonelle Intelligenz
– existentielle-spirituelle Intelligenz

Wir kennen das ja aus Rollenspielen, egal ob Pen&Paper oder Computerspiel: Erstellt man am Anfang seinen Charakter, kriegt man eine Palette an Fähigkeiten, die für das Spiel notwendig sind, und eine gewisse Anzahl Punkte, die man auf diese Fähigkeiten verteilen kann. Die Punkte sind so bemessen, dass es unmöglich ist, einen perfekten Charakter zu erstellen, der in jeder einzelnen Disziplin brilliert. Man muss sich also entscheiden: Wenn der Charakter beispielsweise ein Meister der Magie sein soll, kann er nicht gleichzeitig ein herausragender Krieger sein. Ein Ass im Schwertkampf kann nicht außerdem den Bogen perfekt beherrschen. Und so weiter! (Natürlich kann die Punkte auch gleichmäßig auf alle Fähigkeiten verteilen, aber dann hat man halt einen profillosen, langweiligen Charakter. Also… für’s Spiel.)

Natürlich hat Gardners Theorie auch ihre Kritiker. Ich selbst bin sehr unglücklich über die Bezeichnung „Intelligenzen“, da ich Intelligenz unabhängig von individuellen Fähigkeiten für einen übergeordneten Wert halte und im vorliegenden Fall lieber von „Begabungen“ spreche. Aber ob man seiner Einteilung nun folgt oder nicht, gibt diese Theorie dennoch nicht nur Impulse bei der Entwicklung von Lehr-Lern-Einheiten (vulgo „Unterrichtsstunden“ 😀 ), sondern hat auch meinen Blick für die spezifischen Probleme jedes einzelnen Schülers geschärft.

Jahrelang war ich der gleichen Ansicht, die ich am Anfang dieses Punktes zusammen gefasst habe. Gerade in der Grundschule habe ich in Bezug auf den Sportunterricht nicht eine einzige positive Erinnerung. Ich war langsam und ein bisschen moppelig, traute mich nicht, ein Rad zu schlagen, was während einer denkwürdigen Schulstunde in einem Heulkrampf meinerseits endete, weil mich alle anderen deswegen auslachten, und war überhaupt sehr schlecht im Turnen.
Das änderte sich erst allmählich, bis ich mit der Zeit plötzlich sogar eine der Besten im Sport war. Die Inhalte waren anders (Mannschafts- oder Ballsportarten statt Leichtathletik und dieses dämliche Turnen) und in der Oberstufe durften wir sogar Sportarten auswählen, die zwei Jahre lang im Kurssystem unterrichtet wurden. Auch da war ich ganz vorne dabei und lieferte Glanznoten ab.

Dennoch: Die frühen Erfahrungen saßen tief. Wie ungerecht, dachte ich noch Jahre nach meinem Abschluss, dass hier Schüler schlecht bewertet werden, obwohl sie nichts dafür können, sportlich unbegabt zu sein.

Es dauerte viel zu lange, bis mir klar wurde, dass dies in jedem Fach der Fall ist.

Während ich in Sport versagte, war ich in der Grundschule die Beste in Mathe. Sowieso lerne ich viel leichter als andere. Ich erinnere mich an den Geschichtsunterricht in der 6. Klasse, in denen der Lehrer einen Schüler pro Stunde mündlich prüfte und ich völlig fassungslos zusah, wie einer nach dem anderen immer wieder in die selbe von ihm gestellte Falle tappte („Fanden die Olympischen Spiele in der Antike AUF dem Olymp oder AM FUSS des Olymps statt?“ – „Äh… auf dem Olymp?“ *headdesk*).
Mir war das unverständlich, ebenso wie ich nicht nachvollziehen kann, wie manche Leute einfache Texte lesen können, ohne zu kapieren, worum es dabei geht. Dafür bin ich eine absolute Niete in technischen Fragen. Ich habe in meiner Unikarriere bestimmt an die 20 Hausarbeiten geschrieben, aber ich muss jedes Mal neu googeln, wie man die Breite der Seitenränder ändert. Ich bin für sowas einfach unbegabt und darüber hinaus interessiert es mich auch einfach nicht. Ich weiß, dass man kucken soll, wo die Strombuchse ist, bevor man einen Nagel in die Wand schlägt, weil von dort aus die Leitungen zu den Steckdosen laufen, und viel mehr wird im normalen Leben Gott sei Dank auch nicht von mir verlangt. Solange ich nicht zu technikdoof bin, meine Playstation zu bedienen, bin ich glücklich!

Ein Schüler mit sportlich-kinästhetischer Begabung verdient genauso seine Erfolgserlebnisse wie ein Schüler, der gut in Deutsch ist oder dem in Mathe alles zufliegt. Sport ist das einzige Fach, dass Schüler mit einem solchen Begabungsschwerpunkt fördert. In jedem anderen Fach reicht es auch nicht aus, sich einfach nur besonders anzustrengen – dafür kriegt man keine gute Note, wenn die Hälfte der Antworten falsch ist. Maximal kann sich das positiv in der Mitarbeitsnote niederschlagen, aber dadurch wird aus einer 5 halt trotzdem keine 2. Und da JEDES Fach im Grunde ein Wettbewerb ist (Notenspiegel!), ist es schlicht nicht einzusehen, warum Sport hier die große Ausnahme sein soll.

Warum ist Schulsport so ein Drama?

Dies ist weder die erste Debatte, die ich zu diesem Thema mitkriege, noch wird es die letzte sein. Mein Eindruck ist, dass hier viele alte Verletzungen zutage treten, denn der Schulsport gehört für einige zu den schlimmsten Erfahrungen der Schulzeit.

Nun scheinen solche Debatten hauptsächlich in Akademikerkreisen stattzufinden – und da drängt sich mir dann ein Klischee auf, das möglicherweise einen wahren Kern hat: die Einteilung von Schülern in genau zwei Gruppen, nämlich Streber und Sportler, wie man sie so oft in amerikanischen Highschool-Filmen beobachten kann.

Nun ist das Leben kein Rollenspiel, das jedem Menschen am Tag der Geburt Fähigkeitspunkte zuteilt. Ich will damit selbstverständlich nicht sagen, dass jeder eine Niete in Sport ist, der einen Uniabschluss erreicht hat. Noch ist jeder Sportler in jedem anderen Bereich ein tumber Depp. Und natürlich gibt es auch genug Leute, die in beiden Bereichen gut sind (oder in beiden Bereichen schlecht). Aber zumindest eine Tendenz scheint sich mir hier abzuzeichnen – vielleicht auch aus Gründen der Erziehung oder Sozialisation, denn im deutschen Bildungssystem spielt Klassismus immer noch in eklatanter Weise eine Rolle.

Das macht die alten Verletzungen natürlich nicht besser. Trotzdem: Nur die wenigsten Menschen sind in allem gut. Jeder hat zumindest ein Gebiet, bei dem er völlig versagt. Aber wenn wir alle Fächer in der Schule streichen, die für einige Schüler aufgrund mangelnder Begabung einfach nur frustrierend sind und keinen Mehrwert bieten, können wir das System „Schule“ gleich ganz abschaffen.

Warum der Schulsport trotzdem eine Reform braucht

Eigentlich braucht ja unser ganzes dämliches Bildungssystem eine Reform, aber beschränken wir uns mal wirklich nur auf den Sport. Hier gibt durchaus es einige Baustellen, denn ich kritisiere nicht den Sportunterricht an sich, wohl aber die dabei verwendeten Methoden.

Möglicherweise werde ich hier von meiner eigenen Abneigung gelenkt, aber mir ist beispielsweise total schleierhaft, wofür Turnen gut sein soll. Natürlich, nur indem man die Kinder turnen lässt, findet man die zukünftigen Olympiastars dieser Disziplinen, aber, äh… sonst?
Diese Form der „Leibesertüchtigung“ geht auf die Kaiserzeit zurück, die sich doch nun wirklich niemand zurück wünscht. Und tragischerweise werden vor allem die Kleinsten mit diesem überhaupt nicht lustigen Müll traktiert. Wir jedenfalls haben in der Grundschule neben ein bisschen Leichtathletik NUR geturnt.
Warum nicht lieber etwas, das Spaß macht? Koordinationsvermögen lernt man genauso gut (oder eher sogar noch besser) beim Kicken, Gummitwist oder anderen Spielen. Bewegungslust im Sinne der Erlebnispädagogik sollte zumindest in der Grundschule überwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, spielerisch vermittelt werden und sich nicht an starren Regeln aus grauer Vorzeit orientieren. Noten kann man trotzdem vergeben.
Und dazu doch mal direkt ein Filmtipp!

Historisch ist das nicht wirklich korrekt und besonders tiefsinnig auch nicht, aber trotzdem ist das ein ganz unterhaltsamer Film (komplett komfortablerweise komplett bei Youtube zu finden!) 🙂

Desweiteren ist absolut nicht einzusehen, warum man die Schüler selbst ihre Mannschaften wählen lässt. Dies ist IMMER ein reiner Beliebtheitswettbewerb und gehört für viele zu den demütigendsten Erinnerungen ihrer Schullaufbahn. Dabei macht dieses System schlicht keinen Sinn. Der einzige, der in der Lage ist, gut durchmischte, leistungsähnliche Mannschaften zu bilden, ist der anwesende Sportlehrer. Also sollte der auch verdammt noch mal seinen Job machen und die Mannschaften selbst zusammen stellen, allem Gemurre zum Trotz.

Auch scheint mir das alltägliche Mobbing im Sportunterricht unterdurchschnittlich oft sanktioniert zu werden. Als ich kein Rad schlagen konnte und deswegen gehänselt wurde, griff der Lehrer erst ein, als ich anfing zu heulen, aber die ganzen dummen Sprüche und das Gelächter meiner Mitschüler hat er stumm hingenommen.
Das ist absolut inakzeptabel. Jeder Schüler, der einen anderen auslacht, weil er beim Vorlesen herumstottert, wird im Deutschunterricht von der diensthabenden Lehrperson mit allergrößter Wahrscheinlichkeit zurecht gewiesen. Warum nicht dasselbe im Sport? Gerade der Mannschaftssport bietet viele Ansatzpunkte zur Vermittlung sozialer Kompetenzen. Diese Chance sollte genutzt und der Solidaritätsgedanke sowie die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls in den Vordergrund gestellt werden.

Und letztendlich – um nochmal den Bogen zum Aufhänger zu schlagen – ist Sport als Wettbewerb an Schulen und auch schulübergreifend bei Großereignissen wie den Bundesjugendspielen zu überrepräsentiert. Warum gibt es Schulsportfeste, aber keine Schreibwettbewerbe? Warum Fußballturniere zwischen Parallelklassen, aber kein Naturwissenschaftsquiz? Das erzeugt den Eindruck, dass sportliche Begabung wesentlich wichtiger sei als alles andere – was nun mal bei all den Chancen, die der Sportunterricht bietet, auch nicht stimmt.

Misserfolg und (De)Motivation

Schulsport muss beibehalten werden, Schulsport gehört benotet wie jedes andere Fach auch – aber was nun, wenn ein todunglückliches Kind von den Bundesjugendspielen heimschleicht, eine Teilnehmerurkunde in der Hand?

„Multiple Intelligenzen“ hin oder her: Es kann kaum das Ziel sein, dieses Kind damit zu trösten, dass es halt einfach nicht gut im Sport ist, dafür aber andere Sachen ganz toll kann. Wie man an mir sehen kann, stimmt das einfach nicht – ICH hatte auch immer nur Teilnehmerurkunden und war später trotzdem ein Ass im Sportunterricht.

Hier muss man das richtige Maß finden zwischen Trost und Ermunterung. Denn die (Fehl)Vorstellung des Kindes, sowieso nie gute Leistungen erbringen zu können, wird mit hundertprozentiger Sicherheit dazu führen, es gar nicht mehr zu versuchen. Mit einer Selbsterfüllenden Prophezeiung dieser Art fördert man das Kind nicht etwa, indem man es dazu bringt, sich auf seine schon sichtbaren Talente zu konzentrieren, sondern nimmt ihm die Chance, sich zu entwickeln und zu verbessern. Andererseits ist es natürlich genauso belastend für das Kind, wenn es seinen Misserfolg allein auf persönliches Versagen zurück führt statt auf (zu diesem Zeitpunkt noch) fehlendes Talent.

Das ist ein Problem, das allerdings in der Kindererziehung bei jedem erdenklichen Misserfolg des Kindes immer wieder auftritt. Um diesen Balanceakt zu meistern kann man wohl keine konkreten Handlungsanweisungen geben, da jedes Kind anders ist. Sicher ist nur, dass noch mehr Demütigung keinen motiviert und man ein Kind gar nicht oft genug in den Arm nehmen kann. Dann sieht auch eine Teilnehmerurkunde nicht mehr ganz so schlimm aus 🙂

Ein kleiner Disclaimer zum Schluss, damit nicht (schon wieder) unbeabsichtigt der Eindruck entsteht, ich wolle hiermit jemanden angreifen: Die Idee zu diesem Beitrag trug ich schon lange mit mir herum, aber auch, wenn ich dem Großteil der Argumentation von „Mama arbeitet“ in ihrer Petition nicht folge, finde ich es trotzdem zum Kotzen, dass sie für ihren Standpunkt offensichtlich teils massiv attackiert wird.
Ich meine, Hallo!?!? Wir haben hier eine Mutter, der das Herz blutet, weil ihr Sohn traurig ist, und die sich Gedanken um eine Lösung macht – wie völlig durch muss man sein, um darauf mit Beleidigungen zu reagieren?!
Mein Beitrag, vor allem aber der erste Punkt, der sich mit schädlichen Erziehungsfehlern befasst, ist allgemein gehalten. In keinster Weise ist dies als Angriff an sie gedacht, denn auch wenn sie auf mich wie eine liebende, besorgte Mutter wirkt, weiß ich trotzdem nicht, wie sie erzieht und daher maße ich mir da auch kein Urteil an.
Und auch wenn ich nicht ihrer Meinung bin hoffe ich natürlich trotzdem, dass ihr Kleiner die Enttäuschung gut wegsteckt 🙂

Edit: Schoppe, immerhin schon ganz richtiger Lehrer, hat den Artikel in seinem Blog kommentiert: Wozu braucht man in der Schule eigentlich einen Körper?

Abtreibung und Beratung. Teil 2: Ein Zwang, der eigentlich nur eine Pflicht ist und manchmal eine Chance sein kann

Teil 1

Die Beratungspflicht vor einer Abtreibung in Deutschland ist von feministischer Seite eigentlich kaum eine Diskussion wert, weil sich hier mal zur Abwechslung alle einig sind: Es handelt sich um eine bevormundende, sexistische Prozedur, eine reine Schikane gegen Frauen, die im besten Fall als Slutshaminng zu bewerten ist, im schlechtesten Fall aber beweist, dass wir offensichtlich immer noch für zu dumm und unselbstständig gehalten werden, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen.
Völlig ausgeblendet werden dabei jedoch Situationen, in denen ein solches Beratungsgespräch für Frauen praktisch lebensrettend sein kann – und die gar nicht zustande kämen, gäbe es keinen „Zwang“ dazu!

Die Frau Rat aus Teil 1 gibt’s eigentlich gar nicht. Ich habe sie erfunden. Genau wie diese Gesprächsprotokolle. Aber es wird wohl hoffentlich niemand abstreiten, dass es da draußen viele MüllerMaierSchmidts gibt, die in ähnlichen Situationen stecken!

Selbstverständlich ist der Beratungspflicht erstmal ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Frau. Allerdings gibt es unzählige Beispiele in unserem Staat, die seltsamerweise trotzdem nicht als „Zwang“ dämonisiert werden. Schulzwang? Gurtzwang? Klingt albern, ne – weil jedem klar ist, dass diese „Zwänge“ als freiheitliche Eingriffe dennoch einen größeren Nutzen als Schaden haben und außerdem die Erfahrung gezeigt hat, dass man hier nicht grundsätzlich auf Freiwilligkeit bauen kann. Das ist demnach absolut nichts ungewöhnliches.

Pflicht gegen den Zwang

Was allerdings zur Frage führt, ob hier überhaupt ein Schaden entsteht? Vor allem der Schwarzer-Feminismus, der noch aktiv gegen ein real existierendes Abtreibungsverbot kämpfen musste, stellte eine Abtreibung als medizinisch zu vernachlässigenden Eingriff dar (gefährlich nur, wenn er von „Engelmacherinnen“ durchgeführt wird). Verschiedene Gruppierungen vor allem aus dem fundamentalistisch-religiösen Bereich dagegen sprechen hier gerne von unsäglichen Traumata, die der Frau bei einer Abtreibung in jedem Fall entstehen. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Eine Abtreibung muss keine große Belastung darstellen, kann aber durchaus aufgrund gesellschaftlicher Umstände psychische Probleme verursachen. Zwangsabtreibungen haben da allerdings nochmal ein ganz anderes Niveau – und genau als solche bewerte ich Abbrüche aufgrund Drucks von außen.

Ein Beratungsgespräch als Pflichtveranstaltung bietet keine Sicherheit, aber wenigstens die Chance, solchen Frauen Hilfe zukommen zu lassen. Hilfe, die Betroffene nicht bekämen, gäbe es keinen Zwang – denn wer eine Frau oder ein Mädchen zu einer Abtreibung zwingt, hat sicher auch keine Skrupel, sie von einem freiwilligen Beratungstermin abzuhalten.

Erfordert es wirklich SO viel Phantasie, sich die drei obigen Szenarios vorzustellen? Ich hätte mir auch ein Dutzend ausdenken können. Man kann nicht einerseits immer behaupten, Frauen seien in unserer Gesellschaft vielfachen Sexismen ausgesetzt, dann aber andererseits felsenfest der Meinung sein, negative Einflüsse von Außen wären ausgerechnet nur bei diesem EINEN Thema nicht existent!

Antiklassistische Solidarität

Unwissenheit über finanzielle Ansprüche (wie in Fall 1) oder andere Vorgänge die Schwangerschaft betreffend (Fall 2) halte ich für einen weiteren Faktor, der in einem Beratungsgespräch eliminiert werden kann. Aber als ich mal zu diesem Thema was bei der Mädchenmannschaft postete, wurde mein Kommentar tatsächlich mit der Triggerwarnung „Klassismus“ versehen und weitere Kommentare nicht mehr freigeschaltet.

Das muss man sich mal reinziehen! Und das mir, die ich selbst von Klassismus betroffen bin!

Im Gegenteil ist es absolut klassistisch anzunehmen, alle Frauen hätten die gleichen Informations- und Handlungsmöglichkeiten und wären in keinem Fall Repressionen ausgesetzt, egal wie jung, ungebildet oder verunsichert sie sind. Die gleichgeschaltete MM-Rhetorik unterscheidet sich dahingehend nicht im Geringsten von der Argumentationslinie der Apologeten unseres sozial undurchlässigen Bildungssystems – nur gehen DIE davon aus, dass persönliches Versagen Aufstiege verhindert („hat sich halt nicht genug angestrengt“), während hier einfach unterstellt wird, jede Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung sei total informiert und ohne Repressionen geschehen. Tja, vor dem Hintergrund haben Frauen, die nach diesem erzwungenen Eingriff leiden, halt einfach die Arschkarte gezogen, weil sie ja angeblich gar nicht existieren. Das ist nicht nur klassistisch, sondern diskriminiert auch noch psychische Erkrankungen!

Ein weiterer schöner Vergleich drängt sich mir da in Bezug auf die Diskussionen um das US-Gesundheitsreform auf. „Warum soll ICH gezwungen werden, Geld in eine staatliche Krankenkasse einzuzahlen? ICH mache das ja sowieso schon privat. Etwa nur um den Pöbel zu unterstützen, der zu dumm ist, sich selbst um seine Vorsorge zu kümmern? Vielleicht haben es solche Leute ja VERDIENT, an Krankheiten zu verrecken, deren Behandlung sie nicht bezahlen können?”
Ja, und vielleicht SOLLEN Frauen, die nicht den Bildungsstand haben, sich selbst durch den bürokratischen Dschungel zu wühlen, ja gar keine Kinder in die Welt setzen? Antiklassismus, Mädchenmannschaftsstyle?

Klar nervt das, zu so einem Gespräch gehen zu müssen, obwohl man selbst den totalen Durchblick über sämtliche Eventualitäten hat. Aber kann man dieses Opfer nicht mal aus Solidarität auf sich nehmen?

Eine Abtreibung ist kein Kindergeburtstag

Ich bin für das Recht auf Abtreibung, das es in Deutschland immer noch nicht gibt. Aber Abtreibungen sind dennoch nichts schönes. Ein solches Statement mag vor fünfzig Jahren von einer Feministin unmöglich gewesen sein, aber heute sind wir doch ein bisschen weiter und sollten auch Dinge ansprechen dürfen, die nicht zur politischen Agenda der 60er Jahre gepasst haben.

Unabhängig von der psychischen Verfassung der Frau wird hier nun mal potentielles Leben zerstört. Das ist schlimm, aber anders als Pro-Life-Spinner werte ich die Persönlichkeitsrechte eines erwachsenen Menschen (der Schwangeren) höher als die eines Zellhaufens, der sich erst zum Mensch entwickelt.
Dass er dies allerdings ziemlich sicher tun wird, wenn man ihn in Ruhe lässt, ist halt auch ein Fakt – und ich der Meinung, dass es keine unzumutbare Last ist, etwa eine halbe Stunde Zeit zu opfern, um die Entscheidung zur Abtreibung in einem Beratungsgespräch zu bestätigen, wenn damit mögliches Leben gerettet werden kann. Zumindest DAS hat der Fötus meiner Meinung nach verdient, egal, was später daraus wird.

Man kann nicht immer nur Rechte fordern, aber jedwede Pflicht, die sich daraus möglicherweise ergibt, konsequent ablehnen. Dazu zähle ich auch den Umstand, Abtreibungen nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt durchführen lassen zu dürfen und danach mit der Entscheidung leben zu müssen. Anders erhält man nämlich am Schluss keine emanzipierten Frauen, sondern verwöhnte Kackbratzen, die darauf insistieren, ihre gesunden Babys bis kurz vor der Geburt umbringen zu dürfen, weil den wankelmütigen Madames vielleicht halt mal ein halbes Jahr zu spät einfallen könnte, dass ein Kind ja jetzt irgendwie doch nicht so gut passt. Ist DAS etwa Eigenverantwortung und Selbstständigkeit?

Dass letztendlich eine Beratungspflicht nur Frauen trifft und sie deshalb sexistisch ist, kann dagegen halt auch kein starkes Gegenargument sein, wenn nun mal nur Frauen schwanger werden können.

Während ich weg war…

Es gibt eine Sache, die für mich schlimmer ist als alles andere: die Schnauze halten zu müssen. Aber genau das habe ich mir selbst auferlegt während meiner Wanderschaft. Zwar habe ich ab und zu in dieses Internet reingesehen – I couldn’t resist – aber mich nicht zu aktuellen Nachrichten etc. geäußert. Das wäre sonst zu ausgeartet und eigentlich hatte ich ja Urlaub.

Darum hole ich das jetzt nach. Zehn Meldungen, die mir ins Auge sprangen, und meine Meinung dazu in jeweils nicht mehr als drei Sätzen.

Robin Williams‘ Selbstmord:
Ich wusste selbst nicht, wie sehr ich diesen Mensch verehre, bis ich hörte, dass er tot ist. Das ist einfach nur megamäßig scheiße!
Ich frage mich, ob es etwas geändert hätte, wenn er gewusst hätte, wie sehr ihn die Menschen lieben… weiß aber gleichzeitig, dass eine Depression solche Gedanken nicht zulässt 😦

Anti-Rape-Nagellack:
Genial einfach, einfach genial. Ich selbst würde so etwas nicht tragen, weil ich mich in dieser Hinsicht nicht wirklich bedroht fühle und nicht so auf Übervorsichtig stehe (das hat doch so was unfreies, ne?), aber andererseits kann sowas ängstlicheren Frauen als mir ein Stück weit Sicherheit und damit auch Freiheit (zurück) geben.
Einwände sowohl von feministischer als auch maskulistischer Seite dagegen sind für mich nicht nachvollziehbar und mir deswegen egal.

IS terrorisiert die halbe Welt:
Man muss nur ein Batikshirt tragen, um für eine Pazifistin gehalten zu werden, dabei habe ich immer gesagt, dass ich nichts gegen einen gerechten Krieg habe, gleichzeitig aber präzisiert, dass der einzig gerechte Krieg, den ich mir vorstellen kann, der Krieg „Menschheit vs. aggressive Aliens wie aus ‚Independence Day'“ ist.
Ich glaube, ich habe mich geirrt. Klar kann man das alles nicht so monokausal sehen, sprich, diese Terrorgruppe ist ja nicht eines Tages als Ultimate Evil aus dem Boden gewachsen, aber ich bin momentan trotzdem der Meinung, dass die gesamte Weltgemeinschaft dort runter sollte, um, naja… diese Irren mit Stumpf und Stiel auszurotten.

Neues iPhone auf dem Markt:
Wer auf dieser Welt fühlt sich wirklich geil, weil er ein überteuertes Telefon gekauft hat? Also, jetzt mal abgesehen von Zwölfjährigen?
Es existieren ganze Paralellgesellschaften mit solchen Deppen auf unserem Planeten und ich bin arg froh, dass ich mit solchen Leuten nichts zu tun haben muss.

AfD zieht in drei Landesparlamente ein:
Oh, the Humanity *headdesk*

The Fappening:
Liebe Wichser:
Das Problem ist nicht, dass ihr euch diese Bilder angesehen habt. Das Problem ist, dass ihr euch deswegen nicht mal ein ganz klein bisschen schämt.
(Und jetzt warte ich auf den ersten Idioten, der „Dämonisierung männlicher Sexualität!!1!“ heult…)

Ebola breitet sich weiter aus:
Hm. Natürlich ist jeder Todesfall durch diese Krankheit tragisch. Aber geht es nur mir so oder ist es nicht irgendwie unglaubwürdig, dass jeden Sommer aufs Neue irgendeine Seuche angeblich die Menschheit auslöschen will, während in Wahrheit irgendwie gar nichts passiert?

Nicki Minaj:
Das schien irgendwie im August ein Ding zu sein:

What the fuck. Ich meine, ernsthaft: what the fuck.

Schottische Unabhängigkeit:
Da stimmen diese verdammten Schotten doch tatsächlich mit „Nein“. Tze. Nicht, dass ich mich da auch nur im Entferntesten eingelesen hätte, aber ich vermute, ein Ja hätte ein krasses Chaos gegeben und manchmal finde ich ein krasses Chaos sehr lustig.

Guardians of the Galaxy geht an den Kinokassen voll ab:
Es passiert gar nicht mehr so oft, dass ein Film ins Kino kommt, den ich unbedingt auch dort sehen will – aber wenn das passiert, bin ich natürlich nicht da.
Tja, das konnte ich einen Tag nach meiner Rückkehr nachholen. Den neuen „Planet der Affen“ habe ich dagegen leider verpasst 😦

Endlich enthüllt: Warum Frauen einfach kein Abseits checken!

Frauen verstehen Abseits nicht.

Ich behaupte, es existiert keine Frau auf dieser Welt, die DEN dummen Spruch nicht schon mal gehört hat.

Heute beginnt mit der Fußball-Weltmeisterschaft das größte Turnier des deutschen Sportfans – und weil Fußball immer noch als die letzte Bastion testosterongeschwängerter Männlichkeit in unseren modernen Zeiten gilt, dreht sich in solchen Zeiten nicht nur der Ball, sondern auch das Bullshit-O-Meter. Es reicht halt nicht, dass unsere nationalen Damen in den letzten Jahren ihren männlichen Konterparts gezeigt haben, wie man ein solches Turnier gewinnt (mehrfach) und gleichzeitig die Menge an weiblichen Fußballfans zugenommen hat (deutlich), um den werten Herren zu beweisen, dass Frauen das Spiel sowohl aktiv wie auch passiv beherrschen können.

Also ein Abseits-Spruch. Das geht natürlich immer, das ist ein Brüller. Und diese Scheiße muss natürlich schon so früh wie möglich eingepflanzt werden. So hat die MÄDCHEN ihre letzte Ausgabe dem Thema Fußball gewidmet.
Ach ja, die MÄDCHEN. Seit wann ist die Zeitschrift so weichgespült? Als ICH noch ein Mädchen war, gab es da Berichte über diverses Sexzeug der explizitesten Art zu lesen. Kann man scheiße finden (mich hat es damals sowohl verstört als auch irgendwie total fasziniert), aber wenigstens hat es an der Vorstellung gerüttelt, Mädchen interessieren sich ja eigentlich nur für Kuscheln und gar nicht für Sex. Inzwischen wirkt das Heft wie „Brigitte Light“.

Fußballrelevante Bullshit-Themen dieser Ausgabe: Wie man sich für’s Public Viewing schminkt (offensichtlich, indem man kopfüber in nen Eimer mit schwarz-rot-goldener Farbe springt). Ein Poster mit Spielplan und den „sechs heißesten Fußballern“ (Ronaldo – würg). Eine Foto-Love-Story über ne Fußballmannschaft (natürlich männlich!) und Tussis, die Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um an die Jungs ranzukommen (Titel: „11 Kicker für Sophie“. Hat das Internet mich ruiniert oder klingt das für euch auch wie ein billiger Porno?). „Die MÄDCHEN Traum-11“ bestehend aus 0815-Typen, deren Bilder man für’s Voting einschicken konnte und die neben ihrem kleinen Steckbrief (Florian, 18, hält es für ein No-Go, wenn ein Mädchen die Rechnung übernimmt) verträumt in die Kamera starren und irgendwie hat das auch was mit Fußball zu tun.

Und mittendrin: eine offensichtlich brandneue Kolumne, die in dieser Ausgabe ihr Debüt hinlegt: „Was denken Jungs über…?“

„Unser neues Expertenteam! Hier stellen sich die vier Jungs vor, die dir ab sofort ehrliche Antworten auf aktuelle und intime Fragen geben, die du dich vielleicht nicht zu stellen traust.“ – denn Mädchen, so wissen wir, sind ja grundsätzlich kleine verschüchterte Hascherl.

In dieser Ausgabe nun geht es um „Fußballmädchen“. Aaaaber damit sind natürlich keine Mädchen gemeint, die Fußball spielen! Neinneinnein! Es geht nur um Mädchen, die die Dreistigkeit besitzen, mit ihren männlichen Freunden die WM-Spiele kucken zu wollen. Geht das für Jungs klar?
Louis (sic), Lenny (SIC) Norik (SIC!) und Yunus (SIC!!!) beantworten also diese Frage. Nur Yunus, 14, findet Mädchen als Zuschauer okay. Lenny, 15, kuckt lieber ganz alleine. Louis, 13, kuckt nur mit Kumpels, weil Fußball für Mädchen ja nur Party ist und nicht Fußball. Und Norik, mit seinen 18 Jahren praktisch die graue Eminenz des „Expertenteams“, findet „auf keinen Fall!“, denn er hat keinen Bock, den dummen Mädchen zu erklären, was Abseits ist. (Darüber hinaus findet er Mädchen, die Fußball spielen, „irgendwie unsexy“. An sich selbst mag er übrigens seinen Charakter und dass er mit allen Leuten super auskommt. Aja.)

Und da wären wir wieder. Dieser saudumme Spruch. Das ultimative Geschlechterklischee. Frauen und Abseits. Gröh-hö-höl.

Meine Kindheit habe ich sonntags neben den Fußballplätzen diverser Amateur-Dorfmannschaften verbracht, denn mein Stiefvater hat Fußball gespielt, weshalb es für meine Mutter praktisch Pflicht war, sich das anzusehen und mich mitzuschleppen. Meine gesamte Familie ist total fußballgeil. Also, die männliche Hälfte halt. Als ich dagegen mit zehn Jahren einmal zum Jugendtraining ging, zerrte mich mein Stiefvater regelrecht vom Platz und verbot mir, in den Verein einzutreten.
Man könnte also sagen: Ich und der Fußball, wir haben eine Vergangenheit. Und daher habe ich nach jahrelanger Observation und unzähligen Gesprächsanalysen die Lösung entdeckt. Der Grund, weshalb viele Frauen tatsächlich kein Abseits checken.

Es liegt schlicht und ergreifend an den Männern.

Habt ihr mal einen Kerl gefragt, ob er euch Abseits erklären kann? Mit großer Geste wird dann sinnierend gen Himmel gestarrt und ihr hört ein Gemurmel wie „Als Konrad Koch den Fußball in Deutschland etablierte… Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel… der Sammer damals… FC Bayern, Stern des Südens… Tante Käthe… schießenbolzenpassenabgebenstürmerverteidigertormannschiri…“

Oder, um das mal graphisch darzustellen:

AbseitsregelKompliziert

Und hier habt ihr das ganze Geheimnis. Die Abseitsregel ist nicht kompliziert – sie wird nur einfach völlig beschissen erklärt. Kein Wunder, dass das keiner checkt. Besser gesagt keinE. Denn es muss halt eher Frauen erklärt werden.
Warum? Na – weil die meisten Typen Jahre und Jahre Vorsprung vor der durchschnittlichen deutschen Maid haben. Die meisten Typen haben ihre halbe Kindheit lang als kleine Hosenscheißer auf dem Schoß ihres Papas gesessen und das Aktuelle Sportstudio verfolgt, ob sie wollten oder nicht. Möglicherweise führt dieser frühkindliche Overkill zu einer seltsamen Verknotung der Synapsen, die es unmöglich macht, einfachste Sachverhalte zu diesem Thema halbwegs verständlich zu erklären. Möglicherweise WOLLEN manche dieser Typen Abseits gar nicht simpel erklären, weil man sich so ganz doll schlau vorkommen kann, wenn dem Gegenüber Fragezeichen über dem Kopf aufploppen. Vor allem, wenn’s ne Frau ist, aber Fußball doch halt so ein Männersport und überhaupt, können die Tussis nicht einfach ein paar Schnittchen machen und Bier bringen, statt daneben zu sitzen und mitzugröhlen?!

Frauen verstehen Abseits nicht – nichts weiter als ein taktischer Bluff, um zu verschleiern, wer hier der wahre Schuldige ist, und um Mädchen ins Hirn zu prügeln, dass sie sowieso alle ein bisschen unterbelichtet sind. Dieses Ergebnis meiner jahrelangen Beobachtungen nenne ich die Abseits-Falle (ich weiß: tierisch clever).

Wenn euch also das nächste Mal ein Kerl darüber vollnölt, dass Frauen Abseits nicht kapieren, dann lächelt mitfühlend, schließt ihn warm in eure Arme und flüstert ihm sinnlich ins Ohr: „Etwas einfach erklären zu können kann man lernen. Ich glaube fest an dich.“

Alternativ: Bittet ihn, euch die Regel darzulegen, lehnt euch zurück und genießt es zu sehen, wie er sich abstrampelt und rumstottert. Besonders lustig ist es, wenn er noch ein paar Kumpels dabei hat, die ihm ständig ins Wort fallen, weil sie halt auch ne Meinung dazu haben.

Das ist ein Spaß, besser als jedes Länderspiel.

PS: „Abseits“ liegt vor, wenn ein Spieler den Ball Richtung gegnerisches Tor zu seinem Mitspieler schießt und sich im Moment des Abspielens zwischen diesem Mitspieler und dem gegnerischen Tormann kein anderer Spieler der gegnerischen Mannschaft befindet.
Und weil man Sachen immer besser checkt, wenn man den Sinn dahinter versteht: Gäbe es diese Regel nicht, könnte ein Spieler das gesamte Spiel über praktisch genau vor der Nase des gegnerischen Tormanns stehen bleiben und auf einen guten Pass warten, den er reindonnern kann, was dann ja wohl ziemlich lame wäre.

Oder, um das mal graphisch darzustellen:

Abseitsregel

Ich behaupte, es existiert keine Frau auf der Welt, die DAS nicht checken kann, wenn sie will.

Und ja, ich weiß, dass es da noch ungefähr eine Million Sonderregeln gibt. Das ist mir aber scheißegal. Ist ja nicht so, als wäre ich Fußballfan.

PPS:
Ich: „Kannst du mir mal Abseits erklären?“
Mitbewohner David: „Oh Gott, wo soll ich da anfangen…!“