Und am Ende steht man wieder am Anfang. Warum ich meine Therapie abgebrochen habe

Es heißt ja, dass man nichts so hoch schätzt wie etwas, für das man richtig hart kämpfen musste. Wenn das stimmt, dann hätte mir meine Therapie, auf die ich immerhin neun Jahre gewartet habe, so teuer sein müssen wie ein ein kleines Juwel oder mein Erstgeborenes.

Und dennoch habe ich meine Therapie abgebrochen.

Das passierte auch schon wieder letzten Sommer. Zu diesem Zeitpunkt lief sie schon fast ein Jahr mit Unterbrechungen halbwegs regelmäßig einmal die Woche. Nach all dieser Zeit war der Abbruch ein großer Schritt, der leider auch nicht völlig glatt vonstatten ging. Aber er war nötig und überfällig. Um das zu erklären, muss ich leider ein wenig ausholen.

Was passt zu mir?

Erstmal muss man wissen, dass Therapie nicht gleich Therapie ist. In Deutschland werden insgesamt drei Therapieformen von der Krankenkasse anerkannt, nämlich die Psychoanalyse, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Therapieformen oder spezielle Methoden, die sich nicht so ganz in diese drei Kategorien einordnen lassen, aber von verschiedenen Therapeuten trotzdem zusätzlich erlernt und angeboten werden.
Ich spare mir mal eine genaue Erklärung dieser Therapieformen und ihrer Unterschiede (es ist ja auch nicht so, als blicke ich da selber vollständig durch). Es reicht zu wissen, was ich gerne für mich gehabt hätte. Von Psychoanalyse halte ich beispielsweise GAR NICHTS – das hat meiner Meinung nach was von Gedichtinterpretationen oder freien Assoziieren. Kann stimmen, muss aber nicht, und die Gefahr der Überinterpretation ist groß. Mit Freud und seinen kruden, anachronistischen Sextheorien hat das heutzutage zwar nicht mehr wirklich viel zu tun, aber dennoch ist das für mich einfach nichts. Und Verhaltenstherapie? Der Name sagt es schon: Der Fokus liegt auf einer Änderung des Verhaltens, nicht auf der emotionalen Ebene, obwohl man das natürlich nicht strikt trennen kann. Trotzdem, letztendlich roch diese Behandlung für mich immer eher nach reiner Symptombekämpfung und kam damit auch nicht wirklich in Frage.

Ich wollte also eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Ich bekam eine Verhaltenstherapie.

Zeitweise wusste ja das halbe Internet Bescheid über meine Probleme bei der Therapiesuche. Umso peinlicher ist es dann auch zuzugeben, was den Ausschlag gab dafür, mich für eine Therapie zu bewerben (anders kann man das nicht formulieren) die mir nicht wirklich zusagte: Erstens hieß es, die therapeutische Ambulanz, bei der ich schließlich landete, hätte keine langen Wartezeiten. Und zweitens konnte man sich ohne lächerlich kurze Telefonsprechzeiten per Email melden. Damit waren mehrere Hemmschwellen weg, die mich bisher gebremst haben.

Tja, das mit der Wartezeit stimmte nicht, aber immerhin hatte ich nach sechs Monaten dann schließlich meinen ersten Termin. Auch wenn es nicht die richtige Therapieform war, war ich erstmal froh, überhaupt wieder eine Chance bekommen zu haben und dachte, dass ich es einfach mal ausprobieren sollte. Schaden kann es ja (in den meisten Fällen) nicht.

Diese Ambulanz, in der ich landete, muss man sich wie eine Art Lernkrankenhaus vorstellen, in dem Therapeuten ihre Ausbildung absolvieren. Deshalb lief das von Anfang an etwas anders als bei einem normalen Therapeuten. Und leider lief es von Anfang an irgendwie schief.

Startschwierigkeiten

Es fing bereits bei meinem Erstgespräch an. Mich begrüßte ein quietschiges kleines Persönchen, das ungefähr so viel Autorität und therapeutische Seriosität ausstrahlte wie ein Teletubby. Dieses Mädel stellte mir dann in eineinhalb Stunden ungefähr achtmillionen Fragen zu meinem Lebenslauf und meiner Krankengeschichte, womit ich in dieser geballten Form nicht so wirklich gerechnet hätte. Deshalb war ich nach kürzester Zeit ein einziges heulendes Nervenbündel. Nicht hilfreich dabei waren ihre lieb gemeinten, für mich aber unerträglichen Versuche mich aufzupäppeln. „Sie haben sich also Ihre soziale Phobie selbstständig abtrainiert? Das ist ja toll! Darauf können Sie richtig stolz sein! Sooooo toll!!!“
Nun mag das objektiv stimmen, subjektiv habe ich aber nunmal ein Problem damit, für etwas gefeiert zu werden, was für jeden gesunden Menschen nicht der Rede wert ist, und da sie leider nicht aufhörte mit ihren aggressiven Lobgesängen bekam ich einen Heulkrampf, der die arme Frau absolut hilflos zurück ließ.

Ja, so ähnlich darf man sich das vorstellen – wie gesagt eineinhalb Stunden lang. Am Ende klärte sie mich dann über die weitere Vorgehensweise auf… wobei plötzlich heraus kam, dass ich im falschen Raum war und dies nicht das Erstgespräch gewesen war, für das ich kommen sollte, sondern der obligatorische ZWEITE Termin, der zur Anamnese da ist. Woraufhin sich auf ihren Gesicht ein Ausdruck nackter Panik zeigte – ohne vorherige Vorbereitung hätte man mich nämlich gar nicht einem so hohen emotionalen Stress aussetzen dürfen.
Und ich? Heulte natürlich wieder, denn in diesem Moment war mir vollkommen klar, dass ich jetzt vermutlich wieder monatelang würde darauf warten müssen, bis es weiter geht.

Letztendlich war dieser Fehler dann doch leicht wieder auszubügeln, aber das Ganze hat mich dennoch sehr aufgewühlt, wofür meine Mitbewohner damals leider absolut kein Verständnis hatten. „Joah, dumm, aber is doch jetzt gut, ne? We kann man sich über sowas nur so aufregen“ lautete der Tenor bei beiden. Auch nicht wirklich hilfreich. Und im Rückblick erscheint mir dieser Fehlstart symptomatisch für meine gesamte Therapie.

Der Anfang: Die erste Therapeutin

Mein drittes Gespräch fand dann mit der richtigen Therapeutin statt, die für mich eingeteilt war. Normalerweise hat man fünf Sitzungen mit einem Therapeuten, bis man sich entscheiden muss, ob man mit ihm klar kommt oder nicht. Außerdem muss anderes organisatorisches Zeugs geregelt werden, bis der Antrag auf Bewilligung bei der Krankenkasse eingereicht werden kann.

Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie groß die Hemmschwelle ist, einen Therapeuten abzulehnen, wenn man so lange Zeit auf einen warten musste. Die Therapeutin, die mir zugeteilt wurde, war ebenfalls recht jung und wirkte damit auf mich auch nicht sonderlich imposant. Kann man scheiße finden, aber ich kann mir nun mal nur beschränkt aussuchen, welche Art Mensch auf mich besonders kompetent wirkt. Personen, die jünger sind als ich, haben es da nun mal schwerer.

Aber gut, ich war mir meiner eigenen Vorurteile bewusst und wollte es mir einfach mal ansehen. Leider gab es ziemlich am Anfang schon einen heftigen Bruch, der mich am gesamten Konzept „Therapie“ zweifeln ließ.

So fragte sie mich nach meinen bisherigen Strategien, um mit schlimmen depressiven Phasen umzugehen. Wahrheitsgemäß antwortete ich, dass ich dann, sofern noch in der Lage dazu, einen bzw. mehrere Freunde zur Hilfe rufe und mit ihnen zusammen einen trinke und dabei so lange jammere, bis es mir irgendwann besser geht. Ja, Alkohol – dass das nicht ideal ist, weiß ich selber. Aber wenn es nun mal das einzige ist, was funktioniert?

Ich dachte, das hätte ich ihr begreiflich gemacht. In der nächsten Stunde eröffnete sie mir dann, dass die Krankenkasse mir vermutlich für die Bewilligung der Therapie als Auflage stellen würde, die gesamte Zeit über abstinent zu bleiben.

Ich: erstmal sprachlos, weil das für mich aus dem Nichts kam. Die Krankenkasse stellt natürlich nur solche Auflagen, wenn die Therapeutin ihr etwas entsprechendes kommuniziert. Aber wieso?

Es folgten Diskussionen. Und hier offenbarte sich mir ein so dermaßen unfaires Dilemma, dass ich die Therapie am liebsten sofort beendet hätte. Denn macht mal jemanden unter diesen Voraussetzungen begreiflich, dass ihr kein Alkoholproblem habt. Es ist unmöglich. Auch jetzt werden das einige lesen und sagen „Klar, typisch Alkoholikerin, diese Ausflüchte.“ Aber denkt das bitte mal durch. Ich hätte mit der Auflage nicht mal im Sommer im Garten sitzen und dabei ein Radler trinken dürfen. Was ja wohl überhaupt nicht schwer sein sollte, wenn ich kein Alkoholproblem habe. Aber umgekehrt wird ein Schuh draus: Wenn ich doch keins habe, warum muss ich mich dann so gängeln lassen? Aber das zu kritisieren – diese Gängelung – ist das nicht schon wieder der Beweis dafür, DASS ich ein Problem habe???

Seht ihr das Dilemma? Ich steckte im Prinzip in einer nicht-falsifizierbaren Aussage fest, denn jede Argumentation gegen diese Auflage konnte als Beweis für ihre Notwendigkeit gedeutet werden. Eine Situation, die mir ganz entschieden gegen den Strich ging. Dazu kommt die andere Ebene: Ich weiß verdammt noch mal selber, dass Alkohol nicht gut ist. Aber wenn die Alternative in diesen schlimmen Phasen nun mal wäre, mich selbst zu verletzen oder gar umzubringen – weil ich sonst nun mal keine wirksamen Skills habe? Es ist keine gesunde Selbsthilfe, aber wenigstens IST es Selbsthilfe, die mir diese Frau nun nehmen wollte, obwohl ich ganz eindeutig NICHT wegen Alkohol eine Therapie angefangen habe.
Was übrigens zusätzlich einfach nur ein Schlag in die Fresse war. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr wegen einiger sehr belastender Handicaps, die euer ganzes Leben dominieren, Hilfe bei einem Experten suchen würdet – und diese Person bohrt dann nach einer ganz anderen Sache, stürzt sich darauf und problematisiert sie, statt sich um das zu kümmern, weswegen ihr gekommen seid?

Versteht ihr, wie ohnmächtig ich mich fühlte? Es gab nichts, was ich tun oder sagen konnte, um aus dieser Nummer rauszukommen. In diesem Moment empfand ich zum ersten Mal, was es in unserem System heißt, psychisch krank zu sein. Ich kam mir nicht ernst genommen vor, bevormundet, unmündig, abhängig. Ist es da ein Wunder, dass mein Glauben an den Nutzen einer Therapie in diesem Moment heftig erschüttert wurde?

Ich grübelte nach der Sitzung einen ganzen Tag lang über diese dämliche Auflage. Die einzige Möglichkeit, die ich sah, bestand darin, ihr einfach zuzustimmen und so zu tun, als würde ich mich daran halten… also zu lügen. Etwas, was mir tief zuwider ist. Allgemein, aber besonders eben im therapeutischen Kontext, denn was bringt die ganze Scheiße bitte, wenn ich nicht das Maul aufmachen und die Wahrheit sagen darf?

Glücklicherweise hatte meine Therapeutin wohl auch noch ein bisschen nachgedacht, denn sie rief mich einen Tag nach der Sitzung tatsächlich an und verkündete mir, dass die Auflage vom Tisch wäre. Aber der Bruch war passiert und auch damit nicht zu kitten.

Danach ging es… schleppend. Nachdem wir meine Problemfelder eingekreist hatten, konzentrierte meine Therapeutin sich darauf, mich durch den Rest meines Studiums zu schleifen, denn meine völlige Antriebslosigkeit hat genau das immer verhindert.
An sich war ich also froh über die Hilfe. Gleichzeitig wurde ich das Gefühl jedoch nicht los, dass ich nicht dafür eine Therapie angefangen habe. Es stellte, wie schon befürchtet, eine reine Symptombekämpfung dar, denn diese Antriebslosigkeit ist nur Resultat meiner Depression, aber nicht der Grund dafür (wobei das natürlich manchmal ineinander greift und meine Schwierigkeiten dahingehend häufig in einer Episode schwärzesten Selbsthasses münden). So war es denn auch ganz nett, dass wir Arbeitspläne aufstellten und Maßnahmen gegen Prokrastination bzw. für mehr Motivation besprachen, aber die Wurzel des Übels – meine Kindheit und was da alles falsch gelaufen ist – blieb unbehandelt. Weil die Therapie nun mal auf eine Änderung des VERHALTENS ausgerichtet ist, nicht zur Behandlung der URSACHEN desselben.

Leider funktionierte nicht mal das wirklich. Die Maßnahmen, die Pläne, die Skills, nichts schien länger als ein paar Tage zu wirken. Aber jedes Mal, wenn ich dieses Problem ansprach, kam die selbe Aussage: „Es braucht Zeit, bis dem Patienten das geänderte Verhalten verinnerlicht hat, danach wird es einfacher.“ Das war die einzige Form der Anleitung, die ich bekam. Leider habe ich diesen Punkt nie erreicht.

Ich gab der Therapieform die Schuld. Eine befreundete Therapeutin versicherte mir zwar, dass mit wachsender Erfahrung die Grenzen zwischen den Therapieformen verschwimmen. Genau diese Erfahrung war bei meiner Therapeutin allerdings anscheinend noch nicht gegeben. So kam es dann auch mehr als einmal vor, dass ich von belastenden Erinnerungen berichtete und… null Rückmeldung dazu bekam. Stattdessen wurde eilig zurück geschwenkt Richtung Verhaltensmodifikation, oft ohne auch nur mit mehr als einem Satz auf das eben Gehörte zu reagieren.

Diese, ja… „Hilfslosigkeit“, muss man es wohl nennen, meiner Therapeutin zog sich wie ein roter Faden durch die restliche Therapie, in der sich dann auch eine Stunde kaum von der nächsten unterschied. Ich versuche wirklich, nicht unfair zu sein und glaube auch, dass sie mir ernsthaft helfen wollte, aber ich hatte nun mal nicht das Gefühl, dass mir irgendwas davon etwas gebracht hat. Deshalb reagierte ich mit der Zeit auch immer gereizter. So blaffte ich einmal, nachdem sie die Frage „Wie fühlen Sie sich in diesem Moment?“ gestellt hatte, angepisst zurück: „Genauso wie vor zwei Minuten, als Sie mich genau dasselbe schon mal gefragt haben!“ – was mich zugegebenermaßen immer noch aufregt, wenn ich drüber nachdenke.
Mir kam es schlicht so vor, als würde die gute Frau ein vorgegebenes Programm abspulen bzw. versuchen, mir eine Therapie nach Schema F überzustülpen, was bei mir aber einfach nicht funktionierte. Zurück blieb Frust, möglicherweise auf beiden Seiten, und nach mehreren Monaten das Gefühl, dass wir uns so rein gar nichts mehr zu sagen hatten. Nach jeder Sitzung fühlte ich mich wie durch den Fleischwolf gedreht und stöhnte schon Tage vor dem nächsten Termin, weil ich schlicht überhaupt keinen Bock darauf hatte.

Dazu kamen dann Kleinigkeiten, die mich damals unglaublich aufregten. So fragte sie mich am Anfang einer Sitzung, wie ich denn nach der letzten Stunde, die ich heulend und aufgelöst verlassen hatte, zurecht gekommen wäre. Ich antwortete etwas lapidar, dass ich mich danach dann irgendwann wieder eingekriegt hätte, spätestens im Bus hätte ich mich ja zusammen reißen müssen, da mir Heulen vor Fremden logischerweise ziemlich peinlich ist. Daraufhin kam ihr die fixe Idee, dass Busfahren ja der perfekte Skill für mich wäre und davon ließ sie sich auch nicht mehr abbringen. Zu dem Zeitpunkt habe ich dann schon gar nicht mehr groß diskutiert, da ich gemerkt hatte, dass es sinnlos ist. Aber natürlich ist Busfahren für mich KEIN super Skill, das habe ich zu diversen Gelegenheiten davor und danach erfahren müssen.

Nach mehreren Monaten, ich hatte noch etwas über die Hälfte der Sitzungen frei, eröffnete sie mir, dass sie demnächst den Standort wechseln und ich einen anderen Therapeuten bekommen würde. Keine ideale Situation mitten in der Therapie, aber nach meinen Erfahrungen mit ihr auch kein Weltuntergang. Ich schöpfte neue Hoffnung: Vielleicht war der nächste Therapeut ja besser?

Das Ende: Der zweite Therapeut

Der nächste Therapeut war nicht besser. Er war schlimmer.

Äußerlich entsprach er zunächst eher meinen Kriterien für seriöse Ausstrahlung, denn er war deutlich älter als ich. Aber schon die erste Sitzung, die wir abends abhielten, ließ mich ziemlich sprachlos zurück.

Er hatte zwar meine Akte gelesen, aber natürlich mussten wir alle nochmal durchkauen. Problemfelder, bisherige Strategien, etc.pp. Bereits beim Thema „Antriebslosigkeit“ hatte er aber völlig andere Ansichten als ich.
Ich glaube, es ist inzwischen deutlich geworden, wie sehr ich darunter leide. Er sah das aber nicht so. Er war sehr vom Yin&Yang-Konzept überzeugt (Teil seiner „fernöstlichen Lehren“, die er in die Therapie mit einbringen wollte) und projizierte es hemmungslos darauf. Es gäbe nun mal einerseits Menschen wie mich und andererseits aktive, leistungsstarke Menschen, die mitunter überhaupt nicht abschalten können, also totale Workaholics sind – das wäre ja auch nicht schön. Ich könne also froh sein, dass ich nicht zu diesem Typ gehöre.
Was soll man dazu bitte noch sagen? Meine Antriebslosigkeit hat mir mein Abi versaut, mein Studium auf die doppelte Länge aufgebläht, mir Schulden eingebracht, meinen Träumen im Weg gestanden, mein halbes Leben versaut. Und das soll ich jetzt feiern, weil andere Leute bis zum Burnout ackern? Was soll denn bitte DARAN hilfreich sein?

Seine Antwort war ein enervierend nachsichtiges Lächeln, das ich die folgenden Monate noch wirklich hassen lernen würde. Seine Aussage sei doch positiv gewesen. Ich könne wohl Lob nicht annehmen???
An dieser Stelle zeigte sich schon, dass dieser Mensch ein fundamental anderes Verständnis von Selbstliebe, seelischer Hygiene, eigentlich sogar dem Themenkomplex „psychische Erkrankung“ hatte als ich. Ich glaube nicht daran, dass Probleme weggehen, wenn man sie schönredet und „sich selbst annimmt“. Und es hat nicht zwangsläufig was mit Selbsthass zu tun, wenn ich Dinge an mir kritisiere, die nun mal einen erheblich negativen Einfluss auf mein Leben haben. Ich war zudem ein sehr aktives Kind, bis ich krank wurde. Meine Antriebslosigkeit empfinde ich als etwas feindliches, das meine echte Persönlichkeit überschattet und mich daran hindert, mein wahres Potential zu entfalten. Mich ritzen, weil es mich so dermaßen ankotzt, dass ich schon wieder einen Monat für die Wäsche gebraucht habe? Natürlich ist das scheiße. Aber das komplette Gegenteil soll so viel besser sein? Ist jeder Wunsch, sich zu verbessern, schon Hass?

Ach, ich sei ja zu hart zu mir.
„Ich bin nicht hart zu mir.“
„Aber Sie sind doch gerade wütend.“
„JA, ABER DOCH NICHT AUF MICH!!!“ – muss ich wirklich noch mehr sagen?

Mir schien es, dass sich dieser Typ bereits ein komplettes Bild von mir gebastelt hatte, bevor ich überhaupt zur Tür reingekommen bin. Und wenn ich irgendeinem Aspekt dieses Bildes widerspreche, kann das ja nur an fehlender Reflexion liegen.

Da wären wir wieder: Die Therapie, die nicht-falsifizierbare Aussage und ich. Und Unterstellungen, die erneut Dinge problematisieren und pathologisieren, für die ich nicht gekommen bin. Neu war hier nur, dass andere Probleme dafür kleingeredet wurden und das natürlich mit den schönsten, blumigsten Allgemeinplätzen: Man müsse „sich annehmen“, „sich akzeptieren“, „sich verzeihen“ etc.pp. Und DAFÜR hat dieser Mensch studiert?

Ich hatte also einen Vertreter des Standpunkts „Du bist voll okay so, wie du bist, auch wenn du in dieser Form kaum lebensfähig bist“ vor mir. Dazu kam eine paternalistische Art und Weise, die mir das Gefühl gab, für ein dummes, kleines Mädchen gehalten zu werden.

So hielt er mir in der selben Sitzung noch einen Vortrag – anders kann man das nicht nennen. Er nutzte das Whiteboard, um mir ein psychologisches Konzept zu erklären, das mir bereits bekannt war und brauchte dafür ungelogen mindestens 20 Minuten, in denen er ohne Punkt und Komma redete und mich kein einziges Mal zu Wort kommen ließ. Nach etwa der Hälfte war ich zu gleichen Teilen tödlich gelangweilt und fassungslos von so viel sinnlosen Mitteilungsbedürfnis, zumal die 50-Minuten-Sitzung meinem Empfinden nach schon deutlich überzogen war (im Raum gab es keine Uhr und ich fand es unhöflich, auf mein Handy zu sehen).
Danach schien er sich selbst in Schwung geredet zu haben, denn er bombardierte mich dann noch mit zusammenhangslosen Fragen, die ewigtiefe neue Fässer aufgemacht hätten, wenn ich mich darauf eingelassen hätte. Fragen wie „Glauben Sie an Gott?“ oder, mein Favorit, denn der Gesichtsausdruck und der gewollt provokative Ton dazu waren großartig: „MÖGEN Sie sich eigentlich???“
An dieser Stelle brach ich die Sitzung ab, nur um danach sehen zu müssen, dass er um fast eine Stunde überzogen hatte – etwas, was ich ihm in der nächsten Sitzung vorwarf. Er rechtfertigte sich damit, dass er sich nun mal besonders viel Zeit für mich hatte nehmen wollen und deshalb direkt zwei Sitzungen zusammen gelegt habe – was einfach nicht okay ist, wenn es nicht abgesprochen ist.

Aber das war symptomatisch für ihn: Paternalismus bis hin zur leichten Übergriffigkeit. Das äußerte sich auch in jeder Sitzung bereits zu Anfang, wenn er mich, den Kopf leicht gebeugt, von unten augenzwinkernd ansah und mit vorgeschobenen Schnütchen fragte, wie es mir ginge, eine Haltung also, die man eher einnimmt, wenn ein Grundschulkind am Schniefen ist, weil es nicht noch ein Eis bekommt. Er gab mir schlicht das Gefühl, nicht krank, sondern einfach nur ein bisschen überempfindlich zu sein.

Auch mit ihm hatte ich also wieder das Gefühl, keinen Schritt weiter zu kommen, zumal seine Methoden durchschaubar und unterkomplex waren und er gerne Dinge wiederholte, die ich eine Sekunde vorher bereits gesagt habe (nicht um mich zu spiegeln, sondern weil er anscheinend glaubte, er müsse mir Sachen erläutern, die ich selbst von mir gegeben habe). Dennoch konnte ich mich zu einem Abbruch nicht durchringen, bis ich eines Tages einen schlimmen depressiven Schub bekam.
Grund war mein Stiefvater, der sich ganz außergewöhnlich zierte, als es darum ging, mich bei seinem Geburtstag dabei zu haben, eine Situation, die mich leider frappierend an eine Episode mit meinem Erzeuger erinnerte. Dies ließ mich psychisch völlig zusammen brechen. Es dauerte Stunden, bis ich endlich aufhören konnte zu heulen und kein Skill half (nicht mal Busfahren!).
Dieser Kollaps bestätigte mir meine anfänglichen Befürchtungen: Eine Verhaltenstherapie ist nicht das richtige für mich, denn nicht mein Verhalten ist Auslöser für solche Zusammenbrüche.

Nach dieser Erkenntnis war ich entschlossen, die Therapie abzubrechen. Nur ließ mich mein Therapeut zunächst nicht.

Natürlich hätte ich einfach nicht mehr hingehen können, aber als Mensch in einem Patient-Therapeuten-Verhältnis sind ganz einfache Dinge plötzlich unverhältnismäßig schwer. Wenigstens erklären wollte ich mich ihm, vielleicht sogar seine Einschätzung dazu hören. Also erzählte ich ihm, was passiert war, umriss dazu auch kurz die Geschichte mit meinem Vater und teilte ihm meine Gewissheit mit, dass Verhaltenstherapie bei so etwas nicht hilft. Statt darauf einzugehen, stellte er weitere Fragen zu meiner Familie, nur um am Ende zufrieden festzustellen, dass das ja mal eine richtig gute Sitzung gewesen wäre, weil ich mich endlich geöffnet hätte.
An dieser Stelle bin ich dann ein bisschen ausgerastet. Nichts davon war mir in irgendeiner Weise unangenehm gewesen, vor meinem Therapeuten zu äußern. Nichts davon hatte ich bewusst versteckt, im Gegenteil. Erst später fiel mir zudem ein, dass ich GENAU DIE SELBE GESCHICHTE meiner ersten Therapeutin SCHON MAL erzählt hatte – und sie NICHTS dazu gesagt hatte.
War es also allein meine Schuld, dass die Therapie bei ihm, bei beiden bisher nicht gelaufen war? Meine angebliche Verschlossenheit? Diesen Eindruck erweckte er bei mir.

Der Abschied war frostig, eine Sitzung sollte noch folgen, in der er nicht mit einem Wort auf meinen Wunsch abzubrechen einging. Erst am Ende vertröstete er mich wieder auf die nächste Sitzung, um die abschließenden Formalia zu klären. Und auch diese Sitzung hätte er wieder in eine völlig andere Richtung gelenkt, wenn ich das nicht von Anfang an abgeblockt hätte. Woraufhin die zwei schlimmsten Aussagen folgten, die dieser Mensch sich in all den Stunden mir gegenüber geleistet hatte.

Erstens: Ich nannte ihm weitere Beispiele für Situationen, in denen nicht mein Verhalten Trigger für depressive Schübe war, darunter auch die Tatsache, dass ich die gesamte Taufzeremonie meines Neffen als heulendes Nervenbündel verbracht habe, da mich Kirchgänge wie dieser daran erinnern, dass ich familiär nicht eingebunden bin. Woraufhin er antwortete: „Hm, dann bringt meine Idee wohl nichts… ich wollte Ihnen vorschlagen, dass Sie sich Gott zuwenden.“ – Wozu ich mir jetzt einfach mal jeglichen Kommentar spare!

Und zweitens sprach er von meiner Erkrankung als „Erkrankung“. Kein Scheiß. Er malte beim Sprechen Anführungszeichen in die Luft. Und spätestens das wäre der Punkt gewesen, an dem ich mich zum Abbruch entschlossen hätte, wenn ich diese Entscheidung nicht schon vorher getroffen hätte.

Und jetzt?

Das war letztes Jahr Ende Juli. Seitdem bin ich wieder ohne Therapie. Ich habe gute Phasen, aber auch tiefschwarze. Dazwischen lebe ich vor mich hin und habe kaum je das Gefühl, einen erfüllenden, produktiven, erfolgreichen Tag gehabt zu haben, denn alles in mir bremst mich aus.

Die Therapie hat mir eigentlich nichts gebracht. Zwischendrin sorgte meine Therapeutin dafür, dass ich Antidepressiva bekam, was eine gewisse Zeit lang nötig gewesen war, aber inzwischen habe ich sie wegen den Nebenwirkungen wieder abgesetzt. Ansonsten bleibt nicht viel außer Frust und der grauenvolle Gedanke, dass die ganze Odyssee jetzt wieder von vorne anfängt.

Heißt: WIEDER die Überwindung, überhaupt bei einem Therapeuten anzurufen, WIEDER monatelange Wartezeiten, wenn ich nicht direkt abgewiesen werde, WIEDER die Frage, ob der neue Therapeut überhaupt zu mir passt. Aber eigentlich stehe ich nicht einfach wieder am Anfang, sondern habe noch einen Malus obendrauf bekommen: eine abgebrochene Therapie. Obwohl das zu Beginn meiner Therapie anders klang, hat mein Therapeut mir nicht viel Hoffnung auf eine erneute Bewilligung gemacht.

Dazu kommt das Ende meines Studiums, nach dem ich jetzt in der Luft hänge und nicht weiß, ob ich überhaupt noch hier wohne, wenn endlich ein Therapieplatz für mich frei wäre. Die hochgelobte Flexibilität, die Arbeitgeber heute verlangen, kollidiert extrem mit dem gewaltigen Maß an Planungssicherheit, das man braucht, wenn man sich für eine monatelange Therapie an einem bestimmten Standort entschließt.

Also noch mehr warten. Darauf, dass ich mein Leben soweit geordnet kriege, dass Zeit bleibt für meine seelische Gesundheit. Auch wenn es natürlich genau meine Krankheit ist, die dafür sorgt, dass ich überhaupt nichts auf die Reihe kriege.

Das System der Krankenkassen, die weiterhin viel zu wenige Kassensitze mit viel zu langen Wartezeiten zur Verfügung stellen und damit wissentlich eine Situation in Kauf nehmen, die für viele Menschen eine Therapie unmöglich macht (und manche damit das Leben kostet), fickt mich also noch immer. Wenn dieser Müll wenigstens wirtschaftlich einen Sinn machen würde… Aber nicht mal das ist ja der Fall.

Leider fällt mir an dieser Stelle kein knackiger Schluss ein. Wie auch, denn die Suche nach Hilfe ist ja noch lange nicht beendet. Auch wenn die Hoffnung darauf jeden Tag mehr schwindet.

Edit: Mir ist jetzt erst wieder eingefallen, dass Erzählmirnix vor Jahren mit mir ein Interview geführt hat, in dem es u.a. um dumme Therapieerfahrungen ging.
Weil das so gut passt, hier der Link

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Und jetzt?

Nach vier Monaten ist es wohl mal wieder Zeit für ein Update.

Momentan habe ich die Aufmerksamkeitsspanne eines demenzkranken Goldfischs, deshalb ist Twitter gerade das einzige Medium, über das ich mich überhaupt regelmäßig zu Wort melde. Dabei gibt es zumindest eine Neuigkeit, die dann aber auch der Grund für meinen derzeitigen Zustand ist: Ich habe, mit Biegen und Brechen zwar, aber dennoch, tatsächlich mein Studium erfolgreich abgeschlossen beendet. Und dafür habe ich auch nur doppelt so lange gebraucht wie angesetzt! YAY!

Schön war das zum Ende hin nicht. Ich bin ja eine entschiedene Gegnerin der Bologna-Reform, aber wenigstens haben die Bachlor- und Masterstudenten nicht sämtliche notenrelevanten Prüfungen erst am Schluss. Nicht, dass ich nicht genug Zeit zum Lernen hatte, auch wenn einer meiner Dozenten entsetzt war über mein spätes Auftauchen zur Themenbesprechung (ich war ca. sechs Wochen vorher da, für ihn viel zu kurz, effektiv gelernt habe ich aber höchstens sechs Tage. Meine Note? Ne solide Zwei.), trotzdem wird mir das letzte Jahr als das grauenhafteste aller Zeiten in Erinnerung bleiben. Nach meinem Marathon im Frühling, währenddessen ich fünf Hausarbeiten in ebenso vielen Wochen fertig stellte (natürlich keine davon notenrelevant), ging es meinem Empfinden nach nahtlos weiter mit dem Unischeiß, obwohl das in Wahrheit so gar nicht stimmt. Mein Stresslevel war dennoch konstant hoch, sank nicht während meiner Vorbereitung auf die Klausuren und entlud sich schließlich, als ich kurz vor der eigentlich leichtesten mündlichen Prüfung vor der Sekretärin des Landesprüfungsamts einen kleine Heulattacke hatte und die Prüfung daraufhin verschieben durfte – was nett von ihr war, im Prinzip das Leiden aber nur verlängerte.

Bei all dem könnte man meinen, dass ich nach der letzten Prüfung auf Wolken hätte schweben müssen. Das Gegenteil war der Fall.

Es ist die vielleicht größte Ekelhaftigkeit dieser elenden Krankheit Depression, dass sie es schafft, eigentlich tolle Sachen in einen riesigen Haufen Scheiße zu verwandeln. So verkroch ich mich nach meiner letzten Prüfung dann auch im Bett und heulte sechs Stunden am Stück.

Und jetzt, über zwei Monate danach, hat sich im Prinzip seitdem nicht viel geändert.

Ich fühle mich zu Tode erschöpft und leergepumpt, obwohl ich eigentlich kaum etwas anderes tue als sinnlos rumzuhängen, zu viel zu trinken und arbeiten zu gehen, wo ich dann auch oft nur rumhänge und zu viel trinke. Die Motivation für die ganzen tollen Projekte, nach denen ich mich während meiner Lernphase so gesehnt habe, ist in dem Moment verpufft, als ich endlich Zeit im Überfluss dafür hatte. Übrig bleibt: Lethargie, Selbsthass.

Im Grunde falle ich momentan in die selben unguten Muster, die sich bei mir auch nach dem Abi abzeichneten. Damals nannte man es Adoleszentenkrise, aber ob dieser Begriff für mich inzwischen 32jährige Schabracke noch passt?

Manchmal glaube ich, dass jeder noch so geistlose 9-to-5-Job mit der damit zwangsläufig verbundenen Struktur besser für mich wäre als dieser dauerhafte Zustand des so-gern-Wollens-aber-einfach-nicht-Könnens, wo doch all die Zeit, die ich ausfüllen könnte mit übersprudelnder Kreativität, sowieso sinnlos verstreicht. Gefolgt von dem verzweifelten Gedanken: morgen. Morgen wird es bestimmt besser.

Bisher war es es das aber nicht. Morgen ist es nie besser. Morgen bin ich nur einen Tag älter.

Ziellosigkeit. Ich weiß schlicht und ergreifend nicht, was ich will. Oft genug weiß ich nicht mal genau, was ich NICHT will, das sind dann die Momente, in denen der geistlose 9-to-5-Job plötzlich doch wahnsinnig attraktiv erscheint, aber selbst für sowas bin ich, die frischgebackene Historikerin und Germanistin, vermutlich nicht qualifiziert. Und so zieht sich die Ungewissheit ohne Ergebnis durch die Wochen und Monate.

Seit Wochen versuche ich ich, mich zum Schreiben von Bewerbungen zu motivieren, aber da ich ja nun doch kein Lehramt ausfüllen will, steht mir plötzlich alles und nichts offen. Ein paar Ideen hätte ich ja doch, aber weil ich nun so viele Jahre mit der Vorbereitung auf einen Beruf verschwendet habe, den ich nicht will, fehlt mir bei dem Meisten davon die nötige Erfahrung. Trotzdem könnte man es ja mal probieren – wenn man nur könnte. Wenn man irgendwas einfach mal so einfach könnte.

Die letzten Tage waren gefühlsmäßig mal wieder eher schlechter und das Schreiben bis hierher hat mich auch nicht gerade aufgebaut. Trotzdem gibt es kleinere Lichtblicke. Das Geld, was ich im Dezember gesammelt habe, hat gereicht, meine zu hohen KfW-Rückzahlungen bis diesen Monat zu bezahlen – ab 1. Mai zahle ich viel weniger und kann das hoffentlich in Zukunft allein stemmen. Gleichzeitig habe ich es geschafft und es auch bei Twitter stolz verkündet, dass ich Dank (halblegaler) Überstunden nun auch beim Freund schuldenfrei bin – was er genauso melodramatisch mürrisch zur Kenntnis nahm wie angekündigt.

Er ist ein weiterer Lichtblick. Ich liebe ihn sehr. Aber ich wünschte, ich könnte für ihn immer die Frau sein, die ich bin, wenn ich nicht in diesem tiefen Loch sitze.

Trotzdem habe ich weiterhin das Gefühl, in jeder Lebenslage gerade mit beiden Füßen auf der Bremse zu stehen. Leider habe ich bisher nur auf eine Art gelernt, mit so etwas umzugehen: Indem ich ihnen etwas anderes zu tun gebe und Wandern gehe.
Nun weiß ich selber, wie asozial es rüber kommt, wenn ich im Winter um Geld bettle und im Frühling in Urlaub fahre. Aber ich weiß nicht, was ich sonst noch machen soll. Ich kann einfach nicht mehr. Und da ich wie gesagt so viel arbeiten war wie möglich, Geld zum Geburtstag bekommen habe und auch meine Mutter mir unbedingt was zum Abschluss schenken wollte, wird es nun mal das. Nicht so lange wie ich gerne möchte (dann wäre ich wohl bis September unterwegs) und so sparsam wie möglich, aber immerhin 15 Tage – die mir hoffentlich genug Kraft geben, um den Restart-Button zu finden. Der Jakobsweg ist nicht die lebenserschütternde Wunderreise, als die er immer verkauft wird, aber immerhin dafür ist er für mich gut.

Nächste Woche gehts los. Und danach kann es hoffentlich weiter gehen und ich finde Antwort auf die eingangs gestellte Frage. So oder so.

Zur Wahl von Donald Trump – eine Analyse

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Inspiriert hiervon. Danke, Warren Ellis.

Lernpause

Ich: „Weißte was? Ich mache heute mal Lernpause!“

Freund: „Ok.“

Ich: „Wie, ‚Ok‘? Willst du mich nicht zwingen? Du musst mich doch motivieren!“

Freund: „Ach, ich bin nicht wie unser Ex-Mitbewohner, der verlangen würde noch weiter zu schuften, damit aus einer 1,2 eine 1,0 wird…“

Ich: „Oh… du meinst, ich habe die Chance auf eine 1,2?“

Freund: „Nein.“

Ich: „Oh.“

Freund: „…“

Ich: „…“

Freund: „…“

Ich: „Die Note gibt’s ja auch gar nicht.“

—–

Leute… ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr die Uni gerade saugt!

Da fängt man als unbedarftes, pausbäckiges Mädel mit Sternen in den Augen und Hoffnung im Herzen an zu studieren – und kaum 10 Jahre später knallt einem die Realität brutal in die Fresse und man hat Abschlussprüfungen. Einfach so!!! Urplötzlich!!!

Twitter klage ich bereits täglich mein Leid. Jetzt also auch hier: Ja, es geht wirklich dem universitären Ende entgegen. Ja, ich habe Abschlussprüfungen. Und zwar schon ab nächster Woche -.-

Und ja, ich bin ein nervliches Wrack.

Heute habe ich beschlossen, mal eine Lernpause einzulegen (weil wegen Sonne. Und weil es nach drei Tagen intensiven Lernens ja auch mal höchste Zeit wird.). Nur deshalb schreibe ich überhaupt.

Dabei möchte ich so gerne schreiben. Pausenlos. An einer Handvoll toller Geschichten, Massen an Artikeln und mindestens drei Dutzend verschiedenen Blogbeiträgen. Wie immer, wenn ich EINFACH KEINE ZEIT HABE.

Ich weiß, dass ich damit nicht allein bin. Aber in dieser krassen Form kenne ich das von niemanden. Zumal dieser Drang, kreativ zu sein und tausend Projekte anzufangen und meine Festplatte zu sortieren und Sport zu machen und ein Drehbuch zu schreiben und nach Hollywood zu gehen und Bürgerinitiativen zu gründen und all das und überhaupt… am Ende ja doch wieder verschwunden ist. Denn:

Leider ist das nämlich kein Witz. Ich habe wirklich so einen Wisch bekommen. Und den habe ich immer noch nicht gelesen. Ich weiß nicht mal, wo ich ihn hingepfeffert habe. Was soll man dazu noch sagen?

Die Therapie hilft dabei auch nur bedingt, womit die Frage bleibt, ob ich den Rest meines Lebens dazu verdammt bin, wichtige Sachen (Hausarbeiten schreiben, Lernen für Prüfungen) so kurz vor knapp zu erledigen, dass die täglichen überforderten Heulkrämpfe praktisch vorprogrammiert sind, oder die schönen Sachen, die ich machen WILL, gar nicht zu erledigen.

Das betrifft nicht nur, aber auch den Blog. Ich möchte Karos Blogstöckchen beantworten. Ich möchte meine Stephen-King-Liste vervollständigen. Ich möchte von meiner USA-Reise schreiben, die ja erst eineinhalb Jahre her ist. Ich möchte ekelhaft romantische Dinge von mir und dem Freund teilen. Ich möchte Musik und Essen und Party. Ich möchte mich auch aufregen über unwichtigen Blödsinn. Ja, und bevor schon wieder jemand fragt, ich möchte sogar meine Liste mit Filmen, die ich liebe, obwohl sie jeder hasst endlich teilen und mir die Haue dafür abholen.

Warum kann ich das einfach nicht? Warum ist das ausgerechnet für mich nicht so einfach?

Die Hoffnung jedenfalls ist noch nicht ganz tot. Darauf, dass ich diese ganze Scheiße bis Oktober, wenn die letzte Klausur vorbei ist, und Januar, wenn die letzte mündliche Prüfung stattfindet, irgendwie überstehe und dann endgültig und tatsächlich durchstarten kann. Wie das aussieht weiß ich zwar noch nicht, aber das Thema „Uni“ ist dann jedenfalls abgeschlossen und „Lernen“ damit hoffentlich auch (zumindest in dieser Form – man lernt ja sein ganzes Leben und so).

Bis dahin freue ich mich über so aufregende Dinge wie den Keller aufräumen – morgen ist nämlich Sperrmüll. Was eine genauso gute Ausrede für eine Lernpause wie alles andere ist.

 

 

 

 

Lyrik

Vor fünf Jahren schrieb ich dieses Akrostichon. Ich weiß, es ist krass pathetisch, aber es gefällt mir trotzdem.

 

Siechend geht die Welt zugrunde
Unwahrheit der Großen Wort
Plötzlich ganz so schlägt die Stunde
Einsam leer ein jeder Ort
Reißt alles mit sich fort.
Grausam klingt die schlimme Kunde
Allumfassend diese Wunde
Und die Welt stöhnt „Mord“.

6 Monate und ein Leben

Es ist nun schon ein halbes Jahr her, dass mein Artikel „Eure Awareness kotzt mich an!“ für viel Furore gesorgt hat. Zeit für eine Aktualisierung.

Ich habe nämlich nun einen Therapieplatz.

Und es geht mir so schlecht wie noch nie.

Dabei fängt das gerade erst wieder an. Ich fühle es kommen – meine winterliche Depression. Die jedes Jahr schlimmer wird.

Die Intervalle werden dabei immer kürzer. Bis vor ein paar Wochen kamen die schlimmen Tage nur ein bis zweimal im Monat. Inzwischen sind es so viele in der Woche. Mit einer Tendenz zu „immer“.

Meine Kraft zu Kämpfen schwindet. Dabei ist noch nicht mal Halloween. Auf das ich mich bis jetzt irgendwie nicht freuen kann. So wie ich mich auf überhaupt nichts wirklich freuen kann.

Erledigt kriege ich sowieso nichts, denn nichts scheint irgendeinen Sinn zu machen. Warum etwas tun, das mir sowieso keine Freude macht? Warum etwas unangenehmes erledigen, wenn es doch eh nichts ändert?

Ich stehe morgens auf und warte den Rest des Tages auf sein Ende. Nichts, was dazwischen liegt, hat irgendeinen Reiz. Heute habe ich müßig daran gedacht, eine Freundin anzurufen, mit der ich mich eigentlich jede Woche einmal treffe. Wir trinken was und reden. Eigentlich ganz schön. Aber was soll ich ihr heute sagen?

Egal, was ich mir vorstelle. Alles ist grau. Weggehen. Film kucken. Ein Buch lesen. Was schreiben. Warum überhaupt?

Ich denke mir Projekte aus und schreibe Listen im Wissen, hier nur irgendeinen Grund zu konstruieren für meine erbärmliche Existenz. Ein verzweifelter Versuch, sie irgendwie mit Relevanz zu füllen. Aber was am Ende rauskommt, begeistert mich nicht. Weil mich nichts begeistert.

Ich tue das Minimum dessen, was von mir erwartet wird. Ich gehe arbeiten. Ich schreibe hier, aber nur, weil ich mir selbst Deadlines gesetzt habe. Es macht mir keinen Spaß und auf Kommentare zu antworten schaffe ich nicht. Irgendwann wird niemand mehr was schreiben. Irgendwann, bald vermutlich, werde ich auch all den Menschen in meinem Umfeld zu viel. Warum sollte es denen anders gehen als meiner Familie oder jedem anderen, der mir je etwas bedeutet hat?

Ich habe keine Träume mehr.

Ich habe mich dazu durchgerungen, doch mal Antidepressiva zu versuchen, weil ich das alles nicht länger aushalte. Meine Therapeutin kann mir aber keine verschreiben. Ich muss zum Neurologen oder vielleicht zu meinem Hausarzt, dem ich allerdings bei so einer heiklen Sache nicht vertraue. Inkompetentes Arschloch, zu dem ich nur gegangen bin, weil ich jederzeit kommen konnte, ohne vorher einen Termin gemacht zu haben. Das kommt zwar meiner Antriebslosigkeit entgegen, beweist aber wohl nur, wie inkompetent er ist, wenn er immer Zeit hat.

Neurologe. Facharzt. Facharzt für den Kopf. Ich habe heute fünfmal versucht, bei einem anzurufen. Immer besetzt.

Es geht alles wieder von vorne los. Wieder stehe ich allein da. Aber dieses Mal kann ich keine neun Jahre warten. Ich habe das Gefühl, nicht mal neun Tage warten zu können.

Meine Therapeutin versucht momentan nur, mich irgendwie durch mein Studium zu bringen. Das möchte ich auch, nur um es hinter mir zu haben. Irgendwie fertig werden. Aber dann? Stehe ich da, mit Schulden, die für drei Leben reichen, mit einem Abschluss, mit dem ich nichts anfangen kann. Was danach kommt, ist ein einziges schwarzes Loch.

Wie soll ich dieses Loch füllen, wenn ich nicht mal meinen Tag füllen kann?

Ich kann nicht mehr. Wofür auch. Ich habe keine Träume mehr. Außer diesem:

Ich träumte, meine Mutter sei tot. Ich wachte auf und musste weinen. Dann der Gedanke, dass ich mich endlich umbringen könnte, wenn sie tot wäre. Noch mehr weinen.

Ich habe Angst, dass ich das neue Jahr nicht mehr erlebe.
Und ich habe Angst, weil mir dieser Gedanke immer weniger Angst macht.

Diese niedlichen Erstis

Ersti-Kneipentour, Die:
[1] Jährlich zu Semesteranfang wiederkehrendes Event organisiert von den unterschiedlichen Fachschaften der ortsansässigen Hochschulen für die neuen Erstsemester-Studenten mit dem hehren Ziel, diese mit ihren neuen Kommilitonen und dem urbanen Nachtleben des Studienortes bekannt zu machen.
[2] Euphemismus für mehrere Wochen Hölle, während denen sich freundliche, hart arbeitende Kellnerinnen herum schlagen müssen mit überfüllten Kneipen, inkompetenten Organisatoren und frechen Rotzgören, die in einer besseren Welt als dieser niemals ihr Abi bekommen hätten.


 


 

2013:

Typ: “Da hinten das ist unser Tutor.”
Ich: “Ah, okay.”
Typ: “Wissen Sie, was das heißt?”
Ich: “Hä?”
Typ: “Also, Sie studieren auch, oder? Dann können Sie mit den Begriffen was anfangen?”
WATT???
Ich: “Äh… JA. Und Kommilitonen siezt man nicht, die 50er sind vorbei!”

 


 

Ich: “Kriegt ihr” – drei Erstis – “noch was?”
ErstiTyp: “Ja, mir noch nen Rotwein.”
ErstiTussi1: “Ich nehm nen Weißwein!”
Ich: “Sekunde. Welchen Rotwein, Bordeaux oder Merlot?”
ErstiTyp: “Äääh, den trockenen.”
Ich: “Die sind beide trocken.”
ErstiTyp: “Äh….”
ErstiTussi1: “Ich nehm den Weißwein!”
Ich: “Einen Moment, bitte.”
ErstiTussi1: “Und ein Bier!”
Ich: “Äh, welchen Weißwein, lieblich oder trocken?”
ErstiTussi1: “Oh!”
ErstiTyp: “Den Merlot!”
Ich: “Okay *notier*”
ErstiTussi1: “Den lieblichen!”
ErstiTyp: “Für mich auch noch ein großes Bier!”
Ich: “Moment, Moment…”
ErstiTussi2: “Ich krieg auch ein Bier, aber klein!”
Ich: “Moment!”
ErstiTussi1: “Nee, ich hab dir doch grad eins mitbestellt!”
ErstiTyp: “Nee, für mich doch lieber auch klein! Oder groß?”
ErstiTussi1: “Jedenfalls ein Weißwein und ein Bier!”
Ich: “So, jetzt bitte mal einer nach dem anderen! Also, für dich…?”
ErstiTyp: “Den Merlot und ein Bier.”
Ich: “Das Bier jetzt groß oder klein?”
ErstiTussi1: “Also mir ein…”
Ich: “Pscht!”
ErstiTyp: “Äh…”
ErstiTussi1: “Für mich…”
Ich: “Pscht!”
ErstiTyp: “Klein!”
Ich: “Okay, JETZT du?”
ErstiTussi1: “Den lieblichen Weißwein und ein kleines Bier!”
Ich: “Okay…”
ErstiTussi2: “Mir ein kleines Bier!”
Ich: “Ähm, war das jetzt das, was sie dir mitbestellt hat?”
ErstiTussi2: “Äh…”
ErstiTussi1: “Ich wollte…”
Ich: “PSCHT!!!”
Und beim Bezahlen lief es genauso ab.


Ich, strahlend mit einem Tablett Frei-Shots ankommend: “Die gehen aufs Haus, herzlich Willkommen in…”
Typ *grapscht nach einem Shot*
Ich: “Äh, Gemach, lass mich doch mal abstellen.”
Typ1 *zieht die Hand zurück*
Typ2 *schnappt sich blitzschnell einen Shot, kippt ihn dabei halb um*
Ich (mit zusammenfallendem Enthusiasmus): “Ähm, das gilt auch für dich.”
Typ2: “Nee, für mich gilt das nicht!” *debiles Gelächter*


Typ: “Bei euch bezahlen die Tutoren nix, gell?”
Ich: “Ja.”
Typ: “Oh, okay, dann ZWEI Bier für mich!”


2014

Ich: “Was darf es für euch sein?”
ErstiTussi: “Also mir nur ein Wasser, aber mit Strohhalm, damit es so aussieht als hätte ich einen Cock-tääähl.”
Ich: *um Fassung ring*


Eine Gruppe mit 30 Erstis schlägt auf. Ich fange an einem Kopfende an und arbeite mich quälend langsam zum anderen vor.
Dort angekommen:
Ich: “Was kann ich euch bringen?”
Erstityp: “Äh…!” *karte in zeitlupe aufnehm*
Ich: *wart*
Erstityp: “Äh…!” *in karte starr*
Ich: *wart*
Erstityp: “Äh…!” *noch ein bisschen weiter starr*
Ich: “Okay, für euch?!”
Restliche Leute: *bestell* *bestell* *bestell*
Ich: “So, und für dich?”
Erstityp: “Äh… ein Kölsch! Aber klein!!”
Ich: “Alles klar…” *knirsch*
Erstityp: *erhebt den zeigefinger* “Aber bloß nicht abgestanden! Gestern waren wir in einer Kneipe, da war das Kölsch doch tatsächlich abgestanden!”
Ich: “Oh nein, keine Sorge. Gott bewahre, dass bei dreißig Getränken, die ich gleichzeitig machen muss, das Kölsch abgestanden wäre.”
Erstityp: “Ja, ganz genau.”
Ich: Kill… me…!


Ich: “Was darf’s für euch sein?”
Erstitussi: “Ein Cola-Asbach.”
Ich (beim Schreiben murmelnd): “Ein Asbach-Cola…”
Erstitussi (gereizt): “Nein, ein Cola-Asbach!”
Ich: *nur dumm kuck*

Kurz darauf, ich bringe die Getränke:
Ich: “…und hier war das Asbach-Cola…”
Erstitussi: “COLA – ASBACH!!!”
Ich: O.O
Alle Umsitzenden: O.O
Erstitussi: “Sorry. Aber so heißt das bei uns.”
Ich: “Ah. Ja.” *headshot*


Erstitussi: “Ne Weißweinschorle, bitte.”
Ich: “Lieblich?”
Erstitussi: “Oh! Was gibt’s denn noch?”
Ich: “…”


Ich: „Hey, soll ich bei euch schon mal abkassieren? Ihr müsst ja laut Plan gleich weiter…“
Tutor: „Pfft, das ist mir doch egal.“
Ich: o.O


2015

Gruppe von 30 Leuten schlägt auf und verteilt sich sofort über die gesamte Kneipe.
Ich: „Äh, sorry, Fachschaft VWL? Für euch haben wir hier die Tische reserviert.“
Erstitussi: „Aha.“ *bleibt sitzen*
Ich: „Ähm, sorry, würdet ihr euch dann vielleicht dort hin setzen?“
Erstitussi: „Och, warum denn?“
Ich: „Äääääh… DORT haben wir für euch reserviert. Überhaupt… ist es einfacher für uns, wenn eure Gruppe zusammen sitzt…“
Erstitussi: „Hier finden wir es aber schöner!“
Ich: „Ääääh… sorry, das ist mir eigentlich egal, DORT HINTEN IST FÜR EURE GRUPPE RESERVIERT…“
Erstitussi: Bleibt sitzen. Zusammen mit ihren dämlichen Freundinnen.
Ich: Abgang. Fassungslos.


Neue Gruppe will bestellen.
Ich (zu Erstitussi): „Verzeihung, dieses Glas Wein, das du von draußen mitgebracht hast, müsstest du bitte wegstellen.“
Erstitussi (mit lässig-gebieterischer Handbewegung): „Ach ja, das dürfen Sie abräumen.“
Ihre Nebenfrau erstarrt. Der Rest des Tisches erstarrt. Nach einer kurzen peinlichen Pause erstarrt auch die Tussi.
Ich: „Oh, darf ich das. Wie gütig.“


Erstitussi (an der Theke): „Sorryyy, kann man sich Musik wünschen?“
Ich: „Hm, was denn?“
Erstitussi: „Hiphop!“
Ich: „Nee, das haben wir nicht. Sorry.“
Erstitussi: „Nur mal kurz! Das hier ist so schrecklich!“
Ich: „Wie gesagt, wir haben kein Hiphop. Wir sind eine Rockkneipe.“
Erstitussi: „Boah, OKAY…“

Sie stöckelt zurück zum Tisch. Ich höre:
Erstityp: „Und?“
Erstitussi: „Will die nicht spielen. TOTALE IGNORANZ!!!“
Ich: *mich selbst am Hemdkragen zurück halt*


Tutor kommt zur Theke: „Entschuldigung, kriegen wir noch Freischnäpse? Es sind ein paar noch nachgekommen.“
Ich: „Sorry, aber meinst du nicht, das reicht jetzt? Ihr seid jetzt schon bei 39 Schnäpsen!“
Tutor: „Ja, wir sind ja auch so viele Leute!“
Ich: „Komischerweise seid ihr aber laut Bestellungen nur…“ Ich schaue nach. „ZWÖLF. ZWÖLF Leute.“
Tutor: „Ja gut, dann halt nicht. Merken wir uns für nächstes Jahr!“
Ich: „…“



Sind sie nicht niedlich?

Nein, sie sind nicht niedlich.