Rezension: Die Fettlöserin – eine Anatomie des Scheiterns

Nichole Jäger hatte schon immer Gewichtsprobleme und  vor einigen Jahren mit Mitte 20 schließlich das stolze Gewicht von 340kg erreicht. Inzwischen wiegt sie nur noch die Hälfte, ist Abnehmcoach und hat über ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben:

fettlöserin

Als ich zum ersten Mal über den Blog der Autorin stolperte, war ich begeistert von ihrer lockeren Art und konnte vieles mit vollem Herzen unterschreiben. Deshalb möchte ich vorab sagen, dass ich Frau Jäger für einen sympathischen und humorvollen Menschen halte und es sicher Spaß machen würde, mit ihr ein Bier trinken zu gehen.
Dabei sollte das Gesprächsthema jedoch besser nicht “Abnehmen” sein, denn inzwischen bin ich etwas klüger und weiß, dass die geschilderten Fakten und Gedanken zum Thema bestenfalls auf Halbwissen beruhen. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch potentiell gefährlich für Leser, weshalb ich mich zu dieser Rezension entschlossen habe.

Zunächst zum autobiographischen Teil. Viele Rezensenten auf Amazon oder anderswo haben schon bemängelt, dass einige Details ihrer Geschichte einfach nicht ganz stimmig sind. Die ersten Diskrepanzen fallen ziemlich schnell auf, wenn man nur mit ein bisschen Aufmerksamkeit liest.

Wie kann sie beispielsweise im Abitur eine 2 in Sport erreichen, wenn sie mit 14 eine Hüft-OP über sich ergehen lassen muss und erst zwei Jahre darauf wieder selbstständig stehen kann? Was ist in den Jahren zwischen diesem Ereignis und dem Abitur passiert, zumal sie berichtet, nach ihrem Unfall nie wieder richtig mit Sport angefangen zu haben?

Direkt im Anschluss dann die Zeit, in der sie auf 340kg zugenommen hat. Sie hat sich Essen von Supermärkten und Pizzaservices liefern lassen, ok. Aber wer hat das bezahlt? Wer hat überhaupt ihren Auszug von zuhause, das viele Essen, ihr Leben finanziert? Was hat sie in der Zwischenzeit gemacht, wie hat sie es vor sich selbst gerechtfertigt, keine Ausbildung anzufangen, was ging in dieser Zeit in ihr vor, wie konnte sie auf diese Weise volle acht Jahre zubringen? Das sind Fragen, auf die keine Antworten gegeben werden.

Und dann ist da noch die generelle Frage bezüglich der Glaubwürdigkeit. Es gibt keine Fotos, keine Dokumente der Abnehmklinik, einfach nichts, was ihr Startgewicht oder die Schritte bis zum jetzigen Gewicht belegt. Es hat nichts mit Voyeurismus zu tun, bei einem so unvorstellbar hohem Gewicht irgendeine Art von Beweis zu verlangen. Frau Jäger vermarktet ihre große Gewichtsreduktion und das sehr aggressiv, TV-Auftritte und natürlich das Buch inklusive – da wird die Frage nach einem Nachweis ja wohl noch erlaubt sein.
Aus diesem Grund zweifeln nicht wenige ihr hohes Ausgangsgewicht an. Ich gehe allerdings noch einen Schritt weiter und bezweifle, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt wirklich “nur” 170kg wiegt. Vergleicht man sie mit anderen Frauen ihrer Größe und ähnlichen Gewicht, fällt auch hier auf, dass sie wesentlich massiger wirkt. Und das alles trotz des vielen Sports, der ja zum Muskelaufbau beitragen und damit optisch schlanker machen sollte?

Irgendwie passt da vieles nicht zusammen. Da ihr hohes Ausgangsgewicht und ihre Abnahme jedoch Kern ihrer medialen Präsenz ist, drängt sich die Frage auf, was passieren würde, käme heraus, dass hier Dinge falsch dargestellt worden sind. Wäre das nicht sogar ein Fall irreführender Werbung?

Möglicherweise tue ich und andere Rezensenten ihr hier Unrecht, aber ohne Fotos oder auch nur Gewichtskurven fällt es nun mal schwer, ihren Weg nachzuvollziehen und das alles auch zu glauben.

Das sind einige Dinge, die im Blog wenig aufgefallen sind, aber in dieser geballten Form als Buch leider zwangsläufig Fragen aufwerfen. Doch nehmen wir einmal an, die Darstellung stimmt, dann bleibt da immer noch der darauf folgende “wissenschaftliche” Teil.

Ich muss das leider in Anführungszeichen setzen, denn bis auf ein paar chemische Formeln und Fachvokabular erinnert hier leider nichts an Wissenschaftlichkeit. Zumal Frau Jäger der erstaunliche Spagat gelingt, eigentlich ziemlich einfache Informationen mit vielen Fremdwörtern unnötig kompliziert wiederzugeben und sich gleichzeitig an die Leser zu wenden, als hätte sie eine Schulklasse minderbegabter Achtjähriger vor sich. Der flapsige Schreibstil wirkt hier besonders unpassend und einfach nur enervierend. Müssen solche seitenlang ausgebreiteten “Sendung mit der Maus”-Vergleiche wirklich sein in einem Buch, das sich an ein erwachsenes Publikum richtet und dieses damit behandelt, als wäre es besonders schwer vom Begriff?

Vom Inhalt dieser physikalischen Exkurse ganz zu schweigen. So erklärt sie mit vielen Worten, wohin Fett eigentlich verschwindet, wenn es abgebaut wird. Es wird nämlich hauptsächlich ausgeatmet.
Aha… und jetzt? Das ist bestenfalls ein halbwegs interessanter Funfact, aber wie genau hilft das jetzt bei der Abnahme? Mir persönlich ist es ehrlich gesagt völlig egal, auf welche Weise das Fett meinen Körper verlässt, zumal dieses Wissen den Prozess weder unterstützt, noch beschleunigt!
Ihr wohl witzig gemeinter Hinweis, sich beim Sport nicht zu schämen, wenn man vor Anstrengung keucht und hechelt, da hier immerhin gerade Fett ausgeatmet wird, kann dann auch leicht missverstanden werden. Eine höhere Atemfrequenz = mehr Fettabbau? Nicht wirklich, ne? Dieser Eindruck könnte aber bei dem ein oder anderen Leser entstehen. Es gibt wesentlich bessere und vor allem wissenschaftlich exaktere Gründe, um die Leser zu mehr Bewegung zu animieren!

Die selben unnötig vielen, unnötig komplizierten Worte verschwendet sie bei ihrer Erklärung über Kohlehydrate (was den meisten ohnehin noch aus dem Bio-Unterricht bekannt sein müsste), bei der sie eine Lanze für diesen Makronährstoff bricht und die Leser gleich noch wissen lässt, dass sie vom Low-Carb-Trend überhaupt nichts hält.
Sie echauffiert sich über die Verteufelung der Kohlenhydrate, argumentiert dabei aber komplett am Thema vorbei. Es ist nämlich mitnichten so, dass Kohlenhydrate bei den meisten Low-Carb-Diäten als etwas böses gelten, das für alle Zeiten gemieden werden muss. Der Grund vieler Menschen, während ihrer Abnahme auf Kohlenhydrate zu verzichten, ist ganz schlicht der: weil Kohlenhydrate in egal welcher Form wahnsinnig viele Kalorien haben. Zumal sie meist Hauptbestandteil der Nahrung sind. Ein Esslöffel Öl macht Sinn, ein Esslöffel Nudeln dagegen nicht so, oder?
Diese Kalorien kann man genauso gut für Gemüse und mageres Fleisch aufwenden, zumal es in der Low-Carb-Küche inzwischen sehr viele leckere und kreative Alternativen für kohlenhydratreiche Produkte gibt – und damit wird man am Ende sogar satter als MIT Kohlenhydraten bei gleicher Kalorienmenge! Auch die von ihr so vielgelobten Ballaststoffe sind bei einer solchen Ernährung überreichlich vorhanden – ganz ohne kalorienreiche Vollkornprodukte.

Frau Jäger beschreibt lang und breit, dass jeder Mensch seinen individuellen Weg zum Abnehmen finden muss. Wie ist vor diesem Hintergrund diese Wut (ja, es ist richtige Wut!) zu rechtfertigen gegen eine Ernährungsform, die man übrigens weder täglich, noch für immer praktizieren muss, obwohl in vielen Versuchen gute Abnehmerfolge mit einer solchen Ernährung dokumentiert worden sind? Möglicherweise haben nicht alle Leser solche Probleme wie Frau Jäger, auf Nudeln zu verzichten (ihre eigene Aussage), aber ihre Abrechnung mit diesem “Trend” empfinde ich schon fast als beleidigend diesen Leuten gegenüber, zu denen ich mich auch zähle. Ist das wirklich das, was sie ihren Klienten mitgeben will – obwohl die doch selbst am besten wissen müssten, worauf sie verzichten können?

Was dann auch noch richtig unangebracht ist, ist ihr Vergleich mit Antidepressiva. Kohlenhydrate würden ähnlich wirken – daher mache Schokolade auch so glücklich. Da fragt man sich ganz böse, warum sie mit der Ananas-Diät so unzufrieden war? Die bestehen doch praktisch aus nichts anderem!
Der Verdacht drängt sich auf, dass sie nur eine Rechtfertigung sucht, weiterhin Nudeln zu essen, so wie sie Vollkorn und die darin enthaltenen Ballaststoffe lobt, denn darüber hinaus scheint ihr die Zusammensetzung der Lebensmittel ziemlich egal zu sein. Sie geht tatsächlich nur auf Ballaststoffe ein zur Ehrenrettung ihrer Kohlenhydrate. Als enthielten andere Nahrungsmittel nicht ebenfalls Ballaststoffe!

Was dagegen als wissenschaftlicher Fakt nur ganz am Rande erwähnt wird und gegenüber den Informationen zum Fettabbau eine wesentlich größere Daseinsberechtigung gehabt hätte, bezieht sich auf das Energiedefizit. Es ist nämlich so, dass jeder Mensch, egal mit welcher Ernährung, ziemlich genau 7000kcal einsparen muss, um 1 Kilo Fett zu verlieren. Das ist universell, das ist Physik und gilt für jeden. Warum widmet sie dieser Information nicht mehr als einen Halbsatz, den mit Sicherheit viele Leser gar nicht verstehen, weil ihnen diese Formel unbekannt ist?
Natürlich: Weil diese Rechnung Kalorienzählen nahe legt und Frau Jäger nichts vom Kalorienzählen hält. Warum, erwähnt sie übrigens nicht. Vermutlich, weil es irgendwie genussfeindlich ist, genau zu wissen, was man zu sich nimmt und seine Abnahme darauf aufbauend berechnen zu können? Oder weil es weh tut, schwarz auf weiß zu sehen, wie viel man da gerade gegessen hat, obwohl das doch so ausgewogen und ballaststoffreich war?

Damit zum definitiv größten Problem innerhalb des “wissenschaftlichen” Teils, nämlich ihrem Kapitel über den Jojo-Effekt und den sogenannten Hungerstoffwechsel.
Frau Jäger ist leider nicht die Einzige, die vollkommen überzeugt davon ist, dass der Körper anfängt, Fett zu “bunkern”, wenn man während einer Diät “zu wenig” isst. Dies führe dann in kürzester Zeit zu einer erst langsameren, dann völlig zum Erliegen kommenden Abnahme und schließlich zur Zunahme, da sich der Körper bei geringer Kalorienmenge in einer Hungersnot wähnt und den Stoffwechsel auf “Sparflamme” schaltet, und zwar auch noch dann, wenn man wieder mehr isst – der Jojo-Effekt.
Frau Jäger gibt sogar zu, dass bei dem Thema selbst unter Experten Uneinigkeit herrscht, propagiert die Angst vor dem Hungerstoffwechsel aber trotzdem munter weiter, wobei sie nicht einen einzigen Beleg liefert. Hat sie zuvor erklärt, der Grundumsatz sei das, was der Körper bei völliger Ruhe braucht, nur um seine lebenserhaltenden Funktionen ausführen zu können, weiß sie nun zu berichten, dass sich der Grundumsatz im Hungerstoffwechsel halbieren kann. Natürlich auch das völlig ohne Beleg!

Es fällt schwer, an dieser Stelle nicht entsetzt das Buch wegzulegen. Die Vorstellung, ein Körper, der mit 340kg das Fünffache (!!!) dessen wiegt, was bei Frau Jägers Größe normal wäre, würde sich im Krieg wähnen und anfangen “für schlechte Zeiten” zu bunkern, weil er länger als fünf Tage am Stück “zu wenig” Kalorien bekommt, ist einfach nur grotesk!

Zusammen mit dem Larifari-Ton, den Frau Jäger hier anschlägt (“vielleicht stimmt das ja doch nicht, aber selbst wenn nicht, habe ich trotzdem schon 170kg abgenommen”) entsteht der Eindruck einer eigentlich ob der schieren Menge an validen Daten, die allesamt die Existenz des Hungerstoffwechsels widerlegen, zutiefst verunsicherten Frau, die Dinge wiederkäut, mit denen sie sich im Grunde kaum befasst hat. Eigentlich bemitleidenswert, aber nicht akzeptabel ist dabei die Panik, die sie bei ihren Lesern verbreitet. Der Körper merkt innerhalb von fünf Tagen, dass er sich praktisch in einer Hungersnot befindet, braucht aber Monate, um den Stoffwechsel bei gesteigerter Nahrungsaufnahme wieder zu normalisieren – während er unweigerlich zunimmt? DAS ist beängstigend. Glücklicherweise stimmt es nicht.

Frau Jäger hat dann auch einen Tipp auf Lager, wie man diesen Zustand umgehen kann, nämlich indem man maximal 500kcal unter seinem Gesamtumsatz isst. Diese Information weiter zu geben scheint ihr allerdings Bauchschmerzen zu bereiten und nicht so recht ins Konzept zu passen, denn um das hinzukriegen, muss man Kalorien zählen und davon hält sie ja wie gesagt nichts. Sie tröstet den Leser jedoch, dass auf diese Weise eine Abnahme von einem halben Kilo in der Woche möglich wäre, ganz ohne in den Hungerstoffwechsel zu fallen.

Ein Richtwert also, an den sie sich selbst nicht hält, denn die ersten 60kg hat sie in 8 Monaten verloren, was in dieser Zeit einem durchschnittlichen täglichen Energiedefizit von ca. 1750kcal entspricht, also ca. 1,8kg die Woche. Diese hohe Abnahme ist natürlich nur möglich, weil ihr Grundumsatz bei ihrem Ausgangsgewicht schon bei über 4000kcal lag. Da sie aber in dieser Zeit nahezu bewegungsunfähig war, kann ihr Gesamtumsatz nur unwesentlich höher gewesen sein, was zusätzlich beweist, dass an der Maxime “höchstens 500kcal unter Gesamtumsatz, sonst Hungerstoffwechsel” nichts dran sein kann. Gleichzeitig berichtet sie, in der ersten Zeit ca. 3kg die Woche verloren zu haben, was damit ja auch wieder nicht zusammen passt!

Man fragt sich: Ist Frau Jäger nie aufgefallen, dass sie sich selbst nicht gemäß ihrer eigenen Regeln ernährt? Oder gibt sie tatsächlich nur die halbgaren, wissenschaftlich unhaltbaren Tipps wider, die sie während ihrer Diätkarriere aufgeschnappt hat, ohne auch nur einmal einen Taschenrechner in die Hand zu nehmen oder eine Studie dazu zu lesen?

Weitere konkrete Tipps sucht man in diesem Buch dann leider auch vergeblich. Ja, es soll kein Diätratgebr im klassischen Sinn sein… aber etwas mehr als “Vollkornprodukte, Gemüse und auch etwas Protein” wäre ja wohl doch zu erwarten?

So bleibt für den Leser nur ihr ständiges Credo: “Diäten sind schlecht und funktionieren nicht!” Wobei man sich dann fragen muss, wie SIE eigentlich abgenommen hat. Ob mit oder ohne Kalorien zählen, eine Nahrungsaufnahme mit einem täglichen Defizit von 1750kcal IST eine Diät, ob sie es so nennt oder nicht. Da sie darüber hinaus offensichtlich die physikalischen Mechanismen des Abnehmens ignoriert, ist es wenig überraschend, dass ihre Diäten nie langfristig funktioniert haben.

170kg abzunehmen ist definitiv eine Marke (Frau Jäger erinnert den Leser vorsorglich fast jede zweite Seite daran). Ein anderer Rezensent schrieb dann auch irgendwo begeistert, Nicole Jäger habe es geschafft.
Dem muss ich entschieden widersprechen. Frau Jäger hat es NICHT geschafft, sondern schleppt immer noch gut 100kg Übergewicht mit sich herum. Ein Wert übrigens, der sich laut ihrem Blog seit Monaten nur unwesentlich verändert hat.
Zusammen mit ihrem ebenfalls im Buch befindlichen Bericht darüber, schon mal bei 140kg angekommen zu sein, dann aber wieder auf 210kg ZUgenommen zu haben (der böse Jojo-Effekt), muss man auch ihrer eigenen Aussage widersprechen. Frau Jäger weiß eben leider NICHT, wie Abnehmen funktioniert.

Sie verteufelt Diäten, obwohl diese weder per se ungesund sind, noch im Jojo-Effekt enden müssen, wenn die Mechanismen des Abnehmens bekannt sind (darunter auch die Tatsache, dass der Grundumsatz bei sinkendem Gewicht ebenfalls sinkt, da weniger Masse versorgt werden muss und man deshalb nicht mehr “so essen kann wie vorher”, ohne zuzunehmen – was nicht das Geringste mit dem vielgefürchteten “Hungerstoffwechsel” zu tun hat). Sie propagiert eine gesunde, ausgewogene Ernährung, obwohl sie in ihrem jetzigen Zustand absurde Mengen vertilgen muss, um ihr Gewicht von 170kg zu halten. Würde sie sich gemäß des Gesamtumsatzes einer normalgewichtigen Frau ihrer Größe ernähren, würde ihre Abnahme wesentlich schneller vonstatten gehen. Sie schreibt leidenschaftlich gegen das Hungern an, obwohl jedem normalen Menschen klar sein muss, dass ein Magen, der an so riesige Mengen gewöhnt ist, wie sie sie zu ihren schwersten Zeiten zu sich genommen hat, völlig überdehnt ist und gar nicht anders kann, als mit Hunger zu reagieren, sobald er normale Portionsgrößen bekommt – womit der Tipp, bloß immer seinem Hunger nachzugeben, einfach nur eine Verlängerung der Leidenszeit bedeutet, zumal der Magen sich auch sehr schnell wieder umgewöhnen kann, wenn man ihn lässt.

Es steht jedem frei, aus diesem Buch, das darüber hinaus leider auch voll von ganzheitlichen Plattitüden ist (Liebe dich selbst! Verzeihe dir! Hinfallen ist nicht schlimm, wenn man danach wieder aufsteht!), irgendetwas gehaltvolles zu ziehen, was über das kurze Amüsement über die durchaus witzigen Kapitel, in denen Frau Jäger pointiert über das Leben als dicke Frau berichtet hinaus geht. Für mich ist dies allerdings eher ein Wellnessbuch statt ein echter Ratgeber, der mit Sicherheit dem ein oder anderen Leser das gute Gefühl gibt, sich mit seinem Übergewicht einrichten zu können, ohne wirklich was ändern zu müssen. Ob das auf die Dauer glücklich macht, wage ich zu bezweifeln.

Ich hatte lange nicht vor, mir das Buch zu kaufen. Leider ist nämlich von meiner anfänglichen Begeisterung für die „Fettlöserin“ nichts mehr übrig. Bei allem Gerede über „Schluss mit dem Selbstbetrug“ schreibt sie doch nur das, was der Leser gerne hören will – dass Diäten nichts bringen, der Stoffwechsel Schuld ist. Das ist sehr bequem, denn so muss man ja auch nichts radikal ändern. Lieber mal ein Brötchen weglassen, dafür ein Apfel mehr, bisschen Bewegung und „sich verzeihen“, dann klappt das schon…
Nein, es klappt eben nicht. Ich fand toll, was Frau Jäger schrieb und blieb trotzdem todunglücklich. Ich wollte abnehmen und hatte keine Ahnung wie. Ich glaubte an den Hungerstoffwechsel und daran, dass Diäten böse sind. Das Resultat war eine jahrzehntelange Leidenszeit voller Misserfolge und Selbsthass.

Und dafür sind nicht zuletzt Ergüsse wie das vorliegende Buch verantwortlich. Ich habe es mir schließlich doch aus Neugier gekauft. Ich ahnte schlimmes, aber es kam noch viel schlimmer, wie ich hoffentlich erschöpfend dargelegt habe. Dieses Buch ist schlicht völlig ungeeignet für Übergewichtige und reproduziert den selben unwissenschaftlichen Mist, der auch in Frauenzeitschriften, Internetforen und anderen Diätratgebern zu finden ist. Ich kann gut verstehen, warum viele Menschen so begeistert davon sind, aber einlullendes Feelgood dieser Art und das Verbreiten von Mythen, wo Fakten angebracht wären wird irgendwann zu einem bösen Erwachen führen.

Das habe ich glücklicherweise schon hinter mir und habe auf diese Weise mein Übergewicht endlich verloren. Allen anderen, die dieses Buch mit der Hoffnung, wirklich konkrete Abnehmtipps zu finden, gekauft haben oder kaufen wollen, sei deshalb stattdessen das hervorragende Buch “Fettlogik überwinden” von Dr. Nadja Herrmann ans Herz gelegt. Darin schildert die Autorin mit echten wissenschaftlichen Background, vielen Belegen und trotzdem allgemein verständlich und unterhaltsam die wahre Anatomie des Abnehmens, die es jedem Leser möglich machen wird, sein Idealgewicht zu erreichen, sofern er denn willig ist. Zumal die Autorin bei einem Startgewicht von 150kg und jetzigen Gewicht von 63kg im Gegensatz zu Frau Jäger WIRKLICH behaupten kann, es “geschafft” zu haben.

Leider scheint es darüber hinaus so, als würde sich Frau Jäger momentan auf ihren immer noch absurd hohem und gesundheitsschädlichen Gewicht einrichten, weil es sich offensichtlich finanziell für sie lohnt, sich als “der lustige Abnehmcoach, der selber fett ist” zu vermarkten – und hat sich damit meiner Meinung nach ziemlich an die Wand manövriert.

Ich hoffe für sie, dass sie dahingehend noch die Kurve kriegt.

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Der Endgegner im Badezimmer 3: Buchtipp „Fettlogik überwinden“

Vermutlich hat jeder Mensch, der mal im Laufe seines Lebens versucht hat abzunehmen, irgendwann mal einen Diätratgeber in die Hand genommen oder Zeitschriften zu dem Thema gewälzt. Und vermutlich hat das nie etwas gebracht und deshalb kotzt euch das alles jetzt sehr an.

Und trotzdem möchte ich euch heute ein Buch empfehlen, das überhaupt kein Diätratgeber sein will, aber in meinen Augen sämtliche Ratgeber für alle Zeiten überflüssig macht.

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Zur Autorin
Dr. Nadja Hermann hat Psychologie studiert, in dem Fach auch promoviert und ist heute Therapeutin. Bezüglich der Gewichtsprobleme liest sich die Biographie der Autorin aber sehr ähnlich wie meine: Sie war schon als Kind übergewichtig, hat im Laufe ihres Lebens eine Diät nach der anderen angefangen und wieder abgebrochen und gab schließlich auf mit der Gewissheit, dass manche Menschen einfach nicht für Normalgewicht gemacht sind. Nur brachte sie anders als ich am Ende nicht ein paar Kilo Übergewicht auf die Waage, sondern satte 150 Kilo auf 1,75 Körpergröße.
Zu dieser Zeit beschäftigte sie sich mit Fat Acceptance und war froh über die dort herrschende Meinung, dass Übergewicht eigentlich überhaupt nichts mit Gesundheit zu tun hat. So jedenfalls, bis sie sich eine Verletzung zuzog und plötzlich das Damoklesschwert „lebenslängliche Immobilität“ über ihr hing.
Zwangsläufig begann sie also, sich erneut mit dem Thema Gewichtsabnahme zu beschäftigen und stieß dabei auf all die vielen Techniken, Mythen, Methoden und Weisheiten, die wohl jeder von uns verinnerlicht hat: Der Stoffwechsel muss ständig angekurbelt werden, da er sonst seinen Dienst einstellt, man muss x-mal am Tag essen, um nicht in den „Hungermodus“ zu fallen, man darf eine bestimmte Kalorienmenge täglich nicht unterschreiten, weil das ungesund ist und man sonst nicht abnimmt etc.pp.
Zu ihrer eigenen Überraschung musste sie feststellen, dass sämtliche dieser Weisheiten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand hielten. Ein Jahr später hat sie ihr Idealgewicht von 62kg erreicht und sich entschlossen, all ihre Erkenntnisse in einem Buch zu sammeln, das ich euch nun vorstelle.

Über das Buch
Bücher dieser Art kommen normalerweise nicht ohne dämlich-reißerischen Untertitel aus. Der Untertitel hierzu könnte beispielsweise lauten: „So nehmen Sie ab – garantiert!“ – „Diätlügen entlarvt!“ oder „Wie Sie der Qual ein Ende bereiten – für immer!“

So oder ähnlich könnte man es auf das Cover drucken. Und das Beste: All diese Sprüche wären wahr.

Ich habe wirklich sehr lange gegrübelt, wie ich diese Rezension schreiben kann, ohne dass es wie billige Werbung wirkt. Aber das ist völlig unmöglich. Ich kann es einfach nicht anders ausdrücken: Dieses Buch ist eine einzige Offenbarung.

Es erschien am 30. April als E-Book auf Amazon. Ich durfte es aber schon vorab lesen. Nach nicht mal 50 Seiten klappte ich den Laptop zu und beschloss, mein Leben zu ändern.

Das klingt vielleicht hochgradig albern, aber Menschen mit unerfüllten Abnehmwunsch werden mich vielleicht verstehen. Mein Leben lang habe ich versucht, ein Gewicht zu erreichen, das mich zufrieden stellt und glücklich macht, aber ich bin immer gescheitert. Nach außen hin quälte ich mich weiterhin mit sinnlosen Diätversuchen, aber innerlich hatte ich mich schon längst von dem Gedanken verabschiedet, jemals mein Zielgewicht zu erreichen. Und dafür gab es ja auch so viele Gründe: mein niedriger Stoffwechsel, meine Schilddrüsenunterfunktion, meine Antriebslosigkeit, mein Körper, der NIE so wollte wie ich und so weiter.

Das Buch hat mir klar gemacht, dass das alles nicht stimmt. Die ganzen von mir verinnerlichten Mythen, von der Autorin „Fettlogik“ genannt, fußen auf nichts anderem als auf einer Sammlung von falsch interpretierten Studien, Fehlinformationen und schlicht Schwachsinn, der von Leuten verbreitet wird, die es selbst nicht besser wissen.

Und das zu lesen war das Beste, was mir je passieren konnte. Das Buch, obschon kein Diätratgeber, zeigte mir einen Weg auf, mein Ziel doch noch zu erreichen – frei von allen Ketten, frei von „Fettlogik“.

Und, was soll ich sagen: Es wirkt. Seit etwas mehr als einem Monat halte ich mich nun an meinen eigenen Diätplan, den ich anhand der Informationen aus dem Buch entwickelt habe – und habe in dieser kurzen Zeit schon fast sieben Kilo abgenommen. Seht selbst:

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Momentan habe ich ein so niedriges Gewicht wie seit Jahren nicht mehr. Und seit Jahren habe ich mich nicht mehr so gut gefühlt. Doch will ich weiter machen – und Dank des Buches weiß ich nun, dass ich mein Zielgewicht nicht erreichen kann, sondern erreichen werde – und das sogar sehr bald. Natürlich muss ich dafür was tun (was ich tue, erzähle ich euch die nächsten Tage), aber das Buch nimmt aus dem Thema „Abnehmen“ die große Portion Willkür, an der vermutlich die meisten abnehmwilligen Menschen schon mal verzweifelt sind. Und das ist eine so immense Erleichterung, dass ich am liebsten heulen würde, wenn ich darüber nicht so glücklich wäre.

Neben dem großen Teil, der sich mit den Mythen rund ums Abnehmen beschäftigt und der für mich am wichtigsten war, nimmt auch noch eine Aufzählung der gesundheitlichen Risiken des Übergewichts viel Platz ein. Dieser Part ist dem Thema entsprechend etwas trockener, zumal ich mich damit nicht wirklich angesprochen fühlte, da ich mit einem Maximal-BMI von 30 nie wirklich schwer genug war, um wirklich starke gesundheitliche Einschränkungen zu spüren, wobei mein recht junges Alter natürlich auch eine Rolle spielt. Dennoch lohnt sich die Lektüre, auch wenn es teilweise etwas schockierend ist.
Ein Unterkapitel aus diesem Themenkomplex war dann jedoch auch für mich sehr interessant: Die Autorin zitiert eine Studie, die nahe legt, dass möglicherweise eine Korrelation zwischen einem hohen Körperfettanteil und Depressionen besteht, da zu viel Fett im Körper zu Entzündungserscheinungen führen kann, was wiederum die Hirnchemie stören könnte. Das ist noch nicht abschließend geklärt (was die Autorin auch nicht behauptet), aber ich bin sehr gespannt darauf, ob ich hierbei eine Verbesserung feststellen werde.

Der letzte Teil befasst sich mit dem gesellschaftlichen Umgang mit Übergewicht und dürfte den meisten vermutlich am übelsten aufstoßen. Gänzlich einverstanden bin ich hier auch nicht mit allem, aber auch hier sind alle Aussagen mehrfach belegt und laden zur Diskussion ein. Dass diese mit Fat-Acceptance-Vertreterinnen allerdings nicht möglich ist, haben mir die letzten Tage gezeigt und diese werden das Buch so oder so zerreißen, ob mit oder ohne gesellschaftlichen Teil.

Fazit
Was soll ich sagen – dieses Buch ist schlicht genial. Im launigen Schreibstil verfasst und teils mit Auszügen aus der eigenen Biographie gewürzt lässt es sich leicht lesen und macht dabei auch noch Spaß. Dabei ist alles wissenschaftlich fundiert und durch zahlreiche Studien belegt, aus denen die Autorin großzügig und auch für die Laien nachvollziehbar zitiert. Damit wirft sie mal eben so viel Status Quo über den Haufen, dass ich teilweise mit offenen Mund vor dem Buch saß und das Wort „Nobelpreis“ in meinem Kopf aufblitzte.

Ist das völlig übertrieben? Vielleicht. Aber für MICH als Person, die ihr Leben lang mit ihrem Gewicht haderte, aber dabei an tausend Regeln scheiterte, die allesamt sinnlos sind, stellt das Buch die Art Aufklärung da, von der ich gar nicht wusste, dass ich sie brauche, weil mir überhaupt nicht klar war, dass ich an lauter Bullshit glaube, der gar nicht stimmt.

Darauf möchte ich morgen noch genauer eingehen. Bis dahin sei dieses Buch jedem – wirklich JEDEM – empfohlen, der mit seinem Gewicht unzufrieden ist. Zwar habe ich hier die ganze Zeit von Übergewicht geredet, aber auch für Menschen mit Untergewicht, die daran etwas ändern wollen, zeigt das Buch Wege auf, damit umzugehen und es zu beheben. Doch auch für Menschen ohne Gewichtsproblematik lohnt sich der Kauf, denn durch Werbung, Diätratgeber und sogar Ärzte ist unsere Gesellschaft regelrecht durchzogen von „Fettlogik“. Außerdem ist es ein schönes Lehrstück darüber, nicht alles unhinterfragt zu glauben, denn bei mehreren Kapiteln, in denen die Autorin „Fettlogiken“ demontierte, saß ich mit Dauer-Facepalm vor dem Bildschirm und dachte „Mein Gott, natürlich!“ – denn einiges dieser „Fettlogik“ ist so unglaublich unlogisch, dass es fast unvorstellbar ist, dass noch nie jemand vorher darauf gekommen ist.

Die große Leistung der Autorin besteht also darin, genau diese Dinge hinterfragt zu haben und auf eine Art und Weise zusammen zu tragen, die bisher in der Diätratgeberlandschaft absolut beispiellos ist. Mir hat es so sehr geholfen und eine solche Last von den Schultern genommen, dass ich mir wünschen würde, es auf Rang 1 der Bestsellerlisten zu sehen, denn ich weiß, dass es viele Millionen Menschen da draußen gibt, die genauso unglücklich sind wie ich und genauso wie ich nicht wissen, was sie dagegen tun sollen. Jedenfalls bisher!

Das einzig Negative, was ich über dieses Buch sagen kann, ist: Schade, dass es noch keine Druckversion gibt – und dass ich es nicht schon vor 15 Jahren lesen konnte.

Blog zum Buch: Fettlogik

Themenwoche:
Teil 1: Der ewige Kampf
Teil 2: Fatshaming, Fatacceptance

In eigener Sache: Zweihundert! (+ ganz viele Awards)

Wenn ich ständig Bock habe, was zu schreiben, es aber nicht kann, weil ein Jubiläum bevor steht und das erst begangen werden muss… dann ist das eine kaum befriedigende Ausrede für mein langes Schweigen hier! Aber tun wir einfach mal so, als ob!

Ja, ich habe meinen Bloggeburtstag (kurz vor Weihnachten) wieder mal nicht begangen. Dafür musste ich mit Schrecken feststellen, dass ich fast meinen 200. Artikel verpasst hätte. Das ist übrigens der hier!
Weil das etwas unerwartet kam, kann ich leider nicht mit sowas unfassbar Tollem wie letzten Mal aufwarten, aber trotzdem soll es doch zumindest eine Neuerung geben. Aufgepasst:

Ich habe nun endlich einen Blogroll.

Krass unhöflich, dass es so lange gedauert hat, aber was soll man machen. Alle enthaltene Blogs besuche ich jedenfalls regelmäßig und möchte sie hiermit empfehlen. Gleichzeitig möchte ich mich vor allem bei den nicht-feministischen Bloggern und vor allem Bloggerinnen vorauseilend dafür entschuldigen, dass durch eine Verlinkung von mir leider das Risiko besteht, frauenfeindliche, absolute Flachpfeifen auf eure Blogs zu lotsen. Zwar habe ich seit einiger Zeit realisiert, dass die Idioten, die mich am meisten hassen, meinen Blog nicht lesen (…), aber wer will da schon nach Logik fragen.
(Man könnte jetzt argumentieren, dass ich genau mit dieser Ankündigung diese Leute ERST RECHT dorthin locke, wo sie nur rumtrollen. Vielleicht ist aber auch das Gegenteil der Fall. Vielleicht aber auch nicht. Bevor man in diese Gedankenspirale gerät, denkt man am besten gar nicht so genau drüber nach.)

So, das war die wichtigste Neuerung. Weiter zum zweiten Punkt: Blogawards, Blogawards! Da ist so viel liegen geblieben (teilweise von vor MONATEN), dass ich mich entschlossen habe, alles in einen Beitrag zu packen. Wobei meine Faulheit euch natürlich nicht davon abhalten soll, mir weiter Awards zu spendieren, denn Preise bekommen ist immer gut!


Liebster Award
Als erstes zu Taliannas Nominierung für den „Liebsten Award“ – die bestimmt schon gedacht hat, ich hätte das vergessen! Die Nominierung kam nämlich schon im August, während ich wandern war. Aber ich habe es im Hinterkopf behalten und darf nun 10 Fragen beantworten!

1. Kostüm und Superkräfte – welcher Superheld bist Du? Oder, wenn’s keinen passenden gibt oder Du keinen Passenden kennst, wie sähe Dein Kostüm aus, welche Superkräfte hättest Du, wen würdest Du bevorzugt retten?
Hach, wie sagte mal ein psychologisch inkompetenter Kerl zu mir? „Interessant, dass du dich nach einem SIDEKICK benannt hast“. Was natürlich die Tatsache völlig ignoriert, dass „Batman“ kein Vorname ist. Erst Recht kein weiblicher.
In Wahrheit wäre ich gar nicht gerne Robin. Ich meine, natürlich würde ich bei einem entsprechenden Angebot nicht nein sagen, aber an sich wäre ich gerne meine eigene Herrin. Kräfte? Puh, ich würde so ziemlich alles nehmen. Bei Kostümen wiederum würde ich es gerne postmodern halten, sprich: normale Klamotten, nur halt cool, also sowas wie Jeans, geile Stiefel, ein Shirt und was Trenchcoatartiges. Fertig ist die mysteriöse Rächerin der Nacht – die eigentlich alle rettet, aber vor allem Arschlöcher bekämpft.

2. Witzig oder nicht: Dein liebstes Wortspiel!
Ich mag Wortspiele nicht. Zumindest keine schlechten, wie sie im alltäglichen Sprachgebrauch üblich sind. Wer zum Beispiel „zum Bleistift“ sagt, geht das Risiko ein, von mir mit demselben brutal erstochen zu werden!
Aber es gibt ja auch bessere Sachen, die ich sicher auch benutze, nur fällt mir natürlich jetzt zum Verrecken kein’s ein. Ich bin eher so der Film-und-Serienzitate-Typ. Das einzige, was vielleicht als Wortspiel durchgehen könnte, ist folgender bei uns verbreiteter Spruch: „Wein auf Bier – das rat ich dir. Bier auf Wein – das rat ich dir!“
Leider wird der erschreckend oft nicht gecheckt („ääääh, so heißt das aber nicht!“)…

3. Das beste Essen der Welt ist:
Pizza. Klaro.

4. Was steht auf Deinem Schreibtisch?
Weil ich eine sehr gewissenhafte Studentin bin, besitze ich so etwas nicht.

5. Ich bin nah am Wasser gebaut. Was bringt Dich – im Positiven, vor Rührung, vor Freude – zum Heulen?
Hm – ich hab beim Ende von „Terminator 3“ im Kino geheult, weil ich das mit all den Atombomben irgendwie so ergreifend fand. Aber ist das positiv? Ich heule auch bei Liebesfilmen oder Hochzeiten. Wobei ich da immer aufpassen muss, dass die Freude nicht in tiefschwarzen Selbsthass umschwenkt, aber das kriege ich meistens ganz ok hin.

6. Gibt es eine Sache, bei der Du Dich fragst, warum Du sie nicht schon längst mal gemacht hast?
Irgendwie find ich’s schlimm, dass mir hier jetzt so überhaupt nichts einfällt.

7. In wessen Schuhen wärest Du gerne mal für einen Tag?
Ich glaube, ich wäre gerne Bundeskanzlerin. In einem Tag kann man da zwar nicht allzu viel reißen. Aber man kann es ja zumindest mal versuchen.

8. Wie feierst Du Deinen Geburtstag am liebsten?
Völlig eskalativ mit ein Haufen Leuten, viel Alkohol, supergeiler Musik und wilder Tanzerei in einer Location, die ich nicht aufräumen muss!

9. Wie lautet der Titel Deiner Autobiographie?
„Hättet ihr zugehört, würde es Sinn ergeben“.

10. Ich verabschiede mich gerne mit: “Lass Dich nicht erwischen!”. Was antwortest Du?
Bisschen lahm, aber ich würde vermutlich nur „Ich versuch’s“ antworten.

 

Nun liegt es an mir, 10 Fragen zu formulieren. Voilá:

1. Welche Sache, die es laut „Zurück in die Zukunft 2“ im Jahr 2015 geben sollte, aber leider nicht gibt, vermisst du am meisten?
2. Konsole oder PC?
3. Deine Meinung zu Frottee-Bettwäsche?
4. Hattest du schon mal eine Geschäftsidee, die du immer noch erfolgsversprechend findest, aber nie umgesetzt hast?
5. Welches Schulfach würdest du abschaffen, wenn du könntest?
6. Wenn du in die USA fliegen und dir nur EINE Sache ansehen könntest, was wäre das?
7. Was ist bei Pizza deine ZWEITE Wahl?
8. Dein aktuelles Lieblingslied?
9. Kannst du im Stehen deine Zehen erreichen?
10. Was ist dein Lieblingsbrettspiel?

… und um meine neue Blogroll zu feiern, nominiere ich einfach ALLE, die drauf stehen! Besonders aber Franzi, weil ich neugierig bin, ab welcher Anzahl Awards sie zusammen bricht, ich Sadistin.


 

One Lovely Blog Award
Während ich so damit beschäftigt war, mich nicht umzubringen meine Halloween-Thementage zu füllen, erreichten mich gleich drei, ja DREI Nominierungen für den Best Blog Award, und zwar von Franzi, dem Hemator und An!!! Wooo-hooo!
Die Vorgaben sind so einfach wie grausam: Ich muss sieben Funfacts über mich enthüllen und dann sieben weitere Blogger nominieren. Sieben Funfacts! Das macht mich total fertig. So völlig ohne Anhaltspunkt, was soll mir denn da groß einfallen?

1. Hm, wobei, das erinnert mich an 12. Klasse Kunst, als unsere Lehrerin genau dasselbe verlangte: Macht was. Egal was. Und ich so „Waaah!!“
Tatsächlich fiel mir dann doch schnell etwas ein. Meine Skulptur bestand aus einem Sockel, den ich mit dämlichen Gesichtern, die ich aus der BRAVO ausgeschnitten hatte, beklebte, darauf ein Holzstab, um den ich Hasendraht wickelte. Den Hasendraht schmierte ich mit Gips ein und malte die amerikanische Flagge drauf, so dass der Eindruck einer Fahne entstand, die sich um sich selbst gewickelt hatte und einen Trichter bildete. Innen klebte ich Seiten aus dem Grundgesetz. Zusammen mit meiner Erläuterung dazu war die Skulptur ein gar flammendes Plädoyer gegen amerikanischen Imperialismus. Ja, ich hatte meinen Michael Moore gelesen und wurde mit einer Eins Minus belohnt!

2. Ich habe einen Rettungsschwimmerschein. Theoretisch. In der 10. Klasse hatten wir die Möglichkeit, den Schein im Schwimmunterricht zu erwerben. Ich war neben einem Mitschüler die einzige, welche die schriftliche Prüfung bestand und schaffte auch die Praxis, aber den Schein hab ich nie bekommen, obwohl ich die Bearbeitungsgebühr bezahlt habe. Hat sich meine Lehrerin wohl eingesteckt, die dumme Kuh.

3. Ich habe vier Tattoos, von denen ich aber leider nur eins wirklich mag.

4. Ich habe Herr der Ringe 2 zweimal im Kino gesehen – am selben Tag. Insgesamt waren es, glaube ich, viermal.

5. Könnte ich die Zeit zurück drehen, würde ich nicht nur ein völlig anderes Studium beginnen, sondern auch überhaupt erst mal ne Lehre machen. Ich bin nämlich begabt für handfeste Sachen. Schreinerin wäre schön gewesen, aber auch Schneiderin hätte mich gereizt. Ein ehrliches Handwerk halt – davon profitiert man sein Leben lang.

6. Ich hab mal Helge Schneider auf einem Kinderkarussell im Phantasialand getroffen. Ich hab ihn angelächelt, obwohl ich ihn eigentlich gar nicht mag, aber er hat nicht zurück gelächelt und seitdem mag ich ihn noch weniger.

7. Ich mag Einhörner nicht. Insbesondere nicht „Das letzte Einhorn“. Da, jetzt hab ich es gesagt!

Tja, wen soll ich da nur nominieren, wo ich doch so spät dran bin und damit so ziemlich jeder schon einen Award hat? So gebe ich die Nominierung frei und damit kann jeder das Thema aufgreifen, der Lust hat!


Fünf Buchvorsätze 2015
Last but noch least ein etwas spezielleres Blockstöckchen, wieder von der lieben Franzi! Hier soll ich nun also fünf Bücher auflisten, die ich vorhabe, dieses Jahr zu lesen. Was ein bisschen gemein ist, denn von meiner letztjährigen Liste habe ich nur genau EIN Buch geschafft. Allerdings habe ich die erst im April geschrieben, daher habe ich eigentlich noch drei Monate Zeit! Das ist zu schaffen… dennoch llege ich hiermit nochmal nach:

Ken Follett – Kinder der Freiheit
Ken Follett schreibt historische Romane und ist damit (paradoxerweise) bei vielen automatisch als Schundautor verschrien. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Genres sind seine Bücher tatsächlich ziemlich gut recherchiert und vermitteln ein akkurates Bild der jeweiligen Zeit!
Seine „Jahrhundert-Trilogie“ begann mit „Sturz der Titanen“ (Thema: 1. Weltkrieg), was mir sehr gut gefallen hat. „Winter der Welt“ (2. Weltkrieg) fand ich dagegen überraschend schwach. Dementsprechend habe ich eigentlich wenig Lust, diesen dritten Band (Kalter Krieg) zu lesen, aber ein Abschluss muss nun mal sein. Ich glaube zwar nicht, dass er hier wieder an die ursprüngliche Spannung des 1. Bandes anschließen kann, doch das kann ich halt auch erst wissen, wenn ich es lese!

Stephen King – Mr. Mercedes
Auf meiner anderen Liste stand „Dr. Sleep“, Kings aktuellster Roman, den ich bisher noch nicht gelesen habe. So jedenfalls dachte ich, bis ich im Buchladen völlig überrumpelt vor dem Bestseller-Regal stand und dort einen noch neueren King vorfinden musste. Ich habe keine Ahnung, worum es in dem Buch geht, aber da ich es wie alles von King sowieso lese ist das ja auch egal.

Chuck Palahnuik – Kainsmal
Der Mitbewohner ist ein großer Fan von Chuck Palahnuik, auch wenn den in Deutschland kaum ein Schwein kennt. Wohl kennt aber jeder die Verfilmung seines vielleicht größten Romans: Ein netter, herzerfrischender Feel-Good-Movie namens „Fight Club“. Alles in allem wirklich Grund genug, mich auch mal mit dem Werk des Herrn zu beschäftigen.
Bisher habe ich erst „Fight Club“ geschafft und „Snuff“, wobei letzteres wirklich das widerwärtigste Buch ist, das ich jemals gelesen habe. Extrem… plastisch, aber diese Art Drastik muss man halt auch erst mal draufhaben. „Kainsmal“ soll nun laut dem Mitbewohner sein bestes Buch sein, weshalb es sich für diese Reihe qualifiziert.

Neil Gaiman – Der Ozean am Ende der Straße
Neil Gaiman ist ebenfalls so ein Name, der in Deutschland recht unbekannt ist, obwohl der Mann Fantasy für Erwachsene schreibt, die den Namen auch wirklich verdient. Von seinem neusten auf Deutsch erschienenen Roman verspreche ich mir darum viel, denn bisher hat der Mann es jedes Mal geschafft, mich wirklich in fremde Welten zu entführen. Wunderschön und trotzdem ohne jeden Kitsch – Neil Gaiman ist der Held!

Alan Moore – Watchmen
Nein, ich habe tatsächlich noch nie „Watchmen“ gelesen. Schande, Schande, Schande über mich!! Höchste Zeit, den letzten Platz meiner fünf zu-lesenden-Bücher, den ich traditionell für ein Comic reserviert habe, an diesen Meilenstein zu vergeben.

So, hier möchte ich doch ein paar Leute nominieren. Fünf sollen es sein, daher reiche ich erst mal an Ti_Leo und Naekubi zurück, die mich letztes Jahr bedacht haben. So, wer noch? Mich würde es sehr interessieren, was der Kiezneurotiker so liest. Desweiteren möchte ich den Zaunfink nominieren und als letztes die Karo, weil ich mir davon Anregungen für meine „to read“-Liste erhoffe! Aber natürlich darf wie immer auch so jeder mitmachen, der Bock hat!


Uff.

finished

 

Soweit lasse ich es nie wieder kommen. Versprochen!

Die Demontage eines Idols: „Arrow“ (Teil 1: Flashback)

Oliver Queen, sorg- und argloses Millardärssöhnchen, erleidet mit seinem Vater Schiffbruch und erreicht nur mit knapper Not eine gottverlassene Insel. Erst fünf Jahre später wird er von dem Eiland gerettet und kehrt völlig verändert zu seiner Familie und in seine Heimatstadt zurück. Im Gepäck: Ein Notizbuch, das er von seinem Vater erhalten hat, bevor dieser starb, und in dem eine endlose Liste mit Namen zu finden ist von Männern, die durch Betrug, Korruption, Mord und Wirtschaftsverbrechen aller Art die Stadt und seine Bewohner geschröpft haben. Jeder einzelne läuft frei herum, geschützt durch seinen Reichtum und Status, doch Oliver hatte auf der Insel genug Zeit, Pläne zu schmieden und Fähigkeiten zu erlangen, mit deren Hilfe er diese Männer zu Fall bringen kann. Bewaffnet nur mit einen Bogen, den er meisterlich beherrscht, macht er sich im Schutz der Dunkelheit auf, um sich im Namen der Stadt an diesen Männern zu rächen…

Das ist eine kurze Zusammenfassung des Plots der Serie Arrow, deren zweite Staffel unlängst gestartet ist (obwohl die Einschaltquoten in meinen Augen recht mäßig sind, aber ich habe da kaum Vergleichswerte). Dies allein wäre noch kein Grund für mich, sie mir anzusehen. Aber leider musste ich es tun, denn – Superheldenfans wissen es vermutlich schon längst – ist die Serie nichts weiter als eine Adaption des DC-Helden Green Arrow.

Und dabei handelt es sich zufälligerweise um einen meiner absoluten Lieblingssuperhelden!

Aber er ist natürlich längt nicht der bekannteste Held des DC-Universums, was ein unsäglicher Missstand ist. Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, für alle, die ihn noch nicht kennen, ein bisschen Figurgeschichte zu betreiben. Auf geht’s!

Für Insider: Ich lebe in einem Post-Crisis-Prä-Infinite-Crisis-Prä-The-New-52-DC-Universum. Finanziell bedingt musste ich vor Infinite Crisis aufhören, Comics zu kaufen, und verspüre bisher keinen großen Drang, meinen Rückstand aufzuholen. Ich mag das DC-Universum nämlich so, wie ich es Ende der 90er/Anfang der 2000er kennen gelernt habe. Ich weiß, dass sich inzwischen viel geändert hat, gerade auch bei Green Arrow – nur ist mir das egal 🙂
Das möge man bei Folgendem im Hinterkopf behalten und sich nicht wundern, wenn ich aus moderner Sicht Quatsch erzähle – denn diese Sicht existiert für mich nicht ^^

History

More Fun Comics #73, 1941

More Fun Comics #73, 1941

Green Arrow entstand wie viele andere Helden im „Golden Age“, der ersten großen Welle der Superheldencomics, im Jahre 1941. Und damit reihte er sich ein in die damals lange Gallerie von Helden, die ohne Superkräfte, dafür aber mit besonderen Fähigkeiten, Gadgets und einem Sidekick auf Verbrecherjagd gingen. Es dauerte ein bisschen, bis man erfuhr, dass er sich seine Bogenkünste während eines monatelangen unfreiwilligen Aufenthalts auf einer verlassenen Insel angeeignet hatte (wobei die Hintergrundgeschichte anfänglich eine andere war – aber diese Ursprünge sind inzwischen völlig vergessen, was wahrscheinlich gut so ist). Er ist außerdem Eigentümer und Geschäftsführer seiner eigenen Firma und steinreich.
Die Parallelen zu Batman sind nur allzu offensichtlich!

Wie bei die meisten Helden während des Golden Age konnte von einem wirklichen Charakter noch lange nicht die Rede sein. Er unterschied sich kaum von anderen und hatte als Person keinerlei Profil.
Die Figur verschwand im Zuge des massenhaften Comicsterbens Anfang der Fünfziger, tauchte aber zusammen mit den meisten anderen Helden (davon viele generalüberholt und in „neuer Besetzung“ – Green Arrow gehörte allerdings nicht dazu, unter der Maske steckte immer noch Oliver Queen) Ende der 50er/Anfang der 60er wieder auf – auch als Mitglied der Justice League, DC’s Superheldenteam Numero Uno.

Es sollten dennoch wieder einige Jahre ins Land ziehen, bis aus ihm ein echter Charakter wurde – einen, den man wirklich mögen kann.

Dabei entstand das eher aus der Not. Die Serie Green Lantern (ein Superheld, der einen intergalaktischen Ring trägt, mit dem er praktisch alles erschaffen kann, was er will – der megaidiotische Film mit Ryan Reynolds wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt) krebste mit schlechten Verkaufszahlen so vor sich hin und sollte neue Impulse bekommen. Die war Dennis O’Neill, ein junger, idealistischer Autor, mit Blick auf die aktuellen umwälzenden gesellschaftlichen Ereignisse nur zu gern bereit zu geben. Dafür brauchte er allerdings für den ziemlich engstirnigen Green Lantern, der (meistens) widerspruchslos von Aliens Befehle entgegen nahm, statt sich wirklich mit den erdnahen Problemen auseinander zu setzen, einen Konterpart. Und weil die Figur bisher unbefleckt war von Versuchen, ihm tatsächlich so etwas wie eine Persönlichkeit auf den Leib zu schreiben, fiel seine Wahl auf Green Arrow.

Green Lantern (2. Serie) 76, April 1970. Voll berühmtes Cover.

Green Lantern 76, April 1970. Voll berühmtes Cover.

Was danach geschah, ist als Hard Travelling Heroes Saga in die Comicgeschichte eingegangen. Nachdem Green Arrow (in einem anderen Heft) bereits neue, extrem schicke Klamotten plus Bart serviert bekommen, darüber hinaus leider aber auch sein komplettes Vermögen verloren hatte, entdeckte er seine Liebe für den kleinen Mann von der Straße und seine mannigfaltigen Probleme. 1970 tauchte er dann in Green Lanterns Serie auf – und machte dort erst einmal richtig Rabatz.

Nach vielen, vielen Vorwürfen gegen den leicht naiven, allzu oft Recht über Gerechtigkeit stellenden Green Lantern erklärte dieser sich bereit, mit Green Arrow auf Reisen zu gehen, um das „wahre Amerika“ mitsamt all seinen Problemen zu entdecken. Dazu gehörten die auch heute noch aktuellen Themen Rassismus, Ausbeutung, religiöser Fanatismus, Drogen, Umweltverschmutzung etc.pp.

Ollie redet Klartext

Ollie redet Klartext – episch.

Man beachte: 1970! Zu dieser Zeit hatte die gesamte Comicindustrie schon fast zwei Jahrzehnte unter repressiver Zensur gelitten und sich kaum je getraut, Kontroversen anzustoßen. Mancher Autor hatte vielleicht als Kind Comicverbrennungen miterlebt (kein Scheiß!!!) und lebte in einer Gesellschaft, in der die Idee Justice for all inzwischen längst als zynische Lüge entlarvt worden war. Es war verdammt schwer, in dieser Zeit ausgerechnet ein sozialkritisches Comic zu veröffentlichen – dennoch haben Autor Dennis O’Neill und Zeichner Neal Adams genau das vollbracht und damit mehr Mut bewiesen, als man sich heute vorstellen kann. Die Hefte gelten heute noch als Klassiker – auch wenn sie natürlich wie die meisten alten Comics aus moderner Sicht teilweise ein bisschen peinlich sind ^^

Ollie disst Aquaman. Kicher. (Green Arrow (3. Serie) 3, 2001)

Ollie disst Aquaman. Kicher.
(Green Arrow (3. Serie) 3, 2001)

Gleichzeitig schuf das Kreativteam damit aber auch einen der besten Superhelden überhaupt, einen der wenigen, der überhaupt so etwas wie Charaktertiefe besitzt: Green Arrow. In diesem (leider viel zu kurzen) Zyklus wurde aus dem bogenschwingenden Ex-Millardär nun tatsächlich ein moderner Robin Hood, der sich für die Schwachen einsetzt, für Gerechtigkeit kämpft und dabei so liberal ist, wie es für amerikanische Verhältnisse gerade noch erträglich war.

Natürlich passierte in seinem Leben (also… „Leben“) noch so einiges mehr, was ich euch erzählen könnte. Seine On-Off-Beziehung mit Superheldenkollegin Black Canary, die schockierende Entdeckung, dass sein eigener Sidekick drogensüchtig geworden war, seine Unfähigkeit, für seinen leiblichen Sohn ein guter Vater zu sein, sogar sein Tod und die (obligatorische) Wiederauferstehung waren dabei wichtige Wegmarken. Aber der Status Quo, den O’Neill und Adams gesetzt hatten, blieb immer vorhanden.

So jedenfalls, bis sich der Superheldenverlag DC vor zwei Jahren entschloss, sein gesamtes Universum platt zu machen – SCHON WIEDER.

Soviel also zur Geschichte des sympathischen grünen Bogenschützen, die doch um einiges länger ausgefallen ist, als ich beabsichtigt habe, doch ich hielt das für nötig, damit meine Kritik an „Arrow“ nachvollziehbarer wird (und außerdem rede ich gerne über Superhelden!). Eben diese Kritik verschiebe ich dann aber auf morgen!

Ich schließe mit ein paar (deutschen) Leseempfehlungen für all jene, die jetzt vielleicht Lust bekommen haben, selbst ein bisschen in den Comics zu stöbern (alles sollte über Ebay oder den Comicmarktplatz leicht erhältlich sein):

Green Lantern/Green Arrow Collection: Der komplette Hard Travelling Heroes Zyklus in einem schön gestalteten Band, für Neueinsteiger geeignet.

JLA Special 4 (Dino-Verlag): Green Lantern/Green Arrow: Die erste Begegnung unserer beiden grünen Helden in einer supergeilen Story – und man erfährt, wie Oliver Queen zu seinem Bart gekommen ist!

Green Arrow (Panini 2001) 1-10: Green Arrows Wiederauferstehung von den Toten, erzählt von Kevin Smith (ja, DER Kevin Smith!) auf hammergeile und sogar halbwegs logische Weise.

Bücher-ABC 2013: C wie Stephen Kings „Cujo“

Stephen King – Cujo
Cujo, 1981 (Deutsch 1983)

cujoDonna Trenton macht sich mit ihrem Auto, das nicht mehr so richtig läuft, und ihrem kleinen Sohn auf zur abgelegenen Farm der Cambers, um den Hausherren darum zu bitten, sich das Auto mal anzusehen. Dort angekommen, ist von den menschlichen Bewohnern keine Spur zu sehen – dafür wird sie jedoch sofort von dem riesigen Bernhardiner Cujo attackiert, der eigentlich ein grundgutes Hundchen ist, sich aber nach einer unentdeckten Tollwutinfektion in ein zähnefletschendes Monster verwandelt hat, der zu diesem  Zeitpunkt schon zwei Männer zerfleischte.

Natürlich kann sie nicht flüchten, weil just in diesem Moment das Auto völlig den Geist aufgibt. Eingesperrt im Wagen, während draußen sommerliche Temperaturen herrschen, ohne Wasser und mit einem kleinen Kind, das in der mörderischen Hitze immer schwächer wird, muss Donna erkennen, dass sie nicht auf Hilfe von Außen hoffen kann, da ihr Mann auf Geschäftsreise, die Farm offensichtlich verlassen und niemand weiß, wo sie ist. Sie muss sich bald entscheiden, ob sie sich der Bestie stellt und ihr Leben riskiert, um ihren Sohn zu retten…

Cujo, das Buch, benannt nach dem Hund mit dem ziemlich dämlichen Namen also. Ich habe erst etliche andere Bücher von Stephen King gelesen, bevor ich dieses in die Hand nahm, was daran lag, dass mich die Story einfach nicht so wahnsinnig interessiert hat. Am Ende habe ich es ehrlich gesagt nur gelesen, weil es zu dem Teil seiner Bücher gehört, die in der Kleinstadt Castle Rock spielen, ein Örtchen, das wohl jedem Kingfan ein Begriff ist (und wer jetzt an die Filmproduktionsfirma „Castle Rock Entertainment“ denkt… ja, die hat sich eben nach dieser fiktiven Stadt benannt).

Und weil das so ist, fühlt man sich jedes Mal als neue fast so, als kehre man heim. Man kennt einen Teil der (Neben)Charaktere bereits, kann mit etlichen anderen Stadtbewohnern, die lediglich erwähnt werden, was anfangen und hat die Stadt im Kopf schon als Modell aufgebaut.

Cujo bildet indes den dritten Teil dieses sogenannten Castle-Rock-Zyklus, weshalb in den Büchern, die danach spielen, auch immer wieder Verweise auf die geschilderten Ereignisse getätigt werden. Daher sollte man dieses Buch, sofern man gründlich sein will, auch lesen.

Wobei es sich leider nicht sonderlich lohnt. Wie gesagt – die Story hat mich nicht großartig interessiert, tatsächlich war aber der Teil, der sich dem Überlebenskampf Donna Trentons gegen den wildgewordenen Bernhardiner widmet, dennoch überraschend packend. Beklemmung zu erzeugen ist Stephen Kings Spezialität,  ebenso wie sein großes Geschick dafür, eigentliche Nebensächlichkeiten zum wahren Horrorelement hochzustilisieren (das Schlimmste an Donnas Gefangenschaft im liegengebliebenen Auto ist im Grunde nicht Cujo, da der ja nicht reinkommen kann, sondern die unerträgliche Hitze). Auch sind hier einige Passagen aus der Sicht von Cujo selbst geschrieben, was ich immer (er ist nicht der einzige Hund, der jemals bei Stephen King das Wort erhält) recht amüsant und auch ganz authentisch finde,  obwohl natürlich keiner weiß, was und wie Hunde eigentlich denken.

Die Nebenhandlung allerdings, die sich mit den Eheproblemen von Donna und Mrs. Camber befasst, fand ich beim ersten Lesen zum Gähnen langweilig. Vielleicht müsste ich das Buch nochmal lesen (tatsächlich ist es auch eines der King-Werke, die ich nur ein einziges Mal gelesen habe), aber damals war Donnas Fremdgeherei und die Tatsache, dass sie diese mit einem Typen vollzog, der sich hinterher als das größte Arschloch überhaupt entpuppt, nicht gerade dazu angetan, die Figur für mich sympathisch zu machen. Zusammen mit Mrs. Camber soll sie wohl in der Art, wie sie mit ihrem Ehemann umgeht, sowas wie einen Chiasmus darstellen (Donna Trentons Mann ist ein fürsorglicher Vater, aber ein bisschen langweilig und abwesend, weshalb sie fremdgeht, aber auf keinen Fall die Ehe beenden will… Farmer Camber ist ein gewalttätiger Typ, der seinen Sohn verdirbt und so in seiner Frau den Gedanken an Scheidung weckt). Das war mir irgendwie too much und wäre bei der Geschichte, in der es schließlich vor allem um eine tollwütige Bestie gehen soll, zu vernachlässigen gewesen.

Dennoch: Allein schon, weil man als Kingfan einfach erfahren MUSS, was mit dem sympathischen, in späteren Werken fast als Lichtgestalt erscheinenden Sheriff Bannerman passiert, sollte das Buch gelesen werden. Und wer die Verfilmung von 1983 gesehen hat, die Vorlage aber nicht kennt, sollte sich das auch mal antun, da der Film nämlich in einem ganz entscheidenden Punkt dieser widerspricht und Stephen King aus dem Grund viel Hass einstecken musste, da die Filmversion in dieser  Hinsicht besser ankam. Was das ist, wird natürlich nicht verraten, chrchr.

Stephen King war übrigens mal alkoholkrank und in diese Zeit fiel der Roman. Daher kann er sich absolut nicht mehr dran erinnern, ihn geschrieben zu haben…

Bücher-ABC 2013: C wie Stephen Kings „Carrie“

Nicht wundern: Ich bin immer noch voll im Lernmodus. Aber das hier hat eh auf seine Veröffentlichung gewartet!

Hä, Bücher-ABC?

Stephen King – Carrie
Carrie, 1974 (deutsch 1977)

carrieDas Leben der sechzehnjährigen Carrie White ist ein Alptraum: Von ihrer fanatisch religiösen Mutter misshandelt und seelisch gepeinigt, ist sie auch in ihrer Highschool eine Außenseiterin, die ständig gehänselt wird. Der (vorläufige) Gipfel dieser Demütigungen ist am Tag ihrer sehr späten, ersten Periode erreicht, die sie nach dem Sportunterricht in der Dusche ereilt: Während sie selbst glaubt, verbluten und sterben zu müssen, da sie nie aufgeklärt worden ist, bewerfen sie ihre Mitschülerinnen angeekelt mit Tampons und lachen sie aus.

Emotional aufgewühlt passieren immer mehr merkwürdige Dinge um Carrie herum, die in ihr den Verdacht erwecken, telekinetische Kräfte zu besitzen. Während sie diese eifrig trainiert und auch in der Schule aufblüht, weil einige Mitschülerinnen, beschämt über ihr eigenes Verhalten, versuchen, netter zu ihr zu sein, und sie schließlich sogar zum Abschlussball eingeladen wird, hegen andere Schüler weiterhin Groll gegen das unscheinbare Mädchen und schmieden einen Plan zu ihrer ultimativen Demütigung… nichtsahnend, welche Kräfte Carrie inzwischen mobilisieren kann, wenn sie nur wütend genug ist…

Carrie war Stephen Kings allererster Roman und gehört mit Sicherheit zu einem der erfolgreichsten! Dabei wäre er fast nie erschienen. Das ursprüngliche Manuskript war viel zu kurz, um als eigenständiges Werk auf den Markt gebracht zu werden, daher wurde es an Stephen King mit der Bitte um Überarbeitung zurück geschickt. Der fügte der Geschichte Auszüge aus fiktiven Biographien, Zeitungsartikeln, Bücher über den Vorfall etc. hinzu und änderte damit nebenbei mal die ganze Erzählstruktur.

Zum Glück! Die Einschübe peppen das Werk so richtig auf und machen es zu etwas besonderen. Ganz ehrlich: Als ich das Buch mit zwölf Jahren zum ersten Mal las, glaubte ich das alles! Ich dachte, das wäre wirklich so etwas wie ein ausgeschmückter Tatsachenbericht! Jedenfalls habe ich schwer gezweifelt ^^

In bester Colombo’scher Manier weiß der Leser durch die beigefügten fiktiven Sachtexte schon von Anfang an, dass die Geschichte auf ein apokalyptisches Ende zusteuert. Damit ist die Frage „Was?“ direkt von Tisch und der Fokus gleichzeitig auf das „Wie?“ gelegt. Ein erzählerischer Kniff, den ich sehr schätze, sofern er nicht überstrapaziert wird.

Dem Buch selbst merkt man an, dass es sich um Kings ersten Roman handelt, da die Charakterzeichnung noch etwas unterdurchschnittlich ist. Obwohl größtenteils aus Carries Perspektive erzählt wird, bleibt das Mädel leider etwas blass, man erfährt praktisch nichts von ihr. Gleichzeitig sind mir andere Figuren, nämlich Chris (Carries Mitschülerin) und ihr Freund Billy eindeutig zu bösartig geraten. Man erfährt zwar, warum Chris sich letztendlich entscheidet, ihren Plan gegen Carrie zu schmieden (als Strafe für ihr beleidigendes Verhalten nach dem Sportunterricht wird sie vom Abschlussball ausgeschlossen und die Schuld daran gibt sie Carrie), aber warum sie von Anfang an so eine Bitch ist, bleibt unklar. Billy, den man nur als mindestens soziopathisch einstufen kann, ist dann noch mal ne ganze Ecke schlimmer.

Auch ist nicht zu übersehen, dass das Buch jetzt schon fast vierzig (!!!) Jahre auf dem Buckel hat. Wie Stephen King mit dem Thema weibliche Sexualität umgeht, lässt auf große Unsicherheiten des damals erst 27jährigen Stephen King schließen (um mal ein bisschen psychoanalytisch, um nicht zu sagen unverschämt zu werden ^^). Religiöser Fanatismus, der hier sogar so weit geht, dass Carries Mutter es  schafft, die natürliche körperliche Entwicklung ihrer Tochter zu verzögern, ist ebenfalls eine Thematik, der er sich hier zum ersten, aber sicher nicht zum letzten Mal gewidmet hat (siehe Der Nebel, Needful Things, Kinder des Zorns und unzählige Einzelcharaktere in fast allen Werken, die allesamt ein ein bisschen zu enges Verhältnis zu Jesus haben…). Und das Mobbing-Thema ist natürlich leider zeitlos.

Stephen King hat mit Carrie eine große Geschichte geschaffen, die spätestens nach der Verfilmung von Brian de Palma (der auf deutsch mit dem unsäglichen Untertitel „Des Satans jüngste Tochter“ versehen worden ist – Opferbeschuldigung in Reinform) zu einem fast nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der Popkultur geworden ist! Allein deswegen lohnt sich das Lesen schon. Meine Empfehlung!

Wo wir gerade bei Verfilmungen sind: Ich fand „Carrie“ als Film immer scheiße. Der Film ist 1976 eingeschlagen wie eine Bombe und Sissy Spacek wurde sogar für einen Oscar nominiert, aber mit so alten Schinken habe ich meine Probleme, zumal sich de Palma einer mir unerträglichen Bildsprache bedient und das Erzähltempo kaum lahmer sein könnte. 

Umso schöner, dass dieses Jahr eine Neuverfilmung heraus kommt, in der Carrie von der ziemlich coolen, leider für diese Rolle wesentlich zu hübschen Chloe Moretz (bekannt geworden als Hit-Girl in „Kick-Ass“) gespielt wird. Ich bin gespannt und hoffe auf eine weitere geile King-Verfilmung!

Bücher-ABC 2013: A wie Stephen Kings „Abgrund“

Hä, Bücher-ABC?

Ich hinke mal wieder hinterher, denn der Buchstabe „A“ ist schon längst beendet (sowie „B“ und „C“ auch…), trotzdem mache ich hier alphabetisch mit Stephen Kings Meisterwerken weiter. Ob das für den Blog Bücher-ABC noch zählt und ich noch mit aufgelistet werde weiß ich nicht, aber es ist mir auch irgendwie egal ^^ Freue mich, wenn es so ist, wenn nicht, steige ich wieder ein, wenn ich alles nachgetragen habe!

Stephen King – Abgrund
Nightmares and Dreamscapes, 1993

Abgrund beinhaltet die zweite Hälfte des amerikanischen Kurzgeschichtenbandes „Nightmares and Dreamscapes“, der in Deutschland aufgeteilt wurde. Die erste Hälfte stellt Alpträume dar und wie auch dort gibt es in diesem Band wieder 12 Kurzgeschichten.

abgrund Regenzeit ist die Geschichte eines jungen Paares, das eigentlich nur Urlaub machen will, in seinem gemieteten Domizil dann jedoch von einem Regen aus Monsterfröschen überrascht wird.

In Mein hübsches Pony erhält ein Junge von seinem Großvater eine Lektion über die Relativität des menschlichen Zeitempfindens.

In Entschuldigung, richtig verbunden wundert sich eine Mutter über einen geheimnisvollen Anruf und merkt leider viel zu spät, um wen es sich bei der mysteriösen Anruferin handelt.

Brandon Pearson gehört zu den 10-Uhr-Leuten, die sich um eben diese Zeit vor seinem Büro zur Zigarettenpause treffen. Im Bemühen, seinen Zigarettenkonsum, wenn er es schon nicht schafft, das Rauchen ganz einzustellen, wenigstens zu verringern, lernt er eines Tages die negativen Seiten seines neuen, gesünderen Lebensstils kennen…

Crouch End ist eine Geschichte über ein gleichnamiges Viertel in London, in dem die Grenzen zwischen unserer Welt und einer lovecraft’schen Horrordimension leider nicht ganz so solide sind, wie man sich das wünschen würde.

In Das fünfte Viertel jagt ein Krimineller den Teilen einer Schatzkarte hinterher.

Die Kinder, die Das Haus in der Maple Street zusammen mit ihrer Mutter und ihrem ekelhaften Stiefvater bewohnen, merken eines Tages, dass sich ihr Heim langsam beginnt, in ein Raumschiff zu verwandeln.

Der Fall des Doktors ist eine Sherlock-Holmes-Story, in der jedoch Dr. Watson im Mittelpunkt steht und endlich auch mal einen Fall löst!

In Umneys letzter Fall muss der schlitzohrige 40er-Jahre-Privatdetektiv Clyde Umney eines Tages feststellen, dass er nur eine Romanfigur – und sein Schöpfer ihm nicht mehr wohlgesonnen ist.

Kopf runter ist die Dokumentation einer Saison der Little-League-Mannschaft von Bangor West, in der Stephen Kings Sohn mitspielte.

Auch August in Brooklyn handelt von Baseball, allerdings in lyrischer Form.

Und Der Bettler und der Diamant ist Stephen Kings Interpretation einer indischen Sage.

Diese Kurzgeschichtensammlung habe ich just bestellt und gleich gelesen, als ich bei der Rezension von Alpträume feststellen musste, dass mir diese noch fehlt! Mein Eindruck ist also ganz frisch.

Auch hier schwankt die Qualität der Stories zuweilen wieder stark. Zuerst zu dem good stuff: Mein Favorit der Sammlung ist hier definitiv Die Zehn-Uhr-Leute, weil die Prämisse so richtig schön bescheuert ist. Die Machtelite der Welt ist von alptraumhaften Monstern unterwandert (den Batmen, höhö) und nur Raucher, die nicht mehr als 10 Zigaretten am Tag konsumieren, können die Illusion erkennen? Was für ein Bullshit! Aber ein unterhaltsamer! :mrgreen:

Der Fall des Doktors zeigt: Auch Stephen King ist zuweilen nur ein Fanboy, der gerne Fanfictions schreibt! Ich selbst habe noch nie Sherlock Holmes gelesen, aber wie jeder Mensch auf diesem Planeten, der nicht unter einem Stein wohnt, kenne ich den Herren und seinen Sidekick natürlich trotzdem. Horror gibt es in dieser Story nicht, aber Kings Bemühung, den viktorianischen Stil nachzuahmen, war höchst vergnüglich zu lesen.

Regenzeit ist dagegen wieder Horror pur, und zwar kurz und knackig. Gelesen, gemocht!

Damit zu den Geschichten, die okay waren, mich aber nicht so richtig überzeugen konnten. Als allererstes möchte ich hier Das Haus in der Maple Street  nennen. Obwohl die Story inhaltlich überzeugt, störte es mich kolossal, wie die Kinder hier dargestellt wurden. Vier wunderbar brave, mutige Lichtwesen, die entschlossen gegen ihren Arsch von Stiefvater vorgehen, der natürlich irgendwie the ultimate evil ist. Die Charaktere sind einfach so dermaßen schwarz-weiß! Vielleicht verständlich, wenn man weiß, dass Stephen King diese Geschichte für seine Kinder schrieb. Aber trotzdem. Vor allem die beiden ältesten Kinder agierten auch viel zu erwachsen, weshalb ich die Geschichte nur bedingt mochte.

Der Bettler und der Diamant ist, wie gesagt, Kings Nacherzählung einer Hindu-Sage. Als solche ist sie kurzweilig (und auch wirklich sehr kurz), aber mir hat sich nicht so ganz erschlossen, warum er so etwas veröffentlicht, zumal er fast nichts geändert hat.

Umneys letzter Fall artikuliert eine durchaus interessante Überlegung: Was wäre, wenn Romanfiguren wirklich lebendig wären? Wie wirkt sich der schöpferische Akt des Schreibens auf den Autor aus? Und wie viel Macht hat ein Autor eigentlich über seine Schöpfung? Dennoch fand ich die Erzählung irgendwie ein bisschen langweilig. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn ich mal einen dieser „Privatschnüffler in den 40er Jahren“-Roman gelesen hätte, das habe ich aber nie. Die Geschichte ist beileibe nicht schlecht, aber es hat mich einfach nicht gefesselt.

Entschuldigung, richtig verbunden ist lediglich ein Drehbuch (das wohl auch in Rahmen einer Mysteryserie verfilmt worden ist, allerdings bin ich zu faul nachzusehen, ob diese Serie es jemals nach Deutschland geschafft hat) und daher nicht sonderlich flüssig zu lesen. Der Inhalt ist okay, ich hätte mir aber eine andere Form der Präsentation gewünscht.

Crouch End ist zwar durchaus gruselig, aber naja… da ich doch so einiges von Stephen King gelesen hat, wiederholt sich manches zwangsläufig. Hier ist es also die Beschreibung eines mysteriösen Stadtviertels, das ohne besonderen Grund eine Schnittstelle verschiedener Realitäten darstellt, und die Konfrontation normaler Menschen mit etwas, das zu grausig und GROSS ist, um vom menschlichen Verstand verkraftet werden zu können. Das gleiche gab es auch schon in der Kurzgeschichte N., in diverser Form im Dunklen Turm und der Roman Der Buick beschäftigt sich praktisch mit nichts anderen. Das ist too much. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie Stephen King unaussprechlichen Horror beschreibt, aber nachdem er schon so oft Plätze/Gegenstände/Personen nicht-von-dieser-Welt beschrieben hat und es einzig darum geht, dass diese nicht-von-dieser-Welt sind… zeigen sich bei der geneigten Leserin (moi) Ermüdungserscheinungen.

Dagegen ist Das fünfte Viertel so trivial und nichtssagend, dass die Story getrost überblättert werden kann, auch wenn sie nicht wirklich schlecht ist. Allerdings hat man Storys dieser Art (Typ „besucht“ eine Reihe von Personen, um irgendetwas – Infos oder halt den Teil einer Schatzkarte – zu erpressen) schon hundertfach gelesen oder auch gesehen. Mit nichts hebt sich diese Geschichte von den vielen anderen dieses Typus ab. Sie könnte genauso gut von irgendeinem Niemand geschrieben worden sein.

Damit komme ich zu den Stories, die ich wirklich, wirklich schlecht fand. Als allererstes wäre da Mein hübsches Pony zu nennen, eine Geschichte, in der Stephen King seinen immer wieder durchschimmernden Hang, absolute Banalitäten zu mystifizieren, komplett auf die Spitze treibt. Da wird ein Gespräch zwischen Großvater und Enkel mal so eben zu einer prägenden Erfahrung von welterschütternden Ausmaßen, und das zeigt sich dann auch leider in jedem Satz. Ich mache es kurz: Das nervt einfach wie Sau!

Den Vogel hat er allerdings mit Kopf runter abgeschossen. Diese „Geschichte“ ist das mit Abstand blödeste, was jemals den Weg zwischen zwei Buchdeckel mit dem Namen „Stephen King“ gefunden hat. Er selbst bezeichnete den Text als Essay, allerdings weist er in meinen Augen keinerlei Merkmal dieser Textgattung auf.
Auf sechzig (!!!) Seiten dokumentiert Stephen King hier eine Saison des Kinder-Baseballteams von Bangor West, die mit dem Sieg der Bezirksmeisterschaften oder sowas endete, obwohl das niemand vermutet hätte. Das wars auch schon – und ist stinklangweilig! Besonders für Deutsche, die wohl zu 99,9 Prozent noch nie mit Baseballregeln in Berührung gekommen sind, ist diese Story absolut uninteressant, da wirklich verschiedene Spielzüge seitenlang breitgetreten werden. Ich gebe zu, irgendwann habe ich alles einfach nur noch überflogen, weil ich ja eh nichts verstand. Und bis Seite 59 hatte ich noch die Hoffnung, dass noch irgendein belletristisches Horrorelement eingefügt werden würde, was sich dann aber zerschlagen hat. Erst durch die Liner Notes, die Stephen King am Ende einer jeden Kurzgeschichtensammlung einfügt, wurde mir dann klar, dass es sich hierbei um einen Tatsachenbericht handelte, was das Ganze dann auch nicht mehr besser machte!
Ich finde, ein solcher Text ist eine schöne Geschenkidee für die Kinder, die in diesem Team mitgespielt haben – aber sie in einem Kurzgeschichtenband zu veröffentlichen, empfinde ich fast schon als Frechheit!!

Über August in Brooklyn, ein Gedicht, das in die selbe Kerbe schlägt, möchte ich mit allem Respekt den Mantel des Schweigens breiten…

Abgrund ist für mich leider deutlich schwächer als der Band Alpträume, auch wenn es hier einige Perlen zu entdecken gibt,  weshalb sich die Anschaffung dennoch lohnt (wie  meistens).