Bücher-ABC 2013: C wie Stephen Kings „Cujo“

Stephen King – Cujo
Cujo, 1981 (Deutsch 1983)

cujoDonna Trenton macht sich mit ihrem Auto, das nicht mehr so richtig läuft, und ihrem kleinen Sohn auf zur abgelegenen Farm der Cambers, um den Hausherren darum zu bitten, sich das Auto mal anzusehen. Dort angekommen, ist von den menschlichen Bewohnern keine Spur zu sehen – dafür wird sie jedoch sofort von dem riesigen Bernhardiner Cujo attackiert, der eigentlich ein grundgutes Hundchen ist, sich aber nach einer unentdeckten Tollwutinfektion in ein zähnefletschendes Monster verwandelt hat, der zu diesem  Zeitpunkt schon zwei Männer zerfleischte.

Natürlich kann sie nicht flüchten, weil just in diesem Moment das Auto völlig den Geist aufgibt. Eingesperrt im Wagen, während draußen sommerliche Temperaturen herrschen, ohne Wasser und mit einem kleinen Kind, das in der mörderischen Hitze immer schwächer wird, muss Donna erkennen, dass sie nicht auf Hilfe von Außen hoffen kann, da ihr Mann auf Geschäftsreise, die Farm offensichtlich verlassen und niemand weiß, wo sie ist. Sie muss sich bald entscheiden, ob sie sich der Bestie stellt und ihr Leben riskiert, um ihren Sohn zu retten…

Cujo, das Buch, benannt nach dem Hund mit dem ziemlich dämlichen Namen also. Ich habe erst etliche andere Bücher von Stephen King gelesen, bevor ich dieses in die Hand nahm, was daran lag, dass mich die Story einfach nicht so wahnsinnig interessiert hat. Am Ende habe ich es ehrlich gesagt nur gelesen, weil es zu dem Teil seiner Bücher gehört, die in der Kleinstadt Castle Rock spielen, ein Örtchen, das wohl jedem Kingfan ein Begriff ist (und wer jetzt an die Filmproduktionsfirma „Castle Rock Entertainment“ denkt… ja, die hat sich eben nach dieser fiktiven Stadt benannt).

Und weil das so ist, fühlt man sich jedes Mal als neue fast so, als kehre man heim. Man kennt einen Teil der (Neben)Charaktere bereits, kann mit etlichen anderen Stadtbewohnern, die lediglich erwähnt werden, was anfangen und hat die Stadt im Kopf schon als Modell aufgebaut.

Cujo bildet indes den dritten Teil dieses sogenannten Castle-Rock-Zyklus, weshalb in den Büchern, die danach spielen, auch immer wieder Verweise auf die geschilderten Ereignisse getätigt werden. Daher sollte man dieses Buch, sofern man gründlich sein will, auch lesen.

Wobei es sich leider nicht sonderlich lohnt. Wie gesagt – die Story hat mich nicht großartig interessiert, tatsächlich war aber der Teil, der sich dem Überlebenskampf Donna Trentons gegen den wildgewordenen Bernhardiner widmet, dennoch überraschend packend. Beklemmung zu erzeugen ist Stephen Kings Spezialität,  ebenso wie sein großes Geschick dafür, eigentliche Nebensächlichkeiten zum wahren Horrorelement hochzustilisieren (das Schlimmste an Donnas Gefangenschaft im liegengebliebenen Auto ist im Grunde nicht Cujo, da der ja nicht reinkommen kann, sondern die unerträgliche Hitze). Auch sind hier einige Passagen aus der Sicht von Cujo selbst geschrieben, was ich immer (er ist nicht der einzige Hund, der jemals bei Stephen King das Wort erhält) recht amüsant und auch ganz authentisch finde,  obwohl natürlich keiner weiß, was und wie Hunde eigentlich denken.

Die Nebenhandlung allerdings, die sich mit den Eheproblemen von Donna und Mrs. Camber befasst, fand ich beim ersten Lesen zum Gähnen langweilig. Vielleicht müsste ich das Buch nochmal lesen (tatsächlich ist es auch eines der King-Werke, die ich nur ein einziges Mal gelesen habe), aber damals war Donnas Fremdgeherei und die Tatsache, dass sie diese mit einem Typen vollzog, der sich hinterher als das größte Arschloch überhaupt entpuppt, nicht gerade dazu angetan, die Figur für mich sympathisch zu machen. Zusammen mit Mrs. Camber soll sie wohl in der Art, wie sie mit ihrem Ehemann umgeht, sowas wie einen Chiasmus darstellen (Donna Trentons Mann ist ein fürsorglicher Vater, aber ein bisschen langweilig und abwesend, weshalb sie fremdgeht, aber auf keinen Fall die Ehe beenden will… Farmer Camber ist ein gewalttätiger Typ, der seinen Sohn verdirbt und so in seiner Frau den Gedanken an Scheidung weckt). Das war mir irgendwie too much und wäre bei der Geschichte, in der es schließlich vor allem um eine tollwütige Bestie gehen soll, zu vernachlässigen gewesen.

Dennoch: Allein schon, weil man als Kingfan einfach erfahren MUSS, was mit dem sympathischen, in späteren Werken fast als Lichtgestalt erscheinenden Sheriff Bannerman passiert, sollte das Buch gelesen werden. Und wer die Verfilmung von 1983 gesehen hat, die Vorlage aber nicht kennt, sollte sich das auch mal antun, da der Film nämlich in einem ganz entscheidenden Punkt dieser widerspricht und Stephen King aus dem Grund viel Hass einstecken musste, da die Filmversion in dieser  Hinsicht besser ankam. Was das ist, wird natürlich nicht verraten, chrchr.

Stephen King war übrigens mal alkoholkrank und in diese Zeit fiel der Roman. Daher kann er sich absolut nicht mehr dran erinnern, ihn geschrieben zu haben…

Advertisements

Bücher-ABC 2013: C wie Stephen Kings „Carrie“

Nicht wundern: Ich bin immer noch voll im Lernmodus. Aber das hier hat eh auf seine Veröffentlichung gewartet!

Hä, Bücher-ABC?

Stephen King – Carrie
Carrie, 1974 (deutsch 1977)

carrieDas Leben der sechzehnjährigen Carrie White ist ein Alptraum: Von ihrer fanatisch religiösen Mutter misshandelt und seelisch gepeinigt, ist sie auch in ihrer Highschool eine Außenseiterin, die ständig gehänselt wird. Der (vorläufige) Gipfel dieser Demütigungen ist am Tag ihrer sehr späten, ersten Periode erreicht, die sie nach dem Sportunterricht in der Dusche ereilt: Während sie selbst glaubt, verbluten und sterben zu müssen, da sie nie aufgeklärt worden ist, bewerfen sie ihre Mitschülerinnen angeekelt mit Tampons und lachen sie aus.

Emotional aufgewühlt passieren immer mehr merkwürdige Dinge um Carrie herum, die in ihr den Verdacht erwecken, telekinetische Kräfte zu besitzen. Während sie diese eifrig trainiert und auch in der Schule aufblüht, weil einige Mitschülerinnen, beschämt über ihr eigenes Verhalten, versuchen, netter zu ihr zu sein, und sie schließlich sogar zum Abschlussball eingeladen wird, hegen andere Schüler weiterhin Groll gegen das unscheinbare Mädchen und schmieden einen Plan zu ihrer ultimativen Demütigung… nichtsahnend, welche Kräfte Carrie inzwischen mobilisieren kann, wenn sie nur wütend genug ist…

Carrie war Stephen Kings allererster Roman und gehört mit Sicherheit zu einem der erfolgreichsten! Dabei wäre er fast nie erschienen. Das ursprüngliche Manuskript war viel zu kurz, um als eigenständiges Werk auf den Markt gebracht zu werden, daher wurde es an Stephen King mit der Bitte um Überarbeitung zurück geschickt. Der fügte der Geschichte Auszüge aus fiktiven Biographien, Zeitungsartikeln, Bücher über den Vorfall etc. hinzu und änderte damit nebenbei mal die ganze Erzählstruktur.

Zum Glück! Die Einschübe peppen das Werk so richtig auf und machen es zu etwas besonderen. Ganz ehrlich: Als ich das Buch mit zwölf Jahren zum ersten Mal las, glaubte ich das alles! Ich dachte, das wäre wirklich so etwas wie ein ausgeschmückter Tatsachenbericht! Jedenfalls habe ich schwer gezweifelt ^^

In bester Colombo’scher Manier weiß der Leser durch die beigefügten fiktiven Sachtexte schon von Anfang an, dass die Geschichte auf ein apokalyptisches Ende zusteuert. Damit ist die Frage „Was?“ direkt von Tisch und der Fokus gleichzeitig auf das „Wie?“ gelegt. Ein erzählerischer Kniff, den ich sehr schätze, sofern er nicht überstrapaziert wird.

Dem Buch selbst merkt man an, dass es sich um Kings ersten Roman handelt, da die Charakterzeichnung noch etwas unterdurchschnittlich ist. Obwohl größtenteils aus Carries Perspektive erzählt wird, bleibt das Mädel leider etwas blass, man erfährt praktisch nichts von ihr. Gleichzeitig sind mir andere Figuren, nämlich Chris (Carries Mitschülerin) und ihr Freund Billy eindeutig zu bösartig geraten. Man erfährt zwar, warum Chris sich letztendlich entscheidet, ihren Plan gegen Carrie zu schmieden (als Strafe für ihr beleidigendes Verhalten nach dem Sportunterricht wird sie vom Abschlussball ausgeschlossen und die Schuld daran gibt sie Carrie), aber warum sie von Anfang an so eine Bitch ist, bleibt unklar. Billy, den man nur als mindestens soziopathisch einstufen kann, ist dann noch mal ne ganze Ecke schlimmer.

Auch ist nicht zu übersehen, dass das Buch jetzt schon fast vierzig (!!!) Jahre auf dem Buckel hat. Wie Stephen King mit dem Thema weibliche Sexualität umgeht, lässt auf große Unsicherheiten des damals erst 27jährigen Stephen King schließen (um mal ein bisschen psychoanalytisch, um nicht zu sagen unverschämt zu werden ^^). Religiöser Fanatismus, der hier sogar so weit geht, dass Carries Mutter es  schafft, die natürliche körperliche Entwicklung ihrer Tochter zu verzögern, ist ebenfalls eine Thematik, der er sich hier zum ersten, aber sicher nicht zum letzten Mal gewidmet hat (siehe Der Nebel, Needful Things, Kinder des Zorns und unzählige Einzelcharaktere in fast allen Werken, die allesamt ein ein bisschen zu enges Verhältnis zu Jesus haben…). Und das Mobbing-Thema ist natürlich leider zeitlos.

Stephen King hat mit Carrie eine große Geschichte geschaffen, die spätestens nach der Verfilmung von Brian de Palma (der auf deutsch mit dem unsäglichen Untertitel „Des Satans jüngste Tochter“ versehen worden ist – Opferbeschuldigung in Reinform) zu einem fast nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der Popkultur geworden ist! Allein deswegen lohnt sich das Lesen schon. Meine Empfehlung!

Wo wir gerade bei Verfilmungen sind: Ich fand „Carrie“ als Film immer scheiße. Der Film ist 1976 eingeschlagen wie eine Bombe und Sissy Spacek wurde sogar für einen Oscar nominiert, aber mit so alten Schinken habe ich meine Probleme, zumal sich de Palma einer mir unerträglichen Bildsprache bedient und das Erzähltempo kaum lahmer sein könnte. 

Umso schöner, dass dieses Jahr eine Neuverfilmung heraus kommt, in der Carrie von der ziemlich coolen, leider für diese Rolle wesentlich zu hübschen Chloe Moretz (bekannt geworden als Hit-Girl in „Kick-Ass“) gespielt wird. Ich bin gespannt und hoffe auf eine weitere geile King-Verfilmung!

Bücher-ABC 2013: B wie Stephen Kings „Brennen muss Salem“

Hä, Bücher-ABC?

Stephen King – Brennen muss Salem
‚Salem’s Lot, 1975 (deutsch 1979)

brennenmusssalemBen Mears, ein erfolgreicher Autor, kehrt nach langen Jahren in seine Heimatstadt Jerusalem’s Lot zurück. Einst hatte er dort im örtlichen Spukhaus ein Erlebnis, das ihn selbst als Erwachsener nicht los gelassen hat. Um den Geistern der Vergangenheit ins Gesicht zu blicken, beschließt er, sich seinen Kindheitsängsten zu stellen und seine Erlebnisse um das sogenannte „Marsten-Haus“ vor Ort literarisch zu verarbeiten.

Kaum angekommen muss er feststellen, dass genau dieses Haus, obschon von der gesamten Stadt gemieden, da es als „verflucht“ gilt, inzwischen nicht mehr unbewohnt ist: Kurt Barlow und sein Geschäftspartner haben es bezogen und wollen angeblich einen Antiquitätenhandel in ‚Salem’s Lot eröffnen.
Schon bald nach Barlows Ankunft häufen sich allerdings die seltsamen Ereignisse: Menschen verschwinden oder werden tot aufgefunden, andere verlassen nur noch in der Nacht ihre Häuser und tragen sichtbare Bissspuren an ihren Hälsen. Ben Mears sowie die wenigen skeptischen Bürger der Stadt, die er um sich schart, sind bald davon überzeugt: Bei Barlow muss es sich um einen blutrünstigen Vampir handeln…

Brennen muss Salem war eines der ersten Bücher, die ich von Stephen King gelesen habe – und das erste, das mir nicht gefallen hat.

Ich kann nicht mehr sagen, wann es anfing, aber seit ich mich erinnern kann, fasziniert mich der Vampirmythos. Ich schreibe absichtlich „der Mythos“, denn viele Darstellungen von Vampiren in Film und Literatur haben mit der ursprünglichen archetypischen Vampirfigur recht wenig zu tun, weshalb ich genau dieses Thema paradoxerweise eher meide, um nicht von falschen Interpretationen genervt zu werden!

Stephen Kings Vampire in Brennen muss Salem waren die misslungensten, die ich bis dato kennen gelernt hatte – aber das war ja auch lange vor „Twilight“.

Besonders nervte mich im Roman die  (leider weit verbreitete) Prämisse, der Biss eines Vampirs würde jeden Menschen automatisch ebenfalls zum Vampir machen, als wäre Vampirismus nur irgendein Virus, der durch einen Biss übertragen wird, dabei muss ein Vampir einen Menschen erst beißen, ihn dabei fast völlig aussaugen und dann von seinem eigenen Vampirblut zu trinken geben. Wesentlich komplizierter, aber so ist es nun mal! Dass man dieser Verwandlung entgehen kann, indem man den 23. Psalm aufsagt und sich ne Tetanusspritze setzt, ist Stephen Kings exklusive Erfindung und dabei dann wirklich noch das Tüpfelchen auf dem i (aber immerhin hat mich das als 12jährige dazu gebracht, eben diesen Psalm auswendig zu lernen – nur so zur Sicherheit. Das schindet Eindruck!).

Das klingt vermutlich kleinlich und ist es wohl auch. Aber leider ist das nicht der einzige Kritikpunkt, der das Buch für mich recht schlecht macht.

Hierbei handelt es sich erst um Stephen Kings zweiten Roman (nach Carrie), was in meinen Augen unübersehbar ist. Zu diesem Zeitpunkt fehlte ihm wohl noch einiges an der Routine, die ihm später zugute kommen sollte. Bis dahin findet sich leider hier (wie auch in anderen seiner Frühwerke) so manche sprachliche und dramaturgische Behäbigkeit und eine Charakterzeichnung, die weit unter dem Niveau verbleibt, für das ich ihn später noch feiern werde. Besonders möchte ich hier Mark Petrie hervor heben, einen zwölfjährigen Jungen, dessen Bekanntschaft mit einem Vampir noch mal glimpflich abläuft, bevor er mit Ben Mears den Kampf aufnimmt, und dessen Motivation ich nicht so wirklich verstehe… aber auch viele der anderen Stadtbewohner, mit denen Stephen King ‚Salem’s Lot bevölkert, sind nicht mal ansatzweise so gut ausgeführt wie die Bürger der späteren Städtchen, in denen er seine Geschichten spielen lässt, womit ‚Salem’s Lot als Schauplatz leider ziemlich blutleer wirkt (chrchr!!!).

Die irgendwie recht konfus wirkende Story tut dann noch sein übrigens. Das beginnt schon mit der Tatsache, dass das erwähnte Kindheitstrauma von Ben Mears, welches in Barlows neuem Domizil geschehen ist, so wirklich gar nichts mit dem Rest der Geschichte zu tun hat (außer vielleicht insofern, dass sich creepy Leute nun mal zu creepy Plätzen hingezogen fühlen). Es drängt sich der Eindruck auf, dass Stephen King einfach halt irgendwas mit Vampiren machen wollte!

Viel mehr kann ich über dieses Buch leider nicht mehr sagen, da es um die 15 Jahre her ist, dass ich es gelesen habe (!).

Ich teile Stephen-King-Bücher lediglich in zwei Kategorien: „Immer wieder lesenswert“ und „Einweg-Bücher“. Brennen muss Salem war das erste Buch, das auf den letzten Stapel gehörte. Ich habe es einmal gelesen und finde es schlichtweg zu langweilig, um mich noch einmal durchzuquälen. Daher kann ich den Roman leider nur denjenigen empfehlen, die sich an den Dunklen Turm wagen wollen, denn der Pfarrer des Städtchens, Father Callahan (immerhin als alkoholkranker Geistlicher am Rande der Apostasie die interessanteste Figur im gesamten Roman), wird in eben diesem Epos noch eine gar-nicht-mal-so-kleine Rolle spielen. Wer also nicht nur auf die kurze Zusammenfassung angewiesen sein will, die der Dunkle Turm zu seiner Person und den Ereignissen in Brennen muss Salem liefert, dem sei das Buch ans Herz gelegt.

Allen anderen kann ich nur sagen, dass Stephen King durchaus noch einige schlechtere, aber auch viele wesentlich bessere Romane geschrieben hat und man daher lieber bei denen zugreifen sollte, wenn man sich dem Werk des Meisters erstmals widmen will.

Bücher-ABC 2013: A wie Stephen Kings „Abgrund“

Hä, Bücher-ABC?

Ich hinke mal wieder hinterher, denn der Buchstabe „A“ ist schon längst beendet (sowie „B“ und „C“ auch…), trotzdem mache ich hier alphabetisch mit Stephen Kings Meisterwerken weiter. Ob das für den Blog Bücher-ABC noch zählt und ich noch mit aufgelistet werde weiß ich nicht, aber es ist mir auch irgendwie egal ^^ Freue mich, wenn es so ist, wenn nicht, steige ich wieder ein, wenn ich alles nachgetragen habe!

Stephen King – Abgrund
Nightmares and Dreamscapes, 1993

Abgrund beinhaltet die zweite Hälfte des amerikanischen Kurzgeschichtenbandes „Nightmares and Dreamscapes“, der in Deutschland aufgeteilt wurde. Die erste Hälfte stellt Alpträume dar und wie auch dort gibt es in diesem Band wieder 12 Kurzgeschichten.

abgrund Regenzeit ist die Geschichte eines jungen Paares, das eigentlich nur Urlaub machen will, in seinem gemieteten Domizil dann jedoch von einem Regen aus Monsterfröschen überrascht wird.

In Mein hübsches Pony erhält ein Junge von seinem Großvater eine Lektion über die Relativität des menschlichen Zeitempfindens.

In Entschuldigung, richtig verbunden wundert sich eine Mutter über einen geheimnisvollen Anruf und merkt leider viel zu spät, um wen es sich bei der mysteriösen Anruferin handelt.

Brandon Pearson gehört zu den 10-Uhr-Leuten, die sich um eben diese Zeit vor seinem Büro zur Zigarettenpause treffen. Im Bemühen, seinen Zigarettenkonsum, wenn er es schon nicht schafft, das Rauchen ganz einzustellen, wenigstens zu verringern, lernt er eines Tages die negativen Seiten seines neuen, gesünderen Lebensstils kennen…

Crouch End ist eine Geschichte über ein gleichnamiges Viertel in London, in dem die Grenzen zwischen unserer Welt und einer lovecraft’schen Horrordimension leider nicht ganz so solide sind, wie man sich das wünschen würde.

In Das fünfte Viertel jagt ein Krimineller den Teilen einer Schatzkarte hinterher.

Die Kinder, die Das Haus in der Maple Street zusammen mit ihrer Mutter und ihrem ekelhaften Stiefvater bewohnen, merken eines Tages, dass sich ihr Heim langsam beginnt, in ein Raumschiff zu verwandeln.

Der Fall des Doktors ist eine Sherlock-Holmes-Story, in der jedoch Dr. Watson im Mittelpunkt steht und endlich auch mal einen Fall löst!

In Umneys letzter Fall muss der schlitzohrige 40er-Jahre-Privatdetektiv Clyde Umney eines Tages feststellen, dass er nur eine Romanfigur – und sein Schöpfer ihm nicht mehr wohlgesonnen ist.

Kopf runter ist die Dokumentation einer Saison der Little-League-Mannschaft von Bangor West, in der Stephen Kings Sohn mitspielte.

Auch August in Brooklyn handelt von Baseball, allerdings in lyrischer Form.

Und Der Bettler und der Diamant ist Stephen Kings Interpretation einer indischen Sage.

Diese Kurzgeschichtensammlung habe ich just bestellt und gleich gelesen, als ich bei der Rezension von Alpträume feststellen musste, dass mir diese noch fehlt! Mein Eindruck ist also ganz frisch.

Auch hier schwankt die Qualität der Stories zuweilen wieder stark. Zuerst zu dem good stuff: Mein Favorit der Sammlung ist hier definitiv Die Zehn-Uhr-Leute, weil die Prämisse so richtig schön bescheuert ist. Die Machtelite der Welt ist von alptraumhaften Monstern unterwandert (den Batmen, höhö) und nur Raucher, die nicht mehr als 10 Zigaretten am Tag konsumieren, können die Illusion erkennen? Was für ein Bullshit! Aber ein unterhaltsamer! :mrgreen:

Der Fall des Doktors zeigt: Auch Stephen King ist zuweilen nur ein Fanboy, der gerne Fanfictions schreibt! Ich selbst habe noch nie Sherlock Holmes gelesen, aber wie jeder Mensch auf diesem Planeten, der nicht unter einem Stein wohnt, kenne ich den Herren und seinen Sidekick natürlich trotzdem. Horror gibt es in dieser Story nicht, aber Kings Bemühung, den viktorianischen Stil nachzuahmen, war höchst vergnüglich zu lesen.

Regenzeit ist dagegen wieder Horror pur, und zwar kurz und knackig. Gelesen, gemocht!

Damit zu den Geschichten, die okay waren, mich aber nicht so richtig überzeugen konnten. Als allererstes möchte ich hier Das Haus in der Maple Street  nennen. Obwohl die Story inhaltlich überzeugt, störte es mich kolossal, wie die Kinder hier dargestellt wurden. Vier wunderbar brave, mutige Lichtwesen, die entschlossen gegen ihren Arsch von Stiefvater vorgehen, der natürlich irgendwie the ultimate evil ist. Die Charaktere sind einfach so dermaßen schwarz-weiß! Vielleicht verständlich, wenn man weiß, dass Stephen King diese Geschichte für seine Kinder schrieb. Aber trotzdem. Vor allem die beiden ältesten Kinder agierten auch viel zu erwachsen, weshalb ich die Geschichte nur bedingt mochte.

Der Bettler und der Diamant ist, wie gesagt, Kings Nacherzählung einer Hindu-Sage. Als solche ist sie kurzweilig (und auch wirklich sehr kurz), aber mir hat sich nicht so ganz erschlossen, warum er so etwas veröffentlicht, zumal er fast nichts geändert hat.

Umneys letzter Fall artikuliert eine durchaus interessante Überlegung: Was wäre, wenn Romanfiguren wirklich lebendig wären? Wie wirkt sich der schöpferische Akt des Schreibens auf den Autor aus? Und wie viel Macht hat ein Autor eigentlich über seine Schöpfung? Dennoch fand ich die Erzählung irgendwie ein bisschen langweilig. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn ich mal einen dieser „Privatschnüffler in den 40er Jahren“-Roman gelesen hätte, das habe ich aber nie. Die Geschichte ist beileibe nicht schlecht, aber es hat mich einfach nicht gefesselt.

Entschuldigung, richtig verbunden ist lediglich ein Drehbuch (das wohl auch in Rahmen einer Mysteryserie verfilmt worden ist, allerdings bin ich zu faul nachzusehen, ob diese Serie es jemals nach Deutschland geschafft hat) und daher nicht sonderlich flüssig zu lesen. Der Inhalt ist okay, ich hätte mir aber eine andere Form der Präsentation gewünscht.

Crouch End ist zwar durchaus gruselig, aber naja… da ich doch so einiges von Stephen King gelesen hat, wiederholt sich manches zwangsläufig. Hier ist es also die Beschreibung eines mysteriösen Stadtviertels, das ohne besonderen Grund eine Schnittstelle verschiedener Realitäten darstellt, und die Konfrontation normaler Menschen mit etwas, das zu grausig und GROSS ist, um vom menschlichen Verstand verkraftet werden zu können. Das gleiche gab es auch schon in der Kurzgeschichte N., in diverser Form im Dunklen Turm und der Roman Der Buick beschäftigt sich praktisch mit nichts anderen. Das ist too much. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie Stephen King unaussprechlichen Horror beschreibt, aber nachdem er schon so oft Plätze/Gegenstände/Personen nicht-von-dieser-Welt beschrieben hat und es einzig darum geht, dass diese nicht-von-dieser-Welt sind… zeigen sich bei der geneigten Leserin (moi) Ermüdungserscheinungen.

Dagegen ist Das fünfte Viertel so trivial und nichtssagend, dass die Story getrost überblättert werden kann, auch wenn sie nicht wirklich schlecht ist. Allerdings hat man Storys dieser Art (Typ „besucht“ eine Reihe von Personen, um irgendetwas – Infos oder halt den Teil einer Schatzkarte – zu erpressen) schon hundertfach gelesen oder auch gesehen. Mit nichts hebt sich diese Geschichte von den vielen anderen dieses Typus ab. Sie könnte genauso gut von irgendeinem Niemand geschrieben worden sein.

Damit komme ich zu den Stories, die ich wirklich, wirklich schlecht fand. Als allererstes wäre da Mein hübsches Pony zu nennen, eine Geschichte, in der Stephen King seinen immer wieder durchschimmernden Hang, absolute Banalitäten zu mystifizieren, komplett auf die Spitze treibt. Da wird ein Gespräch zwischen Großvater und Enkel mal so eben zu einer prägenden Erfahrung von welterschütternden Ausmaßen, und das zeigt sich dann auch leider in jedem Satz. Ich mache es kurz: Das nervt einfach wie Sau!

Den Vogel hat er allerdings mit Kopf runter abgeschossen. Diese „Geschichte“ ist das mit Abstand blödeste, was jemals den Weg zwischen zwei Buchdeckel mit dem Namen „Stephen King“ gefunden hat. Er selbst bezeichnete den Text als Essay, allerdings weist er in meinen Augen keinerlei Merkmal dieser Textgattung auf.
Auf sechzig (!!!) Seiten dokumentiert Stephen King hier eine Saison des Kinder-Baseballteams von Bangor West, die mit dem Sieg der Bezirksmeisterschaften oder sowas endete, obwohl das niemand vermutet hätte. Das wars auch schon – und ist stinklangweilig! Besonders für Deutsche, die wohl zu 99,9 Prozent noch nie mit Baseballregeln in Berührung gekommen sind, ist diese Story absolut uninteressant, da wirklich verschiedene Spielzüge seitenlang breitgetreten werden. Ich gebe zu, irgendwann habe ich alles einfach nur noch überflogen, weil ich ja eh nichts verstand. Und bis Seite 59 hatte ich noch die Hoffnung, dass noch irgendein belletristisches Horrorelement eingefügt werden würde, was sich dann aber zerschlagen hat. Erst durch die Liner Notes, die Stephen King am Ende einer jeden Kurzgeschichtensammlung einfügt, wurde mir dann klar, dass es sich hierbei um einen Tatsachenbericht handelte, was das Ganze dann auch nicht mehr besser machte!
Ich finde, ein solcher Text ist eine schöne Geschenkidee für die Kinder, die in diesem Team mitgespielt haben – aber sie in einem Kurzgeschichtenband zu veröffentlichen, empfinde ich fast schon als Frechheit!!

Über August in Brooklyn, ein Gedicht, das in die selbe Kerbe schlägt, möchte ich mit allem Respekt den Mantel des Schweigens breiten…

Abgrund ist für mich leider deutlich schwächer als der Band Alpträume, auch wenn es hier einige Perlen zu entdecken gibt,  weshalb sich die Anschaffung dennoch lohnt (wie  meistens).

Bücher-ABC 2013: A wie Stephen Kings „Amok“

Stephen King – Amok
Rage, 1977 (deutsch 1988)

amokDer von erheblichen persönlichen Problemen getriebene Schüler Charlie Decker wird eines Tages der Schule verwiesen, weil er einen seiner Lehrer angegriffen hat. Statt jedoch wie angewiesen die Schule zu verlassen, greift er sich die Pistole, die er schon seit einiger Zeit regelmäßig mit zur Schule gebracht hat. Erst erschießt er die Lehrerin, die gerade in seiner Klasse unterrichtet, dann nimmt er seine Mitschüler als Geiseln.
Während draußen die Verantwortlichen der Schule sowie die Polizei in Stellung gehen, entsteht zwischen Charlie und seinen Mitschülern ein eigenartiges Psychospielchen, bei dem die Perspektive mehr und mehr verschwimmt und die Grenzen zwischen Gut und Böse aufgeweicht werden.

 

Man mag es in irgendeiner Weise unangebracht finden, über das durchaus ernste Thema Schulamokläufe ein Buch dieses Inhaltes zu schreiben (Stephen King war wohl selber dieser Meinung, denn sonst hätte er es nicht über zwanzig Jahre nach dem Erscheinen vom amerikanischen Markt nehmen lassen). Doch ist die Verbindung zu realen Fällen höchstens oberflächlich.

Die Hintergründe des Täters werden im Laufe des Romans immer klarer, denn auch wenn Charlie Decker auf andere einen eher schüchternen, zurückgezogenen Eindruck machte, schildert er in Ich-Perspektive Episoden aus seinem Leben, das von der Angst vor seinem gewalttätigen, überdominierenden Vater geprägt war, der Charlies Mutter verachtete und gleichzeitig seinen „verweichlichten“ Sohn mit seinen überzogenen Männlichkeitsvorstellungen drangsalierte.

Ebenfalls spielt Sexualität eine große Rolle (wobei man bedenken muss, dass das Buch schon Ende der Siebziger erschienen ist, weshalb manche Szenen heute etwas merkwürdig anmuten). Während des sich zwischen Charlie und seinen Geiseln entspinnenden Gesprächs manifestiert sich die große Sexualunsicherheit, die einer prüden Gesellschaft wie den USA der Siebziger inhärent war. Während bei Charlie das Thema „sexuelle Versagensangst“ vorherrscht, berichten mehrere Mitschüler von ihren eigenen Erfahrungen, die unter anderem auch durchaus feministische Anklänge haben. So erzählt die Freundin des Klassenschönlings, wie sie in einer schmierigen Bar einen Kerl aufriss, und ein anderes Mädchen berichtet von einem unschuldig-schönen Shopping-Ausflug mit ihrer besten Freundin, der durch die Beleidigung „Fotze“ eines vorbei fahrenden Autofahrers jäh beendet wird. Auch wenn das keine reale Begebenheit ist, muss ich dennoch jedes Mal daran denken, wenn mir etwas ähnliches passiert.

Das Interessante an diesem Roman ist, dass man fast augenblicklich Sympathie für den vermeidlich bösen Amokläufer empfindet und seine Motive immer besser nachvollziehen kann. Fast kafkaesk wirkt dann auch die Reaktion der meisten Geiseln, denn diese sind mehr mäßig interessiert denn verängstigt. Mich hat das als Jugendliche, als ich den Roman zum ersten Mal las, besonders angesprochen, denn dieses „Generation-X“-Gefühl, das ich da herauszulesen glaubte („Na Hauptsache, es passiert mal was…“) war mir durchaus vertraut.

Vollends ins Groteske rutscht die Handlung schließlich, als sich die Stimmung der Klasse immer mehr gegen den Klassenschönling und einzigen „normalen“ Schüler der Klasse richtet, der als letzter dem Sog des Psychospielchens widersteht und seine Mitschüler vehement auffordert, Charlie als das zu sehen, was er offenkundig ist: ein verrückter Mörder. Doch obwohl dieser Junge bisher immer den Ton in der Klasse angegeben hat, wenden sich seine ehemaligen Bewunderer (und auch seine Freundin) letztendlich gegen ihn, was man allegorisch als Aufstand der unterdrückten Massen gegen den spießigen Mainstream lesen kann. Und was mir, ich gebe es zu, beim Lesen irgendwie Genugtuung verschafft hat!

„Amok“ wurde von Stephen King ursprünglich unter seinem Pseudonym Richard Bachman veröffentlicht, dessen Bücher durchaus einige Unterschiede zu King-Werken aufweisen. Den meisten fehlt das fantastische Element, wie auch hier. Unter den Bachman-Büchern bilden für mich „Amok“ zusammen mit „Todesmarsch“ und „Menschenjagd“ eine Einheit (vermutlich nur, weil ich sie damals ziemlich unmittelbar hintereinander gelesen habe). Alle drei sind verstörende Romane, die in pessimistischen Welten voller Abgründe spielen und alle drei haben kein gutes Ende – auch wenn man sich gerade bei „Amok“ fragen muss, ob Charlie nicht dennoch am Ende als moralischer Sieger hervor geht.

Daher sei euch auch dieser King-Roman empfohlen, auch wenn ihr vielleicht zu einem ganz anderen Urteil kommen werdet als ich.

Bücher-ABC 2013: A wie Stephen Kings „Alpträume“

Stephen King – Alpträume
Nightmares and Dreamscapes, 1993

Hierbei handelt es sich um eine Kurzgeschichtensammlung mit insgesamt 12 Geschichten unterschiedlicher Länge. Ganz schön viel, daher werde ich mich beim Inhalt extrem kurz halten.

alpträumeDolans Cadillac handelt von einem Typen, dessen Ehefrau von der Unterweltgröße Dolan getötet worden ist, weshalb er sich einen teuflischen Racheplan ausdenkt, bei dem Dolans geliebter Cadillac eine wichtige Rolle spielt.
Das Ende des ganzen Schlamassels spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die Welt aufgrund von Kriegen und Terroranschlägen am Abgrund steht und ein geniales Wunderkind eine Möglichkeit findet, die menschlichen Aggressionen auf ein Minimum zu reduzieren.
In Kinderschreck erblickt eine ältliche Lehrerin hinter der Fassade ihrer Schüler das Grauen.
Der Nachtflieger ist eine Vampirstory, in der ein Journalist sich an die Fersen eines mysteriösen Piloten heftet, den er als Schuldigen einer Mordserie vermutet, ohne zu wissen, mit welchem Wesen er sich hier anlegt.
In Popsy muss ein Kidnapper erkennen, dass er von manchen Kindern besser die Finger lässt.
Es wächst einem über den Kopf wirft einen Blick zurück nach Castle Rock nach den Ereignissen im Roman Needful Things.
In Klapperzähne entpuppt sich ein Kinderspielzeug, mechanische Riesenzähne mit Füßen, als Retter in der Not.
Zueignung ist die Geschichte eines schwarzen Zimmermädchens, dass auf mysteriöse Weise die Essenz eines weißen, erfolgreichen Autors in sich aufnimmt.
Der rasende Finger beschäftigt sich mit folgender hochwichtigen Frage: Wie würdest DU reagieren, wenn du eines Tages in den Bad gehen würdest und sehen müsstest, dass aus dem Abfluss ein lebendiger Finger ragt?
In Turnschuhe treibt ein Toter in der Toilette eines Bürogebäudes immer noch sein Unwesen.
In Verdammt gute Band haben die hier verschlägt es ein Pärchen in das abgelegene Städtchen „Rock ’n Roll Heaven“. Dort merkt es bald, dass der Name hier tatsächlich Programm ist!
Und bei der letzten Story Hausentbindung handelt es sich um eine klassische Zombiegeschichte, in die eine hochschwangere Frau unvermittelt gerät.

 

Bei dieser Sammlung handelt es sich um die allererste Kurzgeschichtensammlung überhaupt, die ich von Stephen King gelesen habe. Damals war ich wohl noch zu jung, um alle Geschichten zu verstehen, aber seither habe ich sie noch viele Male gelesen 🙂

Wie bei allen Kurzgeschichtensammlungen von King gibt es gute und schlechte Geschichten. Am wenigsten gefallen mir Kinderschreck, Es wächst einem über den Kopf , Zueignung, Turnschuhe und Hausgeburt. Kinderschreck ist mir einfach zu trivial, genauso wie Turnschuhe und Hausentbindung; alle drei Geschichten bedienen sich bekannter Stereotypen (Kinder als reale Monster, plötzlich auftauchende Tote/Geister und Zombies), aber schaffen es nicht, sich dabei von anderen Storys gleichen Inhaltes abzuheben. Mir erscheinen sie eher wie eine Fingerübung denn als echte Kurzgeschichten.
Zueignung dagegen ist einfach nur sehr unappetitlich, zudem verstehe ich dieses schwarz-weiß-Thema nicht so wirklich. Hier offenbart sich außerdem Kings Schwäche, aus der Sicht von Frauen zu schreiben. Letztendlich plätschert die Story etwas lahm vor sich hin, ohne dass tatsächlich was passiert. Sie ist auch einfach viel zu lang!
Es wächst einem über den Kopf ist definitiv die Story mit dem größten „Hä?“-Faktor. Eigentlich gibt es hier überhaupt keine Handlung. Man trifft einige Bekannte aus „Needful Things“ wieder (womit man die Story getrost überblättern kann, wenn man diesen Roman nicht gelesen hat) und wird mit der pessimistischen Grundstimmung dieser sterbenden Stadt konfrontiert. Das ist deprimierend und macht schlicht und ergreifend keinen Spaß!

Dolans Cadillac, Nachtflieger, Popsy und Verdammt gute Band haben die hier sind so mittel. Sie sind nett zu lesen, hinterlassen aber keinen bleibenden Eindruck. Bei Dolans Cadillac kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier viel zu viel Aufwand betrieben wird für zu wenig Ergebnis. Die Geschichte ist genauso aufgebläht wie Nachtflieger. Ich bin ja der Meinung, dass Stephen King einfach die Finger von Vampiren lassen sollte, denn irgendwie kriegt er das nie so wirklich zu meiner Zufriedenheit hin! Das ist dann auch die Schwäche von Popsy.
Die Story von Verdammt gute Band haben die hier ist durchaus der Hammer – hier trifft das Pärchen auf sämtliche Rockstars, die zu früh gestorben sind. Das Problem, was ich damit habe, ist ein ganz persönliches, welches ich nicht Stephen King anlasten will, dennoch hat es mir den Spaß ziemlich vermiest: Ich kenne die meisten der Rockstars (größtenteils Stars aus den 60er Jahren) einfach nicht. Janis Joplin, Elvis etc. sind klar, aber dazu kommen noch sooo viele andere Personen, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Und jedes Mal ärgere ich mich, dass Stephen King diese Story schrieb, bevor Kurt Cobain sich auf seine Reise in den Rock ’n Roll Heaven gemacht hat…

Damit zu den wirklich guten Storys. Das Ende des ganzen Schlamassels ist die einzige Geschichte, die in der Ich-Perspektive geschrieben ist. Der Bruder des besagten Wunderkindes schildert darin rückblickend in einem Bericht die Ereignisse, wobei er sich interessanterweise durch Einnahme eines langsam wirkenden Gifts selbst eine Deadline (höhö) gesetzt hat. Das Ganze ist unheimlich spannend, zudem regt die Handlung zum Nachdenken über die Natur des Menschen und seine Intelligenz an.

klapperzähne

Klapperzähne!

Klapperzähne ist besonders interessant, weil man irgendwie damit rechnet, dass dieses Gebiss mit Füßen, welches der Hauptcharakter zufällig in einem Tankstellenshop aufstöbert, das Böse in der Story ist. Isses aber nicht, im Gegenteil. Das ist lustig und vor allem super geschrieben. Man wünscht sich sofort auch so ein Teil!

Meine Lieblingsgeschichte ist aber mit Abstand Der rasende Finger. Allein die Idee ist so dermaßen schräg, offenbart aber wieder mal Stephen Kings skurriles Verständnis von Horror. Es muss nicht immer ein Zombie, Vampir oder Geist sein – man würde genauso ausrasten, wenn so etwas alltägliches wie ein (körperloser?) Finger sich plötzlich an Stellen zeigt, wo er nicht hingehört!
Zudem nutzt King hier wirklich das komplette Potential, was sich aus diesen Vorgaben bietet. So bescheuert es auch ist, man fiebert wirklich mit, vor allem, da hier innerhalb von wenigen Seiten einige wirklich lebensnahe, glaubhafte Charaktere gezeichnet werden. Kings große Stärke!

Zusammengefasst ist Alpträume, auch wenn die Bewertung ein wenig harsch aussieht, eine wirklich schöne Kurzgeschichtensammlung mit vielen unterschiedlichen Storys. Für jeden sollte was dabei sein… und für Kingfans ist es das sowieso!

Als letztes sollte erwähnt werden, dass die Sammlung nur die Hälfte der Geschichten aus „Nightmares and Dreamscapes“ enthält, zumindest ist das in der Ausgabe so, die ich vor vielen Jahren gekauft habe. Die andere Hälfte wurde im Band Abgrund veröffentlicht, der sich damit ja auch gut für das aktuelle Bücher-ABC anbieten würde – wenn ich ihn denn gelesen hätte 😦

Aber was glaubt ihr, was ich mir GERADE JETZT bestellt habe? :mrgreen:

Bücher-ABC 2013: A wie Stephen Kings „Achterbahn“

Stephen King – Achterbahn
Riding the bullet, 2000

achterbahnDen Studenten Alan Parker erreicht eine schlechte Nachricht: Seine Mutter liegt nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus. Obwohl sein Auto kaputt ist, möchte er es sich nicht nehmen lassen, sie sofort zu besuchen. Dazu will er die gesamte Strecke trampen.

Nachdem zwei Autofahrer ihn bereits ein gutes Stück mitgenommen haben, geht er gerade an einem Friedhof vorbei, als ein dritter Autofahrer anhält und ihn mitnimmt. Trotz des seltsamen Geruchs im Wageninnern steigt er ein, muss aber im Laufe der Fahrt feststellen, dass er das Auto mit einem Toten teilt…

Man kann sich drüber streiten, ob dieses nicht mal 100 Seiten lange Geschichtchen eine Kurzgeschichte oder doch schon eine Novelle ist. Wie dem aus sei – das hat den Ullstein-Verlag nicht davon abgehalten, diese Story als einzelnes Buch herauszubringen und seinerzeit immerhin knapp 7 Euro dafür zu verlangen.
Noch im Okay-Bereich, wenn die Geschichte das wert ist. Nun, das ist sie leider nicht! Achterbahn ist wirklich stinklangweilig und lange nicht in der Lage, als einzige Geschichte ein Buch zu tragen.
Ich meine, wie platt ist das bitte. Der Typ latscht an einem Friedhof vorbei und der nächste Autofahrer, der anhält, ist ein Zombie. Wow.
Was das Ganze mit der Achterbahn („The Bullet“) zu tun hat, vor der Alan als Kind mal Angst gehabt hat, hat sich mir leider auch nicht so ganz erschlossen. Das ist wieder so ein Beispiel für Catchphrases oder Metapher, die Stephen King fast in jeder Geschichte einführt und dann bis zum Erbrechen auf die Spitze treibt. Bei „Sie“ ist das Afrika, bei „Dolores“ ist es „trick me twice, shame on me“, bei „Friedhof der Kuscheltiere“ ist es „Der Acker im Herzen eines Mannes ist steiniger“ etc.pp. Hier steht die Achterbahn nun metaphorisch für Herausforderungen – in diesem Fall die Herausforderung des Zombies für Alan, entweder anstelle seiner Mutter zu sterben oder sich selbst zu retten, indem er seine Mutter zum Tode verurteilt.
Ich habe mit sowas immer Probleme. Das ist einfach gegen die Spielregeln: Ein Geist/Zombie/Dämon kann nicht einfach jeden x-beliebigen Menschen aufgabeln und vor eine sadistische Wahl stellen, dafür muss dieser sich in irgendeiner Weise verpflichtet oder schuldig gemacht haben!
Leider ist Achterbahn damit für mich durchgefallen. Die Story ist zu beliebig, der Horror vorhersehbar und die Charaktere platt. Die Tatsache, dass die Story auch noch einzeln als Buch erschienen ist, ist dabei das Tüpfelchen auf dem i und schlicht Geldmacherei.

Fazit: Wirklich nur für Fans!