Männertränen to the Max und (fehlende) Vorbilder

Gestern hat „Mad Max: Fury Road“ bei den Oscars richtig abgesahnt. Der Freund war indes leicht verstimmt, weil ich den Streifen auf Twitter als „den bescheuertsten Film aller Zeiten“ bezeichnet habe.
Aber das ist er nun mal. Er ist bekloppt, total krank, maßlos übertrieben, irrsinnig, abgedreht, sprich: einfach bescheuert to the Max und das macht so verdammt viel Spaß, wie ein Film nur Spaß machen kann. Ob das oscarwürdig ist? Keine Ahnung. Beziehungsweise, naja, offensichtlich schon. Aber egal – für mich ist nur wichtig, dass ich den Film sicher nicht zum letzten Mal gesehen habe.

Tittenlastig

Die Oscarverleihung erinnerte mich jedoch gleichzeitig wieder an einen Text, über den ich vor Monaten gestolpert bin und der aus dem Reigen der übeschwänglichen Kritiken ausbricht. Wobei, eine Kritik kann man das wirklich nicht nennen… der Autor hat nämlich nur 10 Minuten durchgehalten, nimmt das jedoch zum Anlass, „dem neuen Filmstandard“ einen Rundschlag zu verpassen.

Neue Filme haben nämlich für ihn genau eine Schwachstelle. Etwas, was man der Welt eigentlich wirklich nicht zumuten kann. Neue Filme haben nämlich – so die weinerliche Heultriade – einfach VIEL ZU VIELE STARKE FRAUEN!!!

Ich weiß, was ihr jetzt denkt: E-kel-haft. Frauen als Hauptakteure? Frauen als leading roles? Mehr Frauen als Männer auf der Leinwand? Widerlich – da fault einem ja schon beim Gedanken daran der Schwanz ab!

Jedenfalls das kümmerliche Exemplar, den man sein Eigen nennen muss, wenn man so eine unfassbare Scheiße verzapft.

Oh, tears so manly

Okay, das habe ich jetzt nur geschrieben, damit die antifeministische Meute wieder was zu geifern hat. Überhaupt ist so ziemlich der einzige Punkt, den selbst seriöse Männerrechtler, die mich leiden können und beim bösen Wort „Feminismus“ nicht direkt Schnappatmung kriegen,  an mir kritisieren, meine konsequente Verwendung des Begriffes „male tears“. Aber wie soll man ein solches Mimimi anders nennen? Der Autor ist gar nicht persönlich betroffen, niemand zwingt ihn, sich diese Filme anzusehen. Und dennoch fühlt er sich IRGENDWIE benachteiligt, nur weil sich EINIGE Filmemacher an die offensichtliche Tatsache erinnert haben, dass die Hälfte der Menschheit aus Frauen besteht und man das deshalb auch in Filmen so zeigen kann.

Nun halte ich den Bechdel-Test, der zeigen soll, wie es um weibliche Repräsentation in Filmen bestellt ist, für ein absolut lächerliches Konstrukt. Mir sind zwei Frauen, die inhaltsschwer über den männlichen Hauptprotagonisten reden wesentlich lieber, als zwei Frauen, die sich über Lipgloss und Nagellack unterhalten (letzeres würde den Test bestehen, ersteres nicht). Und ein interessanter männlicher Charakter spricht mich bedeutend mehr an als ein weiblicher Charakter, den man nur eingeführt hat weil „weibliche Repräsentation und so“. Aber man müsste wirklich schon blind und dämlich sein, um nicht trotzdem zu merken, dass die meisten (Haupt)Rollen in Film und Fernsehen immer noch mit Männern besetzt werden.

Sich nun darüber zu echauffieren, dass es tatsächlich auch Ausnahmen gibt – wie soll man das anders nennen als „peinliche Jammerei“ auf einem Niveau, wie man es halt nur in der Manosphere findet, weshalb der Begriff „male tears“ nun mal zutreffender kaum sein kann?

Der Mittelpunkt des Universums

Wobei, natürlich trifft das nicht nur Filme und Serien. In die selbe Kerbe schlägt ein viel älterer Artikel, in dem sich ein männlicher Abiturient unter anderem darüber ereifert, in seiner Deutschprüfung „Frauenthemen“ behandeln zu müssen. Er musste nämlich wählen aus drei Themen: Eine Gedichtinterpretation zur „Loreley“ und „eine Textinterpretation über zwei Damen die an Liebeskummer leiden“. Das dritte Thema wird nicht erwähnt – vermutlich war das ein „Männerthema“.

Meine Fresse, ey. Wisst ihr, was meine Themen in der Oberstufe waren? Nathan der Weise, Minna von Barnhelm, Faust, Die Räuber, moderne Liebeslyrik und Die Blechtrommel. Also haargenau ein Werk, in dem tatsächlich eine Frau eine größere Rolle spielt – wobei es in „Minna von Barnhelm“ eigentlich ausschließlich um männliche Befindlichkeiten geht. Und da regt sich dieses angebliche Bübchen darüber auf, die „Loreley“ interpretieren zu müssen? Ist ja nur eines der bedeutendsten Gedichte der deutschen Romantik (das man übrigens auch antifeministisch deuten könnte, wenn man wollte). Und warum sich mit dem Liebeskummer zweier Frauen auseinander setzen, wenn man sich doch viel besser mit Oskar Matzeraths oder Karl von Moors Eskapaden befassen kann (zum Beispiel dem Vergewaltigen von Nonnen – was für ein tragischer Held)?

Dass dabei die MÄDCHEN in der Klasse auf der Strecke bleiben… hach, das juckt die Herren der Schöpfung natürlich nicht. Sie wollen, nein, MÜSSEN der Mittelpunkt des Universums sein – weniger ist inakzeptabel. Deshalb geht eine Deutschprüfung mit zwei Dritteln angeblicher „Frauenthemen“ gar nicht, obwohl die „männerfreundliche“ Alternative hieße,  zwei Drittel „Männerthemen“ zu behandeln. Oder drei Drittel. Was dann natürlich wieder überhaupt kein Problem wäre.

Ich halte diesen Brief eines Abiturienten ja für einen äußerst peinlichen Fake. Ernsthaft, allein dieser Satz: „Entschuldigt meine saloppe Ausdrucksweise aber ich hab genug von diesem erbärmlichen Quatsch mit Soße“? Also BITTE. Die Achtziger haben angerufen: Sie wollen ihre knorken Beleidigungen zurück! Zumal hier, wenn ich mich nicht ganz stark irre, bei Veröffentlichung noch „Quatsch mit Sosse“ stand, ein Fehler, der einem älteren Autor, der die Schule schon vor längerer Zeit abgeschlossen und daher von der letzten Rechtschreibreform nicht viel mehr mitgekriegt hat, als dass das ß irgendwie abgeschafft worden ist, in Nachahmung eines, äh… „jugendlichen“ Schreibstils (rofl) leicht unterlaufen kann, einem aktuellen Schüler allerdings eher weniger.

Abgesehen davon ist aber auch das einfach wieder Jammerei auf Höchstniveau – entweder von einem Mann oder einem Jungen, der dabei vergisst, dass er Dinge beweint, die für Frauen (und Mädchen) so alltäglich sind, dass sie den meisten nicht mal auffallen. Ich wäre als Schülerin nicht mal auf die IDEE gekommen, mich über die Überrepräsentanz männlicher Protagonisten in unserer Literaturauswahl zu beschweren, weil es so NORMAL war!

Die wenigen Vorbilder

Zurück zu den Medien und gleich mal zur Frage, warum ich das Thema JETZT auspacke, obwohl über Mad Max tatsächlich schon viel gesagt worden ist (auch zu diesem Thema). Ganz einfach: Erstens habe ich den Film erst kürzlich sehen können (und bin seitdem sehr betrübt darüber, um das Kinoerlebnis gebracht worden zu sein). Und zweitens hängt das stark mit einem weiteren Thema zusammen, über das ich zufällig ebenfalls gestern wieder nachdachte.

Eigentlich wollte ich nach der Serie „Versailles“ suchen (grauenhaft übrigens, genau das, was rauskommt, wenn man HBOs „Blut und Titten“-Erfolgsrezept kopiert, aber dabei interessante Charaktere, intelligenten Spannungsaufbau und tolle Story weglässt. Der Freund und ich schalteten nach einer halben Folge weg), stolperte dabei aber über eine Kindheitserinnerung: Lady Oscar.

Lady Oscar ist ein schon etwas älterer Anime, der in der Zeit der französischen Revolution spielt. Die titelgebende Hauptprotagonistin ist dabei die sechste Tochter eines hochrangigen Generals, der, da er sich einen Sohn gewünscht hat, Oscar einen Männernamen gibt und sie wie einen Jungen erzieht.

So wenig ich Animes auch mag und so albern Textzeilen wie „wie ein Mann kann sie fighten, sie kann fechten und reiten“ heute auch sind – als Kind habe ich diese Serie sehr gemocht. Sie bediente nämlich eine Sehnsucht, die ich jahrelang nicht benennen konnte.

In einem anderen Artikel schrieb ich mal:

Rollenklischees haben mir meine Kindheit zur Hölle gemacht. Mir ist täglich unter die Nase gerieben worden, wie schrecklich ich sei, nur weil ich nicht den Erwartungen eines “typischen Mädchens” entsprochen habe. Ich durfte nicht toben und Fußball spielen, bekam nie die Spielsachen, die ich gerne wollte und wurde in Klamotten gezwängt, die ich hasste. Außerdem wurde ich früh darauf vorbereitet, was mich in meinem späteren Leben unweigerlich erwarten wird: Hausfrau sein, Männer bedienen, lächeln, brav sein, die Fresse halten. Mein Umfeld hat mir eine so passive Art Weiblichkeit vermittelt, dass ich einen regelrechten Hass darauf entwickelte. Das machte die Anfänge meiner Pubertät extrem problematisch (“oh mein Gott, ich werde tatsächlich zur Frau – wie scheiße!”) und zog sich durch bis ins frühe Erwachsenenalter.

Als solches „untypisches Mädchen“ fühlte ich mich immer fehl am Platze, falsch, regelrecht wie ein Alien – und deshalb saugte ich sämtliche Beweise für die Existenz ANDERER Frauen, die so waren wie ich oder wie ich gerne sein wollte, gierig auf, ohne das überhaupt selbst zu merken. Natürlich gibt es in den Medien massenweise Frauen – aber welche Rollen nehmen die ein? Köchin, gute Mutter, schmuckes Beiwerk oder dumme Tussi, die ständig gerettet werden muss, wenn sie nicht gerade darüber jammert, dass ihr ein Fingernagel abgebrochen ist.
Tomboys dagegen, die man seltsamerweise in vielen Serien als Nebencharaktere findet, waren meine Heldinnen. Burschikose Mädels, die über den Schönheitswahn ihrer Schwestern die Augen rollten, kreativ waren, stur, belesen, nerdig. Das sprach mich an.
Und dann natürlich die echten, unrealistischen Heldinnen. Lady Oscar wurde ja schon genannt. Dann Wonder Woman – natürlich. Obwohl die eigentlich als Charakter sehr wenig Tiefe besitzt, jedenfalls weitaus langweiliger ist als Batman. Aber damals war mir das egal, Hauptsache ENDLICH mal eine Frau, die was interessantes macht, kämpft und stark ist, statt ein Mann. Immer und immer nur ein Mann.

Ich könnte noch Dutzende Beispiele nennen. Aber die Essenz ist: Was ich als Kind und Jugendliche suchte und sehr selten fand, waren weibliche Vorbilder. Und dabei gab ich mich schon mit sooo wenig zufrieden. Mit welcher Berechtigung können sich nun erwachsene Kerle darüber auslassen, dass es nun tatsächlich mal im filmischen Kontext EIN PAAR solcher Frauenfiguren gibt, die man tough und cool statt nervig und hilflos finden kann – wenn es denn überhaupt weibliche Charaktere gibt?

Ich bin es als Frau gewöhnt, mich auch relativ problemlos mit männlichen Charakteren identifizieren zu können, weil ich einfach sehr lange nie eine andere Wahl hatte. Wenn nun Männer sich zuhauf beschweren, weil in „Mad Max“ ausnahmsweise mal mehr Frauen zu Wort kommen als Männer, zeugt das nicht nur von einer intellektuellen Behäbigkeit, sondern nun mal auch von hochgradig peinlichen Rollenklischees. Und das, obwohl auch Antifeministen den Wert starker Vorbilder bewusst ist – verlinkt doch MANNdat gleich neben ihrem Abitur-Heulpost eine Jungenleseliste.

Solange die Mehrzahl der Hollywood-Blockbuster und Serien immer noch männlich dominiert sind, solange ist das Jaulen nach mehr männlicher Repräsentation nichts weiter als Ausdruck einer nach außen hin arroganten, aber innerlich hoch verunsicherten Männlichkeit, die vermutlich erst dann zufrieden gestellt ist, wenn alle Heldenrollen wieder 100% weiberfrei sind.

Da fragt man sich, wie es sich mit dem eigenen Bild von Männlichkeit verträgt, sich buchstäblich wie die Prinzessin auf der Erbse aufzuführen?

So, und jetzt warte ich auf den einen Kommentar von zehn, der nicht nur aus „Aber-aber-aber Feministinnen jammern doch auch!!!einself“ besteht. Den werde ich dann freischalten, alle anderen nicht. Warum? Weil ich Lust drauf habe. Heult doch.

Montagsliste: 7 Filme, die ich hasse, obwohl sie jeder liebt

Ich habe letzte Woche schreckliches Ungemach auf mich gezogen. Ich posaunte etwas zu laut herum, meine Bildungslücken im Bereich Film schließen zu wollen, weshalb die Mitbewohner mich zwangen, „Star Wars“ mit ihnen anzusehen. Ich habe noch keinen einzigen der Filme ganz gesehen, also nahmen sie das zum Anlass und veranstalteten mit mir einen Marathon mit der Original-Trilogie, die beide lieben.

Danach mochten sie mich nicht mehr. Aber was soll ich dagegen machen. Ich fand die Filme einfach nicht so doll. Es wäre sicher anders, wenn ich sie schon als Kind gesehen hätte. Aber so?

Ich hätte bei dem Thema sogar mal ausnahmsweise die Fresse gehalten, weil ich aus purer Nerd-Solidarität wirklich keine Star-Wars-Fans beleidigen will. Aber man wollte mein Urteil ja unbedingt hören. Zurück bleiben zwei völlig fassungslose Mitbewohner und eine auch nicht sonderlich begeisterte Twitter-Followerschaft.

Da dachte ich mir: Ist der Ruf schon ruiniert, kann ich auch noch einen draufsetzen und eine kleine Liste zusammen stellen mit Filmen, von denen die Menschheit total begeistert ist… und die ich allesamt zum Kotzen finde. So eine Gelegenheit kriege ich vielleicht nie mehr!

(Als kleiner Trost für alle Star-Wars-Fans, die es bis hierher geschafft haben, möchte ich euch Hemators Blog ans Herz legen, falls ihr ihm nicht sowieso schon folgt. Der Junge kennt sein Franchise!)

7 Filme, die ich hasse, obwohl sie jeder liebt

Platz 7: Antichrist
Fangen wir mal locker an mit einem Film, den ganz sicher NICHT jeder liebt, der aber trotzdem auf diese Liste gehört, weil er eine Zeitlang von der selbsternannten kulturellen Elite gelobt worden ist, bis mir die Ohren bluteten. Denn dieser Film ist SCHEISSE. Er ist EKLIG, er ist PSEUDO, er ist LANGWEILIG. Und er ist ein Paradebeispiel für alles, was im Arthouse-Kino falsch läuft, denn nur, weil man eine völlig wirre Story in Schwarz-Weiß oder mit seltsamen Bildfiltern dreht und das Ganze mit italienischen Opernarien unterlegt, werden sinnlos widerliche Splatterszenen noch lange nicht zur Kunst!
Meine alten Mitbewohner waren ja ach so schockiert, dass ich den Film nicht total feierte. Die konnten ernsthaft nicht verstehen, was ich an diesem Machwerk schlecht finden konnte. Diese dämlichen Hipster mit ihren reichen Eltern! Einer erklärte mir bedeutungsschwanger, dass Lars von Trier während der Dreharbeiten an Depressionen litt (als wäre es nun meine Pflicht, diesen Müll nur deshalb gut finden zu müssen), während der andere über die Tiefsinnigkeit schwadronierte. Allein diese religiösen Bezüge mittels dieser Bibelgeschichte von den drei Bettlern…
Ich, die dumme Kulturverächterin aus dem katholischen Hinterland, musste ihm dann erklären, dass es eine solche Geschichte nicht gibt. Was nochmal auf ne ganz andere Art armselig ist. Wenn man in der Bibel keine Geschichte findet, die zu dem Müll passt, den man drehen will, sollte man vielleicht nicht einfach eine erfinden, nur um belesen zu wirken!
Dass man diesem Film dann auch noch unfassbaren Frauenhass vorwerfen kann, interessiert mich ehrlich gesagt schon gar nicht mehr, denn jede vertiefte Interpretation ist pure Zeitverschwendung und davon hatte man nach 100 endlos langen Filmminuten schon mehr als genug.
Antichrist – das Gegenteil von Kinovergnügen! Es ist mir egal, ob man mich wegen dieser Meinung für dämlich hält.

Platz 6: Ich – Einfach unverbesserlich
Dieser Film war lange Zeit in meinem Freundeskreis DER Animationsfilm, auf den alle total abgegangen sind. Weil er ja so WITZIG wäre.
Tatsächlich ist er das nicht. Klar, er hat seine Momente
its so fluffy
aber insgesamt war mir die Lacherdichte doch nicht groß genug. Ich kucke Animationsfilme ganz sicher nicht, weil ich sie für total tiefgründig halte, aber das ist wirklich der einzige, bei dem ich jemals so unangenehm daran erinnert wurde, dass ich eigentlich schon zu alt für diesen Scheiß bin.
Viele Animationsfilme funktionieren auf zwei Ebenen – für Erwachsene und Kinder. Dieser dagegen fand ich einfach NUR kindisch albern. Das geht mit der doofen Story los, setzt sich fort beim zuckrigen Design und endet bei den unterkomplexen Charakteren.
Alles in allem ein Film, den ich sicher nicht wirklich hasse, den ich aber einfach nicht noch mal sehen will, doch weil mir das niemand lassen wollte und ich seit Jahren von allen Seiten mit diesen blöden Minons traktiert werde, hasse ich ihn jetzt halt doch!

Platz 5: The Incredibles
Man sollte meinen, als Superheldenfan müsste ich „The Incredibles“ total feiern. Tatsächlich ist das mal ein Film, der ich regelrecht sauer gemacht hat. Lustigerweise stört mich hier das Gegenteil von dem, was mir bei „Ich – Einfach unverbesserlich“ auf den Sack geht. Es ist, als hätte Christopher Nolan (oh, zu dem kommen wir noch…) einen Pixar-Film gedreht. Ich halte mich bei gruseligen Dingen, die man Kindern zutraut, für relativ schmerzfrei (so bin ich wohl auch die letzte Verfechterin des „Struwwelpeters“ als Lektüre schon für Vorschulkinder), aber dies war wirklich der erste und einzige Animationsfilm, bei dem ich dachte „Mein Gott, sowas kann man doch nicht bringen“.
Besonders ist mir hier diese eine Szene im Gedächtnis geblieben, nachdem das Flugzeug mit der Familie auf dieser Insel abgestürzt ist. Die Mutter beschwört dann ihre völlig verängstigte Tochter, sich zusammen zu reißen, denn „Die wollen uns töten“ oder so, und das alles mit megacreepy Stimme. Das ist… einfach too much! Spannung, ok, Grusel, klar, aber irgendwie fehlt mir hier etwas, das diese Elemente für Kinder auf eine Weise umsetzt oder abfedert, die sie ertragen können.
Was ist außerdem die Message des Films? „Wenn alle was besonders sind, ist es keiner“? Ich meine… dafuq? Nachdem man sich jahrelang bemüht, seinen Kindern beizubringen, dass alle Menschen gleich viel wert sind, kommt dieser Film daher und sagt ihnen, dass manche halt doch einfach besser sind als andere? Ähm, was?
Darum nervt mich auch die Schlussszene. Ein Speedster, der ein Rennen gegen Menschen ohne Superkräfte läuft (und natürlich gewinnt). Das ist unanständig. Sowas tun Superhelden einfach nicht.

Platz 4: Avatar
Ein Film, der mich null interessiert hat, den ich mir dann aber doch noch im Kino ansah, weil er da schon als der erfolgreichste Film aller Zeiten gehandelt worden ist (Bildungslücke schließen und so). Was nur beweist, wie schnell sich aus Scheiße Gold machen lässt, wenn man nur ein paar hübsche CGI-Effekte draufsetzt und das Ganze in 3D dreht.
Ich bin absolut kein Freund von 3D. Sicher ist das manchmal ganz nett. Aber noch nie hat es mich so mitgerissen, dass es mir den Euro für die 3D-Brille wert gewesen wäre – vom normalen exorbitanten Aufschlag für 3D-Filme ganz zu schweigen.
Avatar ist aber nun ein Film, der komplett von diesen Effekten lebt und ohne sie NICHTS ist.
Weniger als nichts sogar. Es weiß ja inzwischen jeder, dass die Story von „Pocahontas“ geklaut ist. Sie ist aber noch dazu schlecht geklaut (und dazu latent rassistisch). Dieses Gelaber über die ganzheitliche Alienkultur ist selten dämlich und ekelhaft moralisierend. Zu keinem Zeitpunkt erweckt der Hauptcharakter Sympathien und der Bösewicht ist grundlos böse. Überhaupt hat man diesen Film wohl nur in 3D gedreht, um damit zu verschleiern, wie flach sämtliche Protagonisten sind.
Ja, manches sieht ganz hübsch aus, wenn man Computereffekte toller findet als echte Masken und Requisiten, in die irgendjemand mit handwerklichem Höchstgeschick stundenlange hingebungsvolle Arbeit gesteckt hat – aber das ist auch schon alles. Dieser Film ist wirklich an Banalität nicht zu überbieten und deshalb ist es eine furchtbare Schande, dass er in die Geschichte eingehen soll als erfolgreichster Film aller Zeiten!

Platz 3: Frozen
Uuuund noch ein Animationsfilm – und auch dieses Mal einer, der viele Superlative sein eigen nennen kann!
Aber warum? Warum?! Es ist mir wirklich völlig unbegreiflich, wieso „Frozen“ der erfolgreichste Animationsfilm und damit auch der erfolgreichste Disneyfilm aller Zeiten ist. Ernsthaft, erklärt es mir!
Das hat dieser Film in meinen Augen einfach nicht verdient. Der Story fehlt jedes ikonische Element, sie ist im schlechtesten Sinne nicht „klassisch“, was alles einfach verworren macht und so viele offene Fragen lässt wie z.B. die, woher Elsa eigentlich überhaupt ihre Kräfte hat. Auch hier nervt mich wieder das kindische Design (Olaf! Kotz!!!), aber im Gegensatz zu „Frozen“ hatte „Ich – einfach unverbesserlich“ wenigstens keinen Gesang. Der ist nun aber leider meist totally pointless (Olaf! Kotz!!!) und bietet außer bei „Let it go“, was einfach ein perfekt arrangierter Popsong ist, nur langweiliges Geträller, das weder die Story voran bringt, noch im Ohr bleibt.
Und es sind ZU VIELE SONGS!! Braucht man wirklich als Einstieg ein Lied über’s Eishauen? Überhaupt, wie kann man man davon ausgehen, dass auch nur 10% aller Kinobesucher (darunter mit Sicherheit kein einziges Kind) kapieren, was die da tun (nämlich auf die einzige Art Eis beschaffen, die es gab, bevor man Kühlschränke erfand)?
Und die Charaktere, ach, die Charaktere. Ein Bösewicht, der aus dem Nichts auftaucht, ohne dass es vorher auch nur einen einzigen Hinweis auf seine finsteren Absichten gibt, ein nerviger Hauptcharakter (Anna) und ein Comedy Sidekick, der Jar Jar Binks Konkurrenz machen könnte (Olaf! Kotz!!!), dazu Eltern, die sich einfach nur unfassbar dämlich dranstellen, was die ganze Story schon von ihrem Fundament an ins Wackeln bringt!
Alles wirklich überhaupt nicht toll – was zu verkraften wäre, gäbe es diesen meganervigen Hype nicht um einen Film, der zu keinem Zeitpunkt mehr als durchschnittlich ist! Was mich einfach wahnsinnig macht!

Platz 2: Inception
Ich kenne mehrere Leute, die mich lynchen würden, wenn sie meine wahre Meinung über „Inception“ kennen würden. Auch hier gab es einen krassen Hype, wie es überhaupt um jeden Film von Christopher Nolan einen Hype gibt. Aber leider krankt dieser Film an den selben Problemen, die man in jedem Nolan-Film bestaunen kann.
Erstmal: Ja, die Bilder sind teils ganz nett. Aber das ist auch schon alles. Wie in jedem Film schafft es Nolan, Banalitäten so zu verpacken, bis der unkritische Zuschauer total fasziniert und überzeugt davon ist, den tiefgründigsten Film des Jahres gesehen zu haben. „Es ist total komplex! Und cool!“
inception
Komplex? Das ist er nicht mal wirklich! Die Story ist nicht komplex, sondern von hinten bis vorne absurd und NATÜRLICH wirkt sowas kompliziert, wenn man es versucht zu kapieren, weil es da eigentlich nichts zu kapieren gibt!
Und cool? Ja, so cool, dass man fast erfriert. Mit dem Ergebnis, dass die Traumwelt, eines der größten Mysterien des Menschseins, zu einem sterilen Hightech-Gemetzel verkommt. Eine Technik, mit der man in die Träume anderer Menschen reisen kann… und wofür? Wirtschaftsspionage.
Wow. So deep wie eine Pfütze.
Ich nehme an, wenn man „Inception“ als den hirnlosen Actionfilm sieht, der er eigentlich ist, statt ihn zum mindfuckigsten Knallerkino seit „Matrix“ hochzustilisieren, kann er wirklich ein bisschen Spaß machen. Aber da er selbst hier nicht mal im Ansatz das bietet, was der Trailer verspricht und es mich einfach tierisch annervt, wie dieser Film gefeiert wird für einen philosophischen Tiefgang, den er nicht hat, ist er bei mir nicht einmal mehr für das gut!

Platz 1: The Dark Knight
Ja. Hier ist er. The Dark Knight. DER Film, der nicht nur eine Millarde Dollar eingespielt, sondern auch Heath Ledger einen Oscar gebracht hat und als bester Batmanfilm ever gilt.
Der Film, den ich so gerne mögen würde, aber einfach nicht mögen kann.
Es ist Nolan. Ich mag ihn nicht. Ich mag nicht sein Konzept der „Pseudowirklichkeit“, mit der er es schafft, alles, was an Batman cool ist, so lange durch seinen Realismusfilter zu jagen, bis es nur noch lahm und uncool ist. Ich mag sein Design nicht, das nicht nach Batman, sondern Bateman aussieht, dem Yuppie aus „American Psycho“. Und vor allem mag ich die Banalität nicht, in die er den Joker reißt, den verdammt noch mal größten Schurken aller Zeiten!
Der Joker ist ein irrer, mordender Psychopath, aber die einzige Art, mit der Nolan das darzustellen in der Lage ist besteht darin, ihn einen Haufen Geld verbrennen zu lassen. Und alle so „Gasp! Der ist ja VERRÜCKT!!!“

dark knight

Von WEGEN.


Während der Rest der Stadt völlig uninspiriert ihrem Idealismus frönt, wofür es nicht den geringsten Grund gibt. Aber das ist halt auch so ein Problem mit Nolan: Alle sind völlig over the top, im Guten wie im Schlechten, und da kann es halt sein, dass sich ein Bandenmitglied für „die Sache“ freudig opfert oder sämtliche Polizisten Gothams unbewaffnet gegen Panzer anrennen. Okay, das war beides in „The Dark Knight rises“, aber der hat die Linie aus dem vorherigen Teil halt auch nur konsequent auf die Spitze getrieben!
Das ist nicht der Batman, den ich sehen will. Batman ist ein Ninja mit krassen Ninjamoves, das Batmobil ist ein geiler Schlitten und kein Panzer, der Joker ist ein Dandy und keine schmatzende Schmalzlocke mit fettigen Haaren. Musik ist zur Untermalung der Story da und nicht ein endloses Dröhnen, das jede einzelne Szene dramatisiert! Hach, so könnte ich ewig weiter machen. Vielleicht sollte ich mir den Film nochmal ansehen und einen ganzen Beitrag drüber schreiben, denn meine Enttäuschung war nach dem Kinobesuch wirklich immens… bzw. auch nicht, denn nach „Batman Begins“ wusste ich ja schon, in welche Richtung es gehen würde. Darum und aus vielen anderen Gründen hasse ich diesen Film sehr hart!

Wenn ihr euch jetzt ärgert, dann wartet auf nächstes Mal, wenn ich euch Filme präsentiere, die ich liebe, obwohl sie jeder hasst. Dann könnt ihr euch da so richtig lustig über mich machen!

Warum „Zurück in die Zukunft“ total unlogisch ist

Backtothefuture

Ok, um das direkt am Anfang klarzustellen:

Zurück in die Zukunft ist MEGASUPERAWESOME.

Deshalb wird für mich heute auch ein Traum wahr, wenn ich die Trilogie tatsächlich erstmals auf der großen Leinwand sehen kann, denn der erste Film kam im Jahr meiner Geburt ins Kino. Und danach steigt hoffentlich noch eine krasse Party, um dieses Event gebührend zu begießen, denn immerhin haben wir darauf sechsundzwanzig Jahre gewartet!!

Ihr seht, ich bin schwer begeistert – völlig zurecht! Denn man mag von 80er-Jahre-Filmen halten was man will: Die gesamte Trilogie ist auch heute noch ein Fest an spritzigen Witzen, lustigen Eastereggs, charmanten Charaktern, supergeiler Action, fantastischer Musik und intelligenter Story!

Wobei… ist das wirklich so? Lauert unter der dynamischen Fassade nicht eine fette Portion Unlogik, die man erst nach zwanzig Sichtungen bemerkt, weil man vorher zu klein und zu dermaßen gefesselt war?

Nochmal: Ich LIEBE diese Filme. Aber gerade deswegen ist es an solchen Festtagen mal schön, ein paar Schritte hinter die eigene Fangirl-Identität zu treten und sich anzusehen, was die Filme nicht toll machen, sondern wo es gewaltig hakt. Denn so unfassbar gut sie auch sind: Wenn man länger drüber nachdenkt, machen die Filme leider üüüüberhaupt keinen Sinn.

Paradoxa, Paradoxa everywhere!

Vermutlich ist es absolut unmöglich, einen Zeitreisefilm ohne Logikfehler zu drehen. Dasselbe gilt vermutlich auch für Bücher, Comics, Serien etc. pp. Was vielleicht dran liegt, dass das Konzept „Zeitreise“ und seine Möglichkeiten unser Hirn komplett überfordert.
Die gröbsten Schnitzer sind oft die ikonistischen, was aber nichts an ihrer Unlogik ändert. Darum wird eine quälende Frage wohl ewig unbeantwortet bleiben müssen: Wer zur Hölle hat Johnny B. Goode geschrieben?!
Wir erinnern uns: Marty fährt ins Jahr 1955, vermasselt dort erstmal alles, bringt dann alles wieder in Ordnung und darf am Schluss die Bühne rocken. Das hört derjenige, der als Urheber des Songs gilt, über Telefon. Botschaft klar: Marty war Chuck Berrys Inspiration für „Johnny B. Goode“.

Mal abgesehen davon, dass ich es wahnsinnig riskant finde, sich auf der Bühne so dermaßen in den Mittelpunkt zu stellen (immerhin könnte so ein Auftritt seine Mutter dazu bringen, sich wieder Hals über Kopf in ihn zu verlieben): Nachdem wir darüber alle kurz gekichert haben, dürfte hoffentlich klar sein, was für ein paradoxer Unsinn das ist! Wie kann Marty „Johnny B. Goode“ gelernt haben, wenn ER derjenige ist, der den Song Chuck Berry überhaupt erst vorführt?

Dasselbe im 2. Teil. Der alte Biff reist in die Vergangenheit, um seinem Vergangenheits-Ich den Sport Almanach zu bringen – und kehrt in eine Zukunft (bzw. seine Gegenwart, nämlich das Jahr 2015) zurück, in dem er den Almanach offensichtlich nie bekommen hat bzw. hat benutzen können. Hätte er nicht in eine Zukunft zurück kehren müssen, in der er reich und mächtig ist, da zu diesem Zeitpunkt Marty und Doc noch keine Gelegenheit hatten, seinem Vergangenheits-Ich den Almanach wieder wegzunehmen? Und heißt das nicht, dass sich das Jahr 2015 hätte ändern müssen, während Marty und Doc noch dort sind?

Die düsterste aller Timelines

Tatsächlich kann das alles durchaus logisch sein, wenn wir davon ausgehen, dass Doc Brown und Marty mitnichten durch die Zeit reisen, sondern in Paralleldimensionen. Damit wäre es theoretisch möglich, dass Marty aus einer Dimension stammt, in der ein Musiker namens Chuck Berry einen Song namens „Johnny B. Goode“ geschrieben hat und in das Jahr 1955 einer anderen Dimension reist, in der der Song niemals existiert hätte, wenn ER ihn nicht dorthin gebracht hätte. Das bedeutet allerdings auch, dass der alte Biff mit seiner Aktion, wäre sie denn erfolgreich gewesen, nur die Zukunft eines seiner Paralleldimensions-Ichs verbessert hätte, da es auf ihn selbst keinerlei Auswirkungen HÄTTE HABEN DÜRFEN – da er, also der alte Biff, der den Almanach stiehlt, bei Erfolg GAR NICHT EXISTIERT HÄTTE.
Aber naja, theoretisch ist es zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, dass der alte Biff so freundlich ist und tatsächlich einfach nur einer seiner Inkarnationen aus einer anderen Dimension etwas gutes tun wollte. Und ein weiteres Problem wäre damit vom Tisch: Nämlich die Frage, was um alles in der Welt mit Martys armer ORGINALFAMILIE passiert, denn diese wird durch seine Tätigkeiten im Jahr 1955 durch eine bessere Version ersetzt – und damit AUS DER EXISTENZ GELÖSCHT.

Folgen wir der Paralleldimensionen-Theorie, würde das nicht stimmen. Martys Originalfamilie lebt, und zwar in der alten Dimension, aus der Marty stammt. In diese kehrt er aber offensichtlich nicht ins Jahr 1985 zurück, sondern in die selbe alternative Dimension, in der es ohne sein Zutun niemals einen Song namens „Johnny B. Goode“ gegeben hätte – und DORT war sein Vater nun mal erfolgreich, seine Familie reich, seine Geschwister toll etc.pp. Das würde auch erklären, weshalb er, wieder zurück in seiner Gegenwart, keine, äh, Synapsenrekalibrierung durchmachen musste, wie man sie in „Butterfly Effect“ beobachten konnte, um seine alten Erinnerungen an Ereignisse, die durch die Änderungen in der Vergangenheit NIEMALS STATTGEFUNDEN HABEN, auszulöschen und an die neuen Ereignisse – und damit logischerweise auch an seine Erinnerungen daran und sein daraus resultierendes NEUES ICH – anzupassen. Denn: Seine Erinnerungen SIND real – sie haben sich nur eben in einer anderen Dimension abgespielt, die weiterhin existiert.

Das wäre zwar keine schöne Erklärung (wir wollen einen Zeitreisefilm sehen, keinen Dimensionshopper-Film!), aber sie würde wenigstens Sinn ergeben… bis auf folgende Kleinigkeiten:

– Wo ist der NEUE Marty aus der „George McFly ist erfolgreich“-Dimension?!

– Warum sagt Doc im 2. Teil, sie müssten Jennifer nicht von der Bank, auf der sie sie im neuen, düsteren Jahr 1985 abgelegt haben, mit zurück ins Jahr 1955 nehmen, da sich das düstere 1985 in das ursprüngliche 1985 zurück verwandeln wird, wenn sie dem jungen Biff den Almanach wieder abnehmen können? Würde es sich hierbei wirklich um verschiedene Dimensionen handeln, würde das keinen Sinn ergeben – Jennifer bliebe in der falschen Dimension, d.h. einer anderen als Marty und Doc.

– Wieso sagt Doc Brown, dass sie Biff in der Vergangenheit bekämpfen müssen, da sie es in der Zukunft mit einem „mächtigen Biff, der korrupt ist“ zu tun hätten?! Das macht mit KEINER MÖGLICHEN ERKLÄRUNG einen Sinn! Denn es ist mitnichten so, dass es in der Zukunft einfach nur SCHWIERIGER wäre, gegen Biff anzutreten, sondern weil die Zukunft, in der der alte Biff den Almanach stiehlt, aus ihrer Perspektive des düsteren 1985 ÜBERHAUPT NICHT STATTFINDEN WIRD! Was bedeutet: Gehen wir wirklich von Zeitreisen aus, ist diese ganze Biff-Sache ein weiteres Paradoxon – gehen wir aber stattdessen von Dimensionshopping aus, könnten sie den alten Biff allerdings tatsächlich in der Zukunft im Jahr 2015 stoppen, da diese noch GENAU SO IST, wie sie sie kennen gelernt haben!

So oder so: Das hier

zurück in die zukunft

sowie Docs Erklärung dazu kann nicht stimmen!

Warum eine Maschine bauen, wenn man für den doppelten Preis zwei bauen kann?

Als Kind gefiel mir der 2. Teil am besten, denn dieser hatte DAS HOVERBOARD. Was leider überhaupt nichts daran ändert, dass der komplette zweite Film – und damit logischerweise auch der dritte – völlig redundant sind, da sie auf der elefantös idiotischen Annahme Doc Browns basieren, man müsse die negativen Ereignisse im Jahr 2015 IM Jahr 2015 bekämpfen!

Ganz ehrlich. Wie dumm ist das bitte. Dieser ganze Stress. Dieses ganze Gelaber darüber, dass man nicht zu viel über seine eigene Zukunft wissen sollte. Das Fazit des 3. Films, das lautet: „Die Zukunft ist noch nicht geschrieben! Ihr könnt sie verändern!“

Alles, was nach dem 1. Film kommt, liefert darauf nur eine Antwort: „Pfeif drauf.“ Und verwendet ab da gut drei Stunden darauf, die Probleme zu lösen, die im 2. Film entstanden, weil man ein Problem lösen wollte, das man auch so hätte lösen können:

„Du, Marty? Ich war mal 30 Jahre in der Zukunft und am 21. Oktober 2015 baut dein Sohn gewaltige Scheiße. Du solltest ihn am diesem Tag nicht vor die Tür lassen, ne?“

Uuuuund… yay \o/

(Übrigens: Wie asozial ist es bitte von Doc, Marty in die Zukunft zu schleppen, wo er all diese futuristischen Dinge sieht, von denen er nichts wissen sollte, aber ihm dann nicht zu erzählen, dass sein Leben den Bach runter geht, wenn er sich auf ein dummes Autorennen einlässt? Dieser Typ hat ihm das Leben gerettet, verdammte Scheiße!!)

Aber gut. Es ist passiert. Doc macht einen richtig dämlichen Fehler und somit nimmt der 2. Teil seinen Lauf. Am Ende sitzt Doc im Jahr 1885 fest und Marty muss ihn schon wieder retten, was extrem erschwert wird, weil er die Benzinleitung des Deloreans kaputt macht. Der gesamt Rest des Films handelt dann nur davon, irgendeine Möglichkeit zu finden, den Delorean trotzdem irgendwie auf 88 Meilen pro Stunde zu beschleunigen.

Und das alles, OBWOHL IM JAHR 1885 BENZIN EXISTIERT. Wo? Na: In dem Delorean, MIT DEM DOC BROWN INS JAHR 1885 GEKOMMEN IST!

Diesen mauert er in einer stillgelegten Mine ein, damit Marty und die 55er Version von Doc Brown ihn finden und reparieren können, damit Marty zurück in die Gegenwart reisen kann. Er selbst konnte es nicht, weil ihm 1885 die Werkzeuge fehlen, um die defekte Zeitleitung zu reparieren.
Wohlgemerkt ist aber lediglich DIESE sowie das Antigravitationsmodul kaputt – die Benzinleitung und der Tank sind intakt! In dem eingemauerten Delorean sollte sich also Benzin befinden, das sie hätten benutzen können, um den reparierten Delorean wieder zum Laufen zu kriegen! Zwar hätte ICH an seiner Stelle das Benzin vorher abgelassen, da es nach 70 Jahren im Tank sicher schlecht geworden und den Tank beschädigt hätte – ABER DAS HÄTTE MAN DOCH ZUMINDEST MAL ERWÄHNEN KÖNNEN!

In diesem Sinne…

… ist die Zukunft morgen schon Vergangenheit – also schnappe ich mir jetzt meine Kinotickets, ziehe mein „Where is my Hoverboard?!“-Shirt an und genieße das Triple Feature von einigen der tollsten Filme, die jemals gedreht worden sind!

Und das solltet ihr auch tun! HAPPY BACK TO THE FUTURE DAY!!!

[Halloween-Special] Die fünf besten Serien-Specials

Feiertagsspecials in Serien haben eine lange Tradition, gehören oft sogar zur Staffel-Routine – Grund genug, den fünf besten Halloween-Specials unter den Feiertagsspecials einen eigenen Halloween-Special-Artikel zu spendieren!


The Simpsons: Treehouse of Horror I-VIII
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Um das gleich mal klarzustellen: „Treehouse of Horror“ ist episch. So episch, dass ich diese Liste problemlos NUR mit Simpsons-Episoden füllen könnte.
Allerdings sollte es ja schon ein bisschen divers sein. Und außerdem bin ich sauer auf Die Simpsons. Ich halte die Serie für eine der großartigsten, die jemals gemacht worden ist – bis ungefähr Staffel 10. Alles, was danach kommt, ist ein riesengroßer Haufen Scheiße. Und da nun leider 10 überragende Staffeln 16 schlechten gegenüber stehen, fühle ich mich als Fan der ersten Stunde irgendwie total verarscht und bin zeitweise fast versucht, ein „Ex“ vor dem „Fan“ zu ergänzen.
Meiner Meinung nach sieht man den Verfall fast nirgendwo besser als bei den „Treehouse of Horror“-Episoden. Ich habe mir vor ein paar Tagen die neuste Folge angesehen und kann kaum glauben, dass das noch die selbe Serie ist, die nicht weniger (aber leider auch nicht mehr) als acht großartige Halloween-Specials produziert hat, die ich wohl bis in alle Ewigkeit lieben werde, egal wie viele Dutzend Male ich sie noch sehe.
Das ist sehr traurig. Aber lasst uns nicht über den Bullshit von heute mosern, sondern erinnern wir uns lieber zurück auf die guten, alten Zeiten, als ein Simpsons-Halloween-Special eines der Top-Fernsehereignisse des Jahres war – und das völlig zurecht.


Community S01E07 – Mexikanisches Halloween
Community ist möglicherweise das nerdigste und damit grandioseste Etwas, was es jemals auf die Mattscheibe geschafft hat und es ist eine verdammte Schande, dass kaum jemand die Serie kennt!
Das Problem ist allerdings, dass die pure Genialität sich erst so richtig ab der zweiten Staffel entfaltet, während Staffel 1 wie eine zwar unterhaltsame, aber nicht gerade wahnsinnig innovative „Kriegen sie sich, oder kriegen sie sich nicht?“-Sitcom startet.
So jedenfalls bis zu folgender Szene:

Bis dahin ist die Folge ganz okay, auch wenn ich Jeffs Rumgeturtel mit dieser Dozentin sehr hasse. Aber dann das. In dem Moment, als ich Jeffs Blick aufkeimenden Verstehens sah – so dermaßen over the top, dass ich mich jedes Mal auf den Boden legen könnte vor Lachen – keimte auch in mir was, nämlich die Hoffnung auf kommende Awesomeness. Ja, während Abeds epischen Monolog wurde mir erstmalig klar, dass es sich hierbei eben NICHT um eine 0815-Liebesschnulzensitcom handelt. Wie sich zeigen sollte, hatte ich Recht! Allein wegen dieser Szene muss die Folge einfach rein!


South Park S02E15 – Böser, böser Fisch
Halloweenfolgen haben bei South Park eine fast ebenso große Tradition wie bei den Simpsons. Und so blöd es sich anhört: Ich hätte mir fast in die Hosen geschissen, als ich diese spezielle Folge damals zum ersten Mal nachts auf RTL sah!
south park
Aber auch ansonsten zeichnet sich diese Episode durch alles aus, was South Park einst so großartig gemacht hat, und was der Serie heute leider fehlt. Keine zehn Sekunden ohne irgendetwas geniales und klassisches.
Terrence und Philip. Spooky Vision. Chefkoch. Der böse Cartman. „Nein, Miez, böse Miez!!“ „Höllen“. Und ein gottverdammter Indianerfriedhof. Muss ich noch mehr sagen?


How I met your Mother S01E06 – Die Kürbis-Schlampe
Halloween bei HIMYM ist tatsächlich mehr als ein schlampiger Kürbis. Allein für diese Szene muss man Barney einfach lieben:

Leidenschaftlich übertrieben in allem, was er tut und wenn es dann um Halloween-Kostüme geht, wird es halt super-awesome. Wie gerne wäre ich mal auf einer Party mit lauter Leuten, die sich bei ihren Kostümen SO viel Mühe geben!


Community S02E06 – Zombie-Alarm!
(Jap, Community gehört zweimal rein. WEIL.)
Abgesehen von der erneuten Demonstration der traurigen Tatsache, dass deutsche Übersetzer nicht in der Lage sind, ein System in den Titeln von Serienfolgen zu erfassen, ist diese Folge irgendwie einzigartig. Noch nie habe ich erlebt, dass so eine umfassend unrealistische Story am Ende doch so unglaublich logisch erscheint. In keine andere Realserie hätte eine Folge wie diese gepasst, aber bei Community geht einfach alles!

community


 

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[Halloween-Special]: Die fünf Filme, die ich niemandem empfehlen will

Horrorfilme sind das Medium der Wahl an einem Halloweenabend zuhause – was liegt da näher, als den schrecklichsten Filmen, die ich je gesehen habe, einen eigenen Platz in meinem Halloweenspecial einzuräumen?

Was ist der Unterschied zwischen einem guten Film und einem guten HORRORfilm?
Ganz einfach: Ersterer empfiehlt man jedem weiter – aber genau das kann man bei den schlimmsten Horrorfilmen nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Was ja nun beweist, dass der Film gut war. Also gut schlimm. Weil er ja schlimm sein wollte und darin gut war. Also… ihr wisst was ich meine.

Vielleicht findet ihr diese Liste ja lame. Aber für mich jedenfalls steht fest, dass ich keinen der folgenden Filme nochmal sehen will… nein… kann!

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Platz 5: Wenn der Wind weht
When the wind blows, GB 1986
Story: Der Kalte Krieg eskaliert und eine Atombombe fällt auf England. Ein herziges älteres Ehepaar harrt frohgemut in seinem einsamen Cottage aus und wartet voll Vertrauen in seine Regierung auf Hilfe, die niemals kommt.
wenn der wind weht
Jap, richtig gesehen: Das ist kein Horrorfilm. Das ist nicht mal ein Realfilm. Es ist Zeichentrick und als solcher sogar rein optisch voll freundlich. Das ältere Pärchen wirkt echt schön harmlos, überhaupt ist es halt Zeichentrick und das bedeutet „für Kinder“, auch, wenn es um einen Atomkrieg geht – what could possibly go wrong?
Wenn euch jetzt eine böse Ahnung kam, dann liegt ihr richtig: Meine Eltern haben mich eines Sonntag Nachmittags vor diesen Film gesetzt zu einer Zeit, als ich kaum meinen eigenen Namen schreiben konnte.

Die gute Nachricht: Um die Grauenhaftigkeit der Handlung zu verstehen, braucht man etwas mehr Allgemeinwissen, als ein Grundschüler gemeinhin hat.
Die schlechte Nachricht: Als ich den Film, von dem ich nur eine ganz verschwommene Erinnerung hatte, vor einigen Jahren als Erwachsene nochmal sah, knallte er dafür umso härter rein. Vielleicht, weil ich mich an meine kindlichen Reaktionen darauf erinnern konnte und die beiden Protagonisten auch ein bisschen wie Kinder sind. Vielleicht, weil ich ihre Idee, Regenwasser zu sammeln, als ihnen ihr Trinkwasser ausgeht, als Kind sehr schlau fand, während mir zwanzig Jahre später schon beim puren Gedanken daran die Haare ausfielen.

Das ist Horror der realen Sorte. Nichts entsetzt mich mehr als der Gedanke an einen Atomkrieg. Höchstens der Gedanke an Idioten, die Atomkraftwerke immer noch für sicher halten. Und weil mir Wenn der Wind weht diese Vorstellungen mal wieder eindrücklich zurück ins Gedächtnis gebracht hat, und zwar tagelang nach der zweiten Sichtung, kann dieser Film zurecht einen Platz in meiner persönlichen Horrorfilmliste beanspruchen – auch wenn er nur Zeichentrick ist.
(Und ja, ich weiß: Die letzten Glühwürmchen ist NOCH schlimmer. Das haben mir schon ungefähr hundert Leute versichert, als würde mich das dazu bringen, mir diesen Film anzusehen, wenn ich schon Wenn der Wind weht nicht nochmal sehen will. Vergesst es einfach. It’s not going to happen.)

Platz 4: The Ring
The Ring, USA/Japan 2002
Story: Ein dämonisches Video kursiert unter Jugendlichen und jeder, der es sich ansieht, stirbt nach genau sieben Tagen. Eine Journalistin kuckt es blöderweise und versucht, sein Geheimnis zu ergründen, bevor sie es auch erwischt!
the ring
The Ring – ein zeitloser Klassiker für die einen. Für die anderen genauso unmodern und lame wie ne alte VHS. Nichts könnte falscher sein!
Es gibt den subtilen Horror, der in alten Herrenhäusern beheimatet ist. Dann gibt es den brachialen Horror der Saw-Reihe. Und dann gibt es den surrealen Horror, für den das Video aus The Ring das beste Beispiel ist. Und so etwas macht mich einfach vollkommen fertig. Ich kann mir das nicht ansehen. Jedenfalls nicht mehr in lang.
Nachdem ich den Film das erste Mal gesehen hatte, dachte ich, ich könnte meine Mutter damit schocken – und endete als ein fest an sie gepresstes, zusammengekauertes Etwas, während ihr der Film am Arsch vorbei ging, denn sie ist die Generation Evil Dead, für die „Horror“ hektoliterweise Kunstblut bedeutet. Aber ich brauch das nicht. Das finde ich höchstens eklig. Aber The Ring, nein… nie wieder.

Platz 3: The Grudge
The Grudge, USA/Japan, 2004
Story: In nem japanischen Haus passiert ein grausamer Mord oder so und weil der besonders schlimm war oder weil das eine Mordopfer irgendwie magisch begabt war oder so finden die Toten keine Ruhe und suchen jeden heim, der das Haus betritt.
the grudge
Oder so. Genau weiß ich das nicht mehr, weil der Film mich noch fertiger gemacht hat als The Ring und ich ihn deshalb nur einmal gesehen habe. Zwar wirkt manches von The Ring abgekupfert, aber einige… ich nenne es mal „nette Details“ sind doch recht originell. Und surreal. Auf ganz grauenvolle Weise (ich sag nur: der miauende Junge!!).
Dazu kommt, dass ich den Film davon abgesehen, dass er mich völlig zerstört hat, wie es sich für einen Horrorfilm gehört, eigentlich gar nicht besonders gut finde, weshalb meine Toleranz dafür niedriger ist als bei The Ring. In ein paar Jahrzehnten könnte ich mich vielleicht darauf einlassen, The Ring noch mal ne Chance zu geben, weil er einfach grandios ist, aber bei The Grudge sticht dieser Bonus nicht. Zu doofe Story, zu viele random Schockeffekte, keine allzu überzeugenden Schauspieler… muss also definitiv nicht mehr sein! Und findet ihr nicht auch, dass schon allein das Wort „Grudge“ so einen unangenehmen Klang hat?

Platz 2: Funny Games U.S.
Funny Games, USA/GB/Frankreich/Österreich 2007
Story: Eine Familie mietet sich in ein Haus am See ein. Zwei Nachbarn klopfen und fragen höflich nach Eiern. Und dann fangen sie einfach so an, die Familie zu foltern. Well.
Funny-Games-U.S.
Okay, was haben wir bis jetzt? Es gibt den realen Horror, den subtilen Horror, den brachialen Horror und den surrealen Horror… gehört Funny Games auch in die letzte Kategorie? Nun, es fängt vielleicht so an (ich meine, sie mogeln sich ins Haus, indem sie um EIER bitten. EIER.), aber dann wird es doch eher brachial. Nicht so blutig-brachial wie halt bei Saw, sondern völlig psychopathisch. Denn diese Typen haben keinerlei Motivation für ihr Handeln. Sie sind einfach Psychos. Und solche Menschen, meine lieben Leser, machen wohl jedem Angst, denn sie sind nicht im Geringsten kontrollierbar oder resozialisierbar. Wenn das Böse existiert, dann in psychopathischen Menschen. Und das ist doch wohl echt Horror, oder?
In diesem Film wird außerdem ein ehernes Horrorfilm-Gesetz verletzt: Man tötet keine Kinder. Jedenfalls nicht so sinnlos. Das tut man einfach nicht.
Dennoch ist der Film einfach grandios in seiner sinnlosen Bösartigkeit. Ich bin mir nicht sicher, ob das irgendwie ne Message haben soll; es kann eigentlich nur Mist dabei heraus kommen, wenn ich mir jetzt eine herbei interpretiere. Lassen wir das. Ich würde ihn nicht noch mal sehen wollen, aber irgendwie vermag ich darin doch so etwas wie einen künstlerischen Anspruch zu entdecken.

Nur fragt mich bitte nicht, wie der aussehen soll.

Ich empfehle übrigens dringend das U.S.-Remake, auch wenn das lediglich eine 1-zu-1-Umsetzung des österreichischen Originals ist und der seriöse Filmfan von Welt wohl automatisch zum früheren Werk greifen würde. Tut es nicht. Für Ösis ist das vermutlich nicht so schlimm, aber mir hat der Dialekt bereits nach fünf Sätzen jegliche Atmosphäre vernichtet, weshalb ich lieber die amerikanische, ordentlich synchronisierte Fassung gewählt habe.

Platz 1: Martyrs
Martyrs, Frankreich 2008
Story: Ein kleines Mädchen wird gefoltert, kann aber flüchten und findet in einem Waisenhaus eine treue Freundin. Genau die muss der inzwischen erwachsenen Frau beistehen, als diese Jahre später zufällig ihre Peiniger, die nie gefasst worden sind, auf einem Bild in der Zeitung erkennt. Sie nimmt Rache an der gesamten Familie, doch damit ist der Horror für beide noch lange nicht zu Ende…
martyrs
Hier ist sie. Meine Number One. Ein Film, der mich mehr verstört hat als jeder andere, den ich je gesehen habe. Ein Meisterwerk, irgendwie – und trotzdem ein Film, vor dessen Konsum ich einfach nur abraten kann!

Möglicherweise würde er euch aber gar nichts ausmachen. Ich war die Einzige, die nach dem Abspann vor lauter Zittern kaum ihre Zigarette halten konnte, während der Rest rumnölte, weil der Film sich gegen Ende so gezogen hätte. Da sieht man mal, wie abgestumpft Horrorfans sein können. Ich hatte dennoch das Gefühl, dieser Film habe irgendwas tief in meinem Inneren verletzt. Egal, wie blöd das jetzt klingt.

Und dabei könnte ich nicht mal sagen, was das genau war. Überhaupt scheint es bei diesem Film krasse Probleme wegen dem FSK zu geben. Ich verstehe nicht mal wieso, obwohl ich ihn ungeschnitten gesehen habe. Gore-Elemente fehlen, auch Schockmomente im klassischen Sinn gibt es kaum, die brutalen Szenen stinken gegen Saw (um den NOCH MAL zu erwähnen) total ab… was soll man da schneiden?
Es gibt eine Szene, die sich mir regelrecht eingebrannt hat. Eine junge Frau liegt bewegungslos auf einer Matratze, über ihr kniend ihr Folterknecht, der ihr seine Faust ins Gesicht rammt, immer wieder. Ich weiß nicht, weshalb mich das mehr schockiert hat als ne umgedrehte Bärenfalle bei Saw oder ne durchtrennte Achillesferse bei Hostel. Ich glaube auch nicht, dass man so etwas schneiden kann, wenn man andererseits ne umgedrehte Bärenfalle oder ne durchtrennte Achillesferse durchgehen lässt.

Und trotzdem… Martyrs ist, warum auch immer, ein schrecklicher Film. Wenn euch das neugierig gemacht hat, dann seht ihn euch an… und vielleicht könnt ihr mir dann ja erklären, was ihn so verstörend macht.
Aber ich empfehle es euch nicht. Ich – empfehle – es – euch – nicht!

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Weitere Halloween-Specials:
Die große Halloween-Blogparade

Media Monday #158

Es ist mal wieder Media Monday (und das ist gut so, denn wie man sieht, komme ich momentan zu nichts anderem…)!

1. Der coolste Westernheld ist und bleibt Clint Eastwood, denn das ist der einzige Westernheld, der mir spontan einfällt, weil ich, glaube ich, überhaupt noch nie einen Western gesehen habe.
Ich habe mal gehört, Clint Eastwood hätte auf die Frage „Mr. Eastwood, warum sind sie eigentlich so verdammt cool?“ folgendermaßen geantwortet: Er grinste, schnipste unter das Päckchen Zigaretten, das er in der Hemdtasche trug, fing die herausfliegende Zigarette mit dem Mund auf, machte noch irgendeinen abgespacten Trick mit seinem Zippo und blies schweigend den Rauch in die Luft. Einzige Antwort, die nötig war.

2. Die Serie Die Simpsons hat in dem Moment stark nachgelassen, als immer mehr neue Charaktere auftauchten, weil das einfach ein Beweis für die Ratlosigkeit der Drehbuchautoren ist. Acht Staffeln lang kam man mit dem ohnehin riesigen Cast der Serie locker aus, aber ab Staffel 9, die ich mir gerade wieder ansehe, platzt fast jede Folge irgendein neuer Charakter rein, der dann meist auch nur eine Folge lang bleibt. Damit verschob sich auch der gesamte Plot der Serie weg von der Kernfamilie und ihren Problemen hin zu irgendwelchen komplett absurden Ideen. Das war am Anfang AUCH noch cool – aber inzwischen haben die Simpsons den Status einer Lieblingsserie bei mir verloren. Mehr als die Hälfte der Staffeln sind inzwischen einfach nur kompletter Müll. Das ist unglaublich schade, weil der Rest dafür so genial ist, aber man hätte die Serie eben beenden sollen, bevor es soweit kam. Jetzt sieht es irgendwie so aus, als würde diese Serie niemals mehr enden.

3. Wenn in Filmen Engel in Erscheinung treten ist das immer ganz interessant zu sehen, vor allem, wenn es nicht so eklig auf der Glaubensschiene läuft. Meist sind Engel entweder hoffnungslos naiv oder total abgefuckt und irgendwie hat beides seinen Reiz. Hätten wir nicht alle gern einen Engel an unserer Seite?

4. Battlefield Earth würde ich mir nicht einmal unter Zwang ansehen, denn ich hab es einmal probiert und musste nach zehn Minuten ausschalten, weil dieser Film einfach so unendlich schlecht ist!!! Aber weil er sich selbst so unglaublich ernst nimmt, kann man nicht mal drüber lachen. Ein riesiger, riesiger grottiger Haufen Scientology-Scheiße!

5. Es gibt heutzutage in Filmen wirklich viel zu wenig Handarbeit! Es gibt Filme, die schon 20 Jahre auf dem Buckel haben, aber im Bereich Spezialeffekte teils besser sind als heutige Filme. Das Credo scheint offensichtlich zu sein: „Warum sollten wir in Film X ein echtes Tier nehmen, wenn wir auch einfach für viel mehr Geld eine schlechte CGI-Animation am Computer zusammen basteln können?“ Und das geht mir unheimlich auf die Nerven!

6. Buch-Verfilmungen und Comic-Adaptionen sind ja groß in Mode, aber wieso kommt eigentlich niemand mal auf die Idee, mal Transmetropolitan zu verfilmen? Ich liebe die Comicserie einfach! Ich glaube, das könnte als Film ein großer Hit werden, sofern man nicht versucht, mit aller Gewalt den FSK zu drücken. Das ginge da gar nicht klar! Ich stelle es mir als eine Mischung aus Fear and Loathing in Las Vegas und Sin City vor. Luc Besson müsste für das Design verantwortlich sein (aber sonst für nix, ich hasse seine Filme). Keine Ahnung, wer Spider Jerusalem spielen könnte, aber da findet sich schon jemand. Das hätte definitiv das Zeug zu einem Kultfilm!

7. Zuletzt gesehen habe ich Titanic und das war jetzt irgendwie peinlich zuzugeben, weil die meisten Leute diesen Film hassen. Ich gehöre nicht dazu. Klar gibt es einige eindeutige Schwächen (es gibt mindestens zwei (wenn auch kleine) Rollen, die so schlecht gespielt sind, dass es mir immer noch unbegreiflich ist, wie diese Leute jemals in einem solchen Blockbuster landen konnten), aber hach, die Kostüme, die Story, die Action, die Dramatik… das ist doch echt nicht schlecht! Es will ja kein Citizen Kane sein.
Ich hatte Lust auf den Film, weil ich mir am 4. Juli Independence Day angesehen habe (weil Tradition) und danach irgendwie mit 90er-Jahre-Kassenknüllern angefixt war. Und ich bin okay damit!

Männer als Opfer, Frauen als Täter und warum das eigentlich gar nichts mit Game of Thrones zu tun hat

Obligatorische Spoilerwarnung für die 4. Staffel von Game of Thrones, allerdings beschränkt auf das Thema Cersei.

Hach ja. Eigentlich dachte ich, nach meinem letzten Beitrag, in dem ich meinen Standpunkt klar gemacht habe, auch wenn einige das nicht verstanden haben, könnte ich das Thema abhaken, aber die Vergewaltigung Cerseis in der 5. Folge der 4. Staffel erregt weiterhin die Gemüter. Am Montag hat Lukas Schoppe den (sarkastisch betitelten) Beitrag „Warum es sexuelle Gewalt gegen Männer nicht gibt (und sie außerdem auch halb so schlimm ist)“ nachgeliefert und sich leider entschlossen, ein Zitat von mir als Einstieg zu wählen, das da lautete „Theon wurde nicht vergewaltigt“. Dies, sowie die folgenden paar Absätze, erweckten auf mich den Eindruck, als würde hier meiner Person unterschwellig (allerdings, wie ich hoffe, unabsichtlich) unterstellt, sexuelle Gewalt gegen Männer zu leugnen, was mich aus naheliegenden Gründen mal wieder, tja… „maximal anpisst“.

Der Text ist jedoch davon abgesehen interessant, behandelt er doch teils ein Thema, das mir nach der Diskussion um Cerseis Vergewaltigung schon öfter vor die Füße gestolpert ist: Warum wird die dargestellte Gewalt in Game of Thrones gegen Männer, hier vor allem Theon Greyjoy, so gar nicht angeprangert, die gegen Cersei dagegen schon?

Eigentlich dachte ich, ich hätte mit meinem vorherigen Artikel schon die Lösung geliefert, aber offensichtlich bedarf es doch eines gesonderten Artikels, denn Schoppe macht meiner Meinung nach ein paar gewaltige Fehler. Der Text wird in vier Teile gegliedert sein:

Wird sexuelle Gewalt gegen Männer in unserer Gesellschaft verharmlost?
Was ist Vergewaltigung und warum ist Theon nicht davon betroffen?
Exkurs: Das antifeministische Märchen von der unmöglichen weiblichen Täterschaft
Was ist Verharmlosung?

 

Beginnen wir also am Anfang:

1. Wird sexuelle Gewalt gegen Männer in unserer Gesellschaft verharmlost?

Kurze Antwort: Ja. Sexuelle Gewalt allgemein wird ohnehin auch heute noch gerne verharmlost, aber bei betroffenen Männern hat das nochmal eine ganz andere Dimension. Penetriert werden gilt biologisch als weibliches „Ding“ (eine Vorstellung, die auch oft Grundlage für Homophobie gegen schwule Männer ist), während eine Vergewaltigung durch eine Frau an den Vorstellungen von Männlichkeit kratzt, dass
a) Männer in jedem Fall stärker sind als Frauen,
b) Männer ohnehin dauergeil sind und
c) wenn sie mal doch nicht geil sind, keine Erektion bekommen können, womit eine Vergewaltigung durch eine Frau physiologisch unmöglich ist.

Das alles habe ich bereits im antifeministischen Kontext gehört – von Männern. Es ist natürlich Schwachsinn. Der Punkt „Dauergeilheit“ muss ich hoffentlich nicht extra auseinander nehmen, weil er einfach zu blöd ist. Davon abgesehen gibt es genug Männer (und natürlich Jungs!), die körperlich schwächer sind als manche Frauen; außerdem könnten sie bei einem Übergriff in der Minderheit sein, durch Waffengewalt gezwungen werden, durch Substanzen gefügig gemacht, durch einen Trick gefesselt etc. pp. Mir fielen da tausend mögliche Szenarien ein, in denen sexuelle Gewalt von einer Frau an einem Mann ausgeübt werden kann und frage mich bei Leuten, die das (oft in abfälliger Weise) für absurd halten, wie es sein kann, dass ein Mensch ohne jegliche Phantasie überhaupt überleben kann. Und eine Erektion? Kann durch Drogen verursacht werden oder auch völlig ohne Spaß an der Sache passieren.

Was die Verharmlosung angeht, könnte man da vermutlich ganze Bücher mit füllen. Ich beschränke mich auf zwei Beispiele. Das erste betrifft Vergewaltigungen männlicher Personen durch andere Männer. 2012 wurde eine Studie durchgeführt, die enthüllte, dass in Jugendgefängnissen (die zu einem Großteil von Jungs belegt sind) die Gefahr, innerhalb eines Monats vergewaltigt zu werden, bei 7% liegt (siehe Bericht im Tagesspiegel und dem Kommentar des Lawblogs). Bernd Busemann erklärte daraufhin, er könne diese Zahlen „gut akzeptieren“, denn „ein Knast ist keine Mädchenpension“.

Nun ist dieses dumme Arschloch nicht irgendein Internettroll, sondern war zum damaligen Zeitpunkt Justizminister (!!!) von Niedersachsen und ist heute Präsident des niedersächischen Landtages. Diese menschenverachtenden, auf den Rechtsstaat scheißenden Äußerungen hätten meiner Ansicht nach dazu führen müssen, dass unser sauberer Herr CDU-Politiker mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt wird – tatsächlich hatte es NULL Auswirkungen auf seine Karriere. Natürlich: Es geht ja nur um ein paar Kriminelle, wen interessiert das schon?
Wäre es hierbei rein um weibliche Gefangene gegangen, wäre der Widerstand gegen diesen Herren nicht nur unter Feministinnen gewaltig gewesen. Aber so sind es ja nur Kerle. Das wird „akzeptiert“. Selbst, wenn die zum Teil noch minderjährig sind. Das ist doch völlig ohne Worte.

Das zweite Beispiel stammt aus dem Bereich Film. In „40 Tage und 40 Nächte“ spielt Josh Hartnett einen Typen, der offensichtlich jedem Rock hinterher steigt und mit seinem Leben gerade nicht klar kommt. Das führt zu einer Wette: 40 Tage und 40 Nächte muss er sowohl auf Sex, als auch auf Masturbation zu verzichten. Es geht schnell um eine ganze Stange Geld, deshalb will er diese Wette unbedingt gewinnen. Jedenfalls kettet sein bester Freund ihn gegen Ende ans Bett, um den völlig Verzweifelten nach so vielen Wochen ohne Sex davon abzuhalten, zu onanieren.

In dieser wehrlosen Situation wird er nun von seiner Ex vergewaltigt.

Der Film kam 2002 ins Kino und schwamm auf der Welle der Teenager-Komödien mit, die zu dieser Zeit heiß im Trend waren. Eine KOMÖDIE. In der eine Frau gegen den Willen des Mannes diesen zum Sex zwingt. Er schläft zwar dabei die meiste Zeit – aber ein schlafender Mensch kann keine Zustimmung geben, zumal er ihr vorher deutlich gemacht hat, dass er nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Hier könnte §179 StGB greifen – „Sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen“. Seine Fesselung erfüllt meiner Meinung nach laut §177 Abs. 1 Nr. 3 StGB das Kriterium der „schutzlosen Lage“.
Das ist nicht witzig. Das ist nicht „harmlos“. Im Gegenteil – es wird besonders unappetitlich, wenn er sich am Schluss dann auch noch bei seiner neuen Flamme ENTSCHULDIGT, weil die natürlich just danach ins Zimmer platzt und an verräterischen Flecken erkennen kann, dass er gerade Sex gehabt hatte. Also… „Sex gehabt“. Natürlich müsste hier „ist vergewaltigt worden“ stehen. Und dafür muss er sich entschuldigen? Bitch, please!!

Ich könnte gerade aus dem Bereich Popkultur noch viele weitere Beispiele bringen, aber ich denke, der Punkt ist klar: Was bei weiblichen Opfern (völlig zurecht) weder in der Realität, noch im fiktiven Kontext hingenommen würde, ist bei männlichen Opfern „akzeptiert“ oder gar „lustig“. Wenn das keine Verharmlosung ist, dann weiß ich auch nicht.

 

2. Was ist Vergewaltigung und warum ist Theon nicht davon betroffen?

Die Szene, an der Schoppe Anstoß nimmt, findet in der 3. Staffel statt. Während der gesamten Staffel wird Theon aufs Übelste gefoltert und weiß zu Anfang noch nicht mal von wem. Neben massiver körperlicher Misshandlung ist Ramsay Snow, sein Folterknecht, auch noch ein Meister der psychologischen Folter: So bringt er, ein angeblicher Retter geschickt von Theons Schwester, Theon dazu, ihm zu vertrauen und hilft ihm vermeintlich bei der Flucht. Als kompletter Psychopath (neben Joffrey und Gregor Clegane ist er der einzige wirklich von Grund auf böse Charakter der Reihe) schreckt er sogar nicht davor zurück, Männer zu töten, die Theon wohl auf seine Befehle hin verfolgt haben, um Theon vor ihnen zu „retten“ und so sein Vertrauen in ihn noch weiter zu zementieren. Kurz darauf muss Theon aber feststellen, dass sein Gönner ein sadistisches Spiel getrieben und ihn nicht zu seiner Schwester, sondern zurück in seine Folterkammer geführt hat, wo sich sein Martyrium nun fortsetzt. Ramsay benutzt dazu nun auch genüsslich schmerzvolle persönliche Informationen, die Theon ihm gegenüber im Glauben enthüllt hat, einen Freund vor sich zu haben, womit er nicht nur seinen Körper, sondern auch seine Seele massiv traktiert. Jap… der Kerl ist definitiv ein kranker Bastard im doppelten Wortsinn!

In der 7. Folge der 3. Staffel nun (betitelt „The Bear and the Maiden Fair“, ein beliebtes Lied in Westeros – in dem es übrigens kaum verhüllt um Vergewaltigung geht) findet nun die beanstandete Szene statt. Theon wird dabei von zwei jungen Frauen losgebunden, die ihm erst Wasser geben und sich um seine Wunden kümmern, bis sie anfangen, ihn unverhohlen anzumachen. Theon kapiert verständlicherweise überhaupt nicht, was abgeht, und reagiert auf einen Griff in seine Hose erst panisch, verstört und ablehnend, glaubt er doch, die Mädchen wären von Ramsay geschickt worden. Bald gibt er seinen Widerstand jedoch auf und verschlingt die nackten Damen mit Blicken, während sich eine rittlings auf ihn setzt und sich an ihn reibt. Es wird geknutscht und gestreichelt, bis Ramsay Snow die Vorstellung mit einem Trompetenstoß beendet, Theon verspottet und ihn als finalen Akt der ultimativen Folter schließlich kastriert.
Die ganze Szene wirkt nicht nur auf Theon, sondern auch auf den Zuschauer surreal. Von der bequemen Couch zuhause aus scheint es seltsam, dass Theon nicht versucht zu fliehen, wo er doch schon mal losgekettet worden ist, aber der ist nach all den Wochen der Folter und der Demütigung schwach, dehydriert und hochgradig verängstigt. Vielleicht glaubt er ja, zu halluzinieren. Aber egal. Die Frage war ja: Ist das eine Vergewaltigung?

Als ich Schoppe schrieb, dass Theon nicht vergewaltigt wird, habe ich mir dabei nicht viel gedacht. Ich glaubte, er hätte einfach was verwechselt, deshalb war der Satz „Theon wird nicht vergewaltigt“ aus meiner Sicht eine bloße Anmerkung, eine kleine Fehlerkorrektur. Seine Antwort darauf kam spät, deshalb habe ich sie auch erst vorgestern gesehen. Er schließt mit:

Ich verstehe eigentlich nicht, warum das keine Vergewaltigung sein sollte.

In seinem Artikel wirkt das wiederum etwas anders:

Ich verstehe, warum diese Szene nicht als Vergewaltigung wahrgenommen wird, schließlich schläft Violet nicht tatsächlich mit Theon, sondern simuliert einen Beischlaf. Angesichts dieser Szene ist gleichwohl schwer zu verstehen, wie die Vergewaltigung Cerseis durch Jaime ein so großer, bis in die größten amerikanischen Medien hinein beschriener Skandal werden, die Vergewaltigung Theons während seiner Folter aber völlig übersehen werden konnte.

Er sieht also, dass es keine Vergewaltigung ist, nennt es aber trotzdem Vergewaltigung. Well. *kopfkratz*

Eine Vergewaltigung ist nach §177, Absatz 2 StGB eine besonders schwere Form der sexuellen Nötigung, die vorliegt, wenn

1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder an sich von ihm vornehmen läßt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung)

Ich sehe das hier nicht gegeben, da nun mal kein „Beischlaf“ stattfindet, sondern Theon seinen Penis die ganze Zeit in der Hose behält. Ob es sexuelle Nötigung ist, ist eine andere Frage (dazu weiter unten), aber es ist keine Vergewaltigung. Bei all der Empörung, die Schoppe bei dieser Szene empfindet, habe ich dennoch nicht die geringste Ahnung, wem mit dieser Begriffsaufweichung gedient sein soll.

 

Exkurs: Das antifeministische Märchen von der unmöglichen weiblichen Täterschaft

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, ein bisschen mit antifeministischer Propaganda aufzuräumen.
Mir wurde unter Schoppes Artikel noch an den Kopf geknallt, ein Mann könne rein juristisch gesehen von einer Frau sowieso nicht vergewaltigt werden, außer er wird penetriert. Das war jetzt auch nicht das erste Mal, dass mir das vorgeworfen wird (als könnte ICH da was für) und deswegen kotzt mich das tierisch an. Es ist nämlich schlicht Bullshit!

Allerdings hat diese Behauptung, nun… einen historischen Kern. Wenn von der Reform des §177 StGB geredet wird, dann ist meistens die Änderung im Jahr 1997 gemeint, mit der das Wort „außerehelich“ aus dem Paragraphen gestrichen worden ist und somit die Vergewaltigung in der Ehe nicht länger straffrei war.

In Wahrheit war die Reform viel tiefgreifender. Vom Jahre 1871 an, als das Reichsgesetzbuch in Kraft trat, bis 1997, also über 125 Jahre lang, war im §177 immer nur von Frauen als Opfer die Rede. Die letzte Fassung vor der Reform, die von 1973 an Gültigkeit hatte, lautete:

§ 177. Vergewaltigung. (1) Wer eine Frau mit Gewalt oder durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben zum außerehelichen Beischlaf mit ihm oder einem Dritten nötigt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft.
(2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.
(3) Verursacht der Täter durch die Tat leichtfertig den Tod des Opfers, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren.

Quelle

Damit war es juristisch nicht nur nicht möglich, dass eine Frau einen Mann vergewaltigt, sondern Männer allgemein waren als Opfer komplett ausgeschlossen.

Mit der Reform 1997 nun ersetzte das geschlechtsneutrale „Person“ das vorherige „Frau“, wenn es um das Opfer ging, während im Rest des Gesetzestextes wie üblich das generische Maskulinum beibehalten wurde. Im Zuge der 6. Strafrechtsreform ein Jahr später wurde dann noch an den Formulierungen rumgefeilt und insbesondere folgende von mir hervorgehobene Passage ergänzt:

(2) [1] In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren.
[2] Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn
1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder an sich von ihm vornehmen läßt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung)

„Beischlaf“ wird übrigens juristisch als „Penis in Scheide“ definiert, während „ähnliche Handlungen“ irgendeine Form der Penetration umfassen. Für mich ist die Formulierung damit klar, aber ich bin ja halt nur ein junges Mädchen und verstehe wenig von solchen Dingen nun mal keine Juristin.

Also kucken wir doch mal, was die Juristen dazu sagen:

Betreff Täter:

Täterschaft und Teilnahme. Für die Abgrenzung der Beteiligungsformen gelten die allgemeinen Regeln. Jeder kann Täter sein, auch eine Frau.

Betreff Opfer:

1. Der Grundtatbestand der sexuellen Nötigung (§177 Abs. 1). §177 Abs. 1 schützt Opfer egal welchen Geschlechts vor erzwungenen Sexualkontakten mit dem Täter oder mit Dritten.

Betreff Vergewaltigung eines Mannes durch eine Frau:

Als Vergewaltigung werden neben dem Beischlaf sexuelle Handlungen definiert, die das Opfer besonders erniedrigen, insbesondere wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind. Diese Handlungen müssen vom Täter am Opfer oder vom Opfer am Täter vorgenommen werden. Dabei ist grundsätzlich gleichgültig, ob das Eindringen in den Körper des Opfers oder des Täters erfolgt.

Quelle: Münchener Kommentar zum Strafgesetzbuch, Bd. 2,2. §§ 80 – 184f StGB, Beck 2005 (1. Auflage), Zitate S. 1152, 1171 u. 1165.
Geschrieben wurde der betreffende Artikel von >>>diesem Typen <<< hier.

„Da staunen Sie, was? Ich hab das nachgeschlagen.
– Lionel Hutz, The Simpsons

Voilá. Ich hoffe, die Quelle ist genehm *augenklimper*

Ich kann verstehen, wenn Männer sich gerade in Hinblick auf Sexualdelikte benachteiligt fühlen, eben WEIL es diese oben angesprochene Verharmlosung gibt, aber heute noch davon zu labern, dass Männer laut Definition nicht von einer Frau vergewaltigt werden können, ist ungefähr so sinnig wie die Behauptung, Vergewaltigung in der Ehe sei immer noch straffrei. Es ist seit über 15 Jahren anders, also wiederhole ich mein Kommentar zu diesem Bullshit: Kommt von eurem Trip runter. Extrem scheiße, dass es so lange gedauert hat, aber jetzt ist es Gott sei Dank vorbei, also hört auf, das Gegenteil zu behaupten und glaubt verdammt noch mal nicht jedes Horrormärchen über unseren ach so femifaschistischen Staat, das euch in den Kram passt.

Mit geschlechtergerechter Sprache im StGB wäre das übrigens vermutlich nicht passiert.

 

3. Was ist Verharmlosung?

Zurück zu Game of Thrones. Reden wir doch mal kurz über ein anderes Vergewaltigungsopfer: Daenerys.

In der Serie wird sie in der Nacht ihrer Hochzeit, bei der sie kein Mitspracherecht hatte, vergewaltigt. Dieser Missbrauch setzt sich fort, bis sie es schafft, ihren Ehemann/Vergewaltiger so zu umgarnen, dass er mehr in ihr sieht als sein Sexspielzeug und potentielle Gebärmaschine.

Auch in diesem Fall gab es schon Kritik. Kritisiert wurde jedoch nicht die Vergewaltigung an sich, sondern der Voyeurismus, der damit angeblich bedient wird. Ich sah das nie so. Vor allem die Szene ihrer Hochzeitsnacht fand ich ganz, ganz stark. Daenerys ist offensichtlich verängstigt, versucht aber, gefasst zu sein und mit Khal Drogo zu kommunizieren, der allerdings ihre Sprache nicht spricht. Schon bevor er ihr Oberteil abnimmt, bröckelt ihre Fassung dahin und sie beginnt zu weinen. Sie bedeckt ihre nackten Brüste, doch Khal Drogo packt ihre Handgelenke und zieht sie weg. Gerade das fand ich sehr eindrücklich: Sie wehrt sich, aber nur ganz kurz – in ihrem Gesicht und dieser Geste kann man lesen, dass sie weiß, dass sie sowieso keine Chance hat. Sie weiß, sie kann entweder kämpfen und wird, möglicherweise grün und blau geschlagen, am Ende trotzdem vergewaltigt, oder sie kann einfach still halten und es über sich ergehen lassen. Sie entscheidet sich für letzteres, womit die ganze Ausweglosigkeit ihrer Situation klar wird. Ihre gesamte Verzweiflung spiegelt sich in ihrem Gesicht und deshalb ist die Szene aus filmischer Sicht unglaublich gut.

Zu sehen hier ab ca. ab Minute 5:40

Ähnlich die zweite Szene zwischen ihr und Khal Drogo. Er vergeht sich an ihr, was ihr offensichtlich weh tut, und auch dabei ist nichts als Verzweiflung zu sehen. Berührend und ganz, ganz stark.

Der Vorwurf „Voyeurismus“ bezog sich wohl darauf, dass Daenerys in beiden Fällen oberkörperfrei war. Aber ist das schon Verharmlosung?

Eines Sonntags kroch ich nach einer höllischen Samstagabendschicht erst nach Mittag aus meinem Zimmer und fand im Wohnzimmer meinen Mitbewohner vor, der einen seiner Kumpels gerade mit Game of Thrones angefixt hatte. Sie hatten die Serie angefangen und legten gerade die 3. Folge ein, als ich reinkam.
Ich war kaum da und hatte sie begrüßt, als mein Mitbewohner meinte: „Der X hat ne Theorie zur Serie.“ Dabei sah er mich seltsam erwartungsvoll an. Ich war ob dieses Blickes verunsichert: Was kommt denn jetzt?
Ich fragte also X nach seiner Theorie. Dieser grinste breit und meinte ausgelassen: „Ich glaube, die Blonde da wird in jeder einzelnen Folge gefickt!“
Woraufhin ich ihm direkt in die Augen sah und ruhig meinte: „Findest du es witzig, dass sie vergewaltigt wird?“

Ich hätte kein besseres Resultat erzielen können, wenn ich ihm eine geknallt hätte. Meine gelassenen Worte trafen ihn voll in die Fresse, die ihm einfach wegflog. „Was?! Nein!! Ich meine, also… so meine ich das doch nicht!!“
Er stammelte noch ein bisschen mehr, aber ich winkte ab. Mein Werk war getan (ganz ohne auszurasten), mehr musste ich schon gar nicht mehr sagen. Aber er konnte gar nicht aufhören, mich anzustarren.
‚Findest du es witzig, dass sie vergewaltigt wird‘,“ wiederholte er noch einmal fassungslos.

Dieser Typ ist kein schlechter Mensch. Er denkt nur manchmal nicht nach, wie die meisten Menschen. Und klar, schöne Brüste – wer sieht die nicht gerne?
William Moulton Marston, der Schöpfer von Wonder Woman, sagte mal über sein Produkt, dass es unmöglich sei, eine weibliche Figur zu erschaffen, ohne bei irgendjemanden sexuelle Implikationen auszulösen. Ich denke, das stimmt. Daher glaube ich, dass eine Vergewaltigungsszene im filmischen Kontext nicht realisierbar ist, ohne dass sich irgendjemand davon angemacht fühlt, egal, wie sensibel, eindrücklich oder brachial man mit dem Thema umgeht. Das heißt nicht, dass solche Szenen nicht wirklich absichtlich oder unabsichtlich voyeuristisch sein können – nur sehe ich das bei Daenerys nicht gegeben. Nackte Brüste sind nichts, womit man Leute heutzutage noch schocken kann, zumal sie hier anders als die vielen anderen nackten Titten in der Serie ja auch noch Sinn machen. Deshalb sind ihre Szenen mit Khal Drogo weder voyeuristisch, noch verharmlosend.

Natürlich sind einige der Meinung, die Tatsache, dass sie im weiteren Verlauf ihren früheren Vergewaltiger zu lieben beginnt, wäre Verharmlosung. Ich nenne es lieber Stockholm-Syndrom.

Cerseis Vergewaltigung war nun eigentlich nicht im Geringsten explizit, man sieht kein einziges Fitzelchen Haut. Warum hat mich das also so aufgeregt, während ich Daenerys‘ Situation einfach so hingenommen habe?

Vielleicht lasse ich einfach ein paar Kommentare sprechen:

„Ich verstehe die Aufregung immer noch nicht. Jaime merkt das Cercei eine echt übles Miststück ist ( verlangt den Bruder zu töten ) und macht den Ragefuck ( Vergewaltigt sie ).“

„Eine Vergewaltigung aus Sicht der Beteiligten gäbe es aber allenfalls (wenn überhaupt, sie sind ja ein Liebespaar), wenn Cercei über den kompletten Akt hinweg unwillig gewesen wäre.“

„Da der komplette Akt, das unmittelbare Danach aber nicht gezeigt wurde, ist die beanspruchte Deutungshoheit “es war DEFINITIV eine Vergewaltigung!!1″ aber sowieso Mumpitz.“

Gerade die letzte Passage ist so unglaublich blöd. Ja, als Buchleser könnte man sich vielleicht vorstellen, dass es nach Abblende vielleicht noch einvernehmlich geworden ist, weil man weiß, dass es ja eigentlich einvernehmlich hätte sein sollen, aber was nützt das bitte den Zuschauern?!
Außerdem dringt er während der Szene und während sie unwillig ist in sie ein, womit der Tatbestand der Vergewaltigung erfüllt ist.

Besonders interessant finde ich die Vorstellung, jemand, der schon mal freiwillig mit jemanden geschlafen hätte, könnte ja von dieser Person nicht vergewaltigt werden. Dazu sage ich nein und der Gesetzgeber sagt auch nein und das ist gut so. Unglaublich, so etwas heute noch lesen zu müssen.

Cerseis Vergewaltigung verharmlost Vergewaltigung. Die Szene wird als einvernehmlich gelabelt, obwohl sie es nicht ist, sie zerstört einen Charakter, der sich inzwischen vom Schurken eher zum Helden entwickelt hat und sie offenbart leider die ganze Palette an saublöden Relativierungen, die mit Vergewaltigung einher gehen.

Nun kommt eine Relativierung von mir. Wir haben ja schon festgestellt, dass Theon nicht vergewaltigt wird, weil keine Penetration stattfindet. Aber für mich wäre es auch keine Vergewaltigung gewesen, hätte eine stattgefunden. Er gibt seinen Widerstand nämlich auf und macht mit. So ähnlich hätte ich mir die Szene zwischen Cersei und Jaime gewünscht. Hätte Cersei sich so verhalten wie Theon, wäre der Sex zwischen ihr und Jaime für mich keine Vergewaltigung gewesen.
Das kann man scheiße finden und mich für diese Einstellung verurteilen. Immerhin sind BEIDE am Anfang unwillig. Aber wie ich schon in dem anderen Artikel schrieb: Filmischer Kontext! Und auch juristisch wäre in beiden Fällen keine Vergewaltigung passiert. Das hat nichts damit zu tun, dass Theon ein Mann und die potentiellen Täterinnen Frauen sind. Und deshalb verharmlost die Szene sexuelle Gewalt gegen Männer nicht.

Aber natürlich gibt es noch jede Menge andere Gewalt gegen Männer, die nun, da Cerseis Vergewaltigung so in die Kritik geriet, auch kritisiert wird. Es kann ja nur so sein, dass die Sache mit Cersei schlimm ist, weil sie eine Frau ist, und die ganzen anderen Sachen nicht, weil sie Männern passieren.

Das ist falsch. Ich kritisierte nicht die Vergewaltigung per se. Ich kritisierte das gesamte Drumherum. Und weil das Drumherum bei anderen Gewalttaten „stimmt“, kritisiere ich sie nicht.

„Eine ganze Armee unfreiwillig kastrierter Sklaven, die mittels Folter zu Tötungsmaschinen gemacht werden – warum regt sich DARÜBER keiner auf?!“ – Weil es hier nichts zum Aufregen gibt! Die Art der Ausbildung, unter der die Unbefleckten zu leiden hatten, wird eindeutig als böse angesehen. Die Meister von Astapor SIND BÖSE. Und dafür werden sie bestraft. Astapors Meister werden abgeschlachtet und alle Sklaven frei gelassen. Dasselbe in Yunkai und Meereen. Sklaverei ist etwas schlechtes und das wird eindeutig kommuniziert. Was die Unbefleckten durchmachen mussten, dient dazu, die Schlechtigkeit der gesamten Gesellschaftsordnung der Städte der Sklavenbucht zu demonstrieren!

„Ein Junge wird verkrüppelt im Versuch, ihn zu ermorden und zwei andere verbrannt!“ – Ja! Und das ist schlecht! Es ist böse und es ist falsch! Es wird wohl keinen Zuschauer auf der ganzen Welt geben, der das anders sieht!

„Niemand kritisiert Theons Folter und dann wird er auch noch kastriert – das ist so grausam!“ – Ja! Weil es das sein soll! Die Gewalt dient einem Zweck! Was im Buch „off-screen“ passierte, war so innerhalb der Serie nicht zu realisieren – man kann nicht einfach einen Hauptdarsteller für eine ganze Staffel verschwinden und dann als völlig neuen, gebrochenen Menschen ein Jahr später wieder auftauchen lassen. Man muss es zeigen, sonst kapiert das doch niemand! Und es ist gut gemacht! Es ist grausam, weil es grausam sein soll! Aber das bedeutet doch nicht, dass es irgendjemand gut findet!
Theon hat Unschuldige getötet, auf die Menschen gespuckt, die ihm vertraut haben und ist Schuld daran, dass Winterfell zerstört worden ist. Aber deswegen hat er keine Folter verdient, keine Kastration, keine solche Demütigung! Diese Szenen werden nicht etwa genossen, weil er kein toller Typ ist, im Gegenteil, sie erzeugen Mitleid mit Theon und demonstrieren, was für ein komplett verrückter Irrer Ramsay Snow ist!

Natürlich kann man das trotzdem alles kritisieren. Im Zuge dieser Debatte habe ich jetzt schon häufiger von Männern gelesen, welche die dargestellte Gewalt ekelhaft finden und sie sich kaum ansehen können. Ich empfand das nicht so. Dafür könnt ihr mich gerne häuten, aber so ist es nun mal. Ich entstamme der Generation, die Resident Evil, Counterstrike und Postal 2 zockte, sich mit Saw und Hostel einen schönen Filmabend machte und die Pervertierung des HipHop und den Aufstieg des Nu Metal mitsamt seiner gewalttätigen Lyrics miterlebte. Wir sind die Generation, die laut Vorstellung erzkonservativer alter Säcke eigentlich komplett aus Amokläufern bestehen müsste und sind trotzdem zum überwiegenden Teil friedliche Menschen, die niemals irgendetwas von dem, was wir gesehen oder gehört haben, nachmachen könnten oder wollten.
Es gibt Gewaltdarstellungen, die ich ebenfalls ekelhaft finde und mir nicht ansehen kann. Und ja, einiges in Game of Thrones fand ich übertrieben. Aber nichts davon hat mich in irgendeiner Weise schockiert. Ich musste nie die Augen abwenden und meinen Appetit hat es mir auch nicht verdorben. Jetzt könnt ihr mir gerne Verrohrung, Degeneration oder sonstwas vorwerfen, aber dann vergesst bitte nicht die viele Millionen Fans, die außer mir auch keine Probleme damit haben.

Lieber Schoppe, was wir hier haben, ist eine Diskussion um Gewalt in den Medien, keine Geschlechterdiskussion. Damit habe ich mich im Zuge meiner Examensarbeit beschäftigt und kann daher sagen, dass der Vorwurf, Popkulturelle Medien seien gewalttätig oder sonstwie anrüchig, so alt ist wie die Popkultur selbst. Das ist kein Mann-Frau-Ding. Und eine Vergewaltigung, ob sie nun wirklich passiert oder nicht, ist nichts, was rein aufgrund ihrer Gewalttätigkeit kritisiert worden ist. Jedenfalls nicht von mir.

Deshalb lass mich das nächste Mal bitte aus dieser Diskussion raus, zumal du die ganzen Leute, welche die Vergewaltigung Cerseis relativierten, ja offensichtlich ignorierst, obwohl es unmöglich ist, dass dieselben Leute deiner Argumentation bezüglich der sexuellen Gewalt gegen Theon folgen. Ich habe ein gewaltiges Problem mit der Verharmlosung von Vergewaltigung, egal gegen wen sie geht, aber ich habe kein Problem mit Gewalt in den Medien und damit auch keines mit Vergewaltigung in den Medien, sofern beides in den richtigen Kontext gesetzt wird. Und das ist bei Theon, Bran, den Unbefleckten, Jaime, als er seine Hand verliert, und all den anderen, die innerhalb der Serie Opfer von Gewalttaten sind, in meinen Augen definitiv der Fall.