Montagsrezension: C wie Stephen Kings „Colorado Kid“

Stephen King – Colorado Kid
Colorado Kid, 2005 (Deutsch 2005)

colorado kid

Zwei alte Journalisten erzählen einer jungen Kollegin von einem rätselhaften Fall, der sich über 20 Jahre zuvor zugetragen hat. Damals wurde ein Unbekannter leblos am Strand gefunden. Die Todesursache ist unklar und da er keine Ausweispapiere dabei hat und niemand ihn zu kennen scheint, dauert es Monate, bis der Tote identifiziert werden kann. Doch das macht die Sache nur noch mysteriöser: Denn der nun als James Cogan identifzierte Familienvater stammt eigentlich aus Colorado und wurde dort am Tag seines Todes noch gesehen. Wie konnte er so schnell bis nach Maine kommen… und wieso?

Ich greife mal vor: Wie auch schon bei Achterbahn halte ich es für eine bodenlose Frechheit, diese gerade mal 160 Seiten lange Novelle als eigenständiges Buch heraus zu bringen, weil ich das als pure Abzockerei empfinde. Aber wie schon da wäre mir selbst das noch völlig egal, wenn die Geschichte wenigstens gut gewesen wäre.
Aber das ist sie nicht. Womit sich die Frage stellt: Was ist sie überhaupt? Mystery? Horror? Oder ein Krimi, wie behauptet wird?
Dazu fehlt leider einiges. Die Geschichte wirft viele Rätsel auf, die niemals gelöst werden. Wie kam der Mann nach Maine? Was hat er da gewollt? Warum hat er Zigaretten dabei, obwohl er nicht rauchte? Wo sind seine Kleider, mit denen er zuvor noch gesehen wurde? Was war letztendlich die Todesursache?

Zu all diesen Fragen haben die Protagonisten ihre Theorien, aber geklärt wird letztendlich keine, weshalb die Geschichte ohne Auflösung endet. Und darum ist sie auch kein Krimi. Oh, natürlich gibt es Krimis, in denen eine zentrale Frage niemals geklärt wird, zum Beispiel, ob der Unschuldige, der am Ende freigesprochen wird, nicht vielleicht DOCH der Täter ist. Sowas hinterlässt dem Leser dann mannigfaltige Spekulationen, die zwar nicht aufgelöst werden können, aber trotzdem Spaß machen.

Hier dagegen sind einfach zu viele lose Enden – und mich beschleicht leider der Verdacht, dass King selbst keine Auflösung parat hat. Mysteriöse plot devices wie die russische Münze, die das Colorado Kid bei sich trägt, machen aber nun mal keinen Sinn, wenn ihr Zweck niemals enthüllt und auch kein Anhaltspunkt für eine mögliche Lösung geliefert wird. Somit bleibt der Eindruck, dass King solche Details einfach reingeworfen hat, ohne selbst zu wissen, was es damit auf sich hat. Und damit ist es tatsächlich möglich, dass es wirklich KEINE HALBWEGS PLAUSIBLE AUFLÖSUNG GEBEN KANN, da sich diese vielen losen Enden schlichtweg nicht verknüpfen lassen!

Kann sowas noch ein Krimi sein? Ich sage nein. Leider ist die Geschichte aber auch zu uninteressant und am Ende eben auch zu unbefriedigend, um als Mystery-Story zu funktionieren. Ich kämpfte mich durch dieses Büchlein, nur um nach der letzten Seite das Gefühl zu haben, meine Zeit verschwendet zu haben und hatte daher auch nie wieder das Verlangen, es nochmal zu lesen.

Es bleibt mir also nichts anderes üblich, dieser Geschichte eine miserable Bewertung von

2 von 10 Zigaretten-Steuermarken

zu geben (und der Nuller-Wertung entgeht die Geschichte auch nur, weil sie mich zwar gelangweilt, aber nicht nachhaltig genervt hat!)!

Damit wäre ich mit dem Buchstaben C sogar schon durch. Beim Buchstaben D knabbere ich allerdings an der Frage: Soll ich da wirklich alle Buchtitel mit Artikel reinpacken? Das ist irgendwie so megalame. Aber was ist die Alternative – etwa ganz von meiner alphabetischen Vorgehensweise abrücken? Oder was meint ihr?

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Montagsrezension: C wie Stephen Kings „Christine“

Willkommen zum Teil 4 meiner Montagskolumne-am-Dienstag, in der ich mich jeden 4. Montag des Monats einer Stephen-King-Rezension widme.

Stephen King – Christine
Christine, 1983 (Deutsch 1983)

ChristineDer schüchterne Teenager Arnie ist picklig und übergewichtig und in der Schule daher Opfer von Mobbing. Sein einziger Freund ist ausgerechnet Dennis, der Footballstar der Schule, der ihm zur Seite steht, allerdings auch nicht alle Lästerattacken abwehren kann.
Eines Tages entdeckt Arnie einen schrottreifen ’58er Plymouth Fury und kauft das Auto spontan mit der Absicht, es zu reparieren. Verzückt über den Wagen tauft er ihn liebevoll auf den Namen „Christine“. Er beginnt, ihn zu restaurieren, doch scheint er gar nicht viel tun zu müssen, da sich das Auto auf geheimnisvolle Weise selbst zu erneuern scheint. Eine ähnliche Wandlung macht auch Arnie durch: Sein anstrengender Sommerjob in der prallen Sonne lässt seine Pfunde schmelzen und seine Pickel verschwinden. Mit seinem Äußeren und seinem neu gewonnenen Selbstvertrauen findet er schließlich sogar mit Leigh zusammen, seinem heimlichen Schwarm.
Doch schon bald merkt sein Umfeld, dass sich auch sein Charakter ändert und sein Verhältnis zu seinem inzwischen wie nagelneu wirkender Oldtimer seltsam eng ist. Dass Christine jedoch mehr ist als ein normales Auto, zeigt sich, als einige Halbstarke den Wagen demolieren, wovon am nächsten Tag nichts mehr sichtbar ist, doch sämtliche Verantwortliche fallen einer nach dem anderen mysteriösen Unfällen zum Opfer, wofür Arnie jedoch Alibis hat.
Dennis und Leigh beginnen nachzuforschen, um Arnie zu helfen. Als sie sich dabei jedoch näher kommen, zieht das den Zorn von Arnie und Christine auf sich…

Irgendwie tut es mir richtig leid, meine regelmäßigen King-Rezensionen ausgerechnet mit diesem Buch wieder aufleben zu lassen. Ich kann hierzu nämlich exakt gar nichts sagen. Vermutlich ist das auch der Grund, weshalb ich mich damals entschlossen habe, auf’s Alphabet zu scheißen und das Buch „Cujo“ vorzuziehen, das korrekterweise erst danach dran gewesen wäre (bösartige Gerüchte, ich könnte nicht richtig buchstabieren, weise ich hiermit mit aller Entschiedenheit von mir!).
Es ist Ewigkeiten her, seitdem ich das Buch gelesen habe, und es ist eines der wenigen, die ich nicht selbst besitze, sondern mir irgendwann mal in der Bücherei geliehen habe. Deshalb konnte ich auch nicht mehr reinkucken, um meine Erinnerungen aufzufrischen. Ich weiß jedoch noch, dass es mir nicht gefallen hat. Die Story ist zu beliebig und reiht sich nahtlos ein in die vielen King-Stories, in denen irgendetwas vom reinen Bösen besessen ist, aber nicht so wirklich erklärt wird warum bzw. die Erklärung völlig hanebüchen wirkt. Natürlich ist JEDE phantastische Geschichte mit einer solchen Prämisse irgendwie hanebüchen, weil es sowas ja halt nicht gibt (oder doch!?!?), aber manchmal hat man bei Stephen King wirklich das Gefühl, dass er sich tatsächlich nicht die geringste Mühe gegeben hat, irgendeine Begründung zu liefern. In solchen Fällen scheint ihm die Frage nach dem „Wie“ völlig irrelevant gewesen zu sein – er will halt einfach nur sehen, was passiert, wenn er ein dämonisches Auto in die Handlung wirft.
Das kann verdammt gut sein. In diesem Fall ist es das leider nicht. Ich glaube, am meisten hat mich damals gestört, dass Arnie ja eigentlich ein Opfer ist, das dann jedoch unverschuldet auf die Seite des Bösen wechselt. Kann ein gemobbter, junger Typ zum Mörder werden? Natürlich kann er das. Aber gefallen muss mir das ja noch lange nicht. Vielleicht wäre das anders gewesen, wenn die Geschichte mehr aus seiner Perspektive erzählt worden wäre oder man wenigstens den Eindruck gehabt hätte, er würde gegen diese dämonische Kraft, die von Christine, dem Auto mit dem dämlichen Namen, ausgeht, irgendwie ankämpfen. Tatsächlich gibt es dafür keinerlei Anhaltspunkte – womit es plötzlich so scheint, als sei Arnie kein Mobbingopfer, das zum Täter wird, sondern schon immer ein Täter, der durch das Mobbing irgendwie in Schach gehalten worden ist. Und das mag ich irgendwie absolut nicht.
Zusammen mit dem noch ziemlich ausbaufähigen Schreibstil seiner frühsten Werke und dem inzwischen fast antik wirkenden 80er-Jahre-Setting war „Christine“ kein Buch, das ich öfter lesen wollte, weshalb ich es nie nachgekauft habe. Tatsächlich kann ich mich nicht einmal mehr an das Cover der Ausgabe erinnern, die ich damals ausgeliehen habe (denn falls es euch interessiert: Das ist mein einziges Kriterium zur Auswahl der Cover am Anfang jeder Rezension).
Deshalb kann ich hier leider keine Empfehlung aussprechen und vergebe auf meiner hiermit neu eingeführten Stephen-King-Skala lediglich

3 von 10 roten Plymouths!

Lest auch meine anderen Stephen-King-Rezensionen!