Wessen Privileg schwerer wiegt… (Das leidige Thema IV)

Einige Bloggerinnen haben die Aktion #waagnis ins Leben gerufen und andere aufgefordert, daran teilzunehmen. Das hier ist allerdings weniger ein Teilnehmerpost als ein kleiner Rant gegen die Kritiker dieser Aktion. Das ist hoffentlich auch genehm.

Als ich heute um halb eins so langsam die Augen aufbekam (ich war mal wieder arbeiten bis vier Uhr morgens), war meine erste Amtshandlung, wie immer, der Griff zum Laptop. Und, wie so oft, öffnete ich Twitter und sofort ploppten einige Fragezeichen über meinem müden Schädel auf. #waagnis, hä? Was geht ab?

Das war schnell geklärt. Ninia, Kathrin, Johanna und Maike von Kleinerdrei schrieben über das Hadern mit ihren Körpern, haben sich entschlossen, (teils weiterhin) ohne Waage zu leben und fordern alle auf, ebenfalls von ihren Problemen mit der unnötigen Badezimmerelektronik namens Waage zu berichten. Entweder in Form von Blogposts oder bei Twitter unter dem Hashtag #waagnis.

Noch bevor ich allerdings die Artikel alle lesen und entscheiden konnte, ob ich das nun cool finden soll oder nicht, fielen mir die ersten negativen Statements zu der Aktion ins Auge. Gleich gefolgt von einem entschuldigenden Tweet von Ninia.

Nennt mich anti, aber in diesem Moment war mir sofort klar, dass etwas, was so eine Entschuldigung nötig macht, eigentlich nur gut sein kann!

Doch zunächst zu mir.

Probleme mit meinem Gewicht habe ich schon hier, hier und hier verbloggt, man könnte also auf die Idee kommen, dass ich dazu nichts mehr zu sagen habe. Tatsächlich ist das aber eine neverending story… und nicht nur für mich.

Seit zweieinhalb Monaten lebe ich mehr oder weniger unfreiwillig ohne Waage, denn Anfang April bin ich umgezogen und war bisher zu faul, meine Waage in meiner alten WG abzuholen. Sie war auch eines der ersten Geräte, die ich für diese WG anschaffte – zusammen mit einer Küchenwaage.

Der Slogan der Mädels von #waagnis lautet übrigens:
waagnis
Ich musste direkt lachen, als ich das las. Nicht, weil es ein lächerliches Statement ist, sondern weil ich Leute kenne, die selbst DAS für irgendwie bescheuert halten.

Wie mein geschätzter Ex-Mitbewohner Moritz zum Beispiel. Er beäugte unsere neue Küchenwaage damals völlig verblüfft. „Wofür brauchst du die denn?“
Ich, gnadenlos: „Um Sachen zu wiegen.“
„Äh, aber warum? Das geht doch auch so?“
Nun muss ich mich vor jemanden, der eine halbe Stunde braucht, um eine Karotte und ne halbe Zucchini zu schneiden und das „Kochen“ nennt, wohl wirklich nicht zu rechtfertigen, tat es aber doch. „Ja, normal schon. Aber ich koche ja auch mal nach Rezept. Oder brauch abgewogene Zutaten zum Backen. Oder für Nudeln.“
Schockierter Blick von Moritz. „Du wiegst deine Nudeln?!?!“
„Ja.“
…Und er glotze mich an, als hätte ich eine Essstörung.

Zum ersten Mal in meinem Leben wurde mir klar, dass andere Leute das wohl offensichtlich nicht tun. Also, Nudeln wiegen. Aber da Moritz mit seinem Urteil nicht falsch lag (jedenfalls nicht völlig), gibt es für mich leider keine Alternative.
Das Problem ist, dass ich fressen kann, bis ich fast platze. Weitaus mehr, als ich brauche, weitaus mehr, als angenehm für mich ist. Und leider fehlt mir durch jahrelange Probleme mit meiner Ernährung irgendeine Art Mechanismus, der meinem Körper während des Essens sagt „Es langt jetzt“. Natürlich fühle ich mich nach zu viel Essen völlig vernichtet. Es ist nicht so, dass mir ein Sättigkeitsgefühl fehlt. Eher die Beherrschung, auch darauf zu hören, obwohl das für die meisten Leute überhaupt kein bewusster Akt ist und sie einfach von selbst aufhören, wenn sie merken, dass sie satt sind.
Daher wiege ich meine Nudeln. Ich habe nämlich festgestellt, dass ich von 100-120 Gramm Nudeln absolut angenehm satt bin. Essen kann ich aber auch locker doppelt so viel!! Weshalb die Küchenwaage in diesem Fall mein einziger Freund ist, der zwischen mir und der völligen Überfressung steht.

Und aus dem selben Grund kann ich das #waagnis nicht eingehen und meine Körperwaage entsorgen.
Seitdem meine Waage in meiner Ex-WG im Exil ist, habe ich zugenommen. Das spüre ich an meinen Jeans und natürlich auch an der Optik. Vor meinem Umzug hatte ich gerade ein paar Kilo abgenommen und war auf 71 kg runter, verteilt auf schnuckelige 1,58. Inzwischen dürfte ich wieder bei 75 sein, ungefähr.

Und das gefällt mir nicht. ICH gefalle MIR so nicht. Es ist mein ureigenes Ästethik- und auch Körperempfinden, dass ich mir mit 10-20 Kilo weniger besser gefallen würde. Hatte ich alles schon, konnte es damals allerdings nicht genießen. Jetzt wäre das anders und deswegen möchte ich da wieder hin!

Das klappt allerdings nicht ohne Waage. Ich kann auf dieses elende Kontrollding nicht verzichten. Ich hätte nämlich nicht wieder 4 Kilo zugenommen, wenn ich zwischendurch gesehen hätte, in welche Richtung ich mich gerade bewege. Ohne Waage war das ein diffuses Gefühl, das sich ganz langsam aufbaute, bis es zu spät war.
„Hm, so lange ohne Waage. Hab ich zugenommen? Neeeee.“
„Hm, die Jeans kneift. Ist aber auch frisch gewaschen. Muss nix heißen.“
„Hm, ist das ein neues Speckröllchen? Schwer zu sagen…“
„Okay, ein neues Loch im Gürtel. JETZT ist es amtlich!“

Natürlich ist die Waage nur ein unzureichendes Gerät zur Messung des Körpers. Die Waage interessiert sich nicht dafür, ob ich mir gerade ein Kilo Eis reingepfiffen hab oder ein Liter Wasser auf Ex – in beiden Fällen zeigt sie direkt danach ein Kilo mehr an. Es ist ihr auch egal, ob ich gerade meine Tage hab und aufgeschwemmt bin. Oder, ob ich vor oder nach ihrer Besteigung aufs Klo gehe. Die Waage macht, was sie will, weil der menschliche Körper macht, was er will!

Dennoch brauche ich das blöde Teil einfach, denn zumindest für die grobe Richtung reicht es. Deshalb werde ich meine Waage nicht entsorgen (und kann leider auch nicht, wie gewünscht, ein Foto machen, weil ich sie ja momentan nicht in der Wohnung habe).

Ich weiß nicht, ob das vielleicht bedeutet, dass ich „noch nicht so weit“ bin. Oder ob es einfach von meinem Standpunkt aus nur logisch ist. Wie soll ich das beurteilen? Ich hätte meine Meinung nicht, wenn ich nicht der Meinung wäre, dass meine Meinung richtig ist.

Dennoch mag ich die Aktion und fand alle Ausgangsartikel ziemlich gut. Deswegen nervt es mich auch, wie viel Kritik die Initiatorinnen einstecken müssen!

Warum? Naja. Es gibt ja diese „fat acceptance“-Bewegung, die sich für die Akzeptanz „alternativer Körperformen“, bzw. in diesem Fall ganz konkret fetter Körper einsetzt (sie nennen sich selbst so. Also, fett. Deshalb schreibe ich das jetzt einfach so, obwohl ich sowas im Leben nicht jemanden ins Gesicht sagen würde. Dazu habe ich es selbst schon zu oft gehört.). Eine Bewegung, die ich nicht unkritisch betrachte, die mich aber auch nicht wirklich tangiert.

Genau aus dieser Ecke erschallt nun ne Menge Wut, was in meinen Augen einfach nur paradox ist. Immerhin war es ja die Intention der Autorinnen, alle mollige Frauen da draußen dazu zu motivieren, den ständigen Kampf mit der Waage einfach aufzugeben und sich ihr Leben nicht von ein paar Zahlen auf einem Display diktieren zu lassen!

Und das ist ja auch richtig so. Oft wird der Einfluss der Medien etc. auf dieses Thema verharmlost (mein Eindruck: Meist irgendwie nur von Männern, die nur auf Frauen mit Modelmaßen stehen), aber man muss sich nur mal ein bisschen umsehen und auf saublöde Artikel wie diesen stoßen um zu merken, dass es eben NICHT harmlos ist. Kleine Mädchen machen sich schon Sorgen um ihre Figur, der Großteil der weiblichen Teenager hasst sich, erwachsene Frauen geben Tonnen von Geld dafür aus, schlank zu werden oder zu bleiben.

Diese Frauen und Mädchen sind alle sehr unsicher und sehr unglücklich, obwohl sie größtenteils wirklich keinen Grund dazu haben. Aber es wird ihnen eben eingeredet. Eine Folter, an der sogar Freunde und Familie mit Genuss partizipieren.

Für einige dieser Frauen könnte es ein Segen sein, die Waage einfach in den Müll zu werfen, sich davon nicht mehr den Tag versauen zu lassen, nicht mehr darüber zu grübeln, warum man heute plötzlich ein Kilo mehr wiegt, obwohl man gestern nur Salat und ne Salzkartoffel gegessen hat (das passiert halt manchmal einfach so). Was ist daran bitte schlecht?

Auf Twitter las ich von irgendeiner, das Problem sei, dass sich hier nur Frauen mit „Normalgrößen“ zu Wort gemeldet hätten. Und diese sind natürlich im Vergleich zu richtig fetten Frauen total privilegiert, was in manchen radikalen Strömungen des Feminismus der finale Code ist für „Fresse halten“. Denn privilegierte Menschen dürfen NIEMALS irgendwas sagen!

Diesen Damen scheint das tatsächliche Problem entgangen zu sein. Das Problem ist ja nicht, dass Frauen ab BMI 30 verhöhnt und ständig wegen ihrer Figur kritisiert werden. Das Problem ist, dass sowas auf ALLE Frauen zutrifft! Eine Ausnahme mögen wohl die wenigen von der Natur gesegneten sein, die ohne Sport etc. essen können was sie wollen und trotzdem schlank bleiben. Aber selbst die werden doch ständig auf ihr Gewicht angesprochen, auf ihren Körper reduziert!

Die Schwere eines Misstandes äußert sich nicht darin, wie die Gesellschaft auf solche reagiert, die extrem krass von der gesetzten Norm abweichen. Die Schwere eines Misstandes äußert sich darin, wie die Gesellschaft auf solche reagiert, die davon auch nur ein bisschen abweichen. Und das ist beim Thema „weibliche Figur“ eindeutig der Fall!

Der Schmerz, den richtig fette Menschen empfinden müssen, wenn sie angepöbelt oder ausgelacht werden, wird nicht im Geringsten geschmälert, wenn eine, die in einen H&M reingehen kann und dort sogar auch ohne Übergrößenabteilung was passendes findet, davon berichtet, wie an ihrem Aussehen rumgemäkelt wurde. Und es ist nur logisch, dass eine solche Frau sich mit solchen, die von diesen Attacken noch viel mehr betroffen sind, praktisch automatisch solidarisiert!

Deshalb ist es gar nicht schlecht, dass sich hier Frauen zu Wort gemeldet haben, die nach Interpretation der fat-acceptance-Membern ne völlig normale Figur haben. Ganz im Gegenteil! DAS beweist doch erst, was für ein Problem wir heutzutage mit abweichenden Körperformen haben!

Deshalb finde ich die Kritik an der Aktion völlig überzogen, vor allem, wenn man das weiter denkt. Wenn jetzt Frauen, die mehr wiegen als die Initiatorinnen meinen, dass nur so richtig fette Frauen sich dazu wirklich äußern dürfen, was passiert dann, wenn NOCH dickere Frauen auftauchen? Gibts ne Grenze, ab der man sich äußern darf? Oder heißt es: Je mehr BMI, desto mehr Gewicht haben auch die Worte?

Manchmal sollte man einfach mal überlegen, was sich Leute bei bestimmten Dingen gedacht haben. Und die #waagnis-Mädels haben bestimmt nicht gedacht: Höhö, trollen wir mal ein bisschen rum. Sie haben reflektiert, wofür dieses Scheißding Waage eigentlich steht und beschlossen, sich daraus zu befreien, während sie gleichzeitig anderen Frauen damit Mut machen wollen.

Dass dabei viele fatpositive oder fatacceptance Bloggerinnen „unsichtbar“ gemacht wurden… also meine Güte. Manchmal glaube ich, manche Leute stecken so tief in ihrer Filterbubble drin, dass sie gar nicht merken, dass ihnen außerhalb dieser keine Sau zuhört. Ich habe mich beispielsweise schon seit ich denken kann mit Diäten, Gewicht etc. beschäftigt, aber fat acceptance ist mir erst über den Weg gelaufen, als ich anfing zu bloggen. Das ist wieder mal keine besonders verbreitete Bewegung, die daher doch über jeden neuen Impuls froh sein kann. Wenn dieser jetzt von Ninia, Kathrin, Johanna und Maike kommt, warum nicht? Sie mögen einen anderen Ansatz haben, sind auch wahrscheinlich nicht fat positive. Aber sie sind Frauen und haben eine Leidensgeschichte. Frauen mit einer kleinen Idee. #waagnis eben. Und der Vorstellung, dass man ausgehend von seiner Blogger-Fangemeinde damit vielleicht für das ein oder andere Mädchen etwas besser macht.

Ich mache bei #waagnis nicht mit. Aber ich hoffe, viele andere tun es. Und Ninia, Kathrin, Johanna und Maike wünsche ich alles Gute. Sie haben sich absolut nichts vorzuwerfen.

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Fasten, fat positive, „The Biggest Loser“

Wer mich verfolgt, wird vielleicht gemerkt haben, dass nach meiner zweiten Fastenwoche keine neuen Berichte gefolgt sind. Das hat nen Grund. Und zwar: Ich habe aufgehört mit der Scheiße. Warum quäle ich mich überhaupt mit sowas?

Ich habe zum Beispiel in der dritten Woche gemerkt, als ich mich im Geiste schon von meinem Fastenvorhaben „nichts Süßes“ verabschiedet hatte, was ich so alles an Süßem in mich hinein schaufele. Die Völlerei in schockierenden Zahlen:

– 1 Glas Cola
– 1 dieser 5-Gramm(?)-Täfelchen Schokolade, die wir auf der Arbeit zum Kaffee reichen, Vollmilch

Wohlgemerkt: Das war mein Konsum in der gesamten Woche!! Man kann, denke ich, ohne sich großartig aus dem Fenster zu lehnen festhalten, dass ich kein Problem mit Süßigkeiten habe. Warum soll ich mir jetzt auch noch den letzten Rest Zucker verkneifen?

Dann der Sport, 10 Stunden. Schaffe ich einfach nicht. In der ersten Woche war ich ja nah dran, aber da drehte sich mein gesamtes Denken auch nur um dieses Thema. Ich kann das nicht länger, ich will das nicht länger! Ich gehe jetzt regelmäßig 2-3 Mal die Woche zum Sport, nicht weil ich muss, sondern weil es mir Spaß macht – und das finde ich super. Und mehr muss auch nicht, ich habe ja noch anderes zu tun!

Ich habe also eigentlich schon nach zwei Wochen aufgegeben und trotzdem 2 Kilo abgenommen. Vielleicht zeigt der Sport jetzt doch Wirkung, keine Ahnung. Jedenfalls wiege ich gerade so wenig wie schon seit einem Jahr oder so nicht mehr. Das macht mich glücklich und ich werde hoffentlich noch glücklicher, denn einige Kilos sollen da noch folgen.

Also: Fasten, am Arsch!!

Aber wir bleiben beim Thema „Abnehmen“. Mein kleiner Fanartikel über The Biggest Loser ist ja größtenteils negativ aufgenommen worden. Damit habe ich ehrlich gesagt gerechnet, allerdings hat mich die Art der Kritik ziemlich umgehauen.

Ich meine, ich kann vollkommen verstehen, wenn die Serie kritisch gesehen wird, vor allem was den Umgang mit den übergewichtigen Kandidaten angeht. Was ich absolut nicht verstehen kann und auch auf gar keinen Fall unterstützen oder gar gutheißen will: diese leicht verklärte Sicht auf Übergewicht an sich.

Es gibt feministische Strömungen, die haben sich etwas auf die Fahnen geschrieben, was sich fat positive nennt. Den Grundgedanken, sofern ich den richtig verstanden habe, unterstütze ich vollkommen: Kein Mensch sollte aufgrund seines Körpers diskriminiert oder beleidigt werden, vor allem nicht in Hinblick auf ein völlig überzogenes Schönheitsideal, das z.B. dazu führt, dass eine Frau, nennen wir sie mal Britney Spears, in allen Medien als fett bezeichnet werden darf, nur weil sie plötzlich auf elefantöse Größe 36 angeschwollen ist. Größe 36 ist nämlich NORMAL!!
Auch ist es wirklich unübersehbar, dass so eine Häme wirklich hauptsächlich Frauen trifft, und sich sogar megaschlanke Mädchen in aller Öffentlichkeit von einer talentfreien Unsympathin anhören müssen, dass sie immer noch zu fett sind, um Supermodel zu werden.

Nochmal in aller Kürze die Punkte, denen ich zustimme:
– Frauen werden im höchsten Maße auf ihr Äußeres reduziert
– Frauen werden in Bezug auf ihr Gewicht von klein auf verunsichert
– Frauen wird von den Medien etc. ein Körperbild vor Augen gehalten, dass krankhaft und kaum ohne strikte Mangelernährung und exzessiven Sport zu erreichen ist

So weit, so verständlich (finde ich zumindest). Das ist etwas, was man durchaus kritisieren sollte.

Doch hier kommt das große ABER. Es kann ja wohl nicht sein, dass die Kritik an dem einen Extrem (nämlich die Propagierung von Körpern am Rande des Untergewichts oder darüber hinaus als „schön“) in eine Glorifizierung des anderen Extrems umschlägt. Und das fängt schon mit der Bezeichnung dieser Bewegung an: fat positive.

Wir brauchen Kalorien und Fett, um zu überleben. Das wird oft vergessen, gerade, wenn man sein halbes Leben lang versucht, abzunehmen. Darüber hinaus ist aber nichts positives an Fett oder Fettsein. Fettsein schränkt die Bewegungsfreiheit ein, belastet das Herz-Kreislauf-System, verstopft die Arterien, führt zu Diabetes und Bluthochdruck, erschwert das Atmen und ist schlecht für die Kondition. Und nein, damit meine ich NICHT Britney Spears, um das nochmal in aller Deutlichkeit zu sagen! Ich spreche von Menschen, die wirklich krankhaft adipös sind, mit allen negativen Auswirkungen.

Es ist nicht schön, so dick zu sein. Und in aller Regel wird man das auch nicht, wenn man sich halbwegs ordentlich ernährt und keine andere Erkrankung hat, die Übergewicht zur Folge hat (was dann natürlich, sofern möglich, behandelt werden sollte).
Natürlich gibt es auch sehr schlanke Menschen, denen die Zunge auf dem Boden schleift, wenn sie beim 100-Meter-Lauf mitmachen müssen. Auch gibt es Dicke, die keinerlei medizinischen Beeinträchtigungen haben. Aber nur weil Helmut Schmidt mit seinen über Neunzig immer noch fröhlich am Rumquarzen ist, heißt das noch lange nicht, dass Zigaretten gesund sind (und das schreibe ich als Raucherin!).

Und damit wieder zu The Biggest Loser. Sämtliche Kandidaten dort fühlen sich von ihrem teils gewaltigen Übergewicht beeinträchtigt und die meisten SIND auch schon deswegen krank. Interessanterweise sind Bernhard und Markus (Team Orange) am schlimmsten betroffen, obwohl sie lange nicht die Dicksten sind. Markus hatte schon einen Schlaganfall und Bernhard kam auch schon mit dem Notarzt ins Krankenhaus, zudem ist er aufgrund seines Übergewichts unfruchtbar. So kann es gehen! Fair ist das nicht, aber das ändert nichts an der Prämisse: Übergewicht IST NICHT GESUND!

Und daher bin ich nicht fat positive. Fett ist nämlich nicht positiv. In der jetzigen Form erinnert mich fat positive einfach sehr unangenehm an die Pro-Ana-Bewegung, in der vorzugsweise junge Frauen Magersucht (Anorexie, verniedlichend „Ana“) und Bulimie (verniedlichend „Mia“) verherrlichen, nur dass bei fat positive nicht forciert wird, noch mehr zuzunehmen. Toll ist aber beides nicht!! Und die Versuche, mitunter die „Sichtbarkeit alternativer Körperformen“ mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, sind oft mehr als lächerlich und bewirken genau das Gegenteil von Akzeptanz.

Daher hab ich auch keine Lust, mir zu The Biggest Loser dauernd anzuhören, Übergewicht wäre ja gar nicht schlimm oder die Serie würde Magersucht produzieren. Ähm, nee, zur Magersucht fehlen den meisten noch gut 100 Kilo!

So, und damit noch ein bisschen Fangelaber!

In der letzten Folge am Sonntag sind die Kandidaten erstmals nicht mehr im Doppel angetreten, sondern haben sich in zwei Teams aufteilen müssen. Auch musste zum ersten Mal die Person mit dem wenigsten Gewichtsverlust sofort aus dem Camp, ohne dass die Kandidaten sie rauswählen mussten. Das traf leider Janina, was aber abzusehen war. Wie schon gesagt: Frauen nehmen schwerer ab, vor allem ab einem gewissen Alter und wenn ihr Übergewicht nicht so massiv ist.

Dann ist Macho Michael freiwillig gegangen, als es so aussah, als müsste er zusammen mit Sezer gehen, weil beide gleich viele Raus-Stimmen hatten. Das tut mir nicht sonderlich leid. Als er sich in der gleichen Folge weigerte, zur „Strafe“ für den Misserfolg seines Teams einem Mitglied des Gewinnerteams den Rücken zu massieren, weil er das „schwul“ fand, fand ich das nämlich wieder mal ziemlich meh. Sezer dagegen mag ich, obwohl es bei ihm noch nicht so gut klappt, aber ich hoffe, er kann noch ein paar Wochen bleiben! Bahar, seine Frau, ist jedenfalls immer noch gut dabei und schon unter 100 Kilo.

Auch bei meinem Schätzchen Bernhard funktioniert es endlich, nachdem er die ersten Wochen immer nur Ergebnisse eingefahren hat, die ihn offensichtlich enttäuscht haben. Der Knoten ist geplatzt!

Die Zwillinge haben beim Wiegen den Vogel abgeschossen, was aber auch abzusehen war. Weil das auf Twitter zu Verwirrung geführt hat, möchte ich als TBL-Expertin :mrgreen: mal etwas klarstellen:

Vorletzten Sonntag war wieder mal „Versuchung“. Einen ganzen Tag lang gab es immer wieder allerlei Schleckerei zu essen und das Team, das am Ende die meisten Kalorien zu sich genommen hat, gewann „Immunität“, konnte also nicht rausfliegen. Und obwohl eigentlich keiner mitgemacht hat (außer Michael, der musste aber nach sechs gewaltsam reingezwängten Energydrinks kotzen und war damit ausgeschieden), sind die Beiden völlig ausgerastet und haben zusammen ca. 10.000 Kalorien in sich reingestopft. Damit hatten sie zwar gewonnen, bekamen aber vom Trainer einen Anschiss!

Auf der Waage hatten beide dann mehrere Kilo zugenommen, konnten aber wie gesagt nicht rausfliegen. Sofern sie nicht den Rest der Woche ähnlich zugeschlagen haben, waren die Gewichtszunahme trotzdem unverhältnismäßig hoch, was viele Leute nicht verstanden haben. Genauso, wie der Gewichtsverlust in der letzten Folge unverhältnismäßig hoch gewesen war.
Es ist ganz einfach: Der Gewichtsverlust jeder Woche wird ausgehend von dem Gewicht, was man in der Woche zuvor gewogen hat, berechnet. Da die beiden ja ohnehin nicht rausfliegen konnten, haben sie sich vorher vermutlich ein paar Liter Wasser reingeknallt, was sich in dem Moment auf der Waage bemerkbar gemacht, aber natürlich langfristig keine Auswirkungen hat, denn Wasser hat bekanntlich keine Kalorien. Damit hatten sie für die nächste Woche selbstverständlich einen gewaltigen Vorteil, da sie mit einem viel höheren Startgewicht angetreten sind, als sie eigentlich tatsächlich hatten.
Das sind Tricks, die in jeder Staffel wieder auftauchen, sobald jemand Immunität hat. Ziemlich unfair, aber vermutlich nicht zu verhindern! Ich hoffe, ich konnte einige erleuchten.

Zum ersten Mal wurden übrigens beim Wiegen bei manchen Kandidaten Vorher/Nachher-Bilder eingeblendet. Der Unterschied ist wow! Und das nach so kurzer Zeit.

Ich fiebere weiterhin mit den Kandidaten mit und werde nebenbei versuchen, auch noch ein bisschen abzunehmen. Wer das als sogenanntes fat shaming versteht, dem kann ich leider immer noch nicht helfen.

Blogparade: Das leidige Thema III: Neustart!

Teil 1
Teil 2

Und damit wären wir also wieder am Anfang *seufz*

Wie sieht mein Plan für den Rest meines Lebens aus? Als allererstes natürlich: Wieder vernünftig essen. Dabei bleibt es wie gehabt: So oft wie möglich wegen meines Stoffwechsels, ausgewogen mit viel Eiweiß und wenig bösen Fett und Kohlehydraten.
Auch ist mein Essenswochenplan wieder aktiv! Ab morgen werde ich wieder nur einmal die Woche einkaufen gehen, um Zeit zu sparen und Impuls/Lustkäufe zu vermeiden. Das heißt, ich muss die gesamte Woche schon im Voraus planen. Was ich hiermit tue!

Montag gibt es den Rest meiner Aiwarsuppe. Und weil ich so lieb danach gefragt worden bin, hier mein „Rezept“ für diese kleine Köstlichkeit:

Ihr braucht:

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Nicht im Bild: NOCH MEHR passierte Tomaten.

– Suppengemüse (Sellerie, Karotten, Lauch, Zwiebeln)

– Paprika (optional – nur weil ich die noch übrig hatte)

– passierte Tomaten

– Aiwar (mild und scharf oder nur eins von beidem)

– Rinderhack

– Knoblauch und Gewürze

– Öl zum Braten

So gehts:
1. Alles Gemüse kleinhäckseln bis auf die Paprika (vom Sellerie aber nur die Hälfte, der Rest wird ebenfalls geschnitten und eingefroren)

Die Fachfrau nennt angebrannte Zwiebeln "Röstaromen"

Die Fachfrau nennt angebrannte Zwiebeln „Röstaromen“!

2. Feststellen, dass es zu viel ist. Es soll ja nicht zu gemüsig schmecken. Gut ein Drittel wegnehmen und zusammen einfrieren. Kann man gut für spätere, kleinere Portionen verwenden.

3. Großen Topf nehmen, Pflanzenöl rein tun, Gemüse anbraten/andünsten (Reihenfolge: Erst Zwiebeln und Lauch, dann Sellerie, Karotten und Paprika)

4. Separat Hack anbraten und schön braun werden lassen.

Mjami.

Mjami.

5. Gemüse ablöschen und kurz im Wasser köcheln lassen. Außer ihr vergesst das Ablöschen und kippt direkt die passierten Tomaten rein. Geht auch.

6. Zugedeckt bei mittlerer Temperatur köcheln lassen, bis das Gemüse in der Tomatensoße weich geworden ist.

7. Gemüsesuppe pürieren.

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Und die Kräuter nicht vergessen!

8. Mildes oder scharfes Aiwar nach Gusto hinzu (bei der Menge mindestens ein Glas), halbe Packung Frischkäse rein, kräftig würzen.

9. Alles schön durcheinander mischen, nach Bedarf noch Wasser dazu.

10. Hack als letztes untermischen.

11. In Schüssel kippen und fertig!

Schmeckt auch ohne Brot!

Schmeckt auch ohne Brot!

Voilá!

 

Dienstag bis Sonntag gibt es dann folgendes als Hauptmahlzeiten:

– Im Ofen gebackener Feta mit Tomaten, Oliven und Brot
– Hähnchenbrust mit Tzatziki
– Spinat mit Ei und Lachs
– Ofenkartoffeln mit Currydip und Salat

Das alles aber nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. So viel Spontanität gönne ich mir dann doch noch!
Die Zwischenmahlzeiten, wie schon mal erwähnt idealerweise 3-4 am Tag, werden je nach Kaloriengrad der Hauptmahlzeit modifiziert. Das kann sein:
– Müsli
– Joghurt
– Portion Obst oder Gemüse
– Eiweißbrot mit leichten Belag

Wer jetzt schlau war und mitgezählt hat, wird merken, dass ich für die Woche nur fünf Hauptmahlzeiten veranschlagt habe. Das hat einen Grund! Am Sonntag führt mein Chef uns Kellnerinnen nämlich im Zuge unserer verspäteten Weihnachtsfeier nämlich in ein Restaurant aus. Einmal die Woche darf ich mir sowas gönnen und werde bestellen, was ich will! Vor allem, da ER bezahlt :mrgreen:
Darüber hinaus werde ich außerdem voraussichtlich am Dienstag mal einen Obsttag einlegen.
Viele Leute machen das einmal die Woche, das ist aber gar nicht mal so gesund. Ab und zu ist das vollkommen okay, aber zu oft darf man das nicht machen. So vitaminreich Obst auch ist – der Körper braucht noch genug anderen Scheiß. Daher werde ich das am Dienstag versuchen, aber das wird auf gar keinen Fall zur Gewohnheit werden.

Womit wir beim nächsten Thema wären: Sport! Genau DER soll nämlich zur Gewohnheit werden (sind meine Übergänge nicht der Hammer!)!

Ich möchte versuchen, ab jetzt mindestens dreimal die Woche Sport zu machen. Das klingt furchtbar viel, vor allem, wenn man ein Sportmuffel ist. Aber eigentlich bin ich das gar nicht, auch wenn das vielleicht bisher so rüber kam. Ich liebe den sportlichen Wettkampf, aber ich HASSE langweilige Scheiße wie Joggen oder Crosstrainer!
Sobald es darum geht, irgendjemanden tatsächlich zu besiegen, laufe ich zur Höchstform auf. Daher mache ich am liebsten Team- oder Ballsport. Der Nachteil ist, dass man für sowas entweder einen Partner braucht, der gewillt ist, mitzumachen, oder direkt zehn-zwanzig Leute, was man meist nur ein Verein bietet.

Glücklicherweise bin ich ja immer noch Studentin!

Immer noch nicht habe ich dieses Semester das reichhaltige Sportangebot genutzt, das von der Uni völlig kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Wann hat man sowas schon mal in seinem Leben? Später werde ich mich ärgern!

Es gibt mehrere Sportarten, die für mich in Frage kommen. Erstens wäre da Badminton, was ich sogar richtig gut kann, weil ich jahrelang Tennis gespielt habe. Es macht mir Spaß, allerdings sind die Zeiten etwas ungünstig… Dennoch sind zwei Kurse in der Woche mit insgesamt vier Stunden verfügbar. Es wäre Klasse, wenn ich das nutzen könnte.

Dann hatte ich ja mal mehr als einen begehrlichen Blick Richtung Damenfußball geworfen… weil mir das eigentlich schon immer Spaß gemacht hat und Fußball auch einer der Sportarten ist, bei denen man so richtig Kalorien verbratet.
Als Kind durfte ich allerdings nicht Fußball spielen. Wirklich wahr. Meine Cousins waren praktisch beim Verein vorgemerkt seit dem Tag ihrer Geburt, aber als ich zum Fußballtraining wollte, wurde es mir verboten. Und da wundern sich Leute, warum ich Feministin bin?!
Allerdings, und es ist mir wirklich peinlich, das zuzugeben: Seit neustem habe ich ein wenig Angst davor entwickelt. Ich habe mein ganzes Leben lang gesehen, wie meine männlichen Familienmitglieder ihre diversen Bänderabrisse pflegten und das ist einfach etwas, worauf ich überhaupt keinen Bock habe. Als recht untrainierter Mensch kann mir sowas viel eher passieren als einem Hobbyspieler. Daher muss ich mir das noch überlegen, obwohl ich wirklich Bock drauf hätte 😦

Und als letztes hab ich eigentlich auch immer gerne Volleyball gespielt und war in der Schule darin auch eine der Besten, aber leider musste ich in den letzten Semestern feststellen, dass ich an der UNI eher zu den Schlechteren gehöre 😦 Und das macht mir nicht so wirklich Spaß. Außerdem tut es weh und verbraucht erstaunlich wenig Kalorien. Deshalb werde ich mir auch darüber erst nochmal Gedanken machen!

Abgesehen von den Uniangeboten habe ich jetzt aber noch was anderes entdeckt. Jahrelang bin ich hier schon im Fitnessstudio angemeldet, aber seitdem alle weg sind, die vorher mit mir mitgegangen sind, ist das auch eingeschlafen. Alleine ist es nun mal witzlos, zumal ich zum Studio ca. 20 Minuten zu Fuß latschen muss (ja, ich weiß, wie paradox das ist).

Ich war nie sonderlich zufrieden damit. Das Studio gehört zwar zu einer großen Kette, was es billig macht, aber leider auch scheiße. Beratung ist null vorhanden. Und man merkt, dass die Angestellten auch nicht so wirklich Bock haben.
Einmal habe ich einen der „Trainer“ gefragt, ob sie im Studio auch eine Körperfettwaage haben. Die Antwort war „Nein“. Einfach nur „Nein“, nicht mal „Nein, sorry“ oder so. Und dazu eine gelangweilte Fresse.
Vielleicht bin ich durch den Drill in Kundenfreundlichkeit etwas sensiblisiert, aber ich finde, dass wenigstens eine Art geheucheltes Bedauern vorhanden sein müsste! o.O Mal ganz abgesehen davon, dass ein Studio auf jeden Fall eine Körperfettwaage braucht!
Ich begann vor einer Woche, mich mal nach was besserem umzusehen. Und daher kann ich euch nur empfehlen: Vergleicht die Trainingsangebote! Ich hätte es nie für möglich gehalten, wie stark die verschiedenen Studios leistungs- und preismäßig auseinander klaffen können!
Der Preis war auch der einzige Grund, weshalb ich mein jetziges Studio wählte, aber jetzt musste ich tatsächlich sehen, dass es ein NOCH billigeres Studio gibt, das zudem privat geführt wird! Außerdem – und das ist wirklich der Hammer! – werden zahlreiche Kurse angeboten für umsonst! Aerobic, Tai Chi, Bauch-Beine-Po… und das hat KEINES der anderen Studios, die teilweise dreimal so viel kosten!

Und da gibt es doch tatsächlich einen Kickboxen-Kurs. Ich wusste nicht, wie sehr ich das wollte, bis ich es schließlich las. Ich WILL Kickboxen! Ich glaube, dieser Kurs ist für mich geschaffen. All meine Aggressionen in den Sandsack treten… genial!
Und sogar Zumba hamse! Das findet zwar zu einer beschissenen Zeit statt, nämlich samstags, was mies ist, wenn ich freitags arbeiten oder saufen muss, aber ab und zu werde ich da sicher auftauchen können. Viele halten das für eine saublöde Modeerscheinung, aber eine meiner besten Freundinnen, die ebenso wenig für langweilige Aerobic zu begeistern ist wie ich, hat damit 15 Kilo abgenommen und findet es geil! Also muss ich es mir wohl auch mal ansehen.

Gleich morgen werde ich dort aufkreuzen und nehme meinen Kumpel Tim, der Typ, bei dem ich immer wasche, mit. Der schiebt nämlich recht unglücklich eine ziemliche Wampe vor sich her und war hin und weg, als ich ihm den Kursplan zeigte und er sah, dass die tatsächlich auch einen Bauchweg-Kurs im Angebot haben. Ich hab ihm zwar gleich gesagt, dass sowas eigentlich Schmu ist – man nimmt da ab, wo der Körper will und nicht da, wo man selber will – aber dennoch möchte er sich dort jetzt auch anmelden. Das wird ein Spaß, wenn wir in Zukunft zusammen trainieren werden! Auch wenn ich den Bauchweg-Kurs dieses Mal nur wegen ihm mache. Dafür will er mir einmal beim Zumba Gesellschaft leisten :mrgreen:

Wie ihr seht, sollte es also kein Problem sein, meine Woche mit dreimal Sport zu füllen, da das Angebot mehr als üppig ist! Und wenn ich das mal ein paar Wochen gemacht habe, werden wir ja sehen, ob ich meine Essensportionen nicht doch etwas nach oben korrigieren darf…!

SUPERMOTIVATION!!! Hey-Ho, let’s go!

Blogparade: Das leidige Thema II: Die ersten Wochen

Teil 1

Besser spät als nie: Nerdbarbie hat ihren Beitrag zu unterer Blogparade schon geliefert, ich ziehe nach!
Bei dieser Blogparade geht es um das schlimmste aller Horrorthemen: Ernährung, Diät und unsere Probleme damit! Teil 1 beschäftigte sich mit unserer Leidensgeschichte, dieser Teil soll nun von den ersten Wochen einer radikalen Ernährungsumstellung handeln.
Wer Lust hat, darf natürlich immer noch mitmachen.

Nach meinem letzten Beitrag zu diesem Thema habe ich einiges geschafft, was ich mir vorgenommen habe:
1. Erhöhung meiner täglichen Mahlzeiten von einer, maximal zwei auf vier bis fünf. Angepeilt waren ja fünf, aber je nach Terminkalender schaffte ich das nicht immer. Ist aber nicht so wahnsinnig tragisch.
2. Planung meiner gesamten Ernährung im Wochenrhythmus. Das war zwar manchmal ein bisschen fies, wenn ich sonntags da saß, gerade irgendwie essenstechnisch auf gar nichts Lust hatte und trotzdem überlegen sollte, was ich die gesamte kommende Woche essen will, aber es klappte. Besonderer Vorteil: Ich musste mit der Methode nur noch einmal die Woche einkaufen gehen! Vorher bin ich fast jeden 2. Tag wegen irgendeiner Kleinigkeit ins Geschäft gerannt, nach der Ernährungsumstellung machte ich mir auf Basis meines Essensplans eine Einkaufsliste, ging das alles am Montag besorgen und damit war das für die Woche erledigt. Sparte nicht nur Zeit, sondern vermutlich auch Geld, da ich weniger Lebensmittel wegwerfen musste. Und es verhindert Impulskäufe!

Alles in allem fühlte ich mich schon wenige Tage nach Start der Ernährungsumstellung irgendwie besser und war voll motiviert, aber nicht zum ersten Mal in meinem Leben erhielt diese Motivation einen Dämpfer in Form von dummen Menschen. In diesem Fall handelte es sich um meine beiden geschätzten Mitbewohner.
Ich komme nicht umhin zu sagen: Männer! Männer wissen einen Scheiß von Ernährung. Während fast jede Frau, egal wie schlank sie durchs Leben stöckelt, sich schon mal Diäten beschäftigt hat, weil schlank ja in unserer Gesellschaft nie schlank genug sein kann, ist Männern scheißegal, was sie in sich reinstopfen. Hauptsache es schmeckt halt. Und wenn sie davon ein bisschen muggelig werden, ist das ja nicht schlimm, weil Männerwampen sind ja männlich und so.
Wobei weder Moritz, noch Mattes dick sind, im Gegenteil. Moritz täten ein paar Kilo mehr sogar ziemlich gut. Er ist einer dieser gesegneten Menschen mit hyperschnellen Stoffwechsel und zudem Vegetarier. Und Mattes ist so sportfanatisch, dass er wirklich ALLES essen kann.

Sie hatten es also noch nie nötig, sich mit Ernährung auseinander zu setzen, was sie aber nicht im Geringsten davon abhält, mir ein Ohr zu kauen!

Schlimm war es in meiner ersten Woche. Ich hatte mir vorgenommen, auf Vorrat Aiwar-Suppe zu kochen.
Aiwar-Suppe habe ich als Partysnack kennengelernt. Eine Suppe auf Tomatenbasis mit viel Aiwar (sach bloß), Hackfleisch und Schmelzkäse. Schmeckt hammergeil. Logisch, bei dem Fett. Das gehörte also modifiziert: Statt Unmengen Sahnekäse würzte ich die Suppe lediglich mit ein wenig Frischkäse. Ansonsten bestand sie aus Suppengrün, Paprika, wahnsinnig viel passierten Tomaten und eben Aiwar. Separat briet ich das Hackfleisch an und weil ich eine extrem nette Mitbewohnerin bin, klopfte ich an Moritz‘ Tür, um ihm ein wenig von der Suppe anzubieten, bevor ich das Fleisch reinkippe.

Und da fing das Elend an. Moritz bedankte sich mit den Worten: „Gerne, gib mir was von deiner Fettsuppe.“

Ich stand da wie vom Donner gerührt. „Das ist doch keine Fettsuppe!“ rief ich empört.
„Na, da ist doch Frischkäse drin.“

Man sah mich völlig fassungslos. „Ja, na und? Eine halbe Packung Frischkäse auf drei Liter (!) Suppe machts ja wohl noch nicht zur Fettsuppe!“

„Und das Fleisch?“

„Rinderhack. Überhaupt nicht schlimm!“

Moritz lächelte hintergründig, so nach dem Motto „Ich lass die Alte wohl besser mal labern“. Ich hätte ihm an die Gurgel springen können.
„Übrigens ist es auch gar nicht so gut, Gemüse komplett ohne Fett zu essen!“

Das wischte das Lächeln aus seinem Gesicht. „Hä?“

„Viele Gemüsesorten beinhalten lipophile Vitamine. Das heißt, dass die Vitamine mit ein wenig Fett aufgenommen werden müssen, damit sie überhaupt verarbeitet werden können.“

Moritz war eindeutig fassungslos. „Äh, da hab ich aber schon oft das Gegenteil gehört,“ stammelte er.
Nein, NIEMAND sagt das Gegenteil! Ich habe noch NIE irgendwo gelesen, dass es schlecht sein soll, Gemüse mit Fett zu essen! Das sagte ich ihm auch. Und außerdem: „Natürlich sollte es schon gutes Fett sein.“

Und jetzt war es bei Moritz eindeutig vorbei. So verständnislos habe ich ihn noch nie gesehen. „Was ist denn GUTES Fett?“
Will der mich verarschen? „Na, pflanzliche Öle vor allem. Olivenöl zum Beispiel. Heißt natürlich nicht, dass man davon so viel nehmen kann wie man will, aber trotzdem ist das ein gutes Fett. Gesund halt.“

Ich dachte immer noch an einen Joke, aber irgendwann wurde mir durch seinen entgeisterten Gesichtsausdruck klar, dass Moritz, so unfassbar mir das auch vorkam, tatsächlich noch NIE von sowas gehört hatte.
Das war so dermaßen unglaublich. Ich bin eigentlich fest davon ausgegangen, dass sowas Allgemeinwissen ist. Offensichtlich doch nicht. Was ist nur passiert? Bin ich nach all den quälenden Diätjahren ohne es wirklich zu wollen zur Ernährungsexpertin geworden?

Während dieses kleinen Intermezzos war auch Mattes aufgetaucht, der sich sogleich nachsichtig einmischte. „Na, ne Fettsuppe isses wohl nicht, aber ne Abnehmsuppe wohl auch nicht.“
„ÄH – DOCH!“

„Wirklich? Mit der ganzen Tomatensoße?“

Ich krieg die Krise!!! Seit wann sind Tomaten Kalorienbomben?!

Ich rechnete den beiden minutiös vor, wie viele Kalorien die gesamte Suppe inklusive Fleischeinlage hatte. Das war zwar ein bisschen schwer, weil ich mir Kalorien von Gemüse (sowie Obst) grundsätzlich nie gemerkt habe, da man bis auf ein paar Ausnahmen (Avocado zum Bespiel) Gemüse essen kann, bis man platzt, ohne dass sich dies nennenswert auf das Kalorienkonto niederschlägt und ich es als krankhaft empfinde, selbst da die Kalorien zu zählen, aber sei es drum. Ich kalkulierte absichtlich hoch, damit man mir nicht nachsagen kann, ich würde schummeln – und kam auf etwa 1500 Kalorien. Wohlgemerkt, wie schon erwähnt: Das waren DREI LITER Suppe! Ich habe davon vier Tage gegessen und hatte sogar noch was übrig (das bekam ich aber beim besten Willen nicht mehr runter, so lecker sie auch war!).

Moritz und Mattes schwiegen beide kurz. Ich konnte ihnen ansehen, dass sie damit eigentlich überhaupt nichts anfangen konnten, aber natürlich gaben sie es nicht zu. Meine Fresse nochmal!!

„Naja, Brokkoli wäre vermutlich effektiver,“ gab Mattes schließlich von sich. „Oder Karotten.“

„Eigentlich würde man wohl total viel abnehmen, wenn man nur Karotten isst,“ stimmte Moritz zu. Woraufhin sie in ein Fachgespräch darüber versanken, wie toll es ist, während einer Diät nur Karotten zu essen.

Ich stand da und biss fast in die Arbeitsplatte. KEINE AHNUNG VON NICHTS, ABER DIE FRESSE AUFREISSEN!!!

Im Gegensatz zu den beiden HABE ich schon mal Tage in meinem Leben gehabt, an denen ich nur Karotten aß. Elende Folter ist das. Und Brokkoli? Ich mag keinen Brokkoli.
Es gibt immer etwas, was NOCH kalorienärmer ist, aber dies ist nun mal keine Diät, sondern eine Ernährungsumstellung. Eine Ernährungsumstellung heißt, so zu essen, wie man nötigenfalls sein gesamtes Leben lang essen könnte. Das klappt nicht auf die Quälmethode! Und irgendwie soll es ja auch schmecken.
Klar, ich hätte z.B. den Frischkäse weglassen können. Hätte 300 Kalorien gespart. Aber es hätte auch wesentlich weniger gut geschmeckt. So siehts aus!

Einen letzten Klopper hatte Mattes dann am Schluss noch für mich. „Kohlrabi ist auch gut. Je mehr Kohlrabi man isst, desto mehr nimmt man ab.“

Ich: „Tze… falsch.“

Mattes: „Das stimmt!“

Ich: „Nein, tut es nicht. Erstens verwechselst du das, glaube ich, gerade mit Kohl, und zweitens gibt es keine negativen Kalorien.“

Ente Ente Ente Ente!!!

Ente Ente Ente Ente!!!

Mattes wurde richtig sauer. „Nein, wenn ich Kohlrabi sage, meine ich auch Kohlrabi!“

„Trotzdem gibt es keine negativen Kalorien. Das einzige, was du zu dir nehmen kannst und was mehr Kalorien verbraucht als es dir liefert, ist sehr kaltes Wasser, weil der Körper Energie verbraucht, um es auf Körpertemperatur zu bringen. Aber der Effekt ist so geringfügig, dass dir das auch nichts bringt.“

Obwohl meine präzisen Antworten wohl mehr als hinreichend bewiesen, dass ich irgendwie ein bisschen mehr Ahnung hatte als er selbst, beharrte Mattes auf seinen Standpunkt: Je mehr Kohlrabi, desto mehr nimmt man ab! Immerhin hätte er das ja mal irgendwo gelesen.

Ich hatte die Schnauze voll. Ich googelte „negative Kalorien“ und knallte ihm das eindeutige Ergebnis vor die Nase. Woraufhin er wenigstens ein bisschen kleinlaut wurde.

Und ich endlich in Ruhe meine beschissene Suppe essen durfte.

Naja – dies nur als kleine Impression davon, was man sich als Frau mit Gewichtsoptimierungsvorsatz so anhören darf.

Vier Wochen zog ich mein Programm durch und verlor drei Kilo. Das war toll, aber dann wurde ich einmal schwach und aß abends bei einem Kumpel noch eine Pizza, obwohl ich mittags schon warm gegessen hatte.
Boom, die Waage sagte am Tag darauf: 1,5 Kilo mehr.

Ich hätte fast mein Zimmer auseinander genommen. Das ist einfach verdammt noch mal nicht fair, dachte ich. Ich kann mich nicht mein gesamtes Leben lang sklavisch an meinen Plan halten! Ich hasse diese Scheiße!!! Dann kann ich es ja auch gleich sein lassen!!!

Dabei weiß ich, wie falsch das ist. Die eine Pizza hat es nicht rein gerissen. Ich hätte die 1,5 Kilo direkt wieder unten gehabt, wenn ich nur weiter standhaft geblieben wäre.
Aber meine Motivation war am Boden. Außerdem stand Weihnachten vor der Tür. Gemäßigt essen an Weihnachten? Kann man vergessen. Allein schon der Versuch ist reine Quälerei. Und nach Weihnachten kommt Silvester, was auch nicht gerade niedrigkalorisch ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich beendete das Projekt „Ernährungsumstellung“, knallte den Stempel „Teilerfolg“ drauf (immerhin, 3 Kilo in 4 Wochen, es klappt also… Mattes hat zwar GELACHT, als er das hörte, aber in der Tat ist das gar nicht mal so wenig ohne Sport) und verschob den Reboot auf nächstes Jahr.

Womit wir jetzt in der Gegenwart angekommen wären.

Aber wie das jetzt alles weiter gehen wird, was ich plane und vor allem: Was ich esse – das verschiebe ich auf den nächsten Beitrag.