Kurzer Halloweengruß

Es ist soweit, und das wie jedes Jahr völlig plötzlich und total überraschend: Der schönste Feiertag des Jahres! Halloween!!!

halloweenpumkin

An dieser Stelle möchte ich einfach nur ein kleines Hallo an alle dalassen, die sich nach meinem letzten Beitrag in den Kommentaren oder per Mail bei mir gemeldet und mir Mut zugesprochen haben. Viel mehr ist mir dieses Jahr zu diesem Festtag leider nicht möglich.
Die letzten Wochen waren depressionsbedingt sehr hart, aber wenigstens heute geht es mir ziemlich gut. So freue ich mich nicht nur drauf, heute Abend hammergeil kostümiert wie immer die Stadt unsicher zu machen, sondern feiere auch, dass ich mich nun schon das fünfte Jahr in Folge mit der Ausrede vor der Arbeit drücken konnte, Halloween sei für mich ein religiöser Feiertag (was stimmt).

Was die kommenden Wochen und Monate angeht, bin ich nun auch recht zuversichtlich, denn anders als befürchtet habe ich dank meiner Therapeutin noch diese Woche einen Termin bei einem Psychiater bekommen (das hätte, nur der Vollständigkeit halber, ohne ihre Intervention BIS MÄRZ gedauert. MÄRZ.), der mir nun Antidepressiva verschrieben hat. Diese werde ich ab Montag nehmen und hoffe, dass es was bringt.

Damit hat der Winter für mich ein wenig den Schrecken verloren, aber wenigstens heute soll der Tod und das Sterben trotzdem zelebriert werden. Weil… das gehört sich so an Halloween und ist SEHR GESUND!

Feiert schön, liebe Leute. Life’s no fun without a good scare – viel mehr bleibt uns auf dieser Welt und in diesem Leben auch nicht mehr übrig.

Und wenn ihr dazu noch was schönes zum Lesen wollt, hier nochmal meine Halloweenbeiträge vom letzten Jahr:
Die große Halloween-Blogparade
Meine fünf schlimmsten Horrorfilme
Spielereview: Betrayal at House on the Hill
Stephen Kings fünf beste Kurzgeschichten
Die fünf besten Halloween-Serienspecials
Minimalistische Partytipps

Und natürlich die gruseligste Halloweengeschichte aller Zeiten:
Halloween Horror Happening

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[Halloween-Special]: Die fünf Filme, die ich niemandem empfehlen will

Horrorfilme sind das Medium der Wahl an einem Halloweenabend zuhause – was liegt da näher, als den schrecklichsten Filmen, die ich je gesehen habe, einen eigenen Platz in meinem Halloweenspecial einzuräumen?

Was ist der Unterschied zwischen einem guten Film und einem guten HORRORfilm?
Ganz einfach: Ersterer empfiehlt man jedem weiter – aber genau das kann man bei den schlimmsten Horrorfilmen nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Was ja nun beweist, dass der Film gut war. Also gut schlimm. Weil er ja schlimm sein wollte und darin gut war. Also… ihr wisst was ich meine.

Vielleicht findet ihr diese Liste ja lame. Aber für mich jedenfalls steht fest, dass ich keinen der folgenden Filme nochmal sehen will… nein… kann!

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Platz 5: Wenn der Wind weht
When the wind blows, GB 1986
Story: Der Kalte Krieg eskaliert und eine Atombombe fällt auf England. Ein herziges älteres Ehepaar harrt frohgemut in seinem einsamen Cottage aus und wartet voll Vertrauen in seine Regierung auf Hilfe, die niemals kommt.
wenn der wind weht
Jap, richtig gesehen: Das ist kein Horrorfilm. Das ist nicht mal ein Realfilm. Es ist Zeichentrick und als solcher sogar rein optisch voll freundlich. Das ältere Pärchen wirkt echt schön harmlos, überhaupt ist es halt Zeichentrick und das bedeutet „für Kinder“, auch, wenn es um einen Atomkrieg geht – what could possibly go wrong?
Wenn euch jetzt eine böse Ahnung kam, dann liegt ihr richtig: Meine Eltern haben mich eines Sonntag Nachmittags vor diesen Film gesetzt zu einer Zeit, als ich kaum meinen eigenen Namen schreiben konnte.

Die gute Nachricht: Um die Grauenhaftigkeit der Handlung zu verstehen, braucht man etwas mehr Allgemeinwissen, als ein Grundschüler gemeinhin hat.
Die schlechte Nachricht: Als ich den Film, von dem ich nur eine ganz verschwommene Erinnerung hatte, vor einigen Jahren als Erwachsene nochmal sah, knallte er dafür umso härter rein. Vielleicht, weil ich mich an meine kindlichen Reaktionen darauf erinnern konnte und die beiden Protagonisten auch ein bisschen wie Kinder sind. Vielleicht, weil ich ihre Idee, Regenwasser zu sammeln, als ihnen ihr Trinkwasser ausgeht, als Kind sehr schlau fand, während mir zwanzig Jahre später schon beim puren Gedanken daran die Haare ausfielen.

Das ist Horror der realen Sorte. Nichts entsetzt mich mehr als der Gedanke an einen Atomkrieg. Höchstens der Gedanke an Idioten, die Atomkraftwerke immer noch für sicher halten. Und weil mir Wenn der Wind weht diese Vorstellungen mal wieder eindrücklich zurück ins Gedächtnis gebracht hat, und zwar tagelang nach der zweiten Sichtung, kann dieser Film zurecht einen Platz in meiner persönlichen Horrorfilmliste beanspruchen – auch wenn er nur Zeichentrick ist.
(Und ja, ich weiß: Die letzten Glühwürmchen ist NOCH schlimmer. Das haben mir schon ungefähr hundert Leute versichert, als würde mich das dazu bringen, mir diesen Film anzusehen, wenn ich schon Wenn der Wind weht nicht nochmal sehen will. Vergesst es einfach. It’s not going to happen.)

Platz 4: The Ring
The Ring, USA/Japan 2002
Story: Ein dämonisches Video kursiert unter Jugendlichen und jeder, der es sich ansieht, stirbt nach genau sieben Tagen. Eine Journalistin kuckt es blöderweise und versucht, sein Geheimnis zu ergründen, bevor sie es auch erwischt!
the ring
The Ring – ein zeitloser Klassiker für die einen. Für die anderen genauso unmodern und lame wie ne alte VHS. Nichts könnte falscher sein!
Es gibt den subtilen Horror, der in alten Herrenhäusern beheimatet ist. Dann gibt es den brachialen Horror der Saw-Reihe. Und dann gibt es den surrealen Horror, für den das Video aus The Ring das beste Beispiel ist. Und so etwas macht mich einfach vollkommen fertig. Ich kann mir das nicht ansehen. Jedenfalls nicht mehr in lang.
Nachdem ich den Film das erste Mal gesehen hatte, dachte ich, ich könnte meine Mutter damit schocken – und endete als ein fest an sie gepresstes, zusammengekauertes Etwas, während ihr der Film am Arsch vorbei ging, denn sie ist die Generation Evil Dead, für die „Horror“ hektoliterweise Kunstblut bedeutet. Aber ich brauch das nicht. Das finde ich höchstens eklig. Aber The Ring, nein… nie wieder.

Platz 3: The Grudge
The Grudge, USA/Japan, 2004
Story: In nem japanischen Haus passiert ein grausamer Mord oder so und weil der besonders schlimm war oder weil das eine Mordopfer irgendwie magisch begabt war oder so finden die Toten keine Ruhe und suchen jeden heim, der das Haus betritt.
the grudge
Oder so. Genau weiß ich das nicht mehr, weil der Film mich noch fertiger gemacht hat als The Ring und ich ihn deshalb nur einmal gesehen habe. Zwar wirkt manches von The Ring abgekupfert, aber einige… ich nenne es mal „nette Details“ sind doch recht originell. Und surreal. Auf ganz grauenvolle Weise (ich sag nur: der miauende Junge!!).
Dazu kommt, dass ich den Film davon abgesehen, dass er mich völlig zerstört hat, wie es sich für einen Horrorfilm gehört, eigentlich gar nicht besonders gut finde, weshalb meine Toleranz dafür niedriger ist als bei The Ring. In ein paar Jahrzehnten könnte ich mich vielleicht darauf einlassen, The Ring noch mal ne Chance zu geben, weil er einfach grandios ist, aber bei The Grudge sticht dieser Bonus nicht. Zu doofe Story, zu viele random Schockeffekte, keine allzu überzeugenden Schauspieler… muss also definitiv nicht mehr sein! Und findet ihr nicht auch, dass schon allein das Wort „Grudge“ so einen unangenehmen Klang hat?

Platz 2: Funny Games U.S.
Funny Games, USA/GB/Frankreich/Österreich 2007
Story: Eine Familie mietet sich in ein Haus am See ein. Zwei Nachbarn klopfen und fragen höflich nach Eiern. Und dann fangen sie einfach so an, die Familie zu foltern. Well.
Funny-Games-U.S.
Okay, was haben wir bis jetzt? Es gibt den realen Horror, den subtilen Horror, den brachialen Horror und den surrealen Horror… gehört Funny Games auch in die letzte Kategorie? Nun, es fängt vielleicht so an (ich meine, sie mogeln sich ins Haus, indem sie um EIER bitten. EIER.), aber dann wird es doch eher brachial. Nicht so blutig-brachial wie halt bei Saw, sondern völlig psychopathisch. Denn diese Typen haben keinerlei Motivation für ihr Handeln. Sie sind einfach Psychos. Und solche Menschen, meine lieben Leser, machen wohl jedem Angst, denn sie sind nicht im Geringsten kontrollierbar oder resozialisierbar. Wenn das Böse existiert, dann in psychopathischen Menschen. Und das ist doch wohl echt Horror, oder?
In diesem Film wird außerdem ein ehernes Horrorfilm-Gesetz verletzt: Man tötet keine Kinder. Jedenfalls nicht so sinnlos. Das tut man einfach nicht.
Dennoch ist der Film einfach grandios in seiner sinnlosen Bösartigkeit. Ich bin mir nicht sicher, ob das irgendwie ne Message haben soll; es kann eigentlich nur Mist dabei heraus kommen, wenn ich mir jetzt eine herbei interpretiere. Lassen wir das. Ich würde ihn nicht noch mal sehen wollen, aber irgendwie vermag ich darin doch so etwas wie einen künstlerischen Anspruch zu entdecken.

Nur fragt mich bitte nicht, wie der aussehen soll.

Ich empfehle übrigens dringend das U.S.-Remake, auch wenn das lediglich eine 1-zu-1-Umsetzung des österreichischen Originals ist und der seriöse Filmfan von Welt wohl automatisch zum früheren Werk greifen würde. Tut es nicht. Für Ösis ist das vermutlich nicht so schlimm, aber mir hat der Dialekt bereits nach fünf Sätzen jegliche Atmosphäre vernichtet, weshalb ich lieber die amerikanische, ordentlich synchronisierte Fassung gewählt habe.

Platz 1: Martyrs
Martyrs, Frankreich 2008
Story: Ein kleines Mädchen wird gefoltert, kann aber flüchten und findet in einem Waisenhaus eine treue Freundin. Genau die muss der inzwischen erwachsenen Frau beistehen, als diese Jahre später zufällig ihre Peiniger, die nie gefasst worden sind, auf einem Bild in der Zeitung erkennt. Sie nimmt Rache an der gesamten Familie, doch damit ist der Horror für beide noch lange nicht zu Ende…
martyrs
Hier ist sie. Meine Number One. Ein Film, der mich mehr verstört hat als jeder andere, den ich je gesehen habe. Ein Meisterwerk, irgendwie – und trotzdem ein Film, vor dessen Konsum ich einfach nur abraten kann!

Möglicherweise würde er euch aber gar nichts ausmachen. Ich war die Einzige, die nach dem Abspann vor lauter Zittern kaum ihre Zigarette halten konnte, während der Rest rumnölte, weil der Film sich gegen Ende so gezogen hätte. Da sieht man mal, wie abgestumpft Horrorfans sein können. Ich hatte dennoch das Gefühl, dieser Film habe irgendwas tief in meinem Inneren verletzt. Egal, wie blöd das jetzt klingt.

Und dabei könnte ich nicht mal sagen, was das genau war. Überhaupt scheint es bei diesem Film krasse Probleme wegen dem FSK zu geben. Ich verstehe nicht mal wieso, obwohl ich ihn ungeschnitten gesehen habe. Gore-Elemente fehlen, auch Schockmomente im klassischen Sinn gibt es kaum, die brutalen Szenen stinken gegen Saw (um den NOCH MAL zu erwähnen) total ab… was soll man da schneiden?
Es gibt eine Szene, die sich mir regelrecht eingebrannt hat. Eine junge Frau liegt bewegungslos auf einer Matratze, über ihr kniend ihr Folterknecht, der ihr seine Faust ins Gesicht rammt, immer wieder. Ich weiß nicht, weshalb mich das mehr schockiert hat als ne umgedrehte Bärenfalle bei Saw oder ne durchtrennte Achillesferse bei Hostel. Ich glaube auch nicht, dass man so etwas schneiden kann, wenn man andererseits ne umgedrehte Bärenfalle oder ne durchtrennte Achillesferse durchgehen lässt.

Und trotzdem… Martyrs ist, warum auch immer, ein schrecklicher Film. Wenn euch das neugierig gemacht hat, dann seht ihn euch an… und vielleicht könnt ihr mir dann ja erklären, was ihn so verstörend macht.
Aber ich empfehle es euch nicht. Ich – empfehle – es – euch – nicht!

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Weitere Halloween-Specials:
Die große Halloween-Blogparade

[Halloween-Special] Halloween-Blogparade!

Ich eröffne mein Special mit einer Blogparade, und ja, die Fragen habe ich mir ganz allein ausgedacht 😀

Das Thema ist nicht nur der Feiertag Halloween an sich, sondern alles, was man so gemeinhin damit verbindet: Das Jenseits, der Tod, Horror, Grusel, das Übersinnliche, Spannung, Angst, die Faszination für das Morbide und so weiter und so fort. Ihr könnt also auch mitmachen, wenn ihr Halloween nicht mögt!

Die Regeln sind denkbar einfach:
– Beantwortet die Fragen auf eurem Blog (oder, falls ihr keinen habt, auch gerne in den Kommentaren) – am besten noch vor Halloween!
– Fordert eure Leser auf, mitzumachen oder nominiert gezielt Leute!
– Hinterlasst mir hier einen Link, damit ich und andere eure Antworten auch lesen können 🙂

Los geht’s!

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1. Für die einen ist es ein blöder Ami-Brauch, für die anderen ein ernsthafter Feiertag: Wie ist deine Meinung zu Halloween?
Tja, ich LIEBE Halloween – Überraschung 😀
Normalerweise bin ich sehr kritisch, was Traditionen angeht, die aus Amerika kommen, aber da es sich hier um einen Re-Import handelt und das eigentliche Halloween auf irische Bräuche zurück geht, bin ich total okay damit! Zumal ich es einfach LIEBE, mich zu verkleiden und es wichtig finde, einen Tag zu haben, in dem der Tod und das Makabere im Mittelpunkt steht.

2. Feierst du Halloween und wenn ja, wie?
Ich dekoriere zuhause ein bisschen gruselig (ein Kürbis darf natürlich nicht fehlen!) und schmeiße mich leidenschaftlich in mein Kostüm. An diesem Tag sollten alle verrückt sein, also verhalte ich mich auch so. Joker-verrückt, nicht Karneval-verrückt!
Mein Wunschhalloween würde darin bestehen, eine große Party zu schmeißen, auf der getrunken und gegessen werden darf, aber trotzdem das Übersinnliche zelebriert wird. Leider nimmt niemand, den ich kenne, den Feiertag ernst genug, um so etwas zu machen. Im Gegenteil, die meisten Leute verkleiden sich ja nicht mal! Das ist unglaublich schade. Ich werde also wie jedes Jahr Süßkram für Kinder kaufen, die nicht kommen werden, mit Leuten trinken, für die Halloween nur ein weiterer Grund zum Saufen ist, und darauf hoffen, dass sich der Feiertag irgendwann richtig etabliert, um Halloween auch mal nach meinen Wünschen erleben zu können…

3. Was ist dein Lieblingskostüm?
Eines, das ich mir ganz allein ausgedacht habe 😀 Ich nenne es das postapokalyptische Scary-Clown-Chaosdämon-Kostüm. Wie das aussehen kann, verrate ich in den nächsten Tagen 😀 Allgemein aber ist es in meinen Augen ein MUSS, an Halloween als irgendwas gruseliges zu gehen! Sexy Krankenschwester kann man immer noch an Karneval sein!

4. Was war dein Kindheitsmonster?
Oh Gott, seid gewarnt – DAS HIER:
Halloween
Das ist die Hauptperson aus „Hans, mein Igel“, einem Märchen, das in der Serie „Jim Hensons beste Geschichten“ im Fernsehen lief, als ich zarte vier Jahre alt war.
UND DAS HAT MICH NACHHALTIG TRAUMATISIERT! Denn jetzt mal ehrlich – wie ekelhaft ist DAS bitte? In einem Kinderprogramm?
Mag sein, dass das Kostüm gut gemacht war und so, aber ich hatte jahrelang Angst vor dem „Igelmann“! Und wie ich finde – völlig zurecht!

5. Viele Leute schwören, nicht abergläubisch zu sein. Aber Hand auf’s Herz: Jeder glaubt doch irgendwie, Glück und Pech beeinflussen zu können. Welchem Aberglauben hängst du an?
Hm, ich sag mal so: Ich kann natürlich unter Leitern durchgehen oder einen Regenschirm im Haus öffnen. Es bricht mir aber auch kein Zacken aus der Krone, wenn ich das halt nicht tue. Oder wenn ich mir ein bisschen Salz über die Schulter werfe, wenn der Streuer umgekippt ist. Also, wenn der Arbeitsaufwand so gering ist, dann ist auf Nummer Sicher gehen doch eigentlich sehr vernünftig, oder? 🙂
Nur das mit den schwarzen Katzen, das ist selbstverständlich bösartige Propaganda, denn Katzen sind immer toll, egal was sie für ne Farbe haben.

7. Glaubst du an Geister?
Natürlich glaube ich nicht daran, dass Tote einfach durch die Luft schweben und „buuuuuh“ rufen. Aber so ne Energie, eine Art Lebenskraft einer Seele, die sich nach dem Tod vom Körper löst und eine andere Ebene bewohnt und von da aus die Lebenden mit nem grauenvollen Geheul von unvorstellbaren Schmerzen quält, also, DAS gibt’s auf jeden Fall!
Das ist von „Malcolm Mittendrin“ geklaut, weil ich es selbst nicht besser formulieren könnte 😀 Aber ernsthaft: Ich glaube, dass Menschen etwas zurück lassen, wenn sie sterben. Wissenschaftlich betrachtet führt da auch kein Weg dran vorbei! Schon mal was vom Energieerhaltungssatz gehört?!
science bitch

8. Der Tod lauert überall… In welcher Situation ist dir mal der Gedanke gekommen: „Ich hätte gerade sterben können?“
Tatsächlich hatte ich in letzter Zeit öfter solche Gedanken. Es ist erstaunlich, wie manchmal wenige Sekunden oder Zentimeter, beispielsweise an einem Abhang, über Leben und Tod entscheiden können…
Wie sehr man manchmal Glück hat und welche seltsamen Zufälle es gibt, weiß ich, seitdem ich einmal ein Brandloch in dem Laken auf meinem Bett entdeckt habe. Zuerst konnte ich mir das gar nicht erklären. Ich rauche nicht im Bett und außerdem war es an der Seite, also ne echt komische Stelle… Wie war es da hin gekommen?
Schließlich fand ich die Lösung. Ich hatte mich ein paar Tage zuvor auf meinem Bett sitzend geschminkt. Der Kosmetikspiegel stand immer noch neben meinem Bett. Nun hat durch mein Fenster die Sonne geschienen und der Spiegel hat die Sonnenstrahlen in einem Winkel auf das Bett reflektiert, dass genug Hitze entstand, um tatsächlich ein Loch in mein Laken zu brennen. Es war pures Glück, dass nichts schlimmeres passiert ist. Ich war zu dem Zeitpunkt nicht da, also wäre ich nicht gestorben, aber trotzdem hätte das ganze Haus abfackeln können.
Das sind so Dinge, die mich einfach sprachlos machen. Denkt ihr, die Feuerwehr hätte mir das abgekauft?

9. In unserer heutigen Zeit wird der Tod gerne ausgeblendet. Wie gehst du persönlich damit um?
Der erste Tote, den ich in echt gesehen habe, war mein Opa. Er starb völlig überraschend, während ich nicht zuhause war, aber sobald ich den Anruf bekam, fuhr ich zurück. Ich kam noch rechtzeitig an, bevor er abgeholt wurde und darüber war ich sehr froh.
Ich glaube, wir auf dem Land händeln das noch anders. Mir war es sehr wichtig, ihn noch einmal sehen und berühren zu können. In dem Moment war die Trauer noch zu frisch, aber rückblickend betrachtet hilft so etwas sehr, denke ich.
Die größte Angst, die ich vor dem Tod habe ist, dass danach tatsächlich alles vorbei ist, als würde man einen Schalter umlegen. Ich glaube aber nicht daran. Und wenn es nur eine Illusion meines sterbenden Gehirns ist, die mir vorgaukelt, meine letzte Sekunde würde sich zu Äonen dehnen… irgendetwas wird danach kommen. Fragt sich nur, was. Ich hoffe, ich lebe lange genug, bis ich die Spannung von allein nicht mehr aushalte 😉

10. Ich lege dir 1000 Euro in bar auf den Tisch und einen Zettel, auf dem steht „Hiermit verkaufe ich dem Besitzer dieses Vertrags meine Seele“. Würdest du das Geld nehmen und ihn unterschreiben?
Ein faustischer Vertrag? Ganz klar: Nein. Auch nicht für eine Million. Denn ich glaube an eine Seele. Kann man albern finden, aber lustigerweise zögern sogar Menschen, auf die das angeblich nicht zutrifft, bei dieser Frage ganz oft 😀

Bonusfrage*: Wem würdest du gerne mal einen Halloweenstreich (Haus in Toilettenpapier wickeln oder gerne auch kreativer) spielen?
Das muss nicht unbedingt an Halloween sein, aber eine Person hat es echt verdient: Mein Mitbewohner Dave. Der weiß ganz genau, dass ich Angst vor Krabbelviechs habe. Und was tut er? Setzt ne Plastikkakerlake in meine Teebox. Ohne Worte. Ich wäre fast gestorben. Und da sinne ich immer noch auf Rache.
Aber was tun? Ich habe lange gegrübelt und bin zum Schluss gekommen, dass ich irgendwie doch erwachsener bin als ich dachte. Jede Idee wurde von mir wieder verworfen. Irgendetwas in seinem Zimmer anstellen, während er nicht da ist? Uncool, das wäre ein Eingriff in seine Privatsphäre. Zucker in den Salzstreuer? Meh, dann versaut er sich sein Essen, aber Lebensmittelverschwendung ist nicht lustig. Und so weiter und so fort. Es darf nicht weh tun, ihn nicht demütigen, nichts darf kaputt gehen etc. pp. Nur, was bleibt denn da noch?!
Ich hoffe, irgendwann fällt mir was ein – oder ich muss mir ein Opfer suchen, bei dem mir die negativen Folgen egal sind 😀

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So, mir wären noch tausend weitere Fragen eingefallen, aber mehr als zehn sollten es vermutlich nicht sein. Ich hoffe, irgendjemand macht mit! Jeder darf sie beantworten, aber trotzdem nominiere ich mal den Hemator, die Karo, die Friedl und die Hijack, weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass die noch am ehesten für sowas zu begeistern sind 😀 Aber auch alle anderen sind herzlich eingeladen! Ich bin gespannt auf eure Antworten!

*Edit: Ich bin so doof! Karo musste mich erst darauf aufmerksam machen, aber tatsächlich sind es nicht 10 Fragen geworden, sondern nur 9! Und ich habe mich noch gewundert, warum das so schnell vorbei war…
Jedenfalls habe ich Karos Bonusfrage einfach mal auch bei mir ergänzt!

Thementage: My very own Halloween-Special!

Life’s no fun without a good scare!
– The Nightmare before Christmas

Damit hier mal wieder etwas Leben in die Bude kommt und weil ich das eigentlich schon letztes Jahr machen wollte, aber keine Zeit hatte, ist es dieses Mal endlich soweit – my very own Halloween-Special!

Es wird ähnlich laufen wie bei meinen vergangenen Thementagen, nur sind dieses Mal nicht fünf Tage, nicht eine Woche, nein, sondern ganze ZEHN Tage geplant!
Und worum wird es gehen? Natürlich – Halloween! Und alles, was damit zusammen hängt. Das da wären Grusel, das Übersinnliche, Tod, Zerstörung, Chaos, you name it!

Konkret werde ich Horror in verschiedenen Medien thematisieren, Rezensionen liefern, kleine Partytipps für euren eigenen Halloweenspaß geben, euch zeigen, wie ihr für wenig Geld und mit Sachen, die ihr zuhause habt, ein krass-geiles Kostüm basteln könnt und ganz allgemein versuchen, ein bisschen Halloweenglitzer in eure Herzen zu zaubern 😀 Denn ja, ich weiß, in Deutschland will dieser wunderbare Brauch einfach nicht so wirklich Fuß fassen, auch wenn sogar Pläne existieren, im Jahr 2017 Halloween zum Feiertag zu erheben…!

Tatsächlich bestehen diese Pläne für den Reformationstag, der ja nun leider auf Halloween fällt, aber da mir der Reformationstag am Arsch vorbei geht, verbreite ich gerne weiter obige Falschmeldung!

 
Ich aber liebe Halloween und für mich ist es der schönste Feiertag im Jahr. Ich halte ihn sogar für wichtig. In unserer Spaßgesellschaft wird so vieles gerne ausgeblendet und rationalisiert – da ist EIN Tag im Jahr, an dem wir uns bewusst machen, dass der Tod existiert und uns alle irgendwann holen wird, doch wirklich nicht zu viel verlangt 🙂

Und Geister. Es geht irgendwie auch um Geister. Natürlich!

Der Anfang wird morgen eine Blogparade machen, zu der ich euch herzlich einlade. Bis dahin schöne Alpträume und behaltet den Himmel im Auge…

Meine anderen Thementage:
Kinderserien meiner, äh, Kindheit
Meine Top 7 Alben aller Zeiten
Ich war jung und brauchte das Geld!

Halloween Horror Happening

Die schlimmsten Horrorstories werden nicht an Halloween erzählt. Nein, man erlebt sie an Halloween. Deswegen muss man solche grauenhaften Schrecklichkeiten dann nachreichen, auch wenn jeder andere diesen Feiertag in dem Moment abhakt, in dem der Kater an Allerheiligen endlich vergeht.

Aber manche Dinge sind zu entsetzlich, als dass der Mensch sie alleine ertragen könnte. Ich werde diese Geschichte EINMAL erzählen – um dann hoffentlich wieder richtig schlafen zu können.

Wie fängt eine Horrorstory an? Natürlich harmlos. Natürlich so:

Es war Halloween, für mich einer der schönsten Tage des Jahres. Den ganzen Mittag war ich in der Stadt rumgerannt, um die letzten Details für mein Kostüm zu kaufen. Später schminkte ich mich, während die besten Mitbewohner der Welt „Tanz der Teufel“ über den Beamer laufen ließen – der perfekte Streifen, um sich schon mal so richtig in Stimmung zu bringen.
Natürlich floss auch da bereits eine Menge Alkohol.

Mein Kostüm stellte mich zufrieden. Spätestens Mitbewohner Daves Reaktion, der normalerweise niemals an Spott und Herablassung spart, zeigte mir den Erfolg meiner Verwandlung. Er sagte nämlich nichts, grinste nur schief. In seiner Sprache heißt das: „Sieht ja ECHT gut aus… hätte ich nicht gedacht.“

Leider war die Abendplanung nicht ganz so ideal. Wieder mal hatten mich alle Freunde enttäuscht – niemand veranstaltete eine Halloweenparty. Ich bin nämlich komischerweise die einzige in meinem Bekanntenkreis, die diesen Feiertag wirklich ERNST NIMMT. Und wenn ihr euch jetzt fragt, warum ICH dann keine Party veranstalte: Ooooh, das werde ich. Sobald ich es mir leisten kann. Und das werden dann keine halben Sachen. An diesem Abend, so er denn kommen wird, werde ich niemanden ohne mindestens zwei Schreikrämpfe und einem mittelschweren Trauma entlassen.

Jedenfalls hatte ich mich ohne konkretes Ziel entschlossen, mich von dem Abend treiben zu lassen. Mein erster Weg führte zur Arbeit, weil ich meinen Kollegen versprochen hatte, mich ihnen im Kostüm zu zeigen. Sie waren angemessen schockiert.

Später befahl mir mein alkoholgeschwängerter Verstand, mich in die örtliche Disco zu begeben, die an diesem Abend Metal spielte. Und dort sollte das Unheil schließlich seinen Lauf nehmen.

Ich machte grade eine Rauchpause und stand triefäugig rum, als sich plötzlich ein Mann vor mir aufbaute. „Oh, Hallo Frau Urban!“

Ich sah hoch. Und glotzte. Und zuckte zusammen.

Vor mir stand einer meiner Dozenten.

homerscream
Meine Sicht verschwamm kurzzeitig. „Oh… Hallo,“ presste ich hervor.

Er musterte meine Erscheinung freundlich interessiert. „Na, Sie haben sich aber Mühe gegeben.“
„Hm,“ nuschelte ich und starrte an mir herab. Plötzlich schämte ich mich. Wann hatte ich heute das letzte Mal in den Spiegel gesehen? Mein Make-Up war mit Sicherheit inzwischen völlig zerstört. Und meine Haare! Früher am Abend schien die ganze Tube grünes Haargel noch eine gute Idee gewesen zu sein. Ich hatte mir nämlich einen Fehlkauf geleistet und statt grünem Haarspray grünes GLITZERspray erwischt. Also hatte ich mit Lebensmittelfarbe und Gel selbst etwas fabriziert, was leider nur so mittelgut funktioniert hatte. Letztendlich habe ich das Glitzerzeug doch noch benutzt. Ja, ich GLITZERTE! Und ich konnte nur mutmaßen, was mein vorheriges Headbangen meinen gelnassen, komplett zerstrubbelten Haaren angetan hatte.

Überhaupt, meine Tanzerei!! Ohmeingott, er hatte mich doch hoffentlich nicht dabei GESEHEN, oder?! Ich war so eskalativ!!! Ohmeingottohmeingottohmeingott!!!

Aber in der Tat schien er gerade erst gekommen zu sein – um halb fünf. Und er sagte Dinge. Irgendetwas antwortete ich wohl auch, aber ich war eigentlich mehr damit beschäftigt, nicht zu schwanken. Außerdem machte mein Ohr schon wieder dieses, keine Ahnung ob ihr das kennt, also, dieses komische An- und Abschwellen, so wie so eine Wah-Wah, falls ihr wisst, das das ist, das kriege ich immer nach zu viel lauter Musik, und, also, viel zu viel Alkohol, falls ihr wisst, was ich meine, und, naja, jedenfalls fällt Zuhören dann echt schwer und Einschätzen der eigenen Lautstärke auch.
Jedenfalls sah ich irgendwann, dass der gute Mann mit leeren Händen dastand und mein überfordertes Hirn tat dann sein unheiliges Werk.

„Oh NEIN!!!“ jaulte Mitbewohner Dave am nächsten Tag. „Man gibt doch einem Dozenten keinen aus!!“

Aber genau das tat ich. Ich drehte mich in Zeitlupe zur Theke, während meine Gedanken ratterten, so gut es eben noch ging.
Aber erst schob sich ein anderer Typ in mein Blickfeld. Oh Gott, ich dachte, ich hätte den endlich abgehängt!? Der Kerl hatte mir was ausgegeben (ich hätte ja IM LEBEN NICHT GEDACHT, dass ich in dem Outfit überhaupt angemacht werde!), sich dann aber durch akute Idiotie bei mir ins Abseits geschossen. Ich meine, sorry, aber welche Frau steht drauf, von einem Typen, den sie eigentlich gar nicht kennt, penetrant in die Rippen gepikt zu werden?! So richtig fest, dass es sogar weh tut und man zusammen zuckt?! Und das mehrmals, obwohl ich ihm schon beim ersten Mal gesagt hatte, dass ich das zum Kotzen finde?!

„Ich hab dir noch einen Jacky Cola bestellt,“ rief er mir zu und präsentierte mir das Getränk sogleich.
„Ich will keinen Jacky Cola mehr!“ fauchte ich angepisst.
Der Kerl sah mich eingeschnappt an. „Gut, dann trink ich ihn halt…“ Dann schenkte er meinem Dozenten über meine Schulter hinweg einen bitterbösen Blick.

Oh Gott, bitte keine Szene… komm, das siehst du doch, dass wir nicht flirten… selbst wenn, ginge es dich nichts an, aber Herrgott, allein der Altersunterschied, oh Gott, das musst du doch sehen, bitte keine Szene…!

Mein Wunsch wurde erhört, der Kerl dampfte ab. Weiter mit meiner Mission! Sofort stürzte ich mich wieder in das Problem, das mich schon vorher umtrieb.
Okay, der Mann kriegt ein Bier, das ist sicher in Ordnung, aber allein trinken geht gar nicht klar, ergo brauch ich auch was, aber was um alles in der Welt?! Ein Bier, nein, das vertrage ich sowieso schlecht, weil ich eher so der Longdrink-Typ bin, ich kann fünf Jacky Cola trinken ohne große Auswirkungen, aber fünf Bier, nein, das knallt mich weg, was übrigens der Beweis ist, dass Alkohol nicht gleich Alkohol ist, aber stattdessen ein Jacky Cola!? Um Gottes Willen, die Dinger sind hier total groß, das würde ich nicht überleben, ich kann doch nicht auf meinen Dozent kotzen, aber IRGENDWAS muss ich trinken, also…
„Ein Bier und ein, äh, Saurer Apfel, bitte!“ Ja, das ist gut, ein kleines harmloses Likörschen und die Sache ist…
„Wir haben keinen Sauren Apfel,“ antwortete der Theker mitleidslos.
Ohmeingott, Error, was jetzt, äh, ein Schild, ein Angebot, äh, „Äh, dann so Kirschlikör, bitte!“

Gott, ich hasse pappsüßen Kirschlikör.

Mein Dozent nahm das Bier milde überrascht, aber erfreut entgegen. „Oh, Sie selbst nur einen Kurzen?“
„Hähähä,“ kicherte ich fassungslos und nippte an diesem blutroten Scheiß. Von wegen blutroter Scheiß: Zum ersten Mal an diesem Abend war ich heilfroh, mein Kunstblut zuhause vergessen zu haben. Das ist eigentlich nur flüssige Lebensmittelfarbe, die ich an solchen Tagen gerne in Minischlückchen in den Mund nehme und dann breit grinsend präsentiere. Idealerweise sehen die Zähne davon total blutverschmiert aus und ein bisschen was läuft an den Mundwinkeln runter. Am Ende des Abends habe ich normalerweise dann ein völlig verschmiertes Kinn. Aber nun? Lag das Zeug zuhause. GOTT SEI DANK.

Währenddessen sah sich diese Erscheinung versonnen um. „Hach, das ist ja schon schön hier. Die Musik ist ja auch gut. Und so viele nette Menschen!“

Mein Gesicht glich mittlerweile einer erstarrten Maske. Schockierte Überforderung. Und was sollte ich nur sagen?
Ich kuckte betroffen auf meine eingesauten Fingernägel herab (erst schwarz lackieren –> mit in Nagellackentferner getränkte Ohrstäbchen Ränder und Spitze verreiben –> auch das Nagelbett nicht aussparen –> trocknen lassen –> creepy Zombienägel!). „Äh, übrigens… wegen heute… also, dass ich im Seminar gefehlt hab…“
Er lächelte mich an. „Ach, stimmt ja! Na na, warum denn das?“
Meine Lippen zittern. „Naja… weil Halloween ist und so…“

Darüber musste er lachen. Und um ihm zu zeigen, dass ich die Zeit nicht verschwendet habe, lenkte ich seine Aufmerksamkeit auf drei rote Helium-Ballons, die ich an der Garderobe abgegeben hatte (man stelle sich dieses Bild vor). Ich glaube, ich fragte ihn, ob er die Anspielung versteht und laberte ihn daraufhin explosionsartig zu.

Irgendwann stand plötzlich noch eine Kommilitonin aus dem Seminar vor uns, die aber total nüchtern wirkte und die ich irgendwie noch nie gesehen habe, zusammen lobten sie mich für mein ach so tolles Referat in der Woche davor (ernsthaft? Oh bitte…), mein Dozent teilte mir augenzwinkernd mit, dass er unter diesen Umständen meine Blaumacherei mal durchgehen lassen wird, irgendwie hab ich dann doch noch ein Getränk in der Hand, keine Ahnung woher, ist es Bier, ist es Jacky Cola, ich kann es nicht sagen, ich kann eigentlich gar nichts mehr sagen, ich kann auch nichts mehr aus den Augen sehen, obwohl jetzt das Licht schon an ist, duze ich den Mann etwa, selbst das weiß ich nicht mehr, ich weiß nur, dass ich hier raus muss, sammle meine Selbstachtung ein und raffe die letzten kümmerlichen Reste meiner Konzentration zusammen und verabschiede mich standhaft, hole noch meine Jacke und meine Luftballons aus der Umkleide ab und verlasse fluchtartig die Disco.

Draußen lief mir dann plötzlich wieder dieser andere Typ hinterher, mich – natürlich! – in die Seite pikend. „Versprichst du mir, morgen anzurufen?!“ fragte er mich mit Dackelblick.
Wie war das nochmal mit „Ich gebe dir einfach meine Nummer und der Rest liegt bei dir!“?
„Nö,“ antwortete ich und verschwand im grauenden Morgen.

Eine Woche trug ich diese grässliche Geschichte mit mir rum – dann war wieder Seminartime.
Das Schlimmste: Ich konnte nicht einfach unsichtbar auf meinem Platz in der letzten Reihe sitzen bleiben und hoffen, dass einfach gar nichts passiert… ich hatte nämlich noch einen Termin bei einem anderen Dozenten, der dazu führen würde, früher aus dem Seminar zu verschwinden, eine Tatsache, die mich leider dazu zwang, meinem Dozenten über mein vorzeitiges Gehen zu informieren, im Klartext: Ich musste vorne ans Pult und ihm gegenüber treten.

Ich stelzte mit tauben Beinen nach vorne. Mein Dozent sah mich. Und ich schwöre euch, er hatte Tränen in den Augen vor unterdrückten Lachen.

„Na, da kommt ja meine Zechkumpanin,“ sagte er.

An dieser Stelle bin ich dann gestorben.

Ende.