Schulsport – ein Hurra auf ein unbeliebtes Fach

Guten Morgen, Robin! Da hab ich doch glatt eine Diskussion auf Twitter verpasst, welche die Gemüter hochkochen lässt, denn zu etwas, was jeder schon mal erlebt hat (bzw. erleben musste), hat natürlich auch jeder eine Meinung. Das Thema sind die Bundesjugendspiele! Ausgelöst wurde das durch folgenden Tweet:

Inzwischen ist die betreffende Petition tatsächlich ins Leben gerufen worden, aber das hat der Diskussion natürlich keinen Abbruch getan. Mittlerweile scheint sich das Thema teils auf Sport in der Schule allgemein ausgeweitet zu haben.

Ich finde es hochinteressant, in welch schöner Regelmäßigkeit dieses Thema hochkocht. Die perfekte Gelegenheit, endlich auch meine Meinung dazu in die Welt zu posaunen!

Ich werde mich hierbei aber hauptsächlich auf den Schulsport an sich konzentrieren, weil ich darüber schon seit längerer Zeit intensiv nachgedacht habe. Meine Meinung zu der Petition kommt am Schluss!

Warum überhaupt Schulsport?

Bei diesem Thema taucht über kurz oder lang immer die Frage auf, was Sport in der Schule überhaupt zu suchen hat, denn immerhin ist das nichts, was einem in irgendeiner Form im späteren Berufsleben nützlich ist.

Abgesehen davon, dass dieses Argument auf so ziemlich alle Fächer zutreffen kann, je nach dem, welchen Berufsweg man einschlägt, sehe ich den Sinn der Schule nicht in einer rein utilitaristischen Ausrichtung, nur dazu da, die Schüler als Humankapital für den Arbeitsmarkt vorzubereiten. In meinen Augen sollte die Schule breitgefächertes Wissen vermitteln, mit dem man im Alltag bestehen kann (mit der Option, manche Teilgebiete vertieft zu behandeln) und den Schülern gleichzeitig die Möglichkeit geben, ihre individuellen Talente zu erkennen.

Darüber hinaus muss das Schulfach Sport gerade in den letzten Jahren immer mehr Auswüchse eindämmen, die in unserer bewegungsarmen Gesellschaft leider auf dem Vormarsch sind. Die Kleinkinder von heute schneiden im Bereich Koordinationsvermögen deutlich schlechter ab als die Eltern- und Großelterngeneration im selben Alter. Gründe hierfür sind beispielsweise die fortschreitende Technisierung (die schon für die Kleinsten viele Alternativen zum „Draußen spielen“ bietet), der Leistungsdruck (der von den Eltern auf ihre Kinder projiziert wird – wenn der Wonneproppen später auf dem harten Arbeitsmarkt bestehen will, muss er schon frühstmöglich mit allen denkbaren Kursen gefördert werden, was dann leider zu Lasten der freien Spielzeit geht) und eine überbehütete Erziehung (durch genau die Eltern, die in ihrer eigenen Kindheit noch ganz andere Erfahrungen machen durften).

Das führt dann leider dazu, dass Kinder heute nicht mehr auf Baumstämmen balancieren können, keinen Purzelbaum mehr hinkriegen und es nicht schaffen, ein paar Meter Rückwärts zu laufen.
Naja… gibt schlimmeres, ne? Dafür haben sie immerhin auch weniger blaue Flecken oder gar Knochenbrüche, die man sich zwangsläufig zuziehen kann, wenn man draußen rumrennt, statt daheim in alle Ruhe PC zu zocken oder Geige zu üben.
Leider hat diese Art der Überprotektion eine ganze Reihe massiv negativer Nachteile, die den meisten Eltern überhaupt nicht bewusst sind. Dazu habe ich vor einiger Zeit einen wirklich ausgezeichneten SPON-Artikel gelesen. Auszug:

Statt nach der Schule dann ein, zwei Stunden im Freien zu toben, wie es Kinder und Jugendliche bräuchten, ziehen sie sich lieber zurück, vor Fernseher, Computer, Spielkonsole. Der daraus resultierende Bewegungsmangel ist Risikofaktor für praktisch alles: Soziale Interaktion mit anderen Kindern und Lernvermögen leiden. Zu wenig Bewegung lässt das Selbstvertrauen sinken, psychische Probleme nehmen zu. „Unsportliche Jugendliche erkranken fünfmal öfter anDepressionen als sportlich aktive“, berichtet der Grazer Kinder- und Jugendmediziner Peter Schober, „und ihr Suchtrisiko ist höher.“ Sogar ein Zusammenhang mit ADHS ist wahrscheinlich. So verbesserte sich der Zustand von aufmerksamkeitsgestörten Kindern, die der Göttinger Neurobiologe Gerald Hüther mit viel Bewegung und Herausforderung therapiert hatte, auch ohne Tabletten dramatisch – zwei Monate mit viel Arbeit auf einer Almhütte und käsen lernen hatten gereicht.

Unter dem Natur- und Bewegungsdefizit leidet die Gesundheit unserer Jugend. Kopf- und Rückenschmerzen, Haltungsschäden, Übergewicht und Essstörungen sind auf dem Vormarsch. Und Bewegungsmangel schafft Bewegungsprobleme: „Bei drei von vier verunfallten Kindern spielen motorische Defizite eine Rolle“, fasst Schober die Studienlage zusammen. Die Angst vor Beulen und die ständige Sorge um das Kindeswohl erschaffen letztlich also erst, was sie verhindern wollten: mehr Verletzungen, mehr seelisches Leid, mehr körperliche Probleme.

Link zum Artikel (Das Zitat befindet sich auf Seite 3, der Artikel ist aber in Gänze lesenswert!)

Schulsport ist für viele Kinder, kleine wie große, heutzutage oft die einzige Bewegung, die abgesehen von kleineren Fußstrecken oder (natürlich elterlich überwachten) Besuchen auf dem Spielplatz von ihnen gefordert wird. Wie so oft muss hier die Schule also einspringen, um Möglichkeiten zu bieten und Fertigkeiten zu vermitteln, welche die Kinder eigentlich ganz nebenbei im normalen Alltag lernen sollten.

Darum ist das Fach Sport nicht nur nicht unwichtig, sondern im Gegenteil sogar dringend nötig. Was uns dann aber zur nächsten Frage führt.

Warum kein Schulsport ohne Benotung?

Sehr viele sind der Ansicht, dass Sport durchaus weiterhin Schulfach bleiben sollte, aber die Benotung komplett abgeschafft gehört. Immerhin haben nicht alle Schüler das gleiche Talent für Sport. Schwache Schüler sollten also vor der negativen Erfahrung bewahrt werden, eine schlechte Note zu kassieren, selbst wenn sie sich sehr anstrengen! Wenn also eine Bewertung, dann höchstens die Mühe betreffend, die Schüler sich geben, unabhängig vom Endergebnis. Aber am besten doch gar keine Noten!

Soll das so sein? Dazu muss ich ein bisschen ausholen:

Ich studiere ja auf Lehramt, was bedeutet, dass ich neben meinen beiden Hauptfächern noch als drittes Fach Erziehungswissenschaften belegen musste, das ich bereits abgeschlossen habe. Überraschenderweise habe ich mich nicht nicht durch meine Seminare geschlafen, ohne das ein oder andere zu lernen.

Einer der wenigen Inhalte, die ich nicht für komplett nutzlos für die Lehrerausbildung erachte, war die sogenannte „Theorie der multiplen Intelligenzen“, die von dem Erziehungswissenschaftler und Psychologen Howard Gardner formuliert worden ist. Er geht davon aus, dass jeder Mensch nicht eine, sondern neun Intelligenzen in verschieden großer Ausprägung besitzt. Diese sind:

– Sprachlich-linguistische Intelligenz
– Logisch-mathematische Intelligenz
– Musikalisch-rhythmische Intelligenz
– Bildlich-räumliche Intelligenz
– Körperlich-kinästhetische Intelligenz
– Naturalistische Intelligenz
– Interpersonale Intelligenz
– Intrapersonelle Intelligenz
– existentielle-spirituelle Intelligenz

Wir kennen das ja aus Rollenspielen, egal ob Pen&Paper oder Computerspiel: Erstellt man am Anfang seinen Charakter, kriegt man eine Palette an Fähigkeiten, die für das Spiel notwendig sind, und eine gewisse Anzahl Punkte, die man auf diese Fähigkeiten verteilen kann. Die Punkte sind so bemessen, dass es unmöglich ist, einen perfekten Charakter zu erstellen, der in jeder einzelnen Disziplin brilliert. Man muss sich also entscheiden: Wenn der Charakter beispielsweise ein Meister der Magie sein soll, kann er nicht gleichzeitig ein herausragender Krieger sein. Ein Ass im Schwertkampf kann nicht außerdem den Bogen perfekt beherrschen. Und so weiter! (Natürlich kann die Punkte auch gleichmäßig auf alle Fähigkeiten verteilen, aber dann hat man halt einen profillosen, langweiligen Charakter. Also… für’s Spiel.)

Natürlich hat Gardners Theorie auch ihre Kritiker. Ich selbst bin sehr unglücklich über die Bezeichnung „Intelligenzen“, da ich Intelligenz unabhängig von individuellen Fähigkeiten für einen übergeordneten Wert halte und im vorliegenden Fall lieber von „Begabungen“ spreche. Aber ob man seiner Einteilung nun folgt oder nicht, gibt diese Theorie dennoch nicht nur Impulse bei der Entwicklung von Lehr-Lern-Einheiten (vulgo „Unterrichtsstunden“ 😀 ), sondern hat auch meinen Blick für die spezifischen Probleme jedes einzelnen Schülers geschärft.

Jahrelang war ich der gleichen Ansicht, die ich am Anfang dieses Punktes zusammen gefasst habe. Gerade in der Grundschule habe ich in Bezug auf den Sportunterricht nicht eine einzige positive Erinnerung. Ich war langsam und ein bisschen moppelig, traute mich nicht, ein Rad zu schlagen, was während einer denkwürdigen Schulstunde in einem Heulkrampf meinerseits endete, weil mich alle anderen deswegen auslachten, und war überhaupt sehr schlecht im Turnen.
Das änderte sich erst allmählich, bis ich mit der Zeit plötzlich sogar eine der Besten im Sport war. Die Inhalte waren anders (Mannschafts- oder Ballsportarten statt Leichtathletik und dieses dämliche Turnen) und in der Oberstufe durften wir sogar Sportarten auswählen, die zwei Jahre lang im Kurssystem unterrichtet wurden. Auch da war ich ganz vorne dabei und lieferte Glanznoten ab.

Dennoch: Die frühen Erfahrungen saßen tief. Wie ungerecht, dachte ich noch Jahre nach meinem Abschluss, dass hier Schüler schlecht bewertet werden, obwohl sie nichts dafür können, sportlich unbegabt zu sein.

Es dauerte viel zu lange, bis mir klar wurde, dass dies in jedem Fach der Fall ist.

Während ich in Sport versagte, war ich in der Grundschule die Beste in Mathe. Sowieso lerne ich viel leichter als andere. Ich erinnere mich an den Geschichtsunterricht in der 6. Klasse, in denen der Lehrer einen Schüler pro Stunde mündlich prüfte und ich völlig fassungslos zusah, wie einer nach dem anderen immer wieder in die selbe von ihm gestellte Falle tappte („Fanden die Olympischen Spiele in der Antike AUF dem Olymp oder AM FUSS des Olymps statt?“ – „Äh… auf dem Olymp?“ *headdesk*).
Mir war das unverständlich, ebenso wie ich nicht nachvollziehen kann, wie manche Leute einfache Texte lesen können, ohne zu kapieren, worum es dabei geht. Dafür bin ich eine absolute Niete in technischen Fragen. Ich habe in meiner Unikarriere bestimmt an die 20 Hausarbeiten geschrieben, aber ich muss jedes Mal neu googeln, wie man die Breite der Seitenränder ändert. Ich bin für sowas einfach unbegabt und darüber hinaus interessiert es mich auch einfach nicht. Ich weiß, dass man kucken soll, wo die Strombuchse ist, bevor man einen Nagel in die Wand schlägt, weil von dort aus die Leitungen zu den Steckdosen laufen, und viel mehr wird im normalen Leben Gott sei Dank auch nicht von mir verlangt. Solange ich nicht zu technikdoof bin, meine Playstation zu bedienen, bin ich glücklich!

Ein Schüler mit sportlich-kinästhetischer Begabung verdient genauso seine Erfolgserlebnisse wie ein Schüler, der gut in Deutsch ist oder dem in Mathe alles zufliegt. Sport ist das einzige Fach, dass Schüler mit einem solchen Begabungsschwerpunkt fördert. In jedem anderen Fach reicht es auch nicht aus, sich einfach nur besonders anzustrengen – dafür kriegt man keine gute Note, wenn die Hälfte der Antworten falsch ist. Maximal kann sich das positiv in der Mitarbeitsnote niederschlagen, aber dadurch wird aus einer 5 halt trotzdem keine 2. Und da JEDES Fach im Grunde ein Wettbewerb ist (Notenspiegel!), ist es schlicht nicht einzusehen, warum Sport hier die große Ausnahme sein soll.

Warum ist Schulsport so ein Drama?

Dies ist weder die erste Debatte, die ich zu diesem Thema mitkriege, noch wird es die letzte sein. Mein Eindruck ist, dass hier viele alte Verletzungen zutage treten, denn der Schulsport gehört für einige zu den schlimmsten Erfahrungen der Schulzeit.

Nun scheinen solche Debatten hauptsächlich in Akademikerkreisen stattzufinden – und da drängt sich mir dann ein Klischee auf, das möglicherweise einen wahren Kern hat: die Einteilung von Schülern in genau zwei Gruppen, nämlich Streber und Sportler, wie man sie so oft in amerikanischen Highschool-Filmen beobachten kann.

Nun ist das Leben kein Rollenspiel, das jedem Menschen am Tag der Geburt Fähigkeitspunkte zuteilt. Ich will damit selbstverständlich nicht sagen, dass jeder eine Niete in Sport ist, der einen Uniabschluss erreicht hat. Noch ist jeder Sportler in jedem anderen Bereich ein tumber Depp. Und natürlich gibt es auch genug Leute, die in beiden Bereichen gut sind (oder in beiden Bereichen schlecht). Aber zumindest eine Tendenz scheint sich mir hier abzuzeichnen – vielleicht auch aus Gründen der Erziehung oder Sozialisation, denn im deutschen Bildungssystem spielt Klassismus immer noch in eklatanter Weise eine Rolle.

Das macht die alten Verletzungen natürlich nicht besser. Trotzdem: Nur die wenigsten Menschen sind in allem gut. Jeder hat zumindest ein Gebiet, bei dem er völlig versagt. Aber wenn wir alle Fächer in der Schule streichen, die für einige Schüler aufgrund mangelnder Begabung einfach nur frustrierend sind und keinen Mehrwert bieten, können wir das System „Schule“ gleich ganz abschaffen.

Warum der Schulsport trotzdem eine Reform braucht

Eigentlich braucht ja unser ganzes dämliches Bildungssystem eine Reform, aber beschränken wir uns mal wirklich nur auf den Sport. Hier gibt durchaus es einige Baustellen, denn ich kritisiere nicht den Sportunterricht an sich, wohl aber die dabei verwendeten Methoden.

Möglicherweise werde ich hier von meiner eigenen Abneigung gelenkt, aber mir ist beispielsweise total schleierhaft, wofür Turnen gut sein soll. Natürlich, nur indem man die Kinder turnen lässt, findet man die zukünftigen Olympiastars dieser Disziplinen, aber, äh… sonst?
Diese Form der „Leibesertüchtigung“ geht auf die Kaiserzeit zurück, die sich doch nun wirklich niemand zurück wünscht. Und tragischerweise werden vor allem die Kleinsten mit diesem überhaupt nicht lustigen Müll traktiert. Wir jedenfalls haben in der Grundschule neben ein bisschen Leichtathletik NUR geturnt.
Warum nicht lieber etwas, das Spaß macht? Koordinationsvermögen lernt man genauso gut (oder eher sogar noch besser) beim Kicken, Gummitwist oder anderen Spielen. Bewegungslust im Sinne der Erlebnispädagogik sollte zumindest in der Grundschule überwiegend, wenn auch nicht ausschließlich, spielerisch vermittelt werden und sich nicht an starren Regeln aus grauer Vorzeit orientieren. Noten kann man trotzdem vergeben.
Und dazu doch mal direkt ein Filmtipp!

Historisch ist das nicht wirklich korrekt und besonders tiefsinnig auch nicht, aber trotzdem ist das ein ganz unterhaltsamer Film (komplett komfortablerweise komplett bei Youtube zu finden!) 🙂

Desweiteren ist absolut nicht einzusehen, warum man die Schüler selbst ihre Mannschaften wählen lässt. Dies ist IMMER ein reiner Beliebtheitswettbewerb und gehört für viele zu den demütigendsten Erinnerungen ihrer Schullaufbahn. Dabei macht dieses System schlicht keinen Sinn. Der einzige, der in der Lage ist, gut durchmischte, leistungsähnliche Mannschaften zu bilden, ist der anwesende Sportlehrer. Also sollte der auch verdammt noch mal seinen Job machen und die Mannschaften selbst zusammen stellen, allem Gemurre zum Trotz.

Auch scheint mir das alltägliche Mobbing im Sportunterricht unterdurchschnittlich oft sanktioniert zu werden. Als ich kein Rad schlagen konnte und deswegen gehänselt wurde, griff der Lehrer erst ein, als ich anfing zu heulen, aber die ganzen dummen Sprüche und das Gelächter meiner Mitschüler hat er stumm hingenommen.
Das ist absolut inakzeptabel. Jeder Schüler, der einen anderen auslacht, weil er beim Vorlesen herumstottert, wird im Deutschunterricht von der diensthabenden Lehrperson mit allergrößter Wahrscheinlichkeit zurecht gewiesen. Warum nicht dasselbe im Sport? Gerade der Mannschaftssport bietet viele Ansatzpunkte zur Vermittlung sozialer Kompetenzen. Diese Chance sollte genutzt und der Solidaritätsgedanke sowie die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls in den Vordergrund gestellt werden.

Und letztendlich – um nochmal den Bogen zum Aufhänger zu schlagen – ist Sport als Wettbewerb an Schulen und auch schulübergreifend bei Großereignissen wie den Bundesjugendspielen zu überrepräsentiert. Warum gibt es Schulsportfeste, aber keine Schreibwettbewerbe? Warum Fußballturniere zwischen Parallelklassen, aber kein Naturwissenschaftsquiz? Das erzeugt den Eindruck, dass sportliche Begabung wesentlich wichtiger sei als alles andere – was nun mal bei all den Chancen, die der Sportunterricht bietet, auch nicht stimmt.

Misserfolg und (De)Motivation

Schulsport muss beibehalten werden, Schulsport gehört benotet wie jedes andere Fach auch – aber was nun, wenn ein todunglückliches Kind von den Bundesjugendspielen heimschleicht, eine Teilnehmerurkunde in der Hand?

„Multiple Intelligenzen“ hin oder her: Es kann kaum das Ziel sein, dieses Kind damit zu trösten, dass es halt einfach nicht gut im Sport ist, dafür aber andere Sachen ganz toll kann. Wie man an mir sehen kann, stimmt das einfach nicht – ICH hatte auch immer nur Teilnehmerurkunden und war später trotzdem ein Ass im Sportunterricht.

Hier muss man das richtige Maß finden zwischen Trost und Ermunterung. Denn die (Fehl)Vorstellung des Kindes, sowieso nie gute Leistungen erbringen zu können, wird mit hundertprozentiger Sicherheit dazu führen, es gar nicht mehr zu versuchen. Mit einer Selbsterfüllenden Prophezeiung dieser Art fördert man das Kind nicht etwa, indem man es dazu bringt, sich auf seine schon sichtbaren Talente zu konzentrieren, sondern nimmt ihm die Chance, sich zu entwickeln und zu verbessern. Andererseits ist es natürlich genauso belastend für das Kind, wenn es seinen Misserfolg allein auf persönliches Versagen zurück führt statt auf (zu diesem Zeitpunkt noch) fehlendes Talent.

Das ist ein Problem, das allerdings in der Kindererziehung bei jedem erdenklichen Misserfolg des Kindes immer wieder auftritt. Um diesen Balanceakt zu meistern kann man wohl keine konkreten Handlungsanweisungen geben, da jedes Kind anders ist. Sicher ist nur, dass noch mehr Demütigung keinen motiviert und man ein Kind gar nicht oft genug in den Arm nehmen kann. Dann sieht auch eine Teilnehmerurkunde nicht mehr ganz so schlimm aus 🙂

Ein kleiner Disclaimer zum Schluss, damit nicht (schon wieder) unbeabsichtigt der Eindruck entsteht, ich wolle hiermit jemanden angreifen: Die Idee zu diesem Beitrag trug ich schon lange mit mir herum, aber auch, wenn ich dem Großteil der Argumentation von „Mama arbeitet“ in ihrer Petition nicht folge, finde ich es trotzdem zum Kotzen, dass sie für ihren Standpunkt offensichtlich teils massiv attackiert wird.
Ich meine, Hallo!?!? Wir haben hier eine Mutter, der das Herz blutet, weil ihr Sohn traurig ist, und die sich Gedanken um eine Lösung macht – wie völlig durch muss man sein, um darauf mit Beleidigungen zu reagieren?!
Mein Beitrag, vor allem aber der erste Punkt, der sich mit schädlichen Erziehungsfehlern befasst, ist allgemein gehalten. In keinster Weise ist dies als Angriff an sie gedacht, denn auch wenn sie auf mich wie eine liebende, besorgte Mutter wirkt, weiß ich trotzdem nicht, wie sie erzieht und daher maße ich mir da auch kein Urteil an.
Und auch wenn ich nicht ihrer Meinung bin hoffe ich natürlich trotzdem, dass ihr Kleiner die Enttäuschung gut wegsteckt 🙂

Edit: Schoppe, immerhin schon ganz richtiger Lehrer, hat den Artikel in seinem Blog kommentiert: Wozu braucht man in der Schule eigentlich einen Körper?

KiddySerienSpecial! – Teil 5: Mila Superstar

Animes mit Sportthemen haben ebenfalls Tradition. Meist verfolgt man dabei den Weg eines Underdogs mit großen Talent an die Spitze des sportlichen Erfolges. Beispielhaft für diese Serien soll Mila Superstar stehen.

Die gute Mila lief damals ab ’93 immer mittags auf RTL2 beim Vampy (wer kennt ihn noch? :mrgreen:).

Ich war ein großer Fan und habe vermutlich fast alle Folgen gesehen. Natürlich habe ich nur dadurch angefangen, Volleyball zu spielen (oder das, was ich dafür hielt), ein Sport, der mir davor noch völlig unbekannt gewesen war.

Mila ist aus meiner Kindheit fast nicht wegzudenken. Daher hat mich fast der Schlag getroffen, als ich mir vor ein paar Jahren nach langer, langer Pause mal wieder eine Folge ansah.

Mir ist früher nie aufgefallen, wie… wie krass diese Serie ist! Dazu fällt mir nur ein Wort ein: menschenverachtend! Die Trainingsmethoden sind die reinste Folter und auch Mila selbst… das Mädchen hat so dermaßen einen an der Waffel!

„Mila kann lachen wie die Sonne überm Fujiyama“ heißt es im Intro. Das ist schonmal Unsinn: Die Frau hat so gut wie nie gelacht, dafür aber wahnsinnig viel gejammert. Ihr gesamtes Leben besteht nur aus Sport und Disziplin – und dafür opfert sie praktisch ALLES.
Ungefähr in der Mitte der Serie hat ihr Freund einen Autounfall, während sie gerade mitten in einem Spiel ist. Sie bekommt eine Nachricht und soll ins Krankenhaus, um ihn noch einmal zu sehen, bevor es zu spät ist. Aber was macht man da als gute Leistungssportlerin? Man spielt erst das beschissene Match zuende! War ja auch wichtig, es ging um die Meisterschaft! Und letztendlich stirbt ihr Freund dann auch, ohne dass sie sich von ihm verabschieden konnte.

„Äääh, OKAY!?“ kann man jetzt denken, aber es wird noch schlimmer. Weil sie sich bemüht, das Spiel schnell zuende zu bringen (immerhin…), gleichzeitig aber etwas abwesend ist, schafft sie etwas unglaubliches: Ihr Schmetterball verschwindet einfach, so dass die Gegnerinnen ihn nicht sehen und damit natürlich auch nicht annehmen können. Damit ist das Spiel gewonnen und sie kann ins Krankenhaus, aber halt zu spät.
Der unsichtbare Ball, so wird später erklärt, resultierte aus einer physischen Besonderheit: Jeder Mensch hat einen blinden Fleck im Auge und wenn der Ball (äh, also, das Bild vom Ball) da reinfliegt, verschwindet er. Den blinden Fleck gibts zwar wirklich, aber es ist natürlich absoluter Schwachsinn, dass sich der Ball für JEDEN, also jede Gegnerin, jeden Zuschauer und sogar für Mila selbst einfach scheinbar in Luft auflöst, weil natürlich jeder einen anderen Blickwinkel hat.
Naja, trotzdem, lassen wir das mal so stehen: Man kann Bälle zum Verschwinden bringen, wenn man diesen Punkt trifft. Nach dem Spiel muss das natürlich nochmal ausprobiert werden, weil das ja voll der Specialtrick ist, aber was glaubt ihr, wie das gemacht wird? Ganz einfach: Der Trainer verlangt von den Mädchen, sich genauso zu stellen wie in dem Spiel und sich wieder gedanklich-emotional exakt in die Situation dieses Spiels hinein zu denken.
Das muss man sich mal reinziehen: Mila dachte zu diesem Zeitpunkt an ihren sterbenden Freund und dieses Arschloch verlangt von ihr, die Situation nochmal nachzuspielen?!

Eine Folge später sagt ihre beste Freundin (!!) ihr dann noch, sie solle endlich (!!) aufhören wegen des Todes ihres Freundes zu jammern. Ähm, ja, sehr empathisch!

Die Trainingsmethoden waren auch immer allerliebst: Da wurde gejoggt, bis die Mädchen zusammenbrechen, die Handgelenke mit Ketten umwickelt, damit jede Annahme auch nur ja noch ein bisschen mehr weh tut als ohnehin schon und wenn mal wieder jemand nicht spurt oder einfach völlig erschöpft zu Boden sinkt, gibts noch einen Ball voll in die Fresse. Klasse!

Das wäre alles noch okay, wenn die Bewertung dieser Methoden nicht so fragwürdig wäre. Aber leider ist es so, dass die Serie immer nur den Eindruck vermittelt, sowas wäre zwar hart, aber zielführend, und wer da nicht mithalten kann, hat einfach nicht genug Ehrgeiz!

Das ist ein Leistungsstreben, das im asiatischen Raum und in der japanischen Mentalität ja sehr verbreitet zu sein scheint, aber ich finde das einfach nur krank. Leider erreicht Mila dann auch noch tatsächlich ihr Endziel, nämlich bei der Weltmeisterschaft zur besten Angriffsspielerin der Welt gewählt zu werden. Dafür musste sie ja auch nur ihre Freizeit, ihre schulische Laufbahn, ihre Liebe und ihr gesamtes Leben opfern. Was für ein Vorbild!

Daher bin ich wirklich unschlüssig, ob man so eine Serie Kindern überhaupt zumuten kann. Ich finde sowas jedenfalls wesentlich bedenklicher als ein paar grüne Schildkrötenninjas. Geschadet hat es mir zwar nicht, aber man kann ja nie wissen.

Für mich persönlich ist die Serie daher in der rückblickenden Bewertung einfach nur ein Megafail, egal wie gerne ich sie damals gekuckt habe.

Fasten, fat positive, „The Biggest Loser“

Wer mich verfolgt, wird vielleicht gemerkt haben, dass nach meiner zweiten Fastenwoche keine neuen Berichte gefolgt sind. Das hat nen Grund. Und zwar: Ich habe aufgehört mit der Scheiße. Warum quäle ich mich überhaupt mit sowas?

Ich habe zum Beispiel in der dritten Woche gemerkt, als ich mich im Geiste schon von meinem Fastenvorhaben „nichts Süßes“ verabschiedet hatte, was ich so alles an Süßem in mich hinein schaufele. Die Völlerei in schockierenden Zahlen:

– 1 Glas Cola
– 1 dieser 5-Gramm(?)-Täfelchen Schokolade, die wir auf der Arbeit zum Kaffee reichen, Vollmilch

Wohlgemerkt: Das war mein Konsum in der gesamten Woche!! Man kann, denke ich, ohne sich großartig aus dem Fenster zu lehnen festhalten, dass ich kein Problem mit Süßigkeiten habe. Warum soll ich mir jetzt auch noch den letzten Rest Zucker verkneifen?

Dann der Sport, 10 Stunden. Schaffe ich einfach nicht. In der ersten Woche war ich ja nah dran, aber da drehte sich mein gesamtes Denken auch nur um dieses Thema. Ich kann das nicht länger, ich will das nicht länger! Ich gehe jetzt regelmäßig 2-3 Mal die Woche zum Sport, nicht weil ich muss, sondern weil es mir Spaß macht – und das finde ich super. Und mehr muss auch nicht, ich habe ja noch anderes zu tun!

Ich habe also eigentlich schon nach zwei Wochen aufgegeben und trotzdem 2 Kilo abgenommen. Vielleicht zeigt der Sport jetzt doch Wirkung, keine Ahnung. Jedenfalls wiege ich gerade so wenig wie schon seit einem Jahr oder so nicht mehr. Das macht mich glücklich und ich werde hoffentlich noch glücklicher, denn einige Kilos sollen da noch folgen.

Also: Fasten, am Arsch!!

Aber wir bleiben beim Thema „Abnehmen“. Mein kleiner Fanartikel über The Biggest Loser ist ja größtenteils negativ aufgenommen worden. Damit habe ich ehrlich gesagt gerechnet, allerdings hat mich die Art der Kritik ziemlich umgehauen.

Ich meine, ich kann vollkommen verstehen, wenn die Serie kritisch gesehen wird, vor allem was den Umgang mit den übergewichtigen Kandidaten angeht. Was ich absolut nicht verstehen kann und auch auf gar keinen Fall unterstützen oder gar gutheißen will: diese leicht verklärte Sicht auf Übergewicht an sich.

Es gibt feministische Strömungen, die haben sich etwas auf die Fahnen geschrieben, was sich fat positive nennt. Den Grundgedanken, sofern ich den richtig verstanden habe, unterstütze ich vollkommen: Kein Mensch sollte aufgrund seines Körpers diskriminiert oder beleidigt werden, vor allem nicht in Hinblick auf ein völlig überzogenes Schönheitsideal, das z.B. dazu führt, dass eine Frau, nennen wir sie mal Britney Spears, in allen Medien als fett bezeichnet werden darf, nur weil sie plötzlich auf elefantöse Größe 36 angeschwollen ist. Größe 36 ist nämlich NORMAL!!
Auch ist es wirklich unübersehbar, dass so eine Häme wirklich hauptsächlich Frauen trifft, und sich sogar megaschlanke Mädchen in aller Öffentlichkeit von einer talentfreien Unsympathin anhören müssen, dass sie immer noch zu fett sind, um Supermodel zu werden.

Nochmal in aller Kürze die Punkte, denen ich zustimme:
– Frauen werden im höchsten Maße auf ihr Äußeres reduziert
– Frauen werden in Bezug auf ihr Gewicht von klein auf verunsichert
– Frauen wird von den Medien etc. ein Körperbild vor Augen gehalten, dass krankhaft und kaum ohne strikte Mangelernährung und exzessiven Sport zu erreichen ist

So weit, so verständlich (finde ich zumindest). Das ist etwas, was man durchaus kritisieren sollte.

Doch hier kommt das große ABER. Es kann ja wohl nicht sein, dass die Kritik an dem einen Extrem (nämlich die Propagierung von Körpern am Rande des Untergewichts oder darüber hinaus als „schön“) in eine Glorifizierung des anderen Extrems umschlägt. Und das fängt schon mit der Bezeichnung dieser Bewegung an: fat positive.

Wir brauchen Kalorien und Fett, um zu überleben. Das wird oft vergessen, gerade, wenn man sein halbes Leben lang versucht, abzunehmen. Darüber hinaus ist aber nichts positives an Fett oder Fettsein. Fettsein schränkt die Bewegungsfreiheit ein, belastet das Herz-Kreislauf-System, verstopft die Arterien, führt zu Diabetes und Bluthochdruck, erschwert das Atmen und ist schlecht für die Kondition. Und nein, damit meine ich NICHT Britney Spears, um das nochmal in aller Deutlichkeit zu sagen! Ich spreche von Menschen, die wirklich krankhaft adipös sind, mit allen negativen Auswirkungen.

Es ist nicht schön, so dick zu sein. Und in aller Regel wird man das auch nicht, wenn man sich halbwegs ordentlich ernährt und keine andere Erkrankung hat, die Übergewicht zur Folge hat (was dann natürlich, sofern möglich, behandelt werden sollte).
Natürlich gibt es auch sehr schlanke Menschen, denen die Zunge auf dem Boden schleift, wenn sie beim 100-Meter-Lauf mitmachen müssen. Auch gibt es Dicke, die keinerlei medizinischen Beeinträchtigungen haben. Aber nur weil Helmut Schmidt mit seinen über Neunzig immer noch fröhlich am Rumquarzen ist, heißt das noch lange nicht, dass Zigaretten gesund sind (und das schreibe ich als Raucherin!).

Und damit wieder zu The Biggest Loser. Sämtliche Kandidaten dort fühlen sich von ihrem teils gewaltigen Übergewicht beeinträchtigt und die meisten SIND auch schon deswegen krank. Interessanterweise sind Bernhard und Markus (Team Orange) am schlimmsten betroffen, obwohl sie lange nicht die Dicksten sind. Markus hatte schon einen Schlaganfall und Bernhard kam auch schon mit dem Notarzt ins Krankenhaus, zudem ist er aufgrund seines Übergewichts unfruchtbar. So kann es gehen! Fair ist das nicht, aber das ändert nichts an der Prämisse: Übergewicht IST NICHT GESUND!

Und daher bin ich nicht fat positive. Fett ist nämlich nicht positiv. In der jetzigen Form erinnert mich fat positive einfach sehr unangenehm an die Pro-Ana-Bewegung, in der vorzugsweise junge Frauen Magersucht (Anorexie, verniedlichend „Ana“) und Bulimie (verniedlichend „Mia“) verherrlichen, nur dass bei fat positive nicht forciert wird, noch mehr zuzunehmen. Toll ist aber beides nicht!! Und die Versuche, mitunter die „Sichtbarkeit alternativer Körperformen“ mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, sind oft mehr als lächerlich und bewirken genau das Gegenteil von Akzeptanz.

Daher hab ich auch keine Lust, mir zu The Biggest Loser dauernd anzuhören, Übergewicht wäre ja gar nicht schlimm oder die Serie würde Magersucht produzieren. Ähm, nee, zur Magersucht fehlen den meisten noch gut 100 Kilo!

So, und damit noch ein bisschen Fangelaber!

In der letzten Folge am Sonntag sind die Kandidaten erstmals nicht mehr im Doppel angetreten, sondern haben sich in zwei Teams aufteilen müssen. Auch musste zum ersten Mal die Person mit dem wenigsten Gewichtsverlust sofort aus dem Camp, ohne dass die Kandidaten sie rauswählen mussten. Das traf leider Janina, was aber abzusehen war. Wie schon gesagt: Frauen nehmen schwerer ab, vor allem ab einem gewissen Alter und wenn ihr Übergewicht nicht so massiv ist.

Dann ist Macho Michael freiwillig gegangen, als es so aussah, als müsste er zusammen mit Sezer gehen, weil beide gleich viele Raus-Stimmen hatten. Das tut mir nicht sonderlich leid. Als er sich in der gleichen Folge weigerte, zur „Strafe“ für den Misserfolg seines Teams einem Mitglied des Gewinnerteams den Rücken zu massieren, weil er das „schwul“ fand, fand ich das nämlich wieder mal ziemlich meh. Sezer dagegen mag ich, obwohl es bei ihm noch nicht so gut klappt, aber ich hoffe, er kann noch ein paar Wochen bleiben! Bahar, seine Frau, ist jedenfalls immer noch gut dabei und schon unter 100 Kilo.

Auch bei meinem Schätzchen Bernhard funktioniert es endlich, nachdem er die ersten Wochen immer nur Ergebnisse eingefahren hat, die ihn offensichtlich enttäuscht haben. Der Knoten ist geplatzt!

Die Zwillinge haben beim Wiegen den Vogel abgeschossen, was aber auch abzusehen war. Weil das auf Twitter zu Verwirrung geführt hat, möchte ich als TBL-Expertin :mrgreen: mal etwas klarstellen:

Vorletzten Sonntag war wieder mal „Versuchung“. Einen ganzen Tag lang gab es immer wieder allerlei Schleckerei zu essen und das Team, das am Ende die meisten Kalorien zu sich genommen hat, gewann „Immunität“, konnte also nicht rausfliegen. Und obwohl eigentlich keiner mitgemacht hat (außer Michael, der musste aber nach sechs gewaltsam reingezwängten Energydrinks kotzen und war damit ausgeschieden), sind die Beiden völlig ausgerastet und haben zusammen ca. 10.000 Kalorien in sich reingestopft. Damit hatten sie zwar gewonnen, bekamen aber vom Trainer einen Anschiss!

Auf der Waage hatten beide dann mehrere Kilo zugenommen, konnten aber wie gesagt nicht rausfliegen. Sofern sie nicht den Rest der Woche ähnlich zugeschlagen haben, waren die Gewichtszunahme trotzdem unverhältnismäßig hoch, was viele Leute nicht verstanden haben. Genauso, wie der Gewichtsverlust in der letzten Folge unverhältnismäßig hoch gewesen war.
Es ist ganz einfach: Der Gewichtsverlust jeder Woche wird ausgehend von dem Gewicht, was man in der Woche zuvor gewogen hat, berechnet. Da die beiden ja ohnehin nicht rausfliegen konnten, haben sie sich vorher vermutlich ein paar Liter Wasser reingeknallt, was sich in dem Moment auf der Waage bemerkbar gemacht, aber natürlich langfristig keine Auswirkungen hat, denn Wasser hat bekanntlich keine Kalorien. Damit hatten sie für die nächste Woche selbstverständlich einen gewaltigen Vorteil, da sie mit einem viel höheren Startgewicht angetreten sind, als sie eigentlich tatsächlich hatten.
Das sind Tricks, die in jeder Staffel wieder auftauchen, sobald jemand Immunität hat. Ziemlich unfair, aber vermutlich nicht zu verhindern! Ich hoffe, ich konnte einige erleuchten.

Zum ersten Mal wurden übrigens beim Wiegen bei manchen Kandidaten Vorher/Nachher-Bilder eingeblendet. Der Unterschied ist wow! Und das nach so kurzer Zeit.

Ich fiebere weiterhin mit den Kandidaten mit und werde nebenbei versuchen, auch noch ein bisschen abzunehmen. Wer das als sogenanntes fat shaming versteht, dem kann ich leider immer noch nicht helfen.

Guilty Pleasure: The Biggest Loser

thebiggestloser

Manche Leute kucken Germanys Next Topmodel (was ich keine fünf Minuten aushalte), andere DSDS (was ich durchaus eine Weile sehen kann, aber nicht, ohne zu kotzen) – ich kucke The Biggest Loser!

Manche finden diese Sendung schlimmer als alle Castingshows zusammen, aber ich liebe sie. Ich freue mich über jede neue Staffel und sehe mir jede Folge an!

Die Sendung hat viel Kritik eingesteckt… allein der Name The Biggest Loser wäre schon beleidigend Dicken gegenüber.
Ich finde das so doof. Es ist doch klar, dass der Name bewusst provokativ gemeint ist. So erweckt man Interesse und kriegt Zuschauer. Die Kritiker tun gerade so, als hätten die Macher der Sendung nicht gewusst, wie viel Aufsehen eine solche Betitelung erregen würde. Für wie blöd müssen diese Leute Programmmacher halten?

Die Serie kommt aus den USA und auf englisch wird nun mal das Verb „verlieren“ genauso im Sinne von „scheitern“ gebraucht wie auch für „Gewicht verlieren“. Im Deutschen ist es das gleiche. Ich sehe nicht, warum das despektierlich verstanden werden muss.

Dann wäre die Darstellung der Kandidaten furchtbar: Sie würden vorgeführt, wenn man sie mit all ihren überflüssigen Speck durch Parcours jagt und beim Sport beobachtet.
Dazu kann ich nur sagen: Natürlich kann sich ein Mensch mit 50 Kilo Übergewicht nicht so anmutig bewegen wie ein Mensch mit Normalgewicht. Es gibt schlicht und ergreifend keine Möglichkeit, die Kandidaten auf eine Art und Weise darzustellen, die nicht als lächerlich angesehen werden KANN… sofern man sich denn lächerlich machen WILL. Es gibt leider viel zu viele Menschen, die über Dicke lachen.

Ich tue das nicht. Ich hatte noch nie genug Übergewicht, um für eine solche Sendung in Frage zu kommen, aber Sprüche über meinen Hüftspeck oder meinen dicken Hintern kenne ich zur Genüge (selbst in Zeiten, als weder das eine, noch das andere der Wahrheit entsprach). Daher gilt mein ganzes Mitgefühl Menschen, die aus welchem Grund auch immer irgendwann die Kontrolle über ihr Gewicht verloren haben.

Natürlich muss ich auch manchmal lachen (in der letzten Folge plumpste ein Kandidat in einen Whirlpool, weil er das Gleichgewicht verlor… sorry, aber sowas ist bei JEDEM lustig!), aber dies ist ein Fatalismus, den man sich ab einem gewissen Gewicht nicht mehr entziehen kann. Und es gibt einen Unterschied zwischen bösartigen Humor und gutmütigen Spott!

Ich mag die Serie, weil sie für einige Menschen die letzte Möglichkeit darstellt, wieder zu einem normalen Leben zurück zu finden. Nicht jeder schafft es, aber für einige war die Sendung tatsächlich eine unglaubliche Chance, die sie genutzt haben und heute ein gesundes Gewicht ihr Eigenen nennen können. Und das unterscheidet sie von Castingshows und Scripted Reality, mit der sie auch immer verglichen wird: Man kann einen Gewichtsverlust nicht vortäuschen!

Ein paar Kritikpunkte hätte ich aber schon. Zum einen wären da eben doch viele gescripte Szenen, ob nachgestellt nach echten Vorkommnissen oder inszeniert, die man einfach nur ziemlich albern finden kann. Die Kandidaten sind keine Schauspieler – und das merkt man auch bei solchen Szenen. Aber naja, darüber kann ich noch die Augen rollen und es ignorieren…

Dann finde ich, dass ein viel zu großer Fokus auf den Sport gelegt wird. In dem Camp ist es kein Problem jeden Tag Sport zu machen, die Kandidaten haben ja auch im Grunde nichts anderes zu tun. Aber wenn sie erst wieder in ihr normales Leben zurück gekehrt sind, werden sie das nicht so weiterführen können (das weiß ich spätestens seit meinem Fastenvorhaben, 10 Stunden Sport die Woche zu machen… und ich habe KEINEN Acht-Stunden-Job). Deshalb sollte viel mehr über Ernährung geredet werden, was bestimmt gemacht wird, aber einfach nicht gesendet wird. Gerade die Kandidaten mit gewaltigen Übergewicht haben sich vermutlich jahrelang systematisch überfressen und damit ihren Magen gedehnt… die wissen überhaupt nicht, was normale Portionen sind, wie viel eigentlich genug sein sollte, um satt zu werden.

Desweiteren mag ich die „Versuchung“ nicht. Das ist ein Spiel für die Kandidaten, mit denen sie einen Bonus gewinnen können, um später bei der „Entscheidung“ (bei der sie gewogen werden und die beiden Teams mit dem wenigsten verlorenen Gewicht zittern müssen, rausgewählt zu werden) einen Vorteil zu haben. Das funktioniert, indem sie essen (oder halt nicht, wenn sie da nicht mitmachen wollen… was meistens eine gute Entscheidung ist). Und das gefällt mir gar nicht! Es kann ja wohl nicht das Ziel sein, die Kandidaten darauf zu konditionieren, dass sie vom Fressen Vorteile kriegen.
Wäre ich Kandidatin, würde ich das höchstens machen, wenn das, was an Essen angeboten wird, etwas richtig geiles ist. Auch etwas, was vergessen wird: Essen soll nicht immer nur mit quälenden Verzicht einhergehen, sondern auch Genuss sein. Es heißt zu lernen, bewusst zu genießen. Das geht so leider nicht!

Und am Schluss finde ich die Gewinnkriterien ungerecht. Es gewinnt nämlich derjenige, der prozentual am meisten Gewicht verloren hat.
Das ist aus folgenden Grund unfair: Ein Mann, dessen Idealgewicht bei 80 Kilo liegen würde und 120 Kilo wiegt, kann bzw. sollte höchstens 40 Kilo verlieren, was 33% seines Körpergewichts entspricht. Ein anderer Mann, der 240 Kilo wiegt, kann bzw. sollte dagegen 160 Kilo abnehmen, um auf 80 Kilo zu kommen, was 66% Körpergewicht entspricht. Daher KANN der erste Kandidat im Prinzip gar nicht gewinnen, selbst wenn er sein Idealgewicht erreicht!
Meine Lösung: Man sollte ausrechnen, wie viel Gewicht die Kandidaten von ihrem individuellen Idealgewicht trennt und DAVON die Prozente nehmen. Dann muss der schwerere Kandidat zwar mehr abnehmen, um auf die gleichen Prozente zu kommen wie der leichtere Kandidat, aber das ist ja bei der momentanen Methode genauso. Zudem fällt ein Gewichtsverlust ja auch leichter, je mehr Übergewicht man hat. Ich hoffe, Sat1 liest das und denkt darüber nach! :mrgreen:

Das wärs dann aber schon an Kritik!

Die aktuelle Staffel läuft heute zum vierten Mal. Einen richtigen Favoriten hab ich noch nicht. Tendenziell bin ich ja meistens für die Frauen, weil die aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen es meistens schwerer haben, abzunehmen (Männer nehmen leichter ab. Is so.). Aber auch junge Kandidaten erwecken meistens meine Sympathie, vielleicht, weil die näher an meiner Lebenswelt sind.

Team „Limette“ (lol) ist so ein junges Team, ein Zwillingspärchen. Zwar wirken beide wie ziemliche Macker, aber sind mit ihrer frechen Bubihaftigkeit irgendwie doch sympathisch. Leider hat es bei ihnen noch nicht so richtig Klick gemacht, aber ich drücke ihnen die Daumen!

Dann mag ich Team Blau, Sezar und Bahar, ein türkisches Ehepaar. Die beiden sind irgendwie herzig! Und Bahar hat bisher für eine Frau gewaltige Gewichtsverluste eingefahren… ich hoffe, das geht so weiter! Hübsch sind jedenfalls beide. Jetzt fehlt nur noch die richtige Figur.

Team Grün sind Frauen und altersmäßig mir am nächsten. Allein deswegen fiebere ich mit ihnen mit!

Und Team Orange ist das kränkste Team im ganzen Camp (wenn auch lange nicht das schwerste), allein deswegen muss ich ihnen beistehen. Dem Bernhard wünsche ich auch deswegen alles Gute, weil er vor allem abnehmen will, weil er sich mit seiner Frau ein Baby wünscht, was momentan wegen seines Übergewichts nicht geht. Außerdem hat er mir auf Twitter geantwortet, was ihn doppelt sympathisch macht ♥
Bisher hatten sie auf der Waage keinen großen Erfolg, obwohl sie eindeutig motiviert sind. Das tut mir dann wirklich leid. Manchmal will der Körper einfach nicht so wie man selbst. Aber sobald der Knoten platzt, haben sie sehr gute Chancen und die Pfunde werden purzeln! Sie wirken wunderbar bodenständig und haben sich den Erfolg einfach verdient!

Es gibt aber auch in jeder Staffel Leute, die einfach nur unsympathisch sind. Ein solcher ist Michael vom Team Türkis. Als der vorgestellt wurde, war ich sicher, dass der schon mindestens Mitte Vierzig ist. Dann wurde sein Alter eingeblendet und mir fielen fast die Augen raus: Der Typ ist 32, nur vier Jahre älter als ich!
Das allein ist ja keine Schande. Darüber hinaus ist er aber auch noch ein übler Macho.
Was ist schlimmer als ein Macho? Ein Macho zu sein, obwohl man überhaupt nichts an sich hat, worauf man sich was einbilden kann!
So nennt er eine Art Völkerball am Strand, das mit einem großen Sitzball gespielt worden ist, abfällig „Frauensport“. Da könnte ich ja direkt lang und bröckelig kotzen. Was ist daran bitte „Frauensport“? Er muss sowas machen, statt einem Fußball hinterher zu hetzen oder was ähnlich männliches zu tun, weil er für „Männersport“ schlicht und ergreifend zu fett ist.
Dann labert er ständig über seine „Taktik“, mit der er die anderen verwirren will, statt sich einfach mal um seinen eigenen Kram zu kümmern. Tze, einfach nur lächerlich.

Hier könnt ihr euch die Kandidaten nochmal ansehen: Klick
Wobei drei Teams, sprich sechs Leute schon rausgeflogen sind.

Und waaaah, jetzt geht es schon los!! Sonntag, 18 Uhr, Sat1!! Schnell einschalten!!!

Wer mit mir fachsimpeln will, kann das gerne in den Kommentaren tun :mrgreen:

Fastenzeit, ein ebenso guter Grund wie jeder andere…

Mein werter Kollege David hatte gestern – ich arbeitete –  eine besondere Challenge angenommen. Er feierte „Gegenteiltag“ und schüttete sich diverse Biere in den Schlund. Und das am Aschermittwoch!

Naja. Ein Großteil von Deutschland frönt dagegen seit gestern den gepflegten Masochismus und versucht, diverse Laster einzustellen oder zumindest zu verringern. Als gutes katholisches Mädchen mache ich da natürlich mit.

„Wie, Fastenzeit?!“ keuchte Mitbewohner Mattes hysterisch, als ich ihm an Faschingsdienstag, während er zusah, wie ich meine berühmten, käsetriefenden Tortellini alla Panna zubereitete, mitteilte, dass diese meine letzte Sünde vor der Fastenzeit darstellen sollten. Dieses arme Heidenkind… (naja, eigentlich ist er sogar ebenfalls katholisch. Aber das macht’s ja nur noch schlimmer.)

Leider muss ich schmerzlich eingestehen: Seit meiner letzten Ankündigung zur Umstellung meiner Ernährung ist tragischerweise nicht allzu viel passiert (allerdings habe ich auch nicht wieder zugenommen – man muss auch über Kleinigkeiten dankbar sein). Mein Vorhaben, mir wöchentliche Essenpläne zu schreiben, habe ich nach der geschilderten Woche wieder völlig auf Eis gelegt. Man muss nämlich wissen, wann man verloren hat, und das hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon von Anfang an.
Ich kann nämlich nicht alles auf einmal. In diesem Fall hieß das: Erstmal meinen Tagesrhythmus wieder in Griff kriegen, bevor ich auch nur daran denke, eine Ernährungsumstellung anzupeilen. Wie soll ich nach Essensplan leben, wenn ich körperlich sowie zeitlich kaum in der Lage bin, einkaufen zu gehen?! Und ich mich Tag für Tag wie ein Zombie durch die Uni schleppe und die Minuten zähle, wenn ich mich endlich wieder zuhause kraftlos auf die Couch schmeißen kann?!

Eine Baustelle nach der anderen. Mein letzter Versuch, durchzumachen hatte ja leider nicht besonders geklappt, weil ich wohl trotzdem zu spät schlafen gegangen bin. Jedenfalls war ich am nächsten Tag erst nach ein Uhr wieder wach. Keine guten Voraussetzungen, um abends zeitig im Bett zu liegen!
Es ging also noch drei Wochen so beschissen weiter. Drei Wochen, in denen ich mich permanent fühlte wie ausgekotzt. Schließlich hatte ich die Schnauze voll und machte WIEDER durch – allerdings mit erheblich mehr Erfolg (dieses Mal lag ich nämlich schon um 22 Uhr im Bett!) und dieses Mal von Samstag auf Sonntag. Da ich samstags arbeiten musste (und sogar nur deswegen meine frühe gegen die späte Schicht tauschte – meine Kollegin freute sich!), hab ich dabei sogar Geld verdient. Besser gehts doch nicht.

Tja, und dem folgte dann eine absolute Powerwoche, in der ich früh schlafen ging und sogar völlig freiwillig früh wieder aufstand. Ich war wie ausgewechselt! – und war sogar insgesamt 6 (SECHS) Mal beim Sport! UND ES WAR GEIL!!! Zumindest meistens (ich werde noch berichten…).

Also:
Tagesrhythmus – Check!
In Sport hinein geschnuppert – Check!
Ernährungsumstellung – jetzt bist DU dran!

Die Fastenzeit ist als Grund genauso gut wie jeder andere, um jetzt endlich komplett durchzustarten. An Karneval habe ich aber auch wirklich neue Tiefpunkte erreicht. Fast hätte ich mich mit einem sechszehnjährigen Mädchen geprügelt (okay, sie war ein großmäuliges, freches Miststück und hätte es verdient gehabt, aber trotzdem). Dann habe ich, ohne es wirklich zu wollen, insgesamt zehn Shots geklaut… einfach nur, weil es so leicht war :/ Und das hat die Fahrt nach Hause (vier Stunden Zug, allein und volltrunken und depressiv, ein wirkliches Vergnügen) auch nicht besser gemacht.

Wirklich Anlass genug, mal auf die Bremse zu treten…

Die Fastenzeit endet am 30. März und ist im letzten Jahrhundert erfreulich frei interpretierbar geworden. Man muss nicht fasten im ursprünglichen Sinn, damit das zählt. Auch jeder andere Verzicht oder Verbesserungsvorschlag für das eigene Leben ist okay.

Daher: Während der Fastenzeit, so möchte ich es zumindest versuchen, darf ich nicht öfter als einmal die Woche feiern gehen. Damit handle ich sogar in bester katholischer Tradition, denn jeder Sonntag während der Fastenzeit ist fastenfrei. Da kuckt ihr! Davon hat meine Oma auch nie was gesagt.
Ich werde das aber so legen, wie ich Bock habe. Also vermutlich schon aufs Wochenende, aber nicht gerade auf Sonntag.
Auch Süßigkeiten sollen verbannt sein. Und dazu eben Ernährungsumstellung mit fünfmal am Tag essen, wenig Fett und Kohlehydrate etc. pp.
Zusätzlich dazu, weil das so gut geklappt hat: Sport. Dazu passt, dass endlich Semesterferien sind und ich genügend Zeit habe, um so richtig durchzustarten und auch die Kurse zu besuchen, die zuvor zeitlich wegen der Uni nicht passten. In dieser Hinsicht bin ich hochmotiviert, denn bereits nach meiner ersten Powerwoche ging es mir fantastisch… von einem kleinen Abstecher ins Krankenhaus abgesehen *hust* Aber davon erzähle ich auch noch.

Ich habe mir mal eine Liste gemacht mit allen Sportangeboten von Fitnessstudio und Uni, die ich potentiell besuchen könnte.  Das Ergebnis ist geradezu angsteinflößend. Theoretisch könnte ich zwanzig Stunden die Woche mit Sportkursen füllen (es wäre sogar noch mehr, wenn sich nicht manches überschneiden würde). Das entspricht ca. 16 Kursen, dazu gehört Badminton, Aerobic (verschiedene Angebote im Fitti sowie an der Uni), Zumba (auch hier Fitti und Uni), Kickboxen, Fußball, Bodyforming etc.

Njoah. Das ist ja schon ein bisschen viel, ne. So für den Anfang und überhaupt. Außerdem werde ich wegen der Arbeit auch nicht immer so ganz fit sein. Nur: Wie viel soll ich mir aufhalsen veranschlagen?

Ich sage knallhart: 10 Stunden. Weil Ferien sind. Und ich ohnehin in der Zeit, in der ich zuhause bin, nichts ordentliches mache, auch wenn ich tatsächlich mehr als genug für die Uni zu tun hätte, selbst bzw. vor allem jetzt in den Ferien. Das kann böse werden, aber ich kann es auf jeden Fall schaffen. Zumindest jetzt mal als Versuch in der Fastenzeit (danach ist ja eh bald wieder Uni).

So, meine Fasten-Vorsätze also nochmal in der Zusammenfassung:

– Ernährungsumstellung nach dem bekannten Prinzip
– nix Süßes
– Alkohol und Feiern nur einmal die Woche
– Super-Power-Sportprogramm

Die Ernährungsumstellung wurde schon in die Wege geleitet (den Aschermittwoch feierte ich mit Äpfeln, Erbeer-Joghurt-Shake und Brühe, als Einstieg), das Sportprogramm beginnt dagegen erst nächste Woche, da ich gestern und heute damit beschäftigt war, diversen Dozenten nachzurennen und das Wochenende komplett arbeiten muss.

Mal sehen, ob das was wird. Bis zum Ende der Fastenzeit werde ich euch jeden Fastensonntag die neusten Entwicklungen mitteilen 😉

PS: Ach ja, heute ist/war ja Valentinstag. MEIN Gegenteiltag:

Ach, Quatsch… ich wünsche dem Geiste dieses Tages entsprechend allen lieben Menschen, die mich lesen, viel Liebe und Freude in ihrem Leben.

Außer meinem Ex, dem wünsche ich hartnäckige Diarrhoe.

Ein Fitnessstudio wäre so schön, wenn nur der ganze Sport und die Leute nicht wären. – Teil 1: Absolute Beginners

I did it! Ich habe mich tatsächlich in diesem neuen Fitnessstudio angemeldet, über das ich schon berichtet habe.

Das ist zwar jetzt schon etwas länger her, aber das hält mich dennoch nicht ab, davon zu schreiben (warum auch?).

Anfang Januar stiefelte ich also mit Tim, dem Typen, bei dem ich immer wasche, Richtung Fitnessstudio. Wie vorher am Telefon abgeklärt lief die Anmeldung absolut problemlos – und auch sehr witzig.

An dieser Stelle möchte ich mal eines ganz scharf betonen: Den Tim halte ich mir nicht nur deswegen warm, weil ich bei ihm waschen kann. Tim hat sich zu einem meiner allerbesten Kumpels gemausert. Ich liebe diesen Wuschelkopp! – und zwar auch (aber nicht nur) deswegen, weil er in Sachen „Peinlichkeit“ absolut schmerzbefreit ist.

Okay, das ist nicht immer angenehm. Sitzen wir zusammen im Kino und er macht mit lauter Stimme Bemerkungen über die doofe Werbung, und zwar ABSICHTLICH so, dass es jeder hört, dann krieche ich gerne in den Sitz und mache mich unsichtbar. Andere Aktionen dagegen machen das wieder wett. Wenn er mit ausdruckslosem Gesicht auf dem Kinosessel Platz nimmt, seinem perplexen Nebenmann die Hand reicht und stoisch sagt: „Hallo, ich bin Tim und ich bin Ihr Sitznachbar für die heutige Vorstellung“ – sorry, aber wie höllencool ist das denn bitte?

Aus diesem Grund war ich auch froh, dass er sich entschlossen hatte, mich beim Trainieren zu begleiten. Direkt bei der Anmeldung lockerte er die Stimmung bis zum Anschlag auf. Die beiden jungen Angestellten im Fitnessstudio (wohl studentische Aushilfen) waren erst verwirrt, dann amüsiert, schließlich entzückt!
Wir mussten einen Fragebogen ausfüllen, auf dessen Basis man für uns einen Trainingsplan erstellen würde (was schon direkt tausendmal mehr ist, als das andere Fitnessstudio, die ominöse Kette, bei der ich gewesen bin, jemals für seine Mitglieder geleistet hat). Neben logischen Fragen nach Alter, Geschlecht, Größe und Gewicht wurden auch chronische Erkrankungen (nope) oder Medikamente (da kam mein Schilddrüsenzeug hin) abgefragt. Schließlich wurde man nach seinem Ziel befragt (ich schrieb großspurige 15 Kilo Gewichtsverlust hin).

Bei dieser Frage angekommen wandte sich Tim wieder an die Angestellten hinter dem Tresen: „Kann ich „die Weltherrschaft erlangen“ als Trainingsziel hinschreiben?“
Die Angestellten quietschten vor Vergnügen und ich zollte Tim ob dieses Witzes einen anerkennenden stolzen Seitenblick.

Schließlich überreichten wir unsere ausgefüllten Fragebögen. „Ich weiß nicht, ob das wichtig ist, aber ich habe einfach mal dazu geschrieben, dass ich Epileptiker bin,“ meinte Tim noch.

Darauf der Tresentyp vergnügt: „Haha – ja, genau!“

Zwei verwirrte Augenpaare starrten den Kerl an. „Äh – er hat wirklich Epilepsie,“ wandte ich vorsichtig ein, als mir klar wurde, dass der Typ das für einen Spruch (wäre es einer gewesen, dann allerdings ein selten dämlicher) gehalten hatte. Woraufhin dessen gut gelaunte Miene in sich zusammen stürzte. Was dann wiederum ziemlich witzig war.

Naja – mit diesem kleinen Intermezzo hatten wir immerhin schon direkt mal unseren Bekanntheitsgrad gesteigert. Danach war es Zeit, erstmals ins Training hinein zu schnuppern.

Nachdem wir uns umgezogen hatten, trafen wir uns vor dem Schwarzen Brett, studierten die Angebote und trugen uns auch gleich für das betreute Einführungstraining durch den Chef persönlich ein. Und als wir da noch gerade so unschlüssig herum standen, lernten wir auch gleich die Cheftrainerin kennen, die im Raum nebenan ein paar Fitnesswütige durch den Raum jagte.
„Ey, wie siehts aus?! Kommt ihr gleich zum Bauchwegkurs?! Alles klar, supi!!!“ Sprachs, und war schon wieder verschwunden.

Tim und ich wechselten bestürzte Blicke. Die hyperaktive Dame (kaum größer als ich, aber nur ein Drittel so breit) erweckte in mir sofort einen Fluchtreflex, aber sie ließ uns nicht entkommen. Kaum war der laufende Kurs beendet, scheuchte sie uns in den Kursraum, wo wir gleich erste Erfahrung mit ihren Trainingsmethoden machten.

Ich kann nur sagen: Au. Das einzig positive am Bauchwegkurs ist, dass es eigentlich kein richtiger Kurs ist, sondern nur ein fünfzehnminütiges Power-Workout für den (noch imaginären) Sixpack.
Noch nie dauerte eine Viertelstunde länger. Wirklich wahr. In diesen höllischen 15 Minuten nutzte ich meine verkümmerten Bauchmuskeln mehr als sonst in einem ganzen Monat. Situps, Ganzkörperstütze, Kerze etc.pp. – am Ende lag ich flach auf der Trainingsmatte und konnte kaum noch röcheln!

Eigentlich hatte ich ja geglaubt, ich wäre trotz ein paar Kilo mehr auf der Waage, meiner Raucherei und dem gelegentlich ausschweifenden Alkoholkonsum noch relativ fit für mein Alter – aber MEINE Fresse! Ich bin nicht nur nicht fit, ich habe auch nicht halb so viel Kraft, wie ich gedacht habe!
Einziges Trostpflaster, so traurig sich das anhört: Tim erging es noch schlechter, auch wenn er tapfer durch- und den Mund verschlossen hielt. Dafür jammerte ich für uns beide.

Nach dieser Viertelstunde in der Hölle wurden wir dann auch noch genötigt, beim folgenden Stepaerobic-Kurs mitzumachen. Eigentlich hatte ich mich darauf sogar sehr gefreut. Ich glaubte, das wäre besonders effektiv für einen knackigen Hintern und die Oberschenkel (leider meine größte Problemzone), während man gleichzeitig Kalorien verbrennt wie blöd und mit vielen anderen Menschen mit gleichen Problemen einen Haufen Spaß hat.

Naja. Ich mache es kurz: Effektiv ist es bestimmt. Aber dafür muss man erst mal die Bewegungen hinkriegen!!
Es begann ganz leicht. Wir arbeiteten mit Steppern und so fing es auch ziemlich lasch mit „linkes Bein – rechtes Bein“ an. Also einmal hoch, wieder runter, anderes Bein hoch, wieder runter. Easy, ne.
Aber schon nach zehn Minuten konnte ich nur noch rumstehen und hilflos glotzen. Und wenn ich mich so umsah, war ich nicht die Einzige! „Linkes Bein Drehung Step Sidestep Drehung Kick rechtes Bein Drehung Kick Step Kick Step Step und ARME HOCH!“ – AAAAHHHH!!! Was tut diese Frau da!?

Während ich und, wie gesagt, ein paar andere Neuzugänge erstarrt waren und ich mir wie die absolute Bewegungsspastikerin vorkam, wirbelten vor meinen Augen die Leute durch den Raum und schmissen dabei ihre Beine schneller in die Luft als das menschliche Auge wahrnehmen kann. Krasser Scheiß!! Und das soll SPORT sein?!
Ab und zu erwischte ich einen leichten Teil der Choreo, aber mehr als drei Takte schaffte ich nie, mitzuhalten, bevor wieder irgendeine total abgespacte Drehung kam und ich es gerade noch so verhindern könnte, als japsendes Bündel mit gebrochenen Beinen auf den Boden zu sinken.
Und was tat Tim neben mir?! Der wirkte auch recht verzweifelt – tanzte aber den Großteil der Choreographie beherzt mit!!

„Warum KANNST du das?!“ zischte ich irgendwann verdattert.
„Naja, ich hab mal Jazztanz gemacht,“ gestand er mir leicht verschämt. Boah, wenn ich nicht schon gewusst hätte, dass er bi ist…!!

Das Tempo steigerte sich allerdings noch weiter und irgendwann war der Ofen aus, auch für Tim. Step Aerobic – no way!! Der menschliche Geist ist für solche Belastungen nicht geschaffen – jedenfalls nicht meiner!

„Ach, ihr wollt gehen? Naja, am Anfang ist es schon ziemlich schwer, wenn man das noch nie gemacht hat,“ tröstete uns die Trainerin. Und erzählte uns dann mal eben so nebenbei, dass dieser Kurs sich an Menschen in der Grauzone zwischen „Fortgeschrittene“ und „Profi“ richtete! Insgesamt gibt es nämlich VIER Stepaerobic-Kurse – und das war der dritte!

Ich: „Gaaaaaah!!!“

Damit war beschlossen, zu einem anderen Zeitpunkt wieder zu kehren, wenn sich das Training eher an die Menschen richtet, die nicht vorhaben, bei den nächsten Olympischen Spielen in Step-Aerobic anzutreten!